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»Entschuldigen Sie, Miss«, sagte Alex atemlos. »Sprechen Sie englisch?«

»Ein wenig«, erwiderte die Frau, die offensichtlich sein Hinken und seine erregte Stimme registriert hatte. »Haben Sie Schwierigkeiten?«

»Große Schwierigkeiten. Ich muß ein Taxi finden. Ich habe es sehr eilig, muß jemanden erreichen und kann das nicht telefonisch tun.«

»Man wird Ihnen am Empfang eines rufen. Die rufen mir jeden Abend eines, wenn ich weggehe.«

»Sie warten ... «

»Hier kommt es«, sagte die Frau, als die Scheinwerfer um die Ecke bogen.

»Miss!« rief Conklin. »Das ist sehr dringend. Ein Mann liegt im Sterben, und ein weiterer stirbt vielleicht, wenn ich ihn nicht erreiche! Bitte, darf ich -«

»Bie zhaoji«, rief die Schwester und sagte damit, er solle sich beruhigen. »Sie sind in Eile, ich nicht. Nehmen Sie mein Taxi. Ich bestelle mir ein anderes.«

»Danke«, sagte Alex, als das Taxi am Randstein anhielt. »Danke!« sagte er noch einmal, öffnete die Tür und stieg ein. Die Frau nickte freundlich, zuckte dann die Achseln und ging wieder die Treppe hinauf. Die zwei Flügel der Glastüre oben flogen auf, und Conklin sah durch das Rückfenster, wie die Schwester fast mit zwei von Lins Männern zusammengestoßen wäre. Einer hielt sie auf und sagte etwas; der andere rannte weiter und spähte mit zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit hinaus. »Schnell!« sagte Alex zu dem Fahrer, als sie das Tor passierten. »Kuai diar, falls das stimmt.«

»Ja, geht schon«, antwortete der Fahrer müde in fließendem Englisch. »>Schnell< ist aber besser.«

Die Mündung der Nathan Road war der Zugang zur farbenfrohen Welt der Goldenen Meile. Die grellbunt flammenden Lichter, die tanzenden, flackernden, schimmernden Lichter waren die Mauern dieser überfüllten Straßenschlucht, wo die Käufer auf die Suche gingen und die Verkäufer mit schrillen Rufen Aufmerksamkeit verlangten. Das war der Bazar aller Bazare, und ein Dutzend Sprachen und Dialekte wetteiferte um das Gehör der gierigen Massen. Hier in diesem konzentrierten Chaos des Kommerz stieg Alex Conklin aus dem Taxi. Mühsam ausschreitend, von seinem Klumpfuß behindert, eilte er die Ostseite der Straße hinauf, und seine Augen schweiften wie die einer zornigen Wildkatze, die im Revier der Hyänen ihre Jungen sucht.

Er kam zur vierten Kreuzung, der letzten Kreuzung. Wo waren sie? Wo waren der schlanke Panov und die hochgewachsene, auffällige Marie mit den kastanienbraunen Haaren? Seine Instruktionen waren klar gewesen, unzweideutig. Bis zur vierten Kreuzung im Norden, auf der rechten Seite, der Ostseite. Mo Panov hatte sie wiederholt ... O Gott! Er hatte nach zwei Menschen Ausschau gehalten, von denen einer wie Hunderte von Männern auf diesem überfüllten Straßenabschnitt aussah. Aber sein Blick hatte nach einer hochgewachsenen rothaarigen Frau gesucht - die sie nicht mehr war! Ihr Haar war grau gefärbt worden, mit weißen Strähnen! Alex eilte zurück auf die Salisbury Road zu, und jetzt waren seine Augen auf das eingestimmt, was er suchen sollte, nicht auf das, was seine schmerzlichen Erinnerungen ihm vorgegaukelt hatten.

Da waren sie! Am Rand einer Menge, die einen Straßenverkäufer umgab, dessen Karren mit Seidenstoffen aller Art und aller Marken vollgehäuft war - halbwegs echter Seide, aber mit gefälschten Markennamen.

»Kommen Sie mit!« sagte Conklin und packte sie beide am Arm.

»Alex!« rief Marie.

»Alles in Ordnung?« fragte Panov.

»Nein«, sagte der CIA-Mann. »Nichts ist in Ordnung.«

»Es ist David, nicht wahr?« Marie packte Conklins Arm.

»Nicht jetzt. Schnell. Wir müssen hier weg.«

»Sind sie hier?« stieß Marie hervor, und ihr grauhaariger Kopf blickte nach rechts und links. In ihren Augen stand Angst.

»Wer?«

»Ich weiß nicht«, schrie sie, um den Lärm der Menge zu übertönen.

