Выбрать главу

»Wenn ich das wüßte. Niemand, mit dem ich in Washington gesprochen habe, weiß es, und da waren auch Leute darunter, die es eigentlich wissen sollten. Und sie haben nicht gelogen; nach all den Jahren habe ich dafür ein Gespür. Das Ganze ist so voll von Widersprüchen, daß Treadstone einundsiebzig im Vergleich dazu wie Amateurarbeit aussieht - und das war es ganz sicher nicht.«

»Catherine hat etwas zu mir gesagt«, unterbrach Marie. »Ich weiß nicht, ob uns das weiterhilft oder nicht, aber es ist bei mir haften geblieben. Sie hat gesagt, ein Mann sei nach Hongkong gekommen, sie nannte ihn einen >Staatsmann<, jemand, der >weit mehr als ein Diplomat sei< oder so ähnlich. Sie dachte, es könnte da eine Verbindung geben mit all dem, was geschehen ist.«

»Und sein Name?«

»Den hat sie mir nicht gesagt. Später, als ich McAllister mit ihr zusammen auf der Straße sah, habe ich angenommen, daß er das ist. Aber vielleicht stimmt das gar nicht. Der Analytiker, den Sie gerade beschrieben haben, und der nervöse Mann, der mit David und mir gesprochen hat, ist wohl kaum ein Diplomat, geschweige denn ein Staatsmann. Es muß also jemand anders gewesen sein.«

»Wann hat sie das zu Ihnen gesagt?« fragte Conklin.

»Vor drei Tagen, als sie mich in ihrem Appartement in Hongkong versteckte.«

»Bevor sie Sie nach Tuen Mun brachte?« Alex beugte sich im Sessel vor.

»Ja.«

»Und sie hat ihn nicht noch einmal erwähnt?«

»Nein, und als ich nachfragte, hat sie gesagt, es sei sinnlos, wenn wir - sie oder ich - uns Hoffnungen machten. Sie müsse noch graben, so hat sie es ausgedrückt.«

»Und damit haben Sie sich zufriedengegeben?«

»Ja, weil ich noch glaubte, ich würde begreifen. Ich hatte da keinen Anlaß, an ihr zu zweifeln. Sie ging ein großes persönliches und berufliches Risiko ein, indem sie mir half -indem sie mir glaubte, ohne sich konsularischen Rat zu holen, was andere vielleicht getan hätten, einfach um sich selbst zu schützen. Denn was ich ihr sagte, war doch geradezu unerhört -schließlich ging es um ein Lügengewebe des amerikanischen Außenministeriums, verschwundene Leibwächter des Geheimdienstes, und das konnte auch denen ganz oben nicht verborgen geblieben sein. Jemand mit weniger Format hätte sich da herausgehalten.«

»Lassen wir einmal die Dankbarkeit beiseite«, sagte Conklin mit sanfter Stimme. »Sie hat Informationen zurückgehalten, auf die Sie ein Recht hatten. Herrgott, nach allem, was Sie und David durchgemacht haben -«

»Sie irren, Alex«, unterbrach Marie leise. »Ich habe Ihnen gesagt, ich dachte, ich hätte sie begriffen, aber das ist nicht alles. Das Grausamste, was man einem Menschen antun kann, der von Panik erfüllt ist, ist doch, ihm falsche Hoffnungen zu machen. Wenn dann das Erwachen kommt, ist es unerträglich. Glauben Sie mir, ich habe über ein Jahr mit einem Mann gelebt, der verzweifelt nach Antworten suchte. Er hat eine ganze Menge gefunden, aber die, denen er nachgegangen ist und die sich dann als falsch erwiesen, haben ihn fast umgebracht.«

»Sie hat recht«, sagte Panov und nickte und sah Conklin an. »Und ich glaube, das wissen Sie auch?«

»Nun ja.« Alex zuckte die Schultern und schaute auf die Uhr. »Jedenfalls ist jetzt Zeit für Catherine Staples.«

»Man wird sie beobachten, bewachen!« Marie beugte sich in ihrem Sessel vor, und ihr Ausdruck war besorgt, ihre Augen blickten fragend. »Man wird annehmen, daß Sie beide meinetwegen hierhergekommen sind und ich Ihnen etwas über sie gesagt habe. Sie werden erwarten, daß Sie zu ihr gehen. Man wird auf Sie warten. Wenn sie zu dem imstande waren, was sie bis jetzt getan haben, könnten sie Sie töten!«

»Nein, das könnten sie nicht«, sagte Conklin, stand auf und hinkte zum Telefon am Nachttisch. »Dazu sind sie nicht gut genug«, fügte er dann ruhig hinzu.

»Sie sind doch erledigt!« flüsterte Matthew Richards hinter dem Steuer des kleinen Wagens, der gegenüber von Catherine Staples' Appartement parkte.

»Sehr dankbar sind Sie nicht gerade, Matt«, sagte Alex, der neben dem CIA-Mann im Schatten saß. »Nicht nur, daß ich kein Telegramm abgeschickt habe, ich habe auch zugelassen, daß Sie meine Überwachung wieder aufnehmen. Sie sollten mir danken, nicht mich beleidigen.«

»Scheiße!«

»Was haben Sie denn denen im Büro erzählt?«

»Was wohl? Niedergeschlagen hat man mich, zum Teufel.«

»Wie viele waren es denn?«

»Wenigstensfünf Halbstarke. Zhongguo ren.«

»Und wenn Sie sich gewehrt hätten, dann wäre es zu einem Tumult gekommen, und dann hätte ich Sie vielleicht entdecken können.« »Genau so«, antwortete Richards leise.

