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»Wir können doch davon ausgehen, daß er mit der Frau in Verbindung ist«, protestierte der Staatssekretär und ging auf das Telefon auf dem Tisch des Botschafters zu. »Damit hat er doch alle Fakten, die er braucht!«

»Nein, die hat er nicht. Sie hat sie auch nicht.«

»Und Sie«, sagte McAllister, die Hand am Telefonhörer. »Wie kommt es, daß er weiß, daß er zu Ihnen muß?«

Havilland grinste grimmig. »Dazu brauchte er bloß zu hören, daß ich in Hongkong bin. Außerdem haben wir miteinander geredet, und ich bin sicher, daß er daraus die richtigen Schlüsse gezogen hat.«

»Aber dieses Haus?«

»Das wird er uns ne sagen. Conklin ist ein alter Hase, Herr Staatssekretär, und verfügt über Kontakte, die wir nicht einmal ahnen. Und was ihn hierherführt, wird er uns ja erst sagen, wenn wir ihn hereinlassen, nicht wahr?«

»Allerdings.« McAllister nahm den Hörer ab und wählte eine dreistellige Nummer. »Wachoffizier? ... Lassen Sie Mr. Conklin ein; durchsuchen Sie ihn nach Waffen und bringen Sie ihn persönlich in das Büro im Ostflügel ... Was hat er? ... lassen Sie ihn sofort herein und machen Sie das verdammte Ding aus!«

»Was ist passiert?« fragte Havilland.

»Er hat auf der anderen Straßenseite Feuer gemacht.«

Alexander Conklin hinkte in den prunkvoll ausgestatteten viktorianischen Raum, während der Offizier die Tür hinter ihm schloß. Havilland erhob sich aus seinem Sessel und kam ihm mit ausgestreckter Hand um den Schreibtisch herum entgegen.

»Mr. Conklin?«

»Kein Händedruck, Herr Botschafter. Ich will mich nicht anstecken.«

»Ich verstehe. Ihr Zorn schließt Höflichkeit aus?«

»Nein, ich will mir wirklich nichts einfangen. An Ihnen ist was oberfaul. Sie haben sich da irgend etwas geholt. Eine schlimme Krankheit, glaube ich.«

»Und was wäre das für eine Krankheit?«

»Der Tod.«

»So melodramatisch? Lassen Sie das, Mr. Conklin, das ist unter Ihrer Würde.«

»Nein, das ist mir ernst. Vor nicht einmal zwanzig Minuten habe ich gesehen, wie jemand umgebracht wurde, auf der Straße niedergemäht, mit dreißig oder vierzig Kugeln im Leib. Sie wurde gegen die Glastür ihres Appartementhauses geschleudert, und ihr Fahrer wurde im Wagen abgeknallt. Ich sage Ihnen, das sieht schrecklich aus, mit Glassplittern und Blut auf - «

Havillands Augen waren vor Schrecken groß geworden, aber McAllisters hysterische Stimme unterbrach den CIA-Mann mitten im Satz. »Sie? War es die Frau?«

»Eine Frau«, sagte Conklin und wandte sich dem Staatssekretär zu, den er bisher noch nicht zur Kenntnis genommen hatte, »Sind Sie McAllister?«

»Ja.«

»Ihnen gebe ich auch nicht die Hand. Sie hatte mit Ihnen beiden zu tun.«

»Webbs Frau ist tot?« schrie der Staatssekretär, der immer noch wie vom Schlag gerührt dastand.

»Nein, aber vielen Dank für die Bestätigung.«

»Du lieber Gott!« rief Havilland. »Es war Catherine Staples.«

»Geben Sie dem Mann eine Scherzzigarre. Und nochmals vielen Dank für die zweite Bestätigung. Haben Sie vor, in nächster Zeit mit dem Hochkommissar des kanadischen Konsulats zu Abend zu essen? Ich wäre gerne dabei - bloß um dem berühmten Botschafter Havilland bei der Arbeit zusehen zu können. Heiliges Kanonenrohr, ich wette, wir untergeordneten Typen könnten da eine ganze Menge lernen.«

»Halten Sie den Mund, Sie verfluchter Vollidiot'.« schrie Havilland, ging um den Schreibtisch zurück und ließ sich in den Sessel fallen. Dann lehnte er sich zurück und schloß die Augen.

