Выбрать главу

»Ich werde mich bei unserem Direktorium mit allem Nachdruck für die Kreditlinie einsetzen«, sagte Heyward entschlossen. »Und ich bin davon überzeugt, daß meine Kollegen zustimmen werden.«

Sein Golfpartner nickte kurz. »Gut.«

»Es würde meine Position natürlich verbessern, wenn ich unseren Direktoren mitteilen könnte, daß wir als Bank dann auch im Direktorium von Supranational vertreten sein würden.«

Big George fuhr den Golfkarren bis dicht an seinen Ball, den er eingehend studierte, bevor er antwortete. »Das ließe sich eventuell einrichten. Kommt es zustande, dann würde ich natürlich von Ihrer Treuhandabteilung erwarten, daß sie Geld in unseren Papieren anlegt. Es wird höchste Zeit, daß neue Käufe den Kurs anziehen lassen.«

Mit zunehmender Selbstsicherheit sagte Heyward: »Das Thema könnten wir untersuchen, zusammen mit anderen Angelegenheiten. Supranational wird dann natürlich ein aktives Konto bei uns haben, und es ergibt sich die Frage der Kompensation... «

Heyward wußte, daß sie jetzt den Ritualtanz zwischen Banker und Kunden vollführten. Er symbolisierte den Grundsatz der Lebensgemeinschaft Bank und Konzern: Kratzt du mir den Rücken, kratz' ich dir den Rücken.

G. G. Quartermain, der ein Eisen aus seiner AlligatorlederGolftasche zog, sagte gereizt: »Verschonen Sie mich mit den Einzelheiten. Mein Finanzmann, Inchbeck, kommt heute. Er fliegt morgen mit uns zurück. Da könnt ihr beiden euch ja zusammenhocken.«

Es gab keinen Zweifel; der kurze geschäftliche Teil des Tages war beendet.

Mittlerweile schien das diffuse Spiel des Hon. Harold seinen Partner angesteckt zu haben. »Sie können einen regelrecht verhexen«, beklagte sich Byron Stonebridge nach einem Schlag.

Und nach einem anderen sagte er: »Verdammt noch mal, Harold, Ihr Querschlagen ist ansteckend wie die Pest. Wer mit Ihnen spielt, sollte sich vorher impfen lassen.« Und aus irgendeinem Grund wurden Schwung, Schläge und Haltung des Vizepräsidenten schwächer, was unnötig Schläge kostete.

Da Austin sich trotz der Rüge nicht besserte, lagen Big George und Roscoe auch am siebzehnten Loch noch l in Führung. Das war G. G. Quartermain sehr recht, und er trieb seinen 1. Schlag vom 18. Abschlag ungefähr 250 Meter schnurgerade die Mitte der Spielbahn hinab, schuf die beste Voraussetzung, das Loch in Birdie zu spielen, und damit hatte seine Seite das Spiel gewonnen.

Sein Sieg hatte Big George in eine joviale Stimmung versetzt, und er packte Byron Stonebridge bei den Schultern. »Ich hoffe, das erhöht meinen Kredit in Washington.«

»Kommt drauf an, was Sie haben wollen«, sagte der Vizepräsident. Etwas spitz fügte er hinzu: »Und wie diskret Sie sind.«

Bei einem Cocktail in der Garderobe zahlten The Hon. Harold und Stonebridge G. G. Quartermain je einhundert Dollar - eine Wette, die sie vor Spielbeginn abgeschlossen hatten. Heyward hatte sich gegen das Wetten gesperrt, deshalb wurde ihm jetzt nichts ausgezahlt.

Großmütig sagte Big George: »Ihr Spiel hat mir gefallen, Partner.« Er wandte sich den anderen zu. »Ich meine, Roscoe hat eine Anerkennung verdient. Meinen Sie nicht auch?«

Sie nickten, und Big George schlug sich klatschend aufs Knie. »Ich hab's! Einen Sitz im Supranational-Direktorium. Gefällt Ihnen das als Preis?«

Heyward lächelte. »Sie scherzen wohl.«

Einen Augenblick lang verschwand das Lächeln vom Gesicht des SuNatCo-Vorsitzenden. »Wenn es um Supranational geht, scherze ich niemals.«

Erst jetzt begriff Heyward, daß Big George soeben auf diese Art ihr Gespräch von vorhin bestätigt hatte. Stimmte er jetzt zu, dann bedeutete das natürlich auch, daß er die anderen Verpflichtungen auf sich nahm...

