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»Warum sagen Sie mir, wer Sie sind?«

»Ganz einfach«, erwiderte der ehemalige Kommandotruppführer, und seine Augen bohrten sich in die Jasons. »So wie ich das verstehe, wird, ganz gleich, wie die Sache läuft, nur einer von uns es schaffen. Ich werde mich verdammt anstrengen, um dafür zu sorgen, daß ich das bin, das habe ich Ihnen gesagt. Aber vielleicht schaffe ich es nicht - Sie sind ja nicht gerade ein Amateur -, und wenn ich es nicht schaffe, dann haben Sie einen Namen, mit dem Sie die ganze beschissene Welt schockieren können. Und außerdem können Sie vielleicht noch ein Vermögen damit machen, mit Buch- und Filmrechten und all dem Zeug.«

»Damit der General den Rest seines Lebens friedlich schlafen kann.«

»Schlafen? Das Hirn wird er sich wahrscheinlich aus dem Schädel pusten! Sie haben mir nicht zugehört. Ich habe gesagt, er will es leise hören, will hören, daß alle Spuren beseitigt sind und daß kein Name an die Öffentlichkeit dringt. Aber auf die Weise wird nichts beseitigt. Auf diese Weise hängt alles raus, wie Maggies Unterhosen, die ganze widerwärtige Scheiße, und ich entschuldige mich nicht dafür, alter Junge. Ich weiß, was ich bin, ich akzeptiere es. Manche Leute sind einfach anders. Wir wollen sagen, wir sind antisozial, um es so zu formulieren; krankhaft gewalttätig wäre ein anderer Ausdruck dafür - und verkommen noch ein anderer. Der einzige Unterschied ist, daß ich intelligent genug bin, es zu wissen.«

»Und es zu akzeptieren«, sagte Borowski leise.

»Es zu genießen! Mich geradezu daran zu berauschen! Und -sehen wir es doch einmal so. Wenn ich verliere und die Geschichte bekannt wird, wie viele praktizierende Antisoziale könnten denn daran Freude haben? Wie viele Männer, die anders sind, würden sich ein Vergnügen daraus machen, meinen Platz einzunehmen, so wie ich den Ihren eingenommen habe? Diese verdammte, blutige Welt wimmelt von Jason Borowskis. Man braucht ihnen bloß ein Ziel zu geben, eine Idee, und schon kommen sie gerannt. Das war die geniale Erkenntnis des Franzosen, können Sie das nicht sehen?«

»Ich kann nur Abschaum sehen, sonst nichts.«

»Sie sehen gar nicht so schlecht. Das wird der General auch sehen - ein Abbild seiner selbst -, und er wird damit leben müssen, daran ersticken müssen.«

»Wenn er Ihnen nicht helfen wollte, hätten Sie sich selbst helfen sollen, sich irgendeine Aufgabe suchen. Sie sind so intelligent, das zu wissen.«

»Und auf all den Spaß verzichten, all die Aufregung? Unvorstellbar, alter Junge! Nein, so einer wie ich sucht sich ein Himmelfahrtskommando, hofft, daß es zu einem Unfall kommt, der dem Ganzen ein Ende macht, ehe sie einen als das erkennen, was man wirklich ist. Himmelfahrtskommandos habe ich genug gefunden bei der Truppe, bei der ich war, aber der Unfall ist nie passiert. Unglücklicherweise wächst man im Kampf immer über sich selbst hinaus, nicht wahr? Wir überleben, einfach deswegen, weil ein anderer nicht will, daß wir überleben ... und dann ist da natürlich der Alkohol, der gibt uns Selbstvertrauen, ja selbst den Mut, die Dinge zu tun, von denen wir nicht sicher sind, ob wir sie tun können.«

»Nicht bei der Arbeit.« »Natürlich nicht. Aber die Erinnerungen an den Suff sind noch da. An den Mut, den man sich angetrunken hat. Im Suff weiß man, daß man es schafft.«

»Falsch«, sagte Jason Borowski.

»Nicht ganz«, wandte der Killer ein. »Sie beziehen Stärke aus dem, was Sie können.«

»Es gibt immer zwei Menschen«, sagte Jason. »Den, den Sie kennen, und den anderen, den Sie nicht kennen - oder nicht kennen wollen.«

»Falsch!« wiederholte der Killer. »Den gäbe es nicht, wenn ich nicht meinen Nervenkitzel wollte, machen Sie sich da ja nichts vor. Und noch etwas, Mr. Original. Sie wären besser beraten, wenn Sie mir eine Kugel durch den Kopf jagten, denn ich werde Sie fertigmachen, wenn ich kann. Ich werde Sie umbringen, wenn ich kann.«

