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Schwabe war noch immer argwöhnisch.»Wie ich schon sagte, haben wir keine Unterlagen über eine Dorothy Blythe.«

«Was ist mit ihm passiert?«fragte sie fassungslos.

«Er wurde vor einer Woche überfallen und niedergeschossen. Vermutlich von einem Straßenräuber.«

Der Mann in dem billigen Anzug kam einen Schritt näher.»Können Sie sich irgendwie ausweisen?«

«Wer zum Teufel sind Sie?«fuhr sie ihn laut an.

«Er gehört zum Sicherheitsdienst«, sagte Schwabe.

«Was gibt es hier zu sichern?«fragte sie sogar noch lauter.»Ist das hier eine Anwaltskanzlei oder ein Gefängnis?«

Der Partner sah den Mann in dem billigen Anzug an, und es war offensichtlich, dass keiner von beiden so recht wusste, was er in dieser Situation tun sollte. Sie sah sehr gut aus, sie hatten sie verärgert, und ihre Geschichte klang irgendwie glaubhaft. Sie entspannten sich ein wenig.

«Vielleicht sollten Sie lieber gehen, Ms. Blythe«, sagte Schwabe.

«Mit Vergnügen!«

Der Wachmann wollte ihr helfen.»Hier entlang«, sagte er.

Sie schob ihn beiseite.»Wenn Sie mich anrühren, wird morgen früh meine erste Handlung darin bestehen, dass ich Sie verklage. Gehen Sie mir aus dem Weg!«

Das erschütterte sie ein wenig. Sie war wütend und schlug um sich. Vielleicht waren sie ein bisschen zu hart.

«Ich begleite Sie hinunter«, sagte der Wachmann.

«Ich finde allein hinaus. Mich wundert nur, dass Sie überhaupt noch Mandanten haben. «Sie bewegte sich rückwärts. Ihr Gesicht war gerötet, aber nicht vor Wut. Es war Angst.»Ich habe Anwälte in vier Staaten und bin noch nie so behandelt worden«, schrie sie sie an. Sie war in der Mitte des Foyers.»Voriges Jahr habe ich eine halbe Million Anwaltskosten bezahlt, und dieses Jahr wird es eine ganze Million sein, aber dieser Laden hier wird keinen Cent davon sehen. «Je näher sie dem Fahrstuhl kam, desto lauter schrie sie. Sie sahen ihr nach, bis sich die Fahrstuhltür geschlossen hatte und sie verschwunden war.

Gray wanderte mit dem Telefon in der Hand am Fußende des Bettes herum und wartete auf Smith Keen. Darby hatte sich auf dem Bett ausgestreckt und die Augen geschlossen.

Gray blieb stehen.»Hallo, Smith. Ich möchte, dass Sie ganz schnell etwas überprüfen.«

«Wo sind Sie?«fragte Keen.

«In einem Hotel. Gehen Sie sechs oder sieben Tage zurück.

Ich brauche die Todesanzeige von Curtis D. Morgan.«

«Wer ist das?«

«Garcia.«

«Garcia! Was ist mit Garcia passiert?«

«Er ist offensichtlich tot. Von Straßenräubern erschossen.«

«Daran erinnere ich mich. Wir haben vorige Woche einen Bericht über einen jungen Anwalt gebracht, der ausgeraubt und erschossen wurde.«

«Das muss er gewesen sein. Können Sie für mich nachs ehen? Ich brauche den Namen und die Adresse seiner Frau, falls wir sie haben.«

«Wie haben Sie ihn gefunden?«

«Das ist eine lange Geschichte. Wir wollen versuchen, noch heute abend mit seiner Witwe zu sprechen.«

«Garcia ist tot. Mann, das ist gespenstisch.«

«Das ist mehr als gespenstisch. Der Mann hat etwas gewusst, und sie haben ihn um die Ecke gebracht.«

«Und Sie — sind Sie in Sicherheit?«

«Wer weiß?«

«Wo ist die Frau?«

«Hier bei mir.«

«Was ist, wenn sie sein Haus beobachten?«

Daran hatte Gray noch nicht gedacht.»Das Risiko müssen wir eingehen. Ich rufe in einer Viertelstunde wieder an.«

Er stellte das Telefon auf den Fußboden und setzte sich in einen alten Schaukelstuhl. Auf dem Tisch stand warmes Bier, und er nahm einen großen Schluck. Er betrachtete sie. Ein Unterarm bedeckte beide Augen. Sie trug jetzt Jeans und ein Sweatshirt. Das Kleid hatte sie in eine Ecke geworfen, die Schuhe mit den hohen Absätzen von sich geschleudert.

«Sind Sie okay?«fragte er leise.

