Выбрать главу

Er kam auf die Veranda und machte die Tür hinter sich zu.»Sie scheinen schwerhörig zu sein. Ich sagte, sie möchte mit niemandem reden.«

«Ich habe gehört, was Sie sagten, Mr. Kupcheck. Ich weiß, was sie durchgemacht hat, und ich respektiere ihr Privatleben.«

«Seit wann respektiert ihr Reporter irgend jemandes Privatleben?«

Offensichtlich hatte Mr. Kupcheck eine sehr kurze Leitung. Und sie war nahe daran durchzubrennen.

Gray blieb ruhig. Darby wich zurück. Für einen Tag hatte sie genug Wortwechsel gehabt.

«Ihr Mann hat mich vor seinem Tod dreimal angerufen. Ich habe am Telefon mit ihm gesprochen, und ich glaube nicht, dass sein Tod ein Zufall war und dass er von einem Straßenräuber umgebracht wurde.«

«Er ist tot. Meine Tochter ist mit ihren Nerven am Ende. Sie will mit niemandem reden. Und nun verschwinden Sie.«

«Mr. Kupcheck«, sagte Darby eindringlich,»wir haben Grund zu der Annahme, dass Ihr Schwiegersohn Zeuge einer organisierten kriminellen Aktivität war.«

Das machte ihn etwas ruhiger, und er musterte Darby.»Ach, wirklich? Aber ihm können Sie keine Fragen mehr stellen. Und meine Tochter weiß von nichts. Sie hatte einen schlechten Tag und hat Medikamente bekommen. Also gehen Sie bitte.«

«Können wir sie morgen sprechen?«fragte Darby.

«Das bezweifle ich. Rufen Sie vorher an.«

Gray reichte ihm eine Visitenkarte.»Wenn Sie reden möchte, soll sie mich unter der Nummer auf der Rückseite anrufen. Ich wohne zur Zeit in einem Hotel. Ich rufe morgen gegen Mittag wieder an.«

«Tun Sie das. Aber jetzt verschwinden Sie. Sie haben s.e schon jetzt aufgeregt.«

«Das tut mir leid«, sagte Gray, während er die Veranda verließ. Mr. Kupcheck öffnete die Tür, beobachtete aber ihr Fortgehen. Gray drehte sich zu ihm um.»War irgendein anderer Reporter bei Ihnen, oder hat jemand angerufen?«

«Einen Tag, nachdem er umgebracht wurde, hat ein ganzer Haufen angerufen. Sie wollten alles mögliche wissen. Unverschämte Bande.«

«Aber keiner in den letzten paar Tagen?«

«Nein. Und jetzt verschwinden Sie endlich.«

«Jemand von der New York Times?«

«Nein. «Er trat ins Haus und knallte die Tür zu.

Sie eilten zu dem vier Häuser weiter geparkten Wagen. Auf der Straße herrschte keinerlei Verkehr. Gray fuhr kreuz und quer durch die kurzen Vorortstraßen und bahnte sich im Zickzack seinen Weg aus dem Viertel heraus. Er schaute unablässig in den Rückspiegel, bis er ganz sicher war, dass sie nicht verfolgt wurden.

«Ende der Spur Garcia«, sagte Darby, als sie auf die 395 einbogen und auf die Innenstadt zufuhren.

«Noch nicht. Wir unternehmen morgen noch einen letzten verzweifelten Versuch, und vielleicht können wir dann mit ihr reden.«

«Wenn sie etwas wüsste, hätte sie es ihrem Vater gesagt. Und wenn ihr Vater Bescheid wüsste, wäre er nicht so unkooperativ gewesen. Da ist nichts zu holen, Gray.«

Das leuchtete ein. Sie fuhren ein paar Minuten schweigend weiter. Die Erschöpfung setzte ein.

«Wir können in einer Viertelstunde am Flughafen sein«, sagte er.»Ich setze Sie dort ab, und in einer halben Stunde können Sie abfliegen. Nehmen Sie die nächste Maschine, ganz gleich wohin. Hauptsache, Sie verschwinden.«

«Ich fliege morgen ab. Ich brauche ein bisschen Ruhe, und ich möchte darüber nachdenken, wo ich hin will. Danke.«

«Fühlen Sie sich sicher?«

«Im Augenblick, ja. Aber das kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern.«

«Ich könnte heute nacht in Ihrem Zimmer schlafen. Genau wie in New York.«

«In New York haben Sie nicht in meinem Zimmer geschlafen, sondern auf einer Couch im Wohnzimmer. «Sie lächelte, und das war ein gutes Zeichen.