Sein Zögern dauerte nur Sekunden. »Wenn es Ihr Ernst ist, dann nehme ich natürlich mit Freuden an.«

»Wir werden es nächste Woche bekanntgeben.«

Das Angebot war so blitzartig gekommen, und es war so atemberaubend, daß Heyward noch immer nicht so recht daran glauben konnte. Er hatte erwartet, daß man irgendeinen anderen Direktor der First Mercantile American Bank einladen werde, in das Supranational-Direktorium einzutreten. Selbst ausgewählt zu werden, und zwar persönlich von G. G. Quartermain, das war die äußerste Nobilitierung. Die SuNatCo-Direktoriumsliste las sich in ihrer jetzigen Zusammensetzung wie ein Gotha der Geschäfts- und Finanzwelt.

Big George lachte zufrieden, so als könne er Gedanken lesen. »Unter anderem können Sie dann ja das Geld Ihrer Bank im Auge behalten.«

Heyward sah, wie The Hon. Harold ihm einen fragenden Blick zuwarf. Als Heyward ganz leicht mit dem Kopf nickte, strahlte sein FMA-Direktoriumskollege über das ganze Gesicht.

8

Der zweite Abend in G. G. Quartermains Herrenhaus auf den Bahamas unterschied sich auf subtile Art von dem ersten. Alle acht Personen, die Männer und die Mädchen, schienen sich in gelöster Vertrautheit zu bewegen. Es herrschte eine Intimität der Stimmung, die am Abend zuvor gefehlt hatte. Roscoe Heyward bemerkte den Unterschied und meinte, auch den Grund dafür zu kennen.

Seine Intuition sagte ihm, daß Rhetta die vergangene Nacht mit Harold Austin verbracht habe und Krista mit Byron Stonebridge. Er hoffte nur, daß die beiden Männer nicht das gleiche auch von ihm und Avril annahmen. Er war sicher, daß sein Gastgeber es nicht tat; seine Bemerkungen vom Vormittag deuteten darauf hin, wahrscheinlich deshalb, weil man Big George über alles informierte, was in diesem Hause geschah beziehungsweise nicht geschah.

Die abendliche Versammlung - wieder am Schwimmbad und zur Dinnerzeit auf der Terrasse - verlief in angenehmster Stimmung. Roscoe Heyward gestattete es sich, entspannt und fröhlich daran teilzuhaben.

Er genoß ganz unverhohlen Avrils unverändert fortgesetzte Aufmerksamkeiten; das Mädchen verriet auch nicht durch das leiseste Zeichen, daß sie ihm die Zurückweisung vom Vorabend nachtrug. Da er sich selbst gegenüber den Beweis erbracht hatte, daß er ihren Versuchungen zu widerstehen vermochte, sah er nicht ein, warum er sich jetzt die angenehme Gesellschaft Avrils versagen sollte. Noch zwei andere Gründe gab es für seine euphorische Stimmung, nämlich die Zusicherung des Supranational-Geschäfts für die First Mercantile American Bank und die gänzlich unerwartete, strahlende Trophäe eines Sitzes im SuNatCo-Direktorium. Zweifellos würde beides dazu beitragen, sein eigenes Prestige innerhalb der FMA in bedeutendem Maße zu steigern und ihn seinem Ziel, der Anwärterschaft auf den Präsidentenstuhl der Bank, ein gutes Stück näher zu bringen.

Er hatte vorhin ein kurzes Gespräch mit dem Finanzdirektor von Supranational geführt, Stanley Inchbeck, der, wie Big George angekündigt hatte, prompt erschienen war. Inchbeck war ein geschäftiger New Yorker mit Stirnglatze, und er und Heyward waren übereingekommen, die Einzelheiten am nächsten Tag während des Rückflugs zu regeln. Abgesehen von seiner Besprechung mit Heyward, hatte Inchbeck fast den ganzen Nachmittag allein mit G. G. Quartermain hinter verschlossener Tür verbracht. Obwohl er sich doch allem Anschein nach irgendwo im Hause aufhalten mußte, erschien Inchbeck weder zum Cocktail noch zum Dinner.

Noch etwas anderes war Roscoe Heyward am frühen Abend aufgefallen. Vom Fenster seines Zimmers im ersten Stock hatte er gesehen, wie G. G. Quartermain und Byron Stonebridge, tief im Gespräch versunken, fast eine Stunde lang im Park spazierengingen. Sie waren zu weit vom Haus entfernt, als daß er ein Wort ihrer Unterhaltung hätte verstehen können, aber Big George schien überredend auf den anderen einzusprechen, und der Vizepräsident unterbrach ihn von Zeit zu Zeit, allem Anschein nach mit einer Frage. Heyward mußte unwillkürlich an die Bemerkung denken, die Big George am Morgen auf dem Golfplatz gemacht hatte, als er von seinem »Kredit in Washington« gesprochen hatte, und Heyward fragte sich, von welchen der vielen Supranational-Interessen jetzt wohl die Rede sein mochte; eine Frage, auf die er wahrscheinlich nie eine Antwort bekommen würde, wie er sich selber eingestand.