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»In ihrem Pellet war kein Anabolikum. Es war einfach nur etwas zu essen«, sagte Zwei.

»Aber die Art, wie sie gepaddelt hat«, wandte Jonas ein, »als sie das Markerkanu einholen wollte .«

»Sie war einfach nur entschlossen. Sehr, sehr dickköpfig und wild entschlossen«, sagte Zwei. »Genau wie du, als die Pellets aufgetaucht sind. Du warst so entschlossen, mir eins auszuwischen, indem du sie nicht isst, dass du sogar deinen Hunger vergessen hast. Und das hat dir über die Runden geholfen, bis es den Fisch gab.«

Jonas zuckte zusammen. Zwei hatte völlig recht. Genauso hatte er sich gefühlt.

»Ich muss zugeben, dass ich das Pellet, das Andrea, wie ich wusste, mit Sicherheit John White geben würde, ein wenig präpariert habe«, gestand Zwei. »Es enthielt ein Betäubungsmittel, um sicherzustellen, dass er nicht zu früh aufwacht. Und obwohl ihm die Arznei aus dem Pellet geholfen hat, hat sie es erst einmal so aussehen lassen, als ob es ihm schlechter ginge.«

Jonas blieb der Mund offen stehen.

»Warum haben Sie das getan? Andrea war so in Sorge um ihren Großvater!«, protestierte er.

»Und so überzeugt davon, dass er unbedingt mit seinem Marker zusammenbleiben muss«, fügte Zwei hinzu und grinste wieder. »Letztendlich war es zu ihrem eigenen Besten.«

Jonas sah ihn wütend an.

»Und was ist mit den Farbtöpfen, die Sie in der Hütte zurückgelassen haben?«, fragte Katherine. »Was sollte das?«

»Nun ja . John White kann die Farben gebrauchen, weil ein paar seiner eigenen durch das Salzwasser Schaden genommen haben«, erklärte Zwei. »Aber vor allen Dingen hat ihr Auftauchen Jonas so wütend gemacht, dass er Roanoke um jeden Preis verlassen wollte, selbst wenn er dafür einen Baum hätte aushöhlen müssen.« Zwei kicherte nicht eben freundlich. »Männliche Teenager sind wirklich leicht zu manipulieren.«

Das machte Jonas noch wütender. Wenn die Farbtöpfe nicht gewesen wären, hätte er sich mehr Gedanken darüber gemacht, ob es wirklich so wichtig war, John White mit seinem Marker zusammenzulassen. Dann hätte er selbst mehr über das große Ganze nachgedacht.

Wahrscheinlich hat Zwei vorhergesagt, dass ich jetzt wütend bin, schäumte er innerlich. Er zwang sich, den Anschein von Gelassenheit zu erwecken.

»Irgendwas ist an der Sache immer noch seltsam«, murmelte Katherine.

»Stimmt . Was war los, als Antonio in die Zeit zurückgekehrt ist?«, fragte Jonas. »Als er . auf mich drauffiel. Ich wette, davon hat HK nichts gewusst und er hat es weder gewollt noch erlaubt. Das war verkehrt, hab ich recht?«

»Verkehrt würde ich nicht sagen«, meinte Zwei. Zum ersten Mal wirkte sein Blick unstet und er vermied es, Jonas in die Augen zu sehen. »Es war ein wenig unkonventionell . ein klitzekleines Risiko . Na schön, diese

Art von Wiedereintritt ist noch nie ausprobiert worden. Man nennt es einen Zeitschlag. Es war die einzige Möglichkeit, die Zeit gerade so weit auszudehnen, dass es zu einer Verschiebung kommt und die Verbindung zwischen Brendan und Antonio und ihren Markern gelockert wird ...«

Ich traue ihren Markern nicht, hatte Katherine erst am Abend zuvor gesagt. Sie hatte recht gehabt. Sie waren nicht vertrauenswürdig. Aber das war wirklich nicht ihre Schuld.

»Also habe ich mit der Zeitverschiebung einen kleinen Zeitschlag ausgelöst. Was gibt euch das Recht, mich dafür an den Pranger zu stellen?«, fragte Zwei. »Es ist doch alles wunderbar! John White trifft endlich seine Enkeltochter! Und alles findet ein glückliches Ende!«

»Ist das ein Ende - oder erst der Anfang?«, wollte Katherine wissen.

