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»Sie sprechen unsere Sprache sehr gut«, sagte die junge Frau, deren mandelförmige Augen sich leicht geweitet hatten. »Sie erweisen uns Ehre«, fügte sie dann höflich hinzu.

»Ich hoffe, meine Sprachkenntnisse werden sich während meines Aufenthalts hier noch verbessern. Ich bin auf einer Studienreise.«

»Das ist die beste Art zu reisen. In Beijing gibt es viele Schätze, und anderswo natürlich auch, aber dies hier ist eine herrliche Stadt. Sie haben also nicht reserviert?«

»Leider nein. Alles auf den letzten Drücker, verstehen Sie?«

»Da ich beide Sprachen spreche, kann ich Ihnen sagen, daß Sie es in der unseren richtig formuliert haben. Alles geht immer husch-husch. Ich werde sehen, was ich tun kann. Es wird natürlich kein luxuriöses Zimmer sein.«

»Etwas Luxuriöses kann ich mir auch nicht leisten«, sagte Jason schüchtern. »Aber ich habe einen Begleiter - wir können uns ja das Bett teilen, wenn es nötig ist.«

»Ich fürchte, das wird nötig sein.« Die Angestellte blätterte in ihrer Kartei. »Hier«, sagte sie. »Ein Einzelzimmer, hinten im ersten Stock. Das paßt vielleicht -«

»Wir nehmen es«, nickte Borowski. »Übrigens, vor ein paar Minuten habe ich einen Mann hier in der Schlange gesehen, von dem ich sicher bin, daß ich ihn kenne. Ich glaube, ich habe bei ihm in England studiert. Grauhaarig, mit einem Stock ... Ich bin ganz sicher, daß er es ist. Ich würde ihn gerne anrufen.«

»O ja, ich erinnere mich.« Die Angestellte blätterte durch die Meldezettel, die sie vor sich liegen hatte. »Der Name ist Wadsworth, Joseph Wadsworth. Er hat Zimmer dreifünfundzwanzig. Aber es könnte sein, daß Sie sich irren. Er hat als Beruf Unternehmensberater angegeben. Aus Großbritannien.«

»Sie haben recht, das ist er nicht«, sagte Jason und schüttelte verlegen den Kopf. Dann nahm er seinen Schlüssel entgegen.

»Wir können ihn uns holen! Jetzt!« Borowski packte d'Anjous Arm und zerrte den Franzosen aus der Ecke des Flughafengebäudes.

»Jetzt? So einfach? So schnell? Das ist unglaublich!« »Im Gegenteil«, sagte Jason und führte d'Anjou auf die Reihe von Glastüren zu, die den Eingang zum Hotel bildeten. »Es ist alles andere als unglaublich. Ihr Mann hat jetzt ein Dutzend unterschiedliche Dinge im Kopf. Er muß außer Sichtweite bleiben. Er kann nicht über eine Telefon Vermittlung sprechen, also wird er in seinem Zimmer bleiben und auf einen Anruf warten, der ihm seine Instruktionen bringt.« Sie gingen durch eine Glastür, sahen sich um und schlenderten links an der langen Theke vorbei. Borowski redete die ganze Zeit schnell auf den anderen ein. »Die Operation in Kai-tak gestern nacht ist gescheitert, also muß er eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen. Nämlich die, daß er selbst eliminiert werden könnte, weil ihn derjenige, der den Sprengstoff unter dem Wagen entdeckt hat, gesehen und identifiziert haben könnte - was ja auch der Fall ist. Also muß er darauf bestehen, daß sein Klient allein an dem vereinbarten Treffpunkt erscheint, weil ihm nur das Schutz bietet.« Sie hatten die Treppe erreicht und stiegen hinauf. »Und seine Kleider«, fuhr Delta fort. »Er muß sich umziehen. Er kann nicht so auftreten, wie er war und auch nicht so, wie er ist. Er muß jemand anders sein.« Jetzt hatten sie den zweiten Stock erreicht, und Jason legte die Hand auf den Türknopf und drehte sich zu d'Anjou herum. »Glauben Sie mir, Echo, Ihr Freund ist beschäftigt.«

»Sagt das jetzt der Akademiker oder der Mann, den man einmal Jason Borowski genannt hat?«

»Boroswki«, sagte David Webb, und seine Augen blieben eiskalt, so eiskalt, wie seine Stimme klang. »Wenn es überhaupt einen Zeitpunkt gibt, an dem Jason Borowski gefordert ist, dann ist dieser Zeitpunkt jetzt.«

Die Flugtasche über die Schulter gehängt, öffnete Jason langsam die Flurtür und schob sich zentimeterweise nach vorne. Zwei Männer in schwarzen Nadelstreifenanzügen kamen den Korridor herauf und beklagten sich über den schlechten Zimmerservice; sie sprachen mit britischem Akzent. Sie schlössen ihr Zimmer auf und gingen hinein. Borowski zog die Flurtür zurück und schob d'Anjou durch; jetzt waren sie im Korridor. Die Zimmernummern waren chinesisch und arabisch angeschrieben.

