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»Weil wir gerade von Ihrem Personal reden, Alex«, sagte Lewis D'Orsey, »mir fällt ein, daß Ihnen in Ihrer Zentrale was fehlt - nämlich Edwina. Wird Zeit, daß sie aufrückt. Solange das nicht passiert, entgeht euch was.«

»Lewis, wie kannst du so etwas sagen?« Selbst im Kerzenlicht konnte man sehen, daß Edwina dunkelrot angelaufen war. Sie protestierte: »Wir sind hier privat zusammen. Auch sonst wäre das eine höchst unpassende Bemerkung. Alex, ich bitte Sie um Entschuldigung.«

Ungerührt betrachtete Lewis seine Frau über seine halbmondförmigen Brillengläser hinweg. »Bitte ruhig um Entschuldigung, meine Liebe. Ich werde es nicht tun. Ich kenne deine Fähigkeiten und deinen Wert; wer sollte sie besser beurteilen können als ich? Außerdem bin ich es gewohnt, die Aufmerksamkeit auf Überragendes zu lenken, das ich sehe.«

»Ein dreifaches Hurra für Lewis!« sagte Margot. »Alex, wie steht's? Wann zieht meine geschätzte Kusine in den Tower um?«

Edwina wurde zornig. »Hört endlich auf, bitte! Es ist mir peinlich.«

»Das braucht niemandem peinlich zu sein.« Alex nippte genießerisch an seinem Wein. »Hm! 1962 war ein gutes Jahr für

Burgunder. Um keine Spur schlechter als 1961, meint ihr nicht auch?«

»Ja«, stimmte sein Gastgeber zu. »Zum Glück habe ich reichlich von beidem.«

»Wir vier sind Freunde«, sagte Alex, »wir können also offen sprechen, weil wir wissen, daß es unter uns bleibt. Warum soll ich nicht zugeben, daß ich schon an eine Beförderung für Edwina gedacht habe, und zwar denke ich an eine besondere Aufgabe. Wie bald ich das, und einige andere Veränderungen, durchsetzen kann, das hängt, wie Edwina selber weiß, von den Entwicklungen der nächsten Monate ab.«

»Ich weiß.« Edwina nickte. Sie wußte außerdem, daß ihre persönliche Loyalität gegenüber Alex in der Bank allgemein bekannt war. Seit Ben Rossellis Tod, und schon vorher, war ihr klar, daß Alex' Beförderung zum Präsidenten fast mit Sicherheit auch ihrer eigenen Karriere zugute kommen würde. Sollte dagegen Roscoe Heyward den Posten erhalten, würde sie keine weiteren Aufstiegschancen in der First Mercantile American haben.

»Noch etwas möchte ich gern«, sagte Alex. »Ich würde Edwina gern im Direktorium sehen.«

Margots Miene hellte sich auf. »Das nenne ich ein Wort! Das war' mal 'ne Rakete für Women's Lib!«

»Nein!« Edwina reagierte mit Schärfe. »Ich will nicht in einem Atemzug mit Women's Lib genannt werden - niemals! Was ich erreicht habe, das habe ich aus eigener Kraft erreicht, in ehrlicher Konkurrenz mit Männern. Women's Lib - die Schlagwörter, die nur darauf hinzielen, begünstigt und vorgezogen zu werden, weil man eine Frau ist -, das hat die Gleichberechtigung der Geschlechter zurückgeworfen, nicht gefördert.«

»Das ist Unsinn!« Margot wirkte schockiert. »Du hast leicht reden, weil du ungewöhnlich bist, weil du Glück hattest!«

»Mit Glück hat das nichts zu tun gehabt«, sagte Edwina. »Ich habe gearbeitet.«

»Kein Glück?«

»Na gut, nicht viel.«

Aber Margot gab sich nicht zufrieden. »Es muß Glück im Spiel gewesen sein, weil du eine Frau bist. Solange man zurückdenken kann, war das Bankgeschäft ein exklusiver Männerclub - ohne den geringsten Grund.«

»Ist Erfahrung denn kein Grund?« fragte Alex.

