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»Siebenundzwanzig Kilometer entfernt, um genau zu sein«, hatte Alex gesagt. »Der Bankbeamte, mit dem Sie gesprochen haben, sitzt in einem Kontrollraum unserer Zentrale in der City. Von dort aus können er und andere direkte Verbindung mit jeder Bankfiliale aufnehmen, die an das Kabelfernsehen angeschlossen ist.«

Miss Peacock dachte nach. »Wie rasch verändert sich das Bankgeschäft eigentlich?«

»In technologischer Hinsicht entwickeln wir uns schneller als Luft- und Raumfahrt. Was Sie hier sehen, ist die wichtigste Neuerung seit Einführung des Girokontos, und in spätestens zehn Jahren werden die meisten Bankgeschäfte so abgewickelt werden.«

»Wird es dann wenigstens noch ein paar menschliche Kassierer geben?«

»Eine Zeitlang, aber die Rasse wird schnell aussterben. Die Vorstellung, daß jemand Geld mit der Hand abzählt und es dann über einen Schaltertisch reicht, wird uns bald vorsintflutlich vorkommen - so überholt wie der altmodische Krämer, der Zucker, Erbsen und Butter abwiegt, die Ware dann selbst in Tüten tut.«

»Ziemlich traurig das Ganze«, meinte Miss Peacock.

»Das ist Fortschritt oft.«

Später fragte ich ein Dutzend zufällig herausgegriffene Leute, wie ihnen die neuen Geldläden gefielen. Sie waren ohne Ausnahme begeistert.

Nach der Zahl der Menschen zu urteilen, die die Läden besuchen, dürfte diese Ansicht weit verbreitet sein, und die Beliebtheit der Läden, sagt Mr. Vandervoort, trägt sehr zum Erfolg einer Werbekampagne fürs Sparen bei, die gerade läuft...

Ob die Geldläden der Spar-Werbung halfen oder umgekehrt, ist nie ganz klar geworden. Jedenfalls wurden die kühnsten Ziele der FMA erreicht und mit phänomenaler Geschwindigkeit übertroffen. Es schien - wie Alex zu Margot Bracken sagte -, als sei ein in der Öffentlichkeit sich anbahnender Trend haargenau mit dem Terminplan der First Mercantile American zusammengefallen.

»Hör    auf    anzugeben und trink deinen Orangensaft«,    gab Margot zurück. Ein Sonntagmorgen in Margots Wohnung war ein Vergnügen. Noch in Pyjama und Bademantel, hatte er Jill Peacocks Geschichte im »Sunday Times-Register« zum ersten Mal gelesen, während Margot Eggs Benedict zum Frühstück machte.

Alex strahlte noch immer Zufriedenheit aus, als sie aßen. Margot nahm sich den Bericht im »Times-Register« ebenfalls vor und gab zu: »Nicht übel.« Sie beugte sich vor und küßte ihn. »Ich freue mich für dich.«

»Das    ist    bessere Publicity als die letzte, die    du    mir eingebrockt hast, Bracken.«

Gut gelaunt entgegnete sie: »Wart's ab, man weiß nie, wie der Hase läuft. Die Presse gibt, die Presse nimmt. Vielleicht fallen sie schon morgen über dich und die Bank her.«

Er seufzte. »Du hast leider viel zu oft recht.«

Aber dieses Mal nicht.

Eine    gekürzte Fassung der Geschichte wurde    in    den Artikeldienst übernommen und von Zeitungen in    vierzig anderen Städten nachgedruckt. AP bemerkte das allgemeine Interesse und schickte einen eigenen Bericht über seinen bundesweiten Draht; UPI tat es ebenfalls. »The Wall Street Journal« schickte einen Reporter, und mehrere Tage später kamen die First Mercantile American Bank und Alex Vandervoort in einem zusammenfassenden Artikel über automatisiertes Bankgeschäft vor, den das Blatt auf der ersten Seite veröffentlichte. Eine NBC-Außenstelle schickte ein Fernseh-Team, das Alex in einem Geldladen interviewte, und die Aufnahme wurde in den Abendnachrichten des Fernsehprogramms gesendet.

Mit jeder neuen Publicity-Welle bekam die Spar-Kampagne neuen Schwung, und die Geschäfte in den Geldläden blühten.

