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Der Mann starrte sie an. „Bist du es? Jene von der Ecke? Die mich gewarnt hat?"

„Nein. Das war eine andere. Ein Spinner. Ich bin ein Beißer. Schauen Sie sich meine Zangen an." Sie öffnete und schloß ihre Beißwerkzeuge. „Ich zermalme sie."

Der Mann lächelte. „Schön für dich."

„Klar. Wissen Sie überhaupt, wieviel es von uns auf einem

- sagen wir auf einem halben Hektar gibt? Schätzen Sie."

„Ungefähr tausend."

„Nein. Eineinhalb Millionen. Von allen Arten. Beißer wie ich, oder Spinner und Stecher."

„Stecher?"

„Das sind unsere besten. Lassen Sie mich nachdenken." Die Spinne überlegte. „Zum Beispiel die Schwarze Witwe, wie sie von Ihnen genannt wird. Sehr wertvoll." Sie verstummte. „Nur eines..."

„Ja?"

„Wir haben unsere Probleme. Die Götter..."

„Götter!"

„Ameisen, wie Sie sie bezeichnen. Die Führer. Sie sind hinter uns her. Sehr unglücklich. Sie besitzen einen schrecklichen Geschmack - man wird krank davon. Wir müssen sie den Vögeln überlassen."

Der Mann stand auf. „Vögel? Sind sie...?"

„Nun, es gibt da ein Übereinkommen. Schon seit Jahren. Ich werde Ihnen die ganze Geschichte erzählen. Wir haben noch etwas Zeit übrig."

Der Mann spürte, wie sich sein Herz zusammenkrampfte. „Noch Zeit übrig? Was meinst du damit?"

„Nichts. Später wird es ein wenig Ärger geben, schätze ich. Lassen Sie sich von mir über die Hintergründe aufklären. Ich glaube nicht, daß Sie darüber schon Bescheid wissen."

„Sprich weiter. Ich höre zu." Er begann unruhig auf und ab zu gehen.

Sie bewohnen die Erde schon verdammt lange, bereits seit über einer Milliarde Jahre. Sehen Sie, die Menschen kamen von irgendeinem anderen Planeten. Von welchem? Ich weiß es nicht. Sie landeten und fanden die Erde von ihnen bewohnt vor. Es gab einen Krieg."

„Also waren wir die Invasoren", murmelte der Mann.

„Gewiß. Der Krieg warf beide Seiten in die Barbarei zurück. Die Menschen vergaßen, warum sie gekämpft hatten, und sie degenerierten zu Ameisen, Termiten..."

„Ich verstehe."

„Die letzten Menschen, die die ganze Geschichte gekannt hatten, erschufen dann uns. Man züchtete uns" - die Spinne kicherte auf ihre eigene Art - „für eine ehrenvolle Aufgabe. Und ich muß sagen, wir haben sie wirklich erfolgreich im Zaum gehalten. Wissen Sie, wie sie uns nennen? Die Fresser. Ausgesprochen unfreundlich, nicht wahr?"

Zwei weitere Spinnen ließen sich an ihren Fäden auf den Tisch nieder. Die drei Spinnen drängten sich zusammen.

„Es ist ernster, als ich gedacht hatte", sagte der Beißer rasch. „Besaß leider nicht alle Informationen. Dieser Stecher

hier... "

Die Schwarze Witwe krabbelte bis an die Tischkante. „Riese", pfiff sie metallisch, „ich möchte mit Ihnen reden."

„Gerne", nickte der Mann.

„Es wird hier bald Ärger geben. Ein ganzer Haufen von ihnen hat sich schon auf den Weg gemacht. Wir werden hier eine Weile bleiben. Wollen ein wenig mitmischen."

„Ich verstehe", sagte der Mann. Er preßte die Lippen zusammen und fuhr sich unsicher mit den Fingern durch das Haar. „Glaubst du... daß wir eine Chance..."

„Eine Chance?" Der Stecher bewegte sich nachdenklich. „Nun, wir sind bereits sehr lange in diesem Geschäft. Fast eine Million Jahre. Ich schätze, daß wir sie im Griff haben, trotz einiger Rückschläge. Unser Übereinkommen mit den Vögeln und natürlich auch mit den Fröschen..."

„Ich meine, daß wir euch schon retten werden", mischte sich der Beißer optimistisch ein. „Und um es genau zu sagen, warten wir geradezu auf Vorfälle wie diesen."

Unter den Bodenbrettern erklang ein leises kratzendes Geräusch, der Lärm von zahllosen kleinen Klauen und Flügeln, die sanft und fern vibrierten. Der Mann horchte. Und begann am ganzen Körper zu zittern.

„Du bist dir völlig sicher? Du meinst, ihr könntet es wirklich schaffen?" Er wischte den Schweiß von der Oberlippe und griff nach der Spritzpistole, horchte weiter.

