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»Genug!«

»... und die Augen eines ungezogenen, häßlichen Kindes! Wie ich sagte, er ist nicht mehr als ein übergeschnappter Schwachkopf. Warum vergeudet ihr eure Zeit mit ihm? Er wird Euch dafür nur Pisse geben, keinen Wein!«

»An Ihrer Stelle würde ich damit aufhören«, sagte Sheng und trat mit seinem Schwert vor. »Die töten Sie, ehe ich das tue.«

»Irgendwie bezweifle ich das«, antwortete d'Anjou auf englisch. »Ihre Wut behindert Ihr Gehör, Sie Windbeutel. Haben Sie das Gelächter nicht gehört? Ich schon.«

»Gou le!« brüllte Sheng Chou Yang und befahl Echo, still zu sein. »Sie werden uns die Information geben, die wir haben müssen«, fuhr er fort, und sein schrilles Chinesisch war das

Bellen eines Mannes, der es gewöhnt ist, daß man ihm gehorcht. »Jetzt ist Schluß mit dem Spielchen. Wir werden uns das nicht länger bieten lassen! Wo ist der Killer, den Sie aus Macao mitgebracht haben?«

»Dort drüben«, sagte d'Anjou und deutete mit einer Kopfbewegung auf den Meuchelmörder.

»Nicht er! Der, der vor ihm war. Dieser Wahnsinnige, den Sie aus dem Grab zurückgeholt haben, um Sie zu rächen! Wo ist Ihr Treffpunkt? Wo wollen Sie zusammenkommen? Ihr Stützpunkt hier in Beijing, wo ist er?«

»Es gibt keinen Treffpunkt«, antwortete Echo wieder auf englisch. »Keine Basis für unsere Operationen und keine Pläne für ein Treffen.«

»Es hat Pläne gegeben! Ihr bereitet euch immer auf Notfälle vor. Auf diese Weise überlebt ihr!«

»Haben wir überlebt. Vergangenheit, fürchte ich.«

Sheng hob das Schwert. »Sie werden es uns jetzt sagen oder sterben - auf sehr unangenehme Weise, Monsieur.«

»Soviel will ich Ihnen sagen. Wenn er jetzt meine Stimme hören könnte, würde ich ihm erklären, daß Sie derjenige sind, den er umbringen muß. Denn Sie sind der Mann, der ganz Asien vernichten wird, bis Millionen im Blut ihrer Brüder ertrunken sind. Er muß sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, das verstehe ich, aber selbst mit meinem letzten Atemzug würde ich ihm sagen, daß Sie mit dazugehören! Ich würde ihm raten, zu handeln. Schnell!«

Von d'Anjous Worten förmlich hypnotisiert, zuckte Borowski zusammen, als hätte ihn der Schlag getroffen. Echo sandte ein letztes Signal! Handle! Jetzt! Jason griff in die linke Tasche und zog heraus, was er dort verstaut hatte, während er schnell durch das Unterholz kroch, bis er einen großen Felsbrocken fand, der fast einen Meter aus dem Boden ragte. Der Wind kam immer noch von hinten, und der Felsbrocken war groß genug, ihm

Deckung zu bieten. Als er sich in Bewegung setzte, konnte er d'Anjous Stimme hören; sie war schwach und zittrig, aber dennoch trotzig. Echo fand in sich letzte Kraftreserven, die nicht nur ausreichten, ihn in seinen letzten Minuten zu stützen, sondern auch, um Delta die wenigen Augenblicke zu verschaffen, die er brauchte.

»... seien Sie nicht voreilig, man general Dschingis-Khan, oder wer immer sonst Sie sein mögen. Ich bin ein alter Mann, und Ihre Söldner haben gute Arbeit geleistet. Wie Sie schon selbst festgestellt haben, habe ich keine Zukunft mehr. Andererseits bin ich gar nicht sicher, ob ich dort hinwill, wo Sie mich hinschicken wollen ... Wir waren nicht schlau genug, die Falle zu erkennen, die Sie uns gestellt haben, sonst wären wir ganz bestimmt nie in diese Falle hineingestolpert. Warum glauben Sie also, wir seien schlau genug gewesen, einen Treffpunkt zu verabreden?«

»Weil Sie in die Falle gegangen sind«, sagte Sheng Chou Yang ruhig. »Sie sind - er ist dem Mann aus Macao ins Mausoleum gefolgt. Dieser Wahnsinnige muß damit gerechnet haben, wieder lebend herauszukommen, Sie müssen also sowohl das Chaos als auch einen Treffpunkt einkalkuliert haben.«

»Oberflächlich betrachtet, klingt das recht logisch -«

»Wo?« schrie Sheng.