»Und als ich Sie anrief, war das natürlich einer der Leute von der Straße, die Sie auf Ihrer privaten Lohnliste stehen haben, und der hat einen weißen Mann gesehen, der hinkt.«

»Bingo.«

»Vielleicht befördert man Sie sogar.«

»Ich will bloß raus.«

»Kommt alles.«

»Aber nicht so.«

»Dann ist also der alte Havilland persönlich hier aufgetaucht.«

»Das haben Sie nicht von mir gehört! Das stand in der Zeitung.«

»Vom Haus in Victoria Peak stand nichts in der Zeitung, Matt.«

»Jetzt machen Sie aber einen Punkt! Sie sind nett zu mir, und ich bin nett zu Ihnen. Nichts davon, daß ich von einem Krüppel fertiggemacht wurde und dafür eine Adresse rausrückte. Außerdem würde ich das abstreiten. Sie haben das von Garden Road bekommen. Das ganze Konsulat redet davon, das ist einem Ledernacken zu verdanken, weil der Bursche sauer war.«

»Havilland«, sinnierte Alex. »Das paßt. Der ist bei den Briten Liebkind, redet sogar wie die ... Mein Gott, ich hätte die Stimme erkennen müssen!«

»Die Stimme?« fragte Richards verwirrt.

»Am Telefon. Wieder eine Szene aus dem Drehbuch. Das war Havilland! Er hätte nie zugelassen, daß das ein anderer tut! »Wir haben sie verloren.< O Gott, und ich hab mich hereinlegen lassen!«

»Wieso denn?«

»Vergessen Sie's.«

»Mit Vergnügen.«

Ein Auto verlangsamte seine Fahrt und hielt dann vor Staples Appartementhaus. Eine Frau stieg aus, und als Conklin sie im Schein der Straßenbeleuchtung sah, wußte er, wer sie war. Catherine Staples. Sie nickte dem Fahrer zu, drehte sich um und ging auf die Glastüren der Eingangshalle zu.

Plötzlich erfüllte das Brausen einer hochtourigen Maschine die ruhige Straße. Eine schwarze Limousine schoß irgendwo hinter ihnen aus dem Dunkel und kam mit quietschenden Bremsen neben Catherines Wagen zum Stehen. Eine Salve von Explosionen donnerte los. Glas zersplitterte auf der Straße und auf der anderen Seite des Trottoirs, als die Seitenfenster des parkenden Autos und die Türen des Appartementhauses zersplitterten und der Fahrer und Catherine Staples im Kugelhagel zerfetzt wurden.

Mit quietschenden Reifen raste die schwarze Limousine in die Dunkelheit davon, Blut und Fleischfetzen hinterlassend.

»Herrgott!« brüllte der CIA-Mann.

»Wir müssen hier weg«, befahl Conklin.

»Wohin? Um Himmels willen, wohin?«

»Victoria Peak.«

»Haben Sie den Verstand verloren?«

»Nein, aber jemand anders. Ein aristokratischer Kaffer ist hereingelegt worden. Gelinkt hat man den. Und der wird es als erster von mir hören. Los jetzt!«

Kapitel 26

Borowski hielt die schwarze Shanghai-Limousine auf der dunklen, von Bäumen gesäumten Straße an. Wenn die Karte stimmte, hatte er jetzt das Osttor des Sommerpalastes passiert -das heißt, eigentlich waren es mehrere alte kaiserliche Villen in einer Parkanlage, die vom Kunming-See beherrscht wurde. Er war in nördlicher Richtung am Ufer entlanggefahren, bis die vielfarbigen Lichter der Lustgärten verblichener Kaiser am Horizont verblaßt und der Dunkelheit der Landstraße gewichen waren. Er schaltete die Scheinwerfer aus, stieg aus dem Wagen und trug das, was er gekauft hatte und was jetzt in einem wasserdichten Beutel verwahrt war, zu den Bäumen an der Straße und grub den Absatz in den Boden. Die Erde war weich, und das erleichterte sein Vorhaben, denn er mußte mit der Möglichkeit rechnen, daß man seinen Mietwagen durchsuchte. Er griff in den Beutel und holte ein Paar feste Handschuhe und ein Jagdmesser mit einer langen Klinge heraus. Er kniete nieder und grub ein Loch, das tief genug war, um den Beutel darin zu verbergen; er ließ es offen, nahm sich das Messer und schnitt eine Kerbe in den Stamm des nächststehenden Baumes, so daß das weiße Holz unter der Rinde sichtbar wurde. Dann verwahrte er Messer und Handschuhe in dem Beutel und deckte ihn mit Erde zu. Er ging zum Wagen zurück, warf einen Blick auf das Armaturenbrett und ließ den Motor an. Wenn die Entfernungsangaben auf der Karte ebenso genau waren wie ihre Angaben bezüglich der für Privatpersonen gesperrten Zonen in und um Beijing, dann war die Einfahrt zum Jing-Shan-Reservat nur noch einen knappen Kilometer entfernt und mußte hinter der nächsten Straßenbiegung liegen.