»Nein, sie sind nicht hier«, sagte Conklin. »Kommen Sie, ein Taxi erwartet uns am Peninsula-Hotel.«

Die drei gingen die Nathan Road hinunter, was Alex - wie Marie und Morris Panov erkannten - sichtliche Mühe bereitete. »Wir können doch langsamer gehen, oder?« fragte der Psychiater.

»Nein, das können wir nicht.« »Sie haben Schmerzen«, sagte Marie.

»Lassen Sie das! Alle beide. Ich kann mit diesem Scheißdreck nichts anfangen.«

»Dann sagen Sie uns doch, was geschehen ist!« schrie Marie, während sie eine mit Karren überfüllte Straße überquerten, denen sie ausweichen mußten, ebenso wie den Touristen dazwischen, die sich aufgemacht hatten, um auf der Goldenen Meile den großen Schnapp zu machen.

»Da ist das Taxi«, sagte Conklin, als sie sich der Salisbury Road näherten. »Schnell. Der Fahrer weiß, wo wir hin müssen.«

Als sie im Taxi saßen, Panov zwischen Marie und Alex, packte sie Conklins Arm. »Es ist doch David, oder?«

»Ja. Er ist zurück. Er ist hier in Hongkong.«

»Dem Himmel sei Dank.«

»Das hoffen Sie. Das hoffen wir.«

»Was hat das zu bedeuten?« fragte der Psychiater scharf.

»Etwas ist schiefgegangen. Das Drehbuch ist im Eimer.«

»Herrgott noch mal!« explodierte Panov. »Würden Sie bitte englisch sprechen.«

»Er meint«, sagte Marie und starrte den CIA-Mann an, »daß David entweder etwas getan hat, was er nicht hätte tun sollen, oder etwas nicht getan hat, was er hätte tun sollen.«

»So könnte man es ausdrücken.« Conklins Augen wanderten nach rechts, zu den Lichtern von Victoria Harbor hinüber und der Insel Hongkong dahinter. »Ich konnte einmal Deltas Schritte berechnen, gewöhnlich sogar, ehe er sie tat. Und dann, später, als er Borowski war, konnte ich ihm auf den Fersen bleiben, wenn andere das nicht konnten, weil ich seine Alternativen kannte und wußte, für welche er sich entscheiden würde. Bis er durchdrehte und niemand mehr etwas vorhersagen konnte, weil er die Verbindung mit dem Delta verloren hatte, der in ihm steckte. Aber Delta ist jetzt zurückgekommen, und wie es vor so langer Zeit so oft geschah, haben seine Feinde ihn unterschätzt. Ich hoffe, daß ich unrecht habe - Herrgott, ich hoffe, ich habe unrecht!«

Dem Killer die Pistole in den Nacken pressend, arbeitete Delta sich lautlos durch das Unterholz vor der hohen Mauer. Sein Gefangener sträubte sich; sie waren jetzt auf drei Meter an den Eingang herangerückt. Delta trieb dem Mann die Waffe ins Fleisch und flüsterte: »Es gibt keine Tretfallen an der Mauer oder auf dem Boden. Sonst würden die Baumratten sie alle paar Sekunden auslösen und die Scheinwerfer einschalten. Weiter! Ich sage Ihnen schon, wann Sie stehenbleiben müssen.«

Der Befehl kam, als sie nur noch einen reichlichen Meter vom Tor entfernt waren. Delta packte seinen Gefangenen am Kragen und riß ihn herum, ohne die Pistole von seinem Hals zu nehmen. Dann griff der Mann von Medusa in die Tasche, holte einen Klumpen Plastiksprengstoff heraus und streckte den Arm, soweit er konnte, auf das Tor zu. Er drückte den Klebestreifen des Päckchens gegen die Mauer; den winzigen digitalen Zeitzünder im weichen Innenteil der Sprengladung hatte er auf sieben Minuten gestellt, weil sieben eine Glückszahl war, und damit er und der Killer Zeit hatten, sich hundert Meter weit zu entfernen. »Los!« flüsterte er.

Sie bogen um die Mauerecke und schoben sich dann an der Wand entlang bis zur Mitte, zu einem Punkt, wo man im Mondlicht das Ende der Mauer erkennen konnte. »Warten Sie hier«, sagte Delta und griff in den Beutel, den er sich wie einen Patronengurt um die Brust gebunden hatte. Er holte einen rechteckigen schwarzen Kasten heraus, der zwölf Zentimeter lang, acht hoch und fünf tief war. An dem Kasten hing ein aufgerollter, zwölf Meter langer dünner Plastikschlauch. Bei dem Gerät handelte es sich um einen batteriebetriebenen Lautsprecher; den stellte er jetzt auf die Mauer und legte hinten an dem Kasten einen Schalter um; ein rotes Licht leuchtete auf.