»Sie verlangen von mir, daß ich das zerstöre, womit Sie nicht leben können.«

»Hören Sie auf mit dem Scheiß, Borowski! Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist, aber ich habe meinen Spaß! Und den will ich! Ohne den will ich nicht leben!«

»Jetzt haben Sie mich gerade wieder darum gebeten.«

»Sie sollen aufhören, verdammter Scheißkerl!«

»Und schon wieder.«

»Aufhören!« Der Killer stürzte sich aus dem Sessel. Jason trat zwei Schritte vor, und wieder zuckte sein rechter Fuß nach vorne, krachte dem Killer gegen die Rippen und ließ ihn in den Sessel zurücktaumeln. Akott-Price schrie schmerzerfüllt auf.

»Ich werde Sie nicht umbringen, Major«, sagte Borowski leise. »Aber ich werde Sie dazu bringen, daß Sie sich wünschen, Sie wären tot.«

»Einen letzten Wunsch sollten Sie mir gewähren«, würgte der Killer heraus und hielt sich mit den gefesselten Händen die

Brust. »Das habe selbst ich meinen Opfern gewährt ... Ich kann eine unerwartete Kugel ertragen, aber nicht die Garnison von Hongkong. Die würden mich spät in der Nacht hängen, wenn keiner dabei ist, nur um es amtlich zu machen, so wie es in den Vorschriften steht. Die würden mir ein dickes Seil um den Hals legen und mich auf eine Plattform stellen. Und das kann ich nicht ertragen!«

Delta wußte, wann der Zeitpunkt da war, die Gangart zu wechseln. »Ich habe Ihnen schon einmal gesagt«, meinte er ruhig, »daß es bei Ihnen gar nicht so weit zu kommen braucht. Ich habe mit den Briten in Hongkong nichts zu tun.«

»Sie haben was?«

»Sie haben das angenommen, aber ich habe das nie gesagt.«

»Sie lügen!«

»Dann sind Sie weniger talentiert, als ich gedacht habe, und dabei habe ich gar nicht mit viel gerechnet.«

»Ich weiß. Ich kann nicht logisch denken!«

»Das können Sie ganz bestimmt nicht.«

»Dann sind Sie ein Lohnkiller - das, was man bei Ihnen in Amerika einen Kopfgeldjäger nennt -, aber Sie arbeiten privat und auf eigene Faust.«

»In gewissem Sinne, ja. Und ich kann mir gut vorstellen, daß der Mann, der mich hinter Ihnen hergeschickt hat, Sie anheuern und nicht umbringen möchte.«

»Herr und Heiland -«

»Und mein Preis war hoch. Sehr hoch.«

»Dann sind Sie in der Branche.«

»Nur dieses eine Mal. Es war ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Legen Sie sich auf das Bett.«

»Was?«

»Sie haben mich gehört.«

»Ich muß aufs Klo.«

»Bitte schön«, erwiderte Jason und ging zur Badezimmertür und öffnete sie. »Das ist nicht gerade mein Lieblingssport, aber ich werde Sie beobachten.« Alcott-Price erleichterte sich, während Borowski die Waffe auf ihn gerichtet hielt. Als er fertig war, trat er wieder in das kleine, schäbige Zimmer in dem billigen Hotel südlich von Mongkok.

»Das Bett«, sagte Borowski erneut und gestikulierte mit der Pistole. »Legen Sie sich flach hin und spreizen Sie die Beine.«

»Die Schwuchtel unten am Empfang würde ihre Freude an diesem Gespräch haben.«

»Sie können ihn ja nachher anrufen, wenn Sie Zeit haben. Hinlegen. Schnell!«

»Sie haben es immer eilig - «

»Eiliger als Sie je verstehen werden.« Jason hob den Beutel auf und stellte ihn auf das Bett. Er holte die Nylonschnüre heraus, während der geisteskranke Killer auf die schmutzige Überdecke kroch. Neunzig Sekunden später waren die Knöchel des Briten an den hinteren Metallfedern des Bettes festgebunden, und um seinen Hals lag eine dünne weiße Schnur, die straff und gespannt zum Vorderteil des Bettes führte. Schließlich zog Borowski das Kopfkissen ab und band dem Major den Überzug um den Kopf, so daß seine Augen und Ohren bedeckt waren und er nur den Mund zum Atmen frei hatte. Mit auf dem Rücken zusammengebundenen Handgelenken war der Killer wieder bewegungsunfähig. Aber jetzt begann sein Kopf plötzlich ruckartig zu zucken, und sein Mund spannte sich bei jedem Krampf, der ihn schüttelte. Äußerste Angst hatte Exmajor Alcott-Price übermannt. Jason nahm das leidenschaftslos zur Kenntnis.