«Mir geht es wunderbar.«

Sie war ungeheuer schlagfertig, und das gefiel ihm. Natürlich, sie war fast Anwältin, und vermutlich wurde ihnen an der Universität Schlagfertigkeit beigebracht. Er trank Bier und bewunderte die Jeans. Er genoss es, sie anstarren zu können, ohne dabei erwischt zu werden.

«Starren Sie mich an?«fragte sie.

«Ja.«

«Sex ist das letzte, was mich im Moment interessiert.«

«Warum erwähnen Sie es dann?«

«Weil ich das Gefühl habe, dass es Sie nach meinen roten Zehennägeln gelüstet.«

«Stimmt.«

«Ich habe Kopfschmerzen. Hundsgemeine Kopfschmerzen.«

«Die haben Sie sich redlich erarbeitet. Kann ich Ihnen irgend etwas bringen?«

«Ja. Ein Ticket nach Jamaika.«

«Sie können noch heute abend abreisen. Ich bringe Sie gleich jetzt zum Flughafen.«

Sie nahm den Unterarm von den Augen und massierte ihre Schläfen.»Tut mir leid, dass ich geweint habe.«

Er leerte die Bierdose mit einem langen Zug.»Sie haben sich das Recht dazu verdient. «Ihr Gesicht war tränenüberströmt gewesen, als sie aus dem Fahrstuhl trat. Er wartete auf sie wie ein werdender Vater, nur dass er eine.38er in der Tasche hatte, eine.38er, von der sie nichts wusste.

«Nun, was halten Sie von der Arbeit eines recherchierenden Reporters?«fragte er.

«Ich würde lieber Schweine schlachten.«

«Nun, ehrlich gesagt, nicht jeder Tag ist so ereignisreich. An manchen Tagen sitze ich nur an meinem Schreibtisch und rufe

Hunderte von Bürokraten an, die mir alle nichts sagen.«

«Hört sich großartig an. Lassen Sie uns das morgen tun.«

Er streifte seine Schuhe ab und legte die Füße aufs Bett. Sie schloss die Augen und atmete tief. Minuten vergingen ohne ein weiteres Wort.

«Haben Sie gewusst, dass man Louisiana den Pelikan-Staat nennt?«fragte sie mit geschlossenen Augen.

«Nein, das habe ich nicht gewusst.«

«Im Grunde ist es eine Schande, weil die Braunpelikane Anfang der 60er Jahre praktisch ausgerottet wurden.«

«Was passierte mit ihnen?«

«Pestizide. Sie fressen nur Fische, und die Fische leben in Flusswasser voll von Pestiziden. Der Regen spült die Pestizide vom Land in kleine Bäche, und von dort gelangen sie in größere Flüsse und schließlich in den Mississippi. Wenn dann die Pelikane in Louisiana die Fische fressen, sind sie voll von DDT und anderen Chemikalien, die sich im Fettgewebe der Vögel ablagern. Das führt nur selten sofort zu ihrem Tod. Aber in Stresszeiten, zum Beispiel bei Nahrungsknappheit oder schlechtem Wetter, sind die Pelikane und Adler und Kormorane gezwungen, auf ihre Reserven zurückzugreifen. Dabei werden sie buchstäblich von ihrem eigenen Fett vergiftet. Wenn sie nicht daran sterben, sind sie in der Regel unfähig, sich fortzupflanzen. Die Schalen ihrer Eier sind so dünn und empfindlich, dass sie beim Bebrüten zerbrechen. Haben Sie das gewusst?«

«Woher sollte ich das wissen?«

«Ende der sechziger Jahre hat man in Louisiana damit begonnen, Braunpelikane aus Südflorida anzusiedeln, und im Lauf der Jahre hat sich die Population langsam wieder vergrößert. Aber die Vögel sind nach wie vor stark gefährdet. Vor vierzig Jahren gab es Tausende von ihnen. Die Zypressensümpfe, die Mattiece vernichten möchte, sind die Heimat von nur ein paar Dutzend Pelikanen.«

Gray dachte über diese Dinge nach. Sie schwieg lange Zeit.

«Welchen Tag haben wir heute?«fragte sie schließlich, ohne die Augen zu öffnen.

«Montag.«

«Heute vor einer Woche habe ich New Orleans verlassen. Heute vor zwei Wochen haben Thomas und Verheek zusammen gegessen. Und das war der schicksalsträchtige Moment, in dem das Pelikan-Dossier weitergegeben wurde.«

«Morgen ist es drei Wochen her, dass Rosenberg und Jensen ermordet wurden.«

«Ich war eine unschuldige kleine Jurastudentin, die sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte und ein wundervolles Verhältnis mit ihrem Professor hatte. Aber diese Zeiten sind vermutlich vorbei.«