Aus majestätischer Höhe beobachtete »The New York Times« zunächst in aller Ruhe das Geschehen. Dann, Mitte August, verkündete der Wirtschaftsteil ihrer Sonntagsausgabe: »Ein Radikaler des Bankgewerbes, der sicher noch von sich reden machen wird.«

Das »Times«-Interview mit Alex war in Frage- und Antwortform gehalten. Es begann mit dem Thema Automation, ging dann zu Allgemeinerem über.

Frage: Was ist heutzutage die größte Crux im Bankgeschäft?

Vandervoort: Zu lange ist alles nach dem Willen von uns Bankern gegangen. Wir sind so beschäftigt mit unserem eigenen Wohlergehen, daß wir uns zu wenig um die Interessen unserer Kunden kümmern.

Frage: Können Sie ein Beispiel nennen?

Vandervoort: Ja. Bankkunden - vor allem die privaten -müßten viel höhere Zinsen bekommen.

Frage: Auf welchen Gebieten?

Vandervoort: Auf mehreren - bei Sparkonten, auch auf Sparbriefe und auf die Einlagen auf Girokonten.

Frage: Sprechen wir zunächst einmal über Sparkonten. Es gibt doch ein Bundesgesetz, das eine Höchstgrenze für Sparzinsen bei Geschäftsbanken festsetzt.

Vandervoort: Ja, und der Sinn des Gesetzes ist, Spar- und Darlehenskassen zu schützen. Es gibt übrigens ein anderes Gesetz, das Spar- und Darlehenskassen daran hindert, ihren Kunden Scheckbücher zu geben. Damit will man die Geschäftsbanken schützen. Ich finde, die Gesetze sollten nicht die Banken, sondern die Menschen schützen.

Frage: Sie meinen damit, daß die Sparer in den Genuß maximaler Zinssätze kommen sollten und in den Genuß aller Dienstleistungen einer Bank?

Vandervoort: Das meine ich.

Frage: Sie haben Sparbriefe erwähnt.

Vandervoort: Die Bundes-Reserve-Bank hat Großbanken wie meiner die Werbung für langfristige Einlagen zu hohen Zinssätzen verboten. Solche Einlagen sind besonders empfehlenswert für Menschen, die sich auf den Ruhestand vorbereiten und ihre Einkommensteuer auf später verschieben wollen, wenn die Jahre geringeren Einkommens da sind. Die Zentralbank begründet dieses Verbot mit faulen Ausreden. In Wirklichkeit will man damit kleine Banken vor den großen schützen, denn die großen sind leistungsfähiger und können zu besseren Bedingungen abschließen. Wie üblich, denkt man zuletzt an die Kunden. Sie ziehen den kürzeren.

Frage: Lassen Sie uns das ganz klar sagen. Sie meinen, daß unsere Zentralbank, die Bundes-Reserve-Bank, mehr für kleine Banken tut als für die Öffentlichkeit?

Vandervoort: Sie sagen es.

Frage: Nun zu den Girokonten. Einige Bankiers haben erklärt, sie würden durchaus Zinsen für Giro-Einlagen zahlen wollen, aber sie dürften es nicht, weil das Bundesgesetz es verbietet.

Vandervoort: Den nächsten Banker, der Ihnen das erzählt, fragen Sie, wann unsere mächtige Banklobby in Washington das letzte Mal etwas unternommen hat, um dieses Gesetz zu ändern. Wenn es jemals Vorstöße in der Richtung gegeben hat, dann habe ich nichts davon gehört.

Frage: Ihrer Meinung nach wollen also die meisten Banker das Gesetz überhaupt nicht ändern?

Vandervoort: Das meine ich nicht, das weiß ich. Das Gesetz, das die Verzinsung von Giro-Einlagen verhindert, ist ein sehr angenehmes Gesetz, wenn Ihnen zufällig eine Bank gehört. Es wurde 1933 eingebracht, kurz nach der Depression, um die Banken zu stärken, weil damals ja gerade so viele gescheitert waren.

Frage: Aber das war vor mehr als vierzig Jahren.

Vandervoort: Jawohl. So ein Gesetz brauchen wir schon lange nicht mehr. Ich will Ihnen was sagen. Wenn wir in diesem Augenblick sämtliche Giro-Einlagen im ganzen Land addierten, kämen wir auf eine Summe von mehr als 200 Milliarden Dollar. Sie können Gift darauf nehmen, daß die Banken Zinsen für dieses Geld einnehmen, aber die Kontoinhaber - die Kunden der Bank - bekommen keinen Cent.