»Was für eine Wahl habe ich denn? Sie werden mich sowieso umbringen!«
»Vielleicht auch nicht. Denken Sie darüber nach, vielleicht schenke ich Ihnen das Leben. Denken Sie nur nach!«
Der Meuchelmörder rannte schneller. Sie hetzten über das letzte Stück Weg und rannten auf das hell erleuchtete Tor zu.
»Der Parkplatz!« schrie Jason. »Ganz rechts hinten!« Borowski hielt inne. »Halt!« Der Meuchelmörder blieb verwirrt stehen. Jason holte seine Taschenlampe heraus und zielte dann mit seiner Pistole. Im Rücken des Killers stehend, gab er fünf Schüsse ab, wo von nur einer sein Ziel verfehlte. Die Scheinwerfer explodierten; plötzlich senkte sich Dunkelheit über das Tor, und Borowski rammte dem Killer die Pistole ins Genick. Er knipste die Taschenlampe an und richtete ihren Lichtkegel auf das Gesicht des Killers. »Ich habe die Lage unter Kontrolle, Major«, sagte er. »Die Operation wird fortgesetzt. Weiter, Dreckskerl!«
Als sie über den abgedunkelten Parkplatz rannten, stolperte der Killer und fiel zu Boden. Jason feuerte im Schein der Taschenlampe zweimal; die Kugeln prallten neben dem Kopf des Briten ab. Er richtete sich auf und rannte weiter, vorbei an den Limousinen und dem Lkw am Rand des Parkplatzes.
»Der Zaun!« schrie Borowski halblaut. »Da hinüber.« Am Ende der Kiesfläche kam sein nächster Befehclass="underline" »Auf Hände und Knie - und schauen Sie nach vorne! Wenn Sie sich umdrehen, ist das das letzte, was Sie zu sehen bekommen. Und jetzt kriechen Sie!« Der Killer erreichte die Öffnung im Zaun. »Da durch!« sagte Jason, griff erneut in die Tasche, um Patronen herauszuholen und zog lautlos das Magazin der Pistole heraus. »Halt!« flüsterte er, als der andere halb durch war. Er füllte den Ladestreifen in der Dunkelheit auf und ließ das Magazin dann einschnappen. »Nur für den Fall, daß Sie gezählt haben«, sagte er. »Und jetzt hier durch, und dann kriechen Sie noch ein Stück weiter. Schnell!«
Während der Meuchelmörder unter dem hochgebogenen Draht durchkroch, duckte sich Borowski und schob sich nur wenige Zoll hinter ihm durch. Damit hatte der Brite nicht gerechnet, denn er fuhr herum und richtete sich halb auf. Er blickte in den Lichtstrahl der Taschenlampe, der die auf seinen Kopf gerichtete Waffe beleuchtete. »Ich hätte es genauso gemacht«, sagte Jason und stand auf. »Ich hätte dasselbe gemacht. Und jetzt gehen Sie zu dem Zaun zurück, greifen unten durch und biegen das Stück wieder gerade. Schnell!«
Der Brite tat, was ihm befohlen war. Er hatte einige Mühe, das dicke Drahtgeflecht wieder herunterzubiegen. Als er fertig war, sagte Borowski: »Das reicht jetzt. Richten Sie sich auf und gehen Sie an mir vorbei, die Hände hinter dem Rücken. Gehen Sie geradeaus und bahnen sich mit den Schultern den Weg. Meine Lampe ist auf Ihre Hände gerichtet. Sobald Sie sie voneinander lösen, bringe ich Sie um. Drücke ich mich klar aus?«
»Sie glauben, ich würde Ihnen einen Ast ins Gesicht schnellen lassen.«
»Ich würde das tun.«
»Sie drücken sich klar aus.«
Sie erreichten die Straße vor dem in gespenstischer Dunkelheit daliegenden Tor. Die Rufe in der Ferne waren jetzt deutlicher zu hören, die Vorhut rückte näher. »Die Straße hinunter«, sagte Jason. »Laufen Sie!«
Drei Minuten später knipste er die Taschenlampe an. »Halt!« rief er. »Dieser grüne Haufen dort drüben, können Sie ihn sehen?«
»Wo?« fragte der andere atemlos.
