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Morris Panov tat wieder, was man ihm aufgetragen hatte: Er mischte sich rasch unter die aussteigenden Passagiere auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnsteigs und ging mit schnellen Schritten an Gleis 5 entlang zu der Rolltreppe, wo sich eine Schlange gebildet hatte. Eine Schlange war da, aber kein Alex Conklin! Bemüht, nicht in Panik zu geraten, verlangsamte Mo seine Schritte, ging aber weiter, sich immer wieder umsehend und die Menschenmenge absuchend.

Was war passiert? Wo war der CIA-Mann?

»Mo!«

Panov fuhr nach links herum, der kurze Ruf war für ihn gleichzeitig Erleichterung und Warnung gewesen. Conklin hatte sich halb hinter eine Säule gestellt, die zehn Meter hinter der Rolltreppe stand. Seine schnellen Gesten signalisierten, daß er bleiben mußte, wo er war, und daß Mo vorsichtig und langsam zu ihm kommen solle. Panov bemühte sich, wie jemand zu wirken, der nicht gern Schlange stand, der lieber wartete, bis sich die Menge aufgelöst hatte, ehe er die Rolltreppe betrat. Er wünschte sich jetzt, er wäre Raucher oder hätte wenigstens das Pornomagazin nicht auf die Gleise geworfen; dann hätte er jetzt etwas zu tun gehabt. So verschränkte er eben die Hände hinter dem Rücken und schlenderte über den leeren Teil des Bahnsteigs, wobei er sich zweimal umsah und die Schlange betrachtete. Jetzt erreichte er die Säule, glitt hinter sie und stöhnte erschreckt auf.

Zu Conklins Füßen lag ein mit einem Regenmantel bekleideter Mann in mittleren Jahren, dem Conklin den Klumpfuß auf den Rücken gesetzt hatte. »Sie sollen Matthew Richards kennenlernen, Doktor. Matt ist ein alter Asienhase -damals in Saigon sind wir einander das erstemal begegnet. Da war er natürlich jünger und schneller. Aber das waren wir ja wohl alle einmal.«

»Um Gottes willen, Alex, lassen Sie mich aufstehen!« bettelte Richards und schüttelte den Kopf, so gut er das in seiner augenblicklichen Lage konnte. »Mein Schädel tut höllisch weh! Womit haben Sie mich niedergeschlagen, mit einer Brechstange?«

»Nein, Matt. Mit dem Schuh, der zu meinem kaputten Fuß gehört. Schwer, was? Und das mit dem Aufstehenlassen - Sie wissen ganz genau, daß ich das nicht kann, solange Sie meine Fragen nicht beantworten.«

»Herrgott, ich habe sie doch beantwortet! Ich bin doch bloß ein kleiner Beamter und nicht der Chef. Irgendwer von der Regierung wollte, daß Sie überwacht werden. Und dann kam noch eine Anweisung vom Außenministerium, die ich aber nicht gesehen habe!«

»Ich hab Ihnen doch gesagt, daß es mir schwerfällt, das zu glauben. Sie sind hier doch bloß eine kleine Einheit; jeder sieht alles. Seien Sie vernünftig, Matt, wir kennen uns lange genug. Wie lautete die Anweisung vom Außenministerium?«

»Das weiß ich nicht. Die Anweisung war nur für den Chef.«

Conklin blickte Panov an. »Die älteste Ausrede, die es gibt. Das machen wir immer so, wenn es Ärger mit anderen Regierungsstellen gibt. >Was weiß ich denn schon? Fragen Sie den Chef.< Auf die Weise haben wir immer eine reine Weste, weil keiner sich mit einem Chef anlegen will. Sehen Sie, die Chefs haben einen direkten Draht nach Langley, und je nachdem, was für ein Knilch gerade im Oval Office sitzt, hat Langley einen direkten Draht ins Weiße Haus. Alles sehr politisch, kann ich Ihnen sagen, und nichts mit Geheimdienst oder so.«

»Hochinteressant«, sagte Panov und starrte den am Boden liegenden Mann an und wußte nicht, was er noch sagen sollte. Er war nur dankbar dafür, daß der Bahnsteig jetzt praktisch leer war und die Säule im Schatten lag.

