»Und wie beabsichtigen Sie, gegen mich zu kämpfen?«
»Auf die einzige Art und Weise, auf die ich mich verstehe. Unter der Gürtellinie und mit schmutzigen Methoden. Ich werde dafür sorgen, daß in allen dunklen Ecken in Washington bekannt wird, daß Sie diesmal zu weit gegangen sind, daß Sie die Dinge aus dem Griff verloren haben, daß Sie vielleicht in Ihrem Alter ein bißchen verrückt geworden sind. Ich habe Maries Bericht und den von Mo Panov -«
»Morris Panov?« unterbrach Havilland vorsichtig. »Webbs Psychiater?«
»Jetzt kriegen Sie noch eine Scherzzigarre. Und zu guter Letzt kann ich zu der Geschichte auch noch etwas beitragen. Übrigens, um Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, ich bin es, der mit David gesprochen hat, ehe er hierherkam. Das alles zusammengenommen, in Verbindung mit dem brutalen Mord an einer Beamtin des kanadischen Konsulats, würde sich recht interessant anhören, und interessanter Lesestoff wäre es auch, als beeidete Aussagen sorgfältig verbreitet natürlich.«
»Wenn Sie das tun, setzen Sie alles aufs Spiel.«
»Ihr Problem, nicht meines.«
»Dann würde ich wiederum keine Wahl haben«, sagte der Botschafter, und wieder klang seine Stimme ebenso eisig wie seine Augen blickten. »So wie Sie einmal einen Befehl erteilt haben, einen Mann auf die Abschußliste zu setzen, würde ich mich gezwungen sehen, dasselbe zu tun. Sie würden dieses Haus nicht lebend verlassen.«
»O mein Gott!« flüsterte McAllister.
»Das wäre das Dümmste, was Sie tun könnten«, sagte Conklin, ohne den Blick von Havilland zu lösen. »Sie wissen nicht, was ich hinterlassen habe und auch nicht, bei wem. Oder was an die Öffentlichkeit getragen würde, wenn ich nicht innerhalb bestimmter Zeiten mit ganz bestimmten Leuten Verbindung aufnehme und so weiter. Sie sollten mich nicht unterschätzen.«
»Wir haben schon daran gedacht, daß Sie uns mit einer solchen Taktik kommen würden«, sagte der Diplomat und ließ den CIA-Mann stehen und kehrte zu seinem Sessel zurück. »Sie haben auch noch etwas anderes hinterlassen, Mr. Conklin. Um es höflich auszudrücken, wenn auch vielleicht zutreffend, so war bekannt, daß Sie unter einer chronischen Krankheit litten, die sich Alkoholismus nennt. In Erwartung Ihrer bevorstehenden Pensionierung und in Anerkennung Ihrer Leistungen in der Vergangenheit hat man von Disziplinarmaßnahmen abgesehen,
Ihnen aber auch keine Verantwortung mehr übertragen. Man hat Sie einfach toleriert, ein nutzloses Relikt, das ohnehin bald den Dienst quittieren würde, ein Trunkenbold, dessen paranoide Ausbrüche Ihren Kollegen viel Gesprächsstoff geliefert haben. Was auch immer an die Oberfläche geschwemmt würde, aus welcher Quelle auch immer, würde als das zusammenhanglose Geschwätz eines verkrüppelten, psychopathischen Alkoholikers eingestuft werden.« Der Botschafter lehnte sich in seinem Sessel zurück, die Ellbogen aufgestützt und die langen Finger der rechten Hand abgeknickt. »Sie sind zu bedauern, Mr. Conklin, nicht zu tadeln. Das Ineinandergreifen der Ereignisse könnte durch Ihren Selbstmord dramatisiert werden -«
»Havilland!« schrie McAllister erschrocken.