»Genau das werde ich nicht tun«, sagte Conklin und trat vor, wobei er mit seinem Klumpfuß heftig aufstampfte. »Sie sind verantwortlich, ... Sir!« Der CIA-Mann beugte sich vor und hielt sich an der Schreibtischkante fest. »Ebenso wie Sie für das verantwortlich sind, was David und Marie Webb zugestoßen ist! Zum Teufel, für wen halten Sie sich eigentlich? Ich habe einiges hinter mir, aber so viel Scheiße auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Wie Sie sich nur nicht schämen, aus Menschen verängstigte Marionetten zu machen, die nach Ihrer verdammten Pfeife tanzen! Ich wiederhole, Sie aristokratischer Scheißkaffer, für wen, zum Teufel, halten Sie sich eigentlich?«

Havilland öffnete die Augen einen schmalen Schlitz weit und beugte sich vor. Sein Ausdruck war der eines alten Mannes, der bereit war, jederzeit zu sterben, wenn bloß der Schmerz nachlassen würde. Aber gleichzeitig loderte eine kalte Wut in diesen Augen, die Dinge sahen, die anderen verschlossen blieben. »Würde es Ihnen weiterhelfen, wenn ich Ihnen sagte, daß Catherine Staples im wesentlichen genau dasselbe zu mir gesagt hat?«

»Das würde es bestätigen!«

»Und doch ist sie umgebracht worden, weil sie auf unsere Seite übergewechselt ist. Das hat ihr keinen Spaß gemacht, aber nach ihrer Meinung gab es keine Alternative dazu.«

»Noch eine Marionette?«

»Nein, ein menschliches Wesen mit einem erstklassigen Verstand und einer Fülle an Erfahrung, eine Frau, die begriff, womit wir es zu tun haben. Ich bedauere ihren Verlust zutiefst -und die Art und Weise, wie sie gestorben ist -, und zwar mehr, als Sie sich vorstellen können.«

»Ist es ihr Verlust, Sir, oder die Tatsache, daß man Ihre hochheilige Operation durchschaut hat?«

»Wie können Sie das wagen?« Havilland sagte das mit tiefer, eisiger Stimme, erhob sich und starrte den CIA-Mann an. »Sie kommen reichlich spät auf die Idee, den Moralapostel zu spielen, Mr. Conklin. Ausgerechnet Sie müssen mir das sagen. Wenn es nach Ihrem Kopf gegangen wäre, gäbe es keinen David Webb und keinen Jason Borowski. Sie waren es, der ihn auf die Abschußliste gesetzt hat, sonst niemand. Sie haben seine Exekution geplant, und beinahe wäre es Ihnen gelungen.«

»Für den Fehler habe ich bezahlt. Herrgott, und wie ich dafür bezahlt habe!«

»Und ich vermute, Sie bezahlen immer noch dafür, sonst wären Sie jetzt nicht in Hongkong«, sagte der Botschafter und nickte langsam. Seine Stimme hatte inzwischen wieder einen einigermaßen normalen Tonfall angenommen. »Jetzt stecken Sie Ihre Kanone weg, Mr. Conklin, dann werde ich dasselbe tun. Catherine Staples hat wirklich verstanden, was ich ihr klargemacht habe, und wenn ihr Tod eine Bedeutung hat, dann sollten wir versuchen, diese Bedeutung zu finden.«

»Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wo man da mit Suchen anfangen muß.«

»Sie werden alles erfahren ... wie Catherine Staples das erfahren hat.«

»Vielleicht sollte ich das gar nicht hören.«

»Ich habe keine Wahl, als darauf zu bestehen, daß Sie mir zuhören.«

»Ich glaube, Sie haben mir nicht zugehört. Ihre Operation ist enttarnt! Die Staples ist getötet worden, weil man annahm, daß sie über Informationen verfügte, die es erforderlich machten, sie zum Schweigen zu bringen. Um es kurz zu sagen, der Maulwurf, den Sie hier sitzen haben, hat Catherine Staples und Sie zusammen gesehen. Die kanadische Verbindung wurde hergestellt, ein Befehl erteilt, und Sie lassen sie ohne Schutz herumlaufen!«

»Haben Sie Angst um Ihr Leben?« fragte der Botschafter

»Dauernd«, erwiderte der CIA-Mann. »Und im Augenblick mache ich mir um noch jemanden Sorgen.«

»Webb?«

Conklin schwieg ein paar Augenblicke und musterte das Gesicht des alten Diplomaten. »Wenn das zutrifft, was ich glaube«, sagte er dann leise. »Es gibt nichts, was ich für Delta tun könnte, was er nicht besser selber kann. Aber wenn er es nicht schafft, dann weiß ich, worum er mich bitten würde. Daß ich Marie schütze. Und das kann ich am besten, indem ich Sie bekämpfe und Ihnen nicht zuhöre.«