»Keine Ausrede!« schrie Richards und mühte sich ab, sich unter Conklins schwerem Stiefel hervorzuwinden. »Jesus! Ich sage Ihnen die Wahrheit! Im nächsten Februar gehe ich in Pension! Warum sollte ich mir den Ärger mit Ihnen oder sonst jemandem im Hauptquartier einhandeln wollen?«

»O Matt, armer Matt, Sie waren nie der Beste oder der Schlaueste. Sie haben sich gerade die eigene Frage beantwortet.

Sie freuen sich genau wie ich auf Ihre Pension und wollen keine Wellen mehr machen. Ich stehe auf der Überwachungsliste, und Sie wollen Ihren Auftrag nicht versauen. Okay, Kumpel, ich werde denen telegrafieren, daß man Sie nach Mittelamerika versetzt, bis Ihre Zeit um ist - wenn Sie so lange durchhalten.«

»Hören Sie doch auf!«

»Man muß sich das einmal vorstellen, von einem Krüppel auf einem überfüllten Bahnsteig überwältigt zu werden. Wahrscheinlich lassen die Sie danach ganz alleine ein paar Häfen verminen.«

»Ich weiß überhaupt nichts!«

»Wer sind die Chinesen?«

»Ich sage Ihnen -«

»Polizei ist das nicht, wer dann?«

»Regierung -«

»Welche Abteilung? Das mußten die Ihnen sagen - das mußte Ihnen der Chef sagen. Er konnte ja schließlich nicht erwarten, daß Sie blindlings arbeiten.«

»Das ist es ja gerade, wir arbeiten blindlings! Das einzige, was er uns gesagt hat, ist, daß Washington sie ganz oben freigegeben hat. Er hat geschworen, das sei alles, was er selbst wisse! Was, zum Teufel, sollen wir denn machen?«

»Also ist keiner verantwortlich, weil keiner etwas weiß. Wäre ja reizend, wenn es Rotchinesen wären, die einen Überläufer aufgabeln wollen, nicht wahr?«

»Der Chef ist verantwortlich. Da müßte er dann den Kopf hinhalten.«

»Oh, jetzt kommt die allerhöchste Moral. >Wir befolgen nur Befehle, Herr General< und >Herr General weiß natürlich auch nicht mehr, weil er seinerseits Befehle befolgt.«« Alex machte eine Pause und kniff die Augen zusammen. »Da war ein Mann, ein großer Bursche, der wie ein chinesischer Supermann

aussieht.« Conklin hielt inne. Richards Kopf zuckte plötzlich, ebenso wie sein Körper. »Wer ist das, Matt?«

»Das weiß ich nicht ... genau.«

»Wer?«

»Ich hab ihn gesehen, das ist alles. Der ist ja schwer zu übersehen.«

»Das ist nicht alles. Weil er schwer zu übersehen ist und wenn man bedenkt, wo Sie ihn gesehen haben, haben Sie Fragen gestellt. Was haben Sie erfahren?« »Kommen Sie, Alex! Das ist Gerede, nichts Konkretes.« »Ich liebe Gerede. Raus mit der Sprache, Matt! Oder dieses häßliche, schwere Ding an meinem Fuß könnte Ihnen das Gesicht zertreten. Sehen Sie, ich habe keine Kontrolle darüber, es hat seinen eigenen Willen, und es mag Sie nicht. Es kann sehr feindselig sein, selbst mir gegenüber.« Mit einiger Mühe hob Conklin plötzlich seinen Klumpfuß und ließ ihn zwischen Richards' Schulterblätter herunterfallen.

»Herrgott! Sie brechen mir das Rückgrat!«

»Nein, ich glaube, es will Ihnen das Gesicht zertreten. Wer ist es, Matt?« Wieder schnitt Alex eine Grimasse und hob seinen Klumpfuß und senkte ihn am Schädel des CIA-Mannes.

»Also gut! Man weiß nichts Genaues, aber es heißt, er sei ein ganz hohes Tier bei Crown CI.«

»Crown CI«, erklärte Conklin zu Morris Panov gewandt, »heißt British Counter Intelligence hier in Hongkong, also Spionageabwehr. Und folglich bekommen sie ihre Befehle direkt aus London.«

»Sehr aufschlußreich«, sagte der Psychiater ebenso verwirrt wie erschüttert.