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»Wo wer ist, Sie Wahnsinniger?«

»Sie sind nicht der Mann von unten! Sie sind nicht Joseph Wadsworth, der auf Zimmer drei-fünfundzwanzig gegangen ist!«

»Dies hier ist Zimmer drei-fünfundzwanzig, und ich bin Joseph Wadsworth! Brigadier, im Ruhestand, Royal Engineers!«

»Wann haben Sie sich hier eingetragen?«

»Diese Mühe hat man mir erspart«, erwiderte Wadsworth hochmütig.« Als Gast der Regierung genießt man gewisse Vorzüge. Man hat mich durch den Zoll geleitet und unmittelbar hierhergebracht. Ich muß sagen, daß der Zimmerservice nicht viel taugt - das hier ist weiß Gott nicht das Connaught -, und das verdammte Telefon ist meistens im Eimer.«

»Wann, habe ich Sie gefragt!«

»Gestern nacht, aber nachdem das Flugzeug sechs Stunden verspätet war, sollte ich wohl sagen, heute morgen.«

»Und wie lauteten Ihre Instruktionen?«

»Ich weiß nicht, ob das Sie etwas angeht.«

Borowski riß den Brieföffner aus Messing aus seinem Gürtel und drückte dem alten Mann die Spitze gegen den Hals. »Doch, wenn Sie diesen Sessel lebend verlassen wollen.«

»Du lieber Gott, Sie sind wirklich verrückt!«

»Sie haben recht, ich habe keine Zeit dafür, vernünftig zu sein, gar keine. Die Instruktionen!«

»Die sind ganz harmlos. Ich sollte gegen Mittag von jemandem abgeholt werden, und da es jetzt schon nach drei Uhr ist, darf man wohl annehmen, daß die Regierung hier genausowenig pünktlich ist wie die Fluglinie.«

D'Anjou tippte Borowski am Arm an. »Die Elf-Uhr-dreißig-Maschine«, sagte der Franzose leise. »Er ist die Tarnung und weiß überhaupt nichts.«

»Dann ist Ihr Judas hier in einem anderen Zimmer«, antwortete Jason über die Schulter. »Das muß er sein!«

»Sagen Sie nichts mehr, man wird ihn verhören.« Mit einer plötzlichen und unerwarteten Autorität schob d'Anjou Borowski von dem Sessel weg und sprach in ungeduldigem Tonfall eines höheren Offiziers: »Sehen Sie, Brigadier, wir entschuldigen uns bei Ihnen für die Belästigung. Ich weiß, das ist wirklich sehr unangenehm. Das ist jetzt das dritte Zimmer, in das wir eingebrochen sind - wir haben uns die Namen der Bewohner beschafft, um ein Schockverhör durchführen zu können.«

»Ein Schock - was? Ich verstehe nicht.«

»Einer von vier Leuten in diesem Stockwerk hat Narkotika im Wert von über fünf Millionen Dollar eingeschmuggelt. Da Sie drei es nicht waren, haben wir jetzt unseren Mann. Ich schlage vor, Sie halten es wie die zwei anderen. Sagen Sie, ein Betrunkener sei in Ihr Zimmer eingebrochen, einer, der mit der Unterbringung nicht zufrieden war und sich Mut angetrunken hatte - das werden die anderen auch sagen. Das passiert hier ziemlich häufig, und es ist besser, keinen Verdacht zu erwecken, nicht einmal irrtümlich. Die Regierung hier neigt zu übertriebenen Reaktionen.«

»Das würde mir gerade noch fehlen«, stotterte Wadsworth. »Die verdammte Pension ist ohnehin schon knapp genug.«

»Die Tür, Major«, befahl d'Anjou, zu Jason gewandt. »Vorsichtig jetzt. Sehen Sie zu, daß sie stehenbleibt.« Der Franzose wandte sich wieder dem Briten zu. »Halten Sie sie fest, Brigadier. Lehnen Sie sie einfach wieder an und lassen Sie uns zwanzig Minuten Zeit, bis wir unseren Mann haben. Und dann können Sie tun, was Sie wollen. Vergessen Sie nicht, ein Betrunkener. Zu Ihrem eigenen Nutzen.«

»Ja, ja, natürlich. Ein Betrunkener.«

»Kommen Sie, Major!«

Draußen im Korridor griffen sie sich ihre Taschen und eilten auf die Treppe zu. »Schnell!« sagte Borowski. »Es ist noch Zeit. Er muß sich umziehen - ich hätte mich auch umgezogen! Wir überprüfen die Ausgänge zu den Straßen, die Taxistände, und versuchen, uns zwei logische auszusuchen, oder, verdammt noch mal, unlogische. Wir nehmen uns jeder einen vor und vereinbaren Signale.«