»Was bieten Sie?«

»Ihr Leben!«

»O ja, das haben Sie schon erwähnt.«

»Ihre Zeit läuft ab.«

»Ich werde wissen, wann es für mich an der Zeit ist, Monsieur!« Eine letzte Botschaft. Delta verstand.

Borowski riß ein Streichholz an, schützte die Flamme mit der Hand und zündete die dünne Wachskerze an, nachdem er die Zündschnur einen halben Zentimeter unter der Spitze festgedrückt hatte. Er kroch schnell tief er ins Unterholz und rollte dabei die Schnur auf, die zu den Feuerwerkskörpern führte. Jetzt war er am Ende angelangt und ging wieder auf den Baum zu.

»... welche Garantie habe ich für mein Leben?« beharrte Echo, dem das Ganze perverses Vergnügen bereitete, ein Schachmeister, der den eigenen unabwendbaren Tod plante.

»Die Wahrheit«, sagte Sheng. »Das ist alles, was Sie brauchen.«

»Aber mein ehemaliger Schüler sagt Ihnen, daß ich lüge - so wie Sie den ganzen Abend gelogen haben.« D'Anjou wiederholte, was er gesagt hatte, auf Mandarin, »liaojie?« sagte er zu den Zuschauern und fragte, ob sie verstanden hätten.

»Hören Sie auf damit!«

»Sie wiederholen sich pausenlos. Sie müssen sich das wirklich abgewöhnen. Es ist so ermüdend.«

»Meine Geduld ist am Ende! Wo ist dieser Verrückte!«

»In Ihrem Beruf, man general, ist Geduld nicht nur eine Tugend, sondern auch eine Notwendigkeit.«

»Aufhören!« schrie der Meuchelmörder und setzte damit alle in Erstaunen. »Der hält Sie nur hin! Er spielt mit Ihnen! Ich kenne ihn!«

»Welchen Grund sollte er dafür haben?« fragte Sheng mit erhobenem Schwert.

»Ich weiß nicht«, sagte der Brite. »Es gefällt mir nur nicht, und das reicht mir als Grund!«

Drei Meter hinter dem Baum sah Delta auf das Leuchtzifferblatt seiner Uhr und konzentrierte sich auf den Sekundenzeiger. Er hatte die Brenndauer der Kerze im Wagen abgemessen, und jetzt war es soweit. Er schloß die Augen, scharrte etwas Erde zusammen und warf sie hoch, so daß sie rechts von d'Anjou herunterfallen mußte.

Als Echo das Geräusch hörte, hob er die Stimme, so laut er konnte. »Mit Ihnen einen Handel machen?« schrie er. »Eher würde ich mit dem Erzengel der Finsternis einen Handel machen! Das muß ich vielleicht noch, aber vielleicht auch nicht, weil ein barmherziger Gott wissen wird, daß Sie Sünden begangen haben, die die meinen weit in den Schatten stellen, und ich verlasse diese Erde mit dem einzigen Wunsch, Sie mitzunehmen! Ganz abgesehen von Ihrer widerwärtigen Brutalität, man general, Sie sind ein alberner Hohlkopf, ein grausamer Witz der Geschichte! Kommen Sie, sterben Sie mit mir, General Dung!«

Mit den letzten Worten warf d'Anjou sich auf Sheng Chou Yang, krallte nach seinem Gesicht und spuckte ihm in die aufgerissenen Augen. Sheng sprang zurück und schwang sein Schwert, schmetterte dem Franzosen die Klinge gegen den Kopf. Echo starb barmherzig schnell.

Es ging los! Ein Stakkato von Explosionen erfüllte die Schlucht, hallte durch die Wälder, schwoll an, während die verblüffte Menge entsetzt reagierte. Männer warfen sich zu Boden, andere suchten hinter Bäumen und im Unterholz Deckung, Schreckensschreie hallten durch die Nacht.

Der Meuchelmörder kauerte hinter dem Baumstamm, geduckt, eine Waffe in der Hand. Borowski - den Schalldämpfer an der Pistole - ging auf den Killer zu und stellte sich hinter ihm auf. Er zielte und feuerte, fegte dem Meuchelmörder die Waffe aus der Hand und zog eine Blutspur über dessen Daumen und Zeigefinger. Der Killer fuhr mit aufgerissenen Augen herum, mit offenem Mund. Jason feuerte erneut, diesmal streifte die Kugel den Backenknochen des Mannes.