»Bleiben Sie ganz ruhig, Herr Staatssekretär«, sagte der Diplomat. »Mr. Conklin und ich wissen, wo wir herkommen. Wir haben das beide schon durchgemacht.«
»Nur mit einem Unterschied«, wandte Conklin ein, dessen Blick Havilland noch immer nicht losgelassen hatte. »Mir hat dieses Spiel nie Vergnügen bereitet.«
»Glauben Sie denn, mir?« Das Telefon klingelte. Havillands Hand schoß vor, packte es. »Ja?« Der Botschafter lauschte, runzelte die Stirn, starrte zum Fenster hinüber. »Wenn ich nicht schockiert klinge, Major, dann, weil die Nachricht mich schon vor ein paar Minuten erreicht hat ... nein, nicht die Polizei, sondern ein Mann, den Sie heute abend kennenlernen sollen. Sagen wir in zwei Stunden, wäre das recht? ... er ist jetzt einer von uns.« Havilland hob den Blick, sah Conklin an. »Es gibt Leute, die sagen, er sei besser als die meisten von uns, und ich muß einräumen, daß seine Leistungen in der Vergangenheit dafür sprechen ... ja, das ist er ... ja, das werde ich ihm sagen ... was? Was haben Sie gesagt?« Wieder sah der Diplomat zum Fenster hinüber, und sein Blick wurde finster. »Die haben sich schnell Deckung besorgt, nicht wahr? Zwei Stunden, Major.« Havilland legte auf und stützte beide Ellbogen auf den Tisch,
faltete die Hände. Er atmete tief, ein alter Mann, der seine Gedanken sammelte und im Begriff war, zu sprechen.
»Sein Name ist Lin Wenzu«, sagte Conklin und verblüffte damit Havilland ebenso wie MacAllister. »Er ist von der MI-6. Er ist Chinese und in England erzogen und gilt so ziemlich als der beste Geheimdienstmann in der Kronkolonie. Sein einziges Handicap ist seine Größe. Man entdeckt ihn leicht.«
»Wo -?« McAllister trat einen Schritt auf den CIA-Mann zu.
»Ein kleines Vögelchen ...«, sagte Conklin.
»Ein rothaariger Kardinalsvogel, nehme ich an«, sagte der Diplomat.
»Nein, nicht mehr«, erwiderte Alex.
»Ich verstehe.« Havilland löste die Hände voneinander und ließ die Arme auf den Schreibtisch sinken. »Er kennt Sie auch.«
»Kein Wunder. Er war an dem Einsatz im Bahnhof von Kowloon beteiligt.«
»Er hat mir aufgetragen, Ihnen zu gratulieren, Ihnen zu sagen, Ihr Sprinter sei ihnen entkommen.«
»Der Mann ist gut.«
»Er weiß, wo er zu finden ist, will aber keine Zeit vergeuden.«
»Noch besser. Vergeudung ist Vergeudung. Er hat Ihnen noch etwas anderes gesagt, und da ich Ihre schmeichelhafte Äußerung über meine Vergangenheit gehört habe, hätte ich das gerne auch gewußt.«
»Dann werden Sie mich also anhören?«
»Oder in einer Kiste hinausgetragen werden? Oder mehreren Kisten? Welche Wahl habe ich denn?«
»Ja, ganz richtig«, sagte der Diplomat. »Das müßte ich wohl tun, wissen Sie.«
»Ich weiß, daß Sie das wissen, Herr General.«
»Jetzt werden Sie beleidigend.«
»Sie auch. Was hat Ihnen der Major gesagt?«
»Ein Terroristen-Tong aus Macao hat die South China News Agency angerufen und die Verantwortung für die Morde übernommen. Nur daß sie gesagt haben, das mit der Frau sei ein Versehen gewesen, die Zielperson sei der Fahrer gewesen. Er habe vor zwei Wochen als Mitglied der verhaßten britischen Sicherheitspolizei einen ihrer Anführer in Wanchai erschossen. Die Information ist korrekt. Wir hatten ihn Catherine Staples als Schutz zugeteilt.«
»Das ist eine Lüge!« schrie Conklin. »Sie war das Ziel!«
»Lin sagt, es sei Zeitvergeudung, einer falschen Quelle nachzugehen.«
»Dann weiß er es also?«
»Daß man uns infiltriert hat?«
»Was, zum Teufel, denn sonst!« sagte der CIA-Mann erregt.
»Er ist ein stolzer Zhongguo ren und hat einen brillanten Verstand. Er schätzt den Mißerfolg in keiner Form, ganz besonders jetzt nicht. Ich nehme an, er hat die Jagd aufgenommen ... Setzen Sie sich, Mr. Conklin. Wir haben viel zu besprechen.«
»Ich kann das einfach nicht glaubend stieß McAllister im Flüsterton aus. »Sie reden da von Morden, von Zielen, von Abschußlisten ... von einem vorgetäuschten Selbstmord - und das Opfer steht hier und spricht von seinem eigenen Tod, als würden Sie über den Dow-Jones-Aktienindex reden oder über eine Speisekarte in einem Restaurant! Was sind Sie bloß für Menschen?«