Der Lärm nahm zu, schwoll unter ihnen an, unter den Dielen, unter ihren Füßen. Draußen raschelte es in den Büschen, und einige Motten flatterten gegen das Fenster. Lauter und lauter wurden die Geräusche, unter ihnen, über ihnen, überall, ein zunehmendes Gesumm voller Zorn und Entschlossenheit. Der Mann blickte hin und her.

„Du bist dir wirklich sicher, daß ihr es schaffen könnt?" flüsterte er. „Ihr könnt mich tatsächlich retten?"

„Oh", sagte der Stecher verwirrt. So meinte ich das nicht.

Ich meinte die Spezies, die Rasse... nicht Sie als Individuum."

Der Mann keuchte, und die drei Fresser bewegten sich unruhig. Weitere Motten prallten gegen das Fenster. Der Boden unter ihnen zitterte und hob sich.

„Ich verstehe", sagte der Mann. „Tut mir leid, daß ich euch mißverstanden habe."

Foster, du bist tot

Die Schule war eine Qual wie immer. Nur heute war es besonders schlimm. Mike Foster beendete seine Arbeit an den beiden wasserdichten Körben und saß steif da, während um ihn herum die anderen Kinder weiterarbeiteten. Draußen schien die kühle Nachmittagssonne auf das Stahlbetongebäude herab. In der frostigen Herbstluft funkelten die Berge grün und braun. Am Himmel kreisten trage ein paar NATS über der Stadt.

Die plumpe, bedrohliche Gestalt von Mrs. Cummings, der Lehrerin, trat leise an sein Pult. „Bist du fertig, Foster?"

„Ja, Ma'am", antwortete er eifrig. Er reichte ihr die Körbe. „Kann ich jetzt gehen?"

Kritisch begutachtete Mrs. Cummings die Körbe. „Wie weit bist du mit deinen Fallen?" wollte sie wissen.

Er stöberte in seinem Pult und holte die beiden komplizierten Kleintierfallen heraus. „Alles fertig, Mrs. Cummings. Und auch mit meinem Messer ist alles in Ordnung." Er zeigte ihr die rasiermesserscharfe Klinge seines Messers, eine glitzernde metallene Schneide, die er aus einem gebrauchten Benzinkanister gefertigt hatte. Sie nahm das Messer an sich und fuhr zweifelnd mit ihrem geübten Finger über die Klinge.

„Nicht stark genug", stellte sie fest. „Du hast sie zu sehr geschliffen. Beim erstenmal, wenn du sie benutzt, wird sie stumpf werden. Geh hinunter in das Hauptwaffenlabor und schau dir die Messer an, die sie dort haben. Dann besorge dir eine dickere Klinge und schleif sie diesmal vorsichtiger."

„Mrs. Cummings", flehte Mike Foster, „kann ich das denn nicht morgen erledigen? Bitte, lassen Sie mich doch jetzt gehen."

Die anderen Schüler in dem Klassenzimmer verfolgten

das Gespräch mit großem Interesse. Mike Foster errötete; er haßte es, aufzufallen und Aufmerksamkeit zu erregen, aber er mußte einfach fort von hier. Er konnte einfach keine Minute länger in der Schule bleiben.

Mrs. Cummings ließ sich nicht erweichen. „Morgen ist Grabetag", wies sie ihn zurecht. „Da wirst du keine Zeit haben, an deinem Messer zu arbeiten."

„Oh, doch", versicherte er eilig. „Nach dem Graben."

„Nein, das Graben ist dir immer schwergefallen." Die alte Frau betrachtete die dünnen Arme und Beine des Jungen. „Ich bin der Meinung, daß du heute noch dein Messer fertigmachst. Und morgen kannst du dann den ganzen Tag auf dem Übungsplatz verbringen."

„Was hat das Graben schon für einen Sinn?" fragte Foster verzweifelt.

„Jeder muß wissen, wie man gräbt", antwortete Mrs. Cummings geduldig. Die anderen Kinder hatten zu kichern begonnen; sie brachte sie mit einem zornigen Blick zum Schweigen. „Ihr alle wißt, wie wichtig das Graben ist. Wenn der Krieg beginnt, wird die ganze Oberfläche mit Schutt und Geröll bedeckt sein. Um zu überleben, müssen wir uns eingraben können, nicht wahr? Hat einer von euch schon einmal einen Maulwurf dabei beobachtet, wie er nach Pflanzenwurzeln grabt? Der Maulwurf weiß, daß er etwas Wertvolles unter der Erdoberfläche finden wird. Und wir müssen alle zu kleinen, braunen Maulwürfen werden. Wir müssen alle lernen, uns in den Schutt hineinzugraben und die guten Dinge herauszuholen, denn dort werden sie dann sein."