»Meine Lampe ist darauf gerichtet.«
»Das sind Äste, Zweige von Fichten.«
»Ziehen Sie sie weg. Schnell!«
Der Brite begann, die Zweige wegzuziehen, so daß in wenigen Augenblicken die schwarze Limousine sichtbar wurde. Jetzt war Zeit für seinen Beutel. Borowski sagte: »Folgen Sie dem Strahl meiner Lampe zu der Stelle links von der Motorhaube.«
»Was ist da?«
»Der Baum mit der weißen Kerbe am Stamm. Sehen Sie ihn?«
»Ja.«
»Darunter, ungefähr einen halben Meter davor, ist weiche Erde. Und darunter liegt ein Beutel. Den graben Sie jetzt aus.«
»Ein Scheißperfektionist, was?«
»Sind Sie das nicht auch?«
Ohne Antwort zu geben, fing der Killer mürrisch zu graben an und zog den Beutel aus dem Boden. Mit den Gurten in der rechten Hand trat er vor, als wollte er den Beutel übergeben. Dann schwang er ihn plötzlich, so daß er schräg von unten Jasons Waffe und die Taschenlampe treffen sollte, während er sich nach vorne stürzte, die Finger gespreizt wie die Krallen einer riesigen Raubkatze.
Darauf war Borowski vorbereitet. Das war genau der Augenblick, den er benutzt hätte, um sich den Vorteil zu verschaffen, um die paar Sekunden zu gewinnen, die er brauchte, um in die Finsternis zu rennen. Er trat einen Schritt zurück und schmetterte dem Mann die Pistole über den Schädel, als der an ihm vorbeirannte. Dann rammte er ihm das Knie ins Kreuz und packte den rechten Arm des Meuchelmörders, die Taschenlampe mit dem Mund festhaltend.
»Ich habe Sie gewarnt«, sagte Jason und riß den Killer am rechten Arm hoch. »Aber ich brauche Sie auch. Also kommen
Sie mit dem Leben davon, und es gibt nur eine kleine ärztliche Behandlung- mit einer Kugel.« Er setzte den Lauf seiner Pistole schräg am Armmuskel des Briten an und drückte ab.
»Heiland!« schrie der Killer, als der Schuß widerhallte und das Blut aufspritzte.
»Kein Knochen kaputt«, sagte Delta. »Nur Muskelgewebe, und Sie können den Arm jetzt vergessen. Sie haben Glück, daß ich ein barmherziger Mensch bin. In dem Beutel ist Gaze, Pflaster und Jod. Sie können sich selbst zusammenflicken, Major. Dann werden Sie fahren. Sie werden mein Chauffeur in der Volksrepublik sein. Sehen Sie, ich werde nämlich auf dem Rücksitz Platz nehmen und Ihnen die Pistole an die Schläfe halten. Und ich habe eine Karte. An Ihrer Stelle würde ich sehr sorgfältig fahren.«
Zwölf von Sheng Chou Yangs Männern rannten ans Tor, und nur vier von ihnen hatten Taschenlampen.
»Wei shemme? Cuo wu!«
»Mefan! Feng kuang!«
»You mao bing!«
»Wei fan!«
Ein Dutzend schreiender Stimmen hallte plötzlich durch die stille Nacht, allem und jedem die Schuld gebend. Das Wachhaus wurde überprüft, man stellte fest, daß die Schalter und das Telefon nicht mehr funktionierten und nirgends ein R)sten zu sehen war. Ein paar musterten die Kette, die Jason um das Schloß des Tores geschlungen hatte, und erteilten den anderen Befehle. Da niemand hinauskonnte, vermuteten sie, daß die Gejagten sich noch im Innern des Reservats befinden mußten.
»Quo!« schrie der Chinese, der versucht hatte, d'Anjou auszuhorchen. »Quan bu zai zehli!« schrie er dann und befahl den anderen, die Lampen aufzuteilen und den Parkplatz, den
Wald in der Umgebung und die Sümpfe dahinter abzusuchen. Die Jäger schwärmten aus, rannten wild mit den Pistolen herumfuchtelnd in verschiedenen Richtungen über den Parkplatz davon. Sieben weitere Männer erschienen, von denen nur einer eine Taschenlampe hatte. Der falsche Gefangene verlangte sie, erklärte den Neuankömmlingen, welche Situation er vorgefunden hatte, und forderte sie auf, einen weiteren Suchtrupp zu bilden. Jemand wandte ein, daß die eine Lampe dazu nicht reichte, worauf der Mann ein paar wilde Flüche ausstieß und allen, außer sich selbst, unglaubliche Dummheit vorwarf.
Jetzt erschienen die letzten Verschwörer mit flackernden Fackeln aus der Schlucht, angeführt von Sheng Chou Yang mit dem Schwert in der Scheide. Der Mann, den sie als Gefangenen eingeschleust hatten, zeigte ihm die abgeschlossene Kette und schilderte ihm die Lage.