»Oh, sehr gut!« Wieder strahlte Zwei. »Du hast ja so recht. Selbst durch diese eine winzige Veränderung ergeben sich so viele Möglichkeiten . Jetzt, wo seine Enkelin bei ihm ist, hat John White einen Grund, weiterzuleben. Gesund zu werden. Und er wird weiterzeichnen. Schon in sieben Jahren wird es einen neuen englischen Siedlungsversuch in Jamestown geben. Was ist, wenn John Whites neue Zeichnungen nach Jamestown gelangen und von dort nach England? Wenn sie dazu beitragen, die Sicht der Engländer auf Amerika zu verändern? Wenn John White und Virginia Dare in Jamestown mithelfen die Kluft zwischen Engländern und Ureinwohnern besser zu überbrücken als eine Horde schießwüti-ger, hungriger Soldaten? Wenn es auf beiden Seiten endlich so etwas wie Respekt gäbe?«

Jonas sah wieder zu Andrea und den anderen hinüber. Ihm stockte der Atem.

»Und was ist, wenn Ihre wunderbare Zeitverschiebung alles ruiniert?«, fragte er.

Er streckte den Arm aus.

Andrea war noch immer über ihren Großvater gebeugt und berührte zärtlich sein Gesicht. Brendan und Antonio standen in nächster Nähe und sahen mit ernsten Gesichtern auf das wiedervereinte Paar. Das war nicht allzu seltsam. Vielleicht waren die vier von diesem Augenblick so erschüttert, dass sie einfach innehalten und sich für längere Zeit nicht bewegen wollten. Doch es waren nicht nur sie, die regungslos verharrten. Dares Leib hing gekrümmt und im Sprung erstarrt über dem Kanu. Ein über sie hinwegfliegender Vogel verharrte mit ausgebreiteten Flügeln, aber völlig bewegungslos in der Luft. Selbst die Wellen hinter dem Kanu schwappten nicht länger auf den Sand, ihre Kämme und Täler waren erstarrt und regungslos. Es war völlig unmöglich und dennoch wahr: Abgesehen von der kleinen Gruppe aus Jonas, Katherine und Zwei war die ganze Welt stehen geblieben.

Zweiundvierzig

»Ach, das«, sagte Zwei. »Das ist nur vorübergehend. Seht ihr?«

Er rieb über die Oberfläche des Dings, das Jonas für eine Stoppuhr gehalten hatte. Auf einmal hörte er die Brandung wieder auf den Sand klatschen. Der Vogel segelte auf und davon. Dare landete neben Andrea im Sand und rieb den Kopf an ihrem Bein. Er sah zu ihr auf, als warte er darauf, gestreichelt zu werden.

Brendan, Antonio und John White lachten.

»Unser vierbeiniger Freund vergöttert dich«, sagte John White.

Jonas wandte seine Aufmerksamkeit wieder Zwei zu.

»Das ist ein Definator, den Sie da in der Hand halten, nicht?«, fragte er und deutete auf den uhrenartigen Gegenstand. »Sie können mit einem Definator die Zeit anhalten?«

»Nicht wirklich«, erwiderte Zwei. »Es sieht für das ungeschulte Auge so aus. In Wirklichkeit habe ich uns drei aus der Zeit herausgenommen. Es ist wie - ihr seid doch mit HK schon in Zeittunneln gewesen? Und in der Höhle? Das hier ist das Gleiche, nur einfacher. Mit weniger

Aufwand und weniger Verschleiß. Wir verstecken uns einfach zwischen den Nanosekunden.«

Jonas hörte nur halb zu und ließ den Definator nicht aus den Augen (ob geschult oder nicht). Kurz darauf steckte ihn Zwei wieder in die Tasche, ohne ihn noch einmal zu betätigen. Er zuckte die Achseln.

»Dann wollen wir uns mal anschauen, was als Nächstes passiert«, sagte er.

Im Kanu sah John White Andrea kopfschüttelnd an.

»Mein Geist war dieser Tage sehr verwirrt«, sagte er. »Ich habe von dir geträumt, mein Kind, ich träumte von deiner Stimme ...«

Andrea sagte nicht: Du meinst, weil ich seit zwei Tagen auf dich einrede habe, aber du zu weggetreten warst, um richtig zuzuhören? Oder um die Augen aufzumachen und mich zu sehen? Stattdessen warf sie die Zöpfe zurück und sagte: »Auch ich habe von dir geträumt, Großvater. Meine Mutter hat mir Geschichten über dich erzählt. Sie versprach, dass du alles tun würdest, um zurückzukommen.«

»Das habe ich«, murmelte ihr Großvater. »Und das tat ich.«

»Unglaublich«, flüsterte Zwei neben Jonas. »Die Zeit schafft es trotz der Verschiebung, sich anzupassen. Und der menschliche Verstand genauso. John White wird sich nie wieder fragen, warum er sich daran erinnern kann, Andrea schon gehört zu haben. Er wird für immer glauben, dass es einfach nur ein Traum war. Weil die Zeit es ihm nie erlaubt hätte, sie wirklich zu hören oder zu sehen und sie ohne ihren Marker zu erkennen.«