Er lächelte ebenfalls.»Okay. Dann schlafe ch heute nacht eben im Wohnzimmer.«

«Ich habe kein Wohnzimmer.«

«Und wo kann ich dann schlafen?«

Plötzlich lächelte sie nicht mehr. Sie biss sich auf die Lippe, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Er war zu schnell vorgeprescht. Es war wieder Callahan.

«Ich bin einfach noch nicht so weit.«

«Und wann werden Sie so weit sein?«

«Gray, bitte. Lassen wir das.«

Sie beobachtete den Verkehr vor ihnen und schwieg.»Es tut mir leid«, sagte er.

Langsam ließ sie sich auf den Sitz sinken und legte den Kopf in seinen Schoß. Er rieb sanft ihre Schulter, und sie umklammerte seine Hand.

«Ich habe fürchterliche Angst«, sagte sie leise.

NEUNUNDDREISSIG

Er hatte ihr Zimmer gegen zehn verlassen, nach einer Flasche Wein. Er hatte Mason Paypur angerufen, den NachtPolizeireporter der Post, und ihn gebeten, sich bei seinen Informanten über den Mord an Morgan zu erkundigen. Es war in der Innenstadt passiert, in einer Gegend, die nicht für Morde berüchtigt war und in der nur gelegentlich jemand überfallen und verprügelt wurde.

Er war müde und mutlos. Und unglücklich, weil sie morgen abreisen würde. Die Post schuldete ihm sechs Wochen Urlaub, und er war versucht, sie zu begleiten. Mattiece konnte sein Öl haben. Aber er hatte Angst, dass er nie zurückkommen würde. Das bedeutete für ihn zwar nicht das Ende der Welt, aber ihn störte der Gedanke, dass sie Geld hatte und er nicht. Mit seinem Geld konnten sie ungefähr zwei Monate am Strand entlang wandern und die Sonne genießen, dann würde sie an der Reihe sein. Und, was wichtiger war, sie hatte ihn nicht eingeladen, sie zu begleiten. Sie trauerte. Er konnte ihren Schmerz spüren, wann immer sie Thomas Callahan erwähnte.

Jetzt war er im Jefferson Hotel an der Sechzehnten, nach ihren Anweisungen natürlich. Er rief Cleve zu Hause an.

«Wo stecken Sie?«fragte Cleve verärgert.

«In einem Hotel. Das ist eine lange Geschichte. Was liegt an?«

«Sie haben Sarge krankheitshalber für neunzig Tage beurlaubt.«

«Was fehlt ihm?«

«Nichts. Er sagt, sie wollen ihn für eine Weile aus dem Haus haben. Dort geht es zu wie in einem Bunker. Alle Leute wurden angewiesen, den Mund zu halten und mit niemandem zu reden. Sie haben eine Heidenangst. Sarge musste heute mittag gehen. Er glaubt, dass Sie in großer Gefahr sind. Er hat in der letzten Woche Ihren Namen tausendmal gehört. Sie sind besessen von Ihnen und davon, wieviel Sie wissen.«

«Wer sind sie?«

«Coal natürlich, und sein Stellvertreter Birchfield. Sie regieren das Weiße Haus wie die Gestapo. Manchmal ist es auch dieser — wie heißt er doch gleich — dieses kleine Frettchen mit der Fliege? Interne Angelegenheiten.«

«Emmitt Waycross.«

«Genau der. Aber in erster Linie sind es Coal und Birchfield, die die Drohungen ausstoßen und die Strategie planen.«

«Was für Drohungen?«

«Niemand im Weißen Haus, der Präsident ausgenommen, darf ohne Coals Zustimmung mit der Presse reden, weder offiziell noch inoffiziell. Das gilt auch für den Pressesprecher. Coal zensiert alles.«

«Das ist ja unglaublich.«

«Sie haben Angst. Und Sarge meint, sie wären gefährlich.«

«Okay. Ich bin untergetaucht.«

«Ich war gestern am späten Abend bei Ihrer Wohnung. Ich wollte, Sie sagten mir Bescheid, bevor Sie verschwinden.«

«Ich melde mich morgen abend wieder.«

«Was fahren Sie?«

«Einen gemieteten viertürigen Pontiac. Sehr sportlich.«

«Ich habe heute nachmittag den Volvo überprüft. Alles in Ordnung.«

«Danke, Cleve.«

«Und Sie sind okay?«

«Ich denke schon. Sagen Sie Sarge, dass es mir gut geht.«»Rufen Sie mich morgen an. Ich mache mir Sorgen.«

Er schlief vier Stunden und war wach, als das Telefon läutete. Draußen war es dunkel, und das würde es noch mindestens zwei Stunden bleiben. Er betrachtete das Telefon und nahm nach dem fünften Läuten den Hörer ab.

«Hallo?«sagte er argwöhnisch.