»Nein. Erfahrung, das ist eine Nebelwand, von den Männern errichtet, um Frauen fernzuhalten. Nichts ist männlich am Bankgeschäft. Die einzige Voraussetzung dafür ist Grips und den haben Frauen manchmal reichlicher als Männer. Alles andere findet entweder auf dem Papier oder im Kopf statt, die einzige körperliche Arbeit ist das Ein- und Ausladen von Geld, wenn gepanzerte Autos es bringen oder abholen, und das könnten weibliche Boten ganz gewiß auch schaffen.«

»Das will ich alles gar nicht bestreiten«, sagte Edwina. »Es ist nur nicht mehr aktuell. Die männliche Alleinherrschaft ist längst durchbrochen - von Leuten wie mir -, und sie wird immer weiter durchlöchert. Wer will denn von Women's Lib befreit werden? Ich nicht.«

»So weit bist du nun auch nicht vorgedrungen«, gab Margot zurück. »Sonst wärst du schon in der Zentrale und brauchtest nicht mehr davon zu reden, wie wir es heute abend tun.«

Lewis D'Orsey lachte in sich hinein. »Touché, meine Liebe!«

»Andere Frauen im Bankgeschäft brauchen Women's Lib«, schloß Margot, »und zwar noch lange.«

Alex lehnte sich zurück - wie immer, wenn er einen Streit auskostete, an dem Margot beteiligt war. »Man kann alles mögliche über unsere gemeinsamen Mahlzeiten sagen«, bemerkte er, »aber langweilig sind sie nie.«

Lewis nickte zustimmend. »Als derjenige, der damit angefangen hat, möchte ich sagen - ich freue mich über die Pläne, die Sie mit Edwina haben.«

»Na gut«, sagte seine Frau mit fester Stimme, »und ich danke Ihnen auch, Alex. Aber das reicht. Reden wir von was anderem.«

Das taten sie.

Margot erzählte ihnen von einem Musterprozeß, den sie gegen ein Warenhaus angestrengt hatte, das Kunden mit einem laufenden Anschreibkonto systematisch betrog. Die ausgedruckte Gesamtsumme auf der Monatsrechnung, erklärte Margot, war immer ein paar Dollar höher, als sie hätte sein sollen. Beschwerte sich jemand, so erklärte man die Unstimmigkeit als Versehen, aber es kamen kaum Beschwerden. »Sehen die Leute eine ausgedruckte Gesamtsumme, glauben sie ganz einfach, daß sie stimmt. Sie bedenken nicht - oder sie wissen nicht -, daß man Maschinen so programmieren kann, daß sie falsch rechnen. Das war hier der Fall.« Margot fügte hinzu, daß das Kaufhaus auf die Art Zehntausende von Dollar zuviel eingenommen hatte, wofür sie vor Gericht den Beweis erbringen werde.

»Wir programmieren in der Bank keine Fehler«, sagte Edwina, »aber sie schleichen sich doch ein, trotz der Maschinen. Deshalb rate ich den Leuten immer, ihre Bankauszüge nachzuprüfen.«

Bei ihren Kaufhaus-Untersuchungen, berichtete Margot ihren Zuhörern, hatte ihr ein Privatdetektiv namens Vernon Jax geholfen. Er sei geschickt und phantasievoll vorgegangen. Sie sang sein Lob in höchsten Tönen.

»Ich habe von ihm gehört«, sagte Lewis D'Orsey. »Er hat für die Börsenaufsicht gearbeitet - in einer Sache, auf die ich sie mal gestoßen hatte. Ein guter Mann.«

Als sie das Eßzimmer verließen, sagte Lewis zu Alex: »Freiheit, die ich meine. Wie wär's, wenn wir uns eine Zigarre und einen Cognac gönnten? Wir gehen in mein Arbeitszimmer. Edwina kann Zigarrenrauch nicht leiden.«

Sie entschuldigten sich bei den Damen und stiegen die Treppe - das Penthouse der D'Orseys erstreckte sich über zwei Etagen -zu Lewis' Allerheiligstem hinunter. Dort angelangt, sah Alex sich neugierig um.

Es war ein großer Raum, mit Bücherregalen an zwei Wänden und Zeitungs- und Zeitschriftenständern an einer dritten. Die Regale und Ständer quollen über. Drei Schreibtische standen in dem Zimmer, auf dem einen eine elektrische Schreibmaschine und auf allen Stapel von Papieren, Büchern und Akten. »Wenn ich an einem Schreibtisch in Papierbergen ersticke«, erklärte Lewis, »ziehe ich einfach an den nächsten um.«

Eine offenstehende Tür gab den Blick frei auf das, was tagsüber das Büro einer Sekretärin und das Archiv war. Lewis ging hinein und kam mit zwei Cognacschwenkern und einer Flasche Courvoisier wieder, aus der er einschenkte.

»Ich habe mich oft gefragt«, sagte Alex, »wie es wohl hinter den Kulissen eines erfolgreichen Finanz-Informationsdienstes aussieht.«

»Ich kann nur persönlich für meinen sprechen, der von kompetenter Seite für den besten gehalten wird, den es gibt.« Lewis gab Alex einen Cognac, zeigte dann auf eine offene Zigarrenkiste. »Bedienen Sie sich - es sind Macanudos, gibt keine besseren. Außerdem steuerlich absetzbar.«