341, 339, 337 - sie befanden sich im richtigen Korridor, das Zimmer mußte auf der linken Seite liegen. Drei indische Paare kamen plötzlich aus einem Aufzug, die Frauen in Saris, die Männer in eng anliegenden Hosen; sie gingen an Jason und d'Anjou vorbei, erregt aufeinander einredend auf der Suche nach ihren Zimmern. Die Männer waren sichtlich verärgert darüber, daß sie ihr Gepäck selbst tragen mußten.

335, 333, 331 »Jetzt reicht es mir aber!« kreischte eine Frauenstimme, und eine dicke Frau mit Lockenwicklern kam aus einer Tür zur Rechten. Sie war nur mit einem Bademantel bekleidet, unter dem das Nachthemd hervorsah. Jetzt hatte sie sich mit dem Fuß im Nachthemd verheddert, riß ihn zurück und ließ dabei ein Paar Beine sehen, die einem Rhinozeros Ehre gemacht hätten. »Die Toilette funktioniert nicht, und das Telefon kannst du vergessen!«

»Isabel, ich hab dir's doch gesagt!« rief ein mit einem roten Pyjama bekleideter Mann, der durch die offene Tür spähte. »Das ist der Jet-lag. Leg dich jetzt schlafen und denk daran, daß das hier nicht Short Hills ist! Hör auf zu meckern, du mußt dich hier anpassen!«

»Das Klo funktioniert nicht, da habe ich ja gar keine andere Wahl! Ich knöpfe mir schon irgendeinen von diesen schlitzäugigen Schweinehunden vor und brülle mir die Seele aus dem Leib! Wo sind die Treppen? Ich habe keine Lust, einen von diesen verdammten Aufzügen zu benutzen. Wenn die sich überhaupt bewegen, dann wahrscheinlich nur seitlich, und dann sitze ich plötzlich in einem Flugzeug!«

Die erboste Frau wogte an ihnen vorbei. Zwei von den drei indischen Ehepaaren hatten Schwierigkeiten mit ihren Schlüsseln, aber schließlich gelang es ihnen, die Türen mit ein paar Fußtritten aufzustoßen, und der Mann im roten Pyjama knallte die Tür zu, nachdem er seiner Frau noch nachgerufen hatte: »Das ist wie bei dem Klassentreffen im Club! Richtig schämen muß man sich mit dir, Isabel!«

329, 327, ... 325. Das Zimmer. Der Korridor war leer.

Hinter der Tür konnten sie asiatische Musik hören. Das Radio war eingeschaltet, recht laut, und würde beim ersten Klingeln des Telefons noch lauter gedreht werden. Jason zog d'Anjou zurück und sagte leise, gegen die Wand gepreßt, zu ihm: »Ich kann mich an keine Gurkhas erinnern und auch nicht an Kundschafter -«

»Etwas in Ihnen hat sich aber erinnert, Delta«, unterbrach ihn Echo.

»Vielleicht, aber das ist jetzt nicht wichtig. Jetzt beginnt der Endspurt. Wir lassen unsere Taschen hier draußen. Ich gehe auf die Tür zu, und Sie folgen dicht hinter mir. Halten Sie Ihre Klinge bereit. Aber ich möchte, daß Sie etwas verstehen und gar keinen Fehler machen - werfen Sie nicht, solange Sie nicht unbedingt müssen. Und wenn Sie werfen, dann auf seine Beine. Nicht oberhalb der Gürtellinie.«

»Sie haben mehr Vertrauen zur Treffsicherheit eines alten Mannes als ich selbst.«

»Ich hoffe, daß es nicht darauf ankommen wird. Diese Türen bestehen aus hohlem Sperrholz, und Ihr Junge da drinnen hat eine Menge im Kopf. Er denkt jetzt an Strategie, nicht an uns. Woher sollten wir auch wissen, daß er hier ist, und selbst wenn, wie sollten wir so schnell über die Grenze kommen. Und ich will ihn! Ich fange ihn! Fertig?«