»Zunächst einmal gibt es zwei Türen«, unterbrach ihn d'Anjou atemlos. »In diesem Korridor. Suchen Sie sich zwei heraus, aber machen Sie schnell. Treten Sie sie ein und beschimpfen die Leute, natürlich mit der Stimme eines Besoffenen.«

»Das war Ihr Ernst?«

»Und wie, Delta. Wie wir selbst erlebt haben, ist die Erklärung ja durchaus plausibel, und die Peinlichkeit des Ganzen wird jegliche formelle Untersuchung behindern. Die Hotelleitung wird ohne Zweifel unseren pensionierten Brigadier dazu überreden, den Mund zu halten. Sonst könnten die ihre angenehmen Posten verlieren Schnell jetzt! Suchen Sie sich eine Tür aus und tun Sie Ihre Arbeit!«

Jason blieb an der nächsten Türe zur Rechten stehen. Er atmete tief durch und rannte dann auf die Tür zu, trieb seine Schulter in die obere Füllung. Die Tür flog auf.

»Madaddemaa!« kreischte eine Frau auf Hindi. Sie war halb aus ihrem Sari gewickelt, der um ihre Füße lag.

»Kyaa baut hai?« kreischte ein nackter Mann, der aus dem Badezimmer gerannt kam und hastig seine Genitalien bedeckte.

Beide starrten den Eindringling an, der mit glasigem Blick herumtaumelte und dabei Gegenstände von der Kommode fegte und mit heiserer, betrunkener Stimme grölte: »Beschissenes Hotel! Die Toiletten funktionieren nicht, die Telefone sind im

Eimer! Nichts - Heiland, das ist gar nicht mein Zimmer! Tut mit leid ...« Borowski schwankte hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.

»Sehr gut!« sagte d'Anjou. »Die hatten Ärger mit dem Schloß. Schnell, noch eines. Das hier!« Der Franzose wies auf eine Tür zur Linken. »Ich habe Gelächter hinter der Tür gehört und zwei Stimmen.«

Wieder warf sich Jason gegen die Tür, so daß diese aufbrach, und brüllte seine betrunkenen Klagen. Anstatt sich aber zwei verblüfften Gästen gegenüberzusehen, fand er ein junges, bis zu den Hüften nacktes Paar, von denen jeder an einer eingekniffenen Zigarette sog und mit glasigen Augen inhalierte.

»Willkommen, Nachbar«, sagte der junge Amerikaner. Seine Aussprache war ganz präzise, nur lief sie in Zeitlupe ab. »Lassen Sie sich durch die Dinge nicht stören. Die Telefone funktionieren nicht, dafür aber unsere Toilette. Benutzen Sie sie ruhig, teilen Sie sie mit uns. Nicht nervös werden.«

»Was, zum Teufel, haben Sie in meinem Zimmer verloren?« schrie Jason, noch betrunkener, so daß die Worte ineinander übergingen und verschwammen.

»Wenn das Ihr Zimmer ist, Sie Macho«, unterbrach ihn das Mädchen, das im Sessel schwankte, »dann haben wir Ihnen wenigstens eine tolle Nummer geboten. Wir sind nicht spießig.« Sie kicherte.

»Herrgott, Sie sind ja high!«

»Und ohne den Namen des Herrn vergeblich zu führen«, konterte der junge Mann, »Sie sind betrunken.«

»Wir glauben nicht an Alkohol«, fügte das Mädchen mit dem glasigen Blick hinzu. »Er erzeugt nur Feindseligkeit. Er steigt an die Oberfläche, wie die Dämonen Luzifers.«

»Lassen Sie sich entgiften, Nachbar«, fuhr der junge Amerikaner lallend fort. »Und dann machen Sie sich mit Hasch gesund. Ich führe Sie in die Felder, wo Sie Ihre Seele wiedefinden -«

Borowski raste aus dem Zimmer, knallte die Tür hinter sich zu und packte d'Anjou am Arm. »Gehen wir«, sagte er, als sie die Treppe erreicht hatten. »Wenn sich die Geschichte herumspricht, die Sie dem Brigadier aufgetischt haben, dann müssen die beiden zwanzig Jahre in der Äußeren Mongolei verbringen und dort Schafe kastrieren.«

Das chinesische Bedürfnis, Gäste unter Beobachtung zu halten, im Verein mit den strengen Sicherheitsvorschriften machte es erforderlich, daß das Hotel einen einzigen großen Eingang vorne für Gäste und einen zweiten an der Seite für Personal hatte. Letzterer war von uniformierten Wachen besetzt, die die Arbeitspapiere jedes einzelnen überprüften und sämtliche Handtaschen oder sonstige auffälligen Taschen an der Kleidung durchsuchten, wenn die Angestellten nach getaner Arbeit nach Hause gingen. Die Tatsache, daß es keinerlei Vertraulichkeit zwischen Wachen und Personal gab, deutete darauf hin, daß die Wachen häufig ausgewechselt wurden, damit die Bestechung keinen Spielraum hatte.