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Er rollte den dünnen Schlauch ab und stieß den Killer nach vorne. »Noch sechs oder sieben Meter«, sagte er. Jetzt erreichten sie die Stelle, die Delta brauchbar erschien. Die Äste einer Trauerweide reichten über die Mauer und hingen nach unten durch. Deckung. »Hier!« flüsterte er schroff und brachte den Killer zum Stehen, indem er ihn an der Schulter packte. Er holte den Drahtschneider aus seinem Beutel und stieß den Killer gegen die Mauer; jetzt standen sie einander gegenüber. »Ich schneide jetzt die Fesseln durch, aber Sie sind noch nicht frei. Ist das klar?« Der Brite nickte, und Delta durchschnitt die Schnüre zwischen den Ellbogen und den Handgelenken seines Gefangenen, hielt dabei aber die ganze Zeit die Pistole auf den Kopf des Mannes gerichtet. Er trat zurück und beugte das rechte Bein vor dem Killer nach vorne, während er ihm den Drahtschneider reichte. »Stellen Sie sich auf mein Bein und schneiden Sie den Stacheldraht durch. Wenn Sie ein Stück hochspringen und darunter greifen, erreichen Sie ihn. Aber keine Dummheiten. Sie haben noch keine Pistole, wohl aber ich, und Sie haben ja wahrscheinlich inzwischen mitgekriegt, daß ich keine Rücksicht nehme.«

Der Gefangene tat, wie ihm aufgetragen war. Er brauchte nicht hoch zu springen; der linke Arm des Briten glitt zwischen dem Stacheldraht durch, und seine Hand krallte sich oben an der Mauer fest. Er durchschnitt den Draht lautlos, hielt ihn mit einer Hand fest, um das Geräusch zu mindern. Sie hatten jetzt eine Öffnung, die eineinhalb Meter breit war. »Klettern Sie hinauf«, sagte Delta.

Das tat der Brite, und als sein linkes Bein sich über die Mauer schwang, sprang Delta in die Höhe, packte die Hosen des Killers und zog sich selbst an der Mauer hoch, schwang das linke Bein darüber. Jetzt saß er rittlings neben dem Killer auf der Mauer.

»Gut gemacht, Major Alcott-Price«, sagte er, ein kleines, rundes Mikrofon in der Hand und mit der anderen die Waffe auf den Kopf des Killers richtend. »Jetzt dauert es nicht mehr lange. An Ihrer Stelle würde ich das Terrain genau studieren.«

Von Conklin zur Eile gedrängt, jagte der Fahrer sein Taxi die Straße zum Victoria Peak hinauf. Sie passierten einen stehengebliebenen Wagen am Straßenrand; in der eleganten Umgebung wirkte er irgendwie deplaziert, und Alex schluckte, als er ihn sah, und fragte sich voller Angst, ob der Wagen wirklich defekt war, wie es schien. »Da ist das Haus!« schrie der CIA-Mann. »Um Himmels willen, schnell! Hinauf zur -«

Er brachte den Satz nicht zu Ende, konnte ihn nicht zu Ende sprechen. Vor ihnen erfüllte eine dröhnende Explosion die Nacht. Feuer und Steinbrocken flogen nach allen Richtungen davon, als zuerst ein großer Teil der Mauer zusammenbrach und dann das mächtige eiserne Tor in gespenstisch wirkendem Zeitlupentempo hinter den Flammen nach vorne fiel.

»Großer Gott, ich hatte recht«, sagte Alexander Conklin leise zu sich. »Delta ist zurückgekehrt. Er will sterben. Er wird sterben.«

Kapitel 32

»Jetzt noch nicht«, schrie Jason Borowski, als die Mauer hinter dem parkähnlichen, mit Flieder- und Rosenbüschen bestandenen Garten auseinanderflog. »Ich sage es Ihnen, wenn Sie springen sollen«, fügte er leise hinzu und hielt das kleine, runde Mikrofon in der anderen Hand.

Der Killer gab einen unartikulierten Laut von sich; seine Instinkte waren geweckt, der Drang, der ihn zum Töten trieb, war ebenso stark wie der zum Überleben, und einer hing vom anderen ab. Er schwebte am Rande des Wahnsinns; nur Deltas Waffe hinderte ihn an einem verrückten Angriff. Er war immer noch ein Mensch, und der Versuch, am Leben zu bleiben, war besser, als ckn Tod hinzunehmen. Aber wann, wann? Alcott-Price' Gesicht fing wieder zu zucken an; seine Unterlippe bewegte sich krampfhaft, während die Schreie und Rufe der erschrocken herumrennenden Männer den Garten erfüllten. Die Hände des Killers zitterten, während er Delta im schwachen, pulsierenden Licht der fernen Flammen anstarrte.

»Sie sollten nicht einmal daran denken«, sagte der Mann von Medusa. »Eine Bewegung, und Sie sind tot. Sie haben mich studiert, also wissen Sie, daß ich keinen Pardon gebe. Sie werden ganz genau das tun, was ich sage. Schwingen Sie Ihr Bein über die Mauer und halten Sie sich bereit, dann zu springen, wenn ich es Ihnen sage. Nicht vorher.« Ohne Warnung führte Borowski plötzlich das Mikrofon an seine Lippen und legte einen Schalter um. Als er sprach, hallte seine verstärkte Stimme gespenstisch über das Grundstück. Ein Ton, der an den Donner der Explosion erinnerte, und durch seine ruhige Redeweise und seine eisige Stimme unheilverheißender klang.

»Achtung, Ledernacken. Geht in Deckung und haltet euch hier raus. Das ist nicht euer Kampf. Ihr braucht nicht für die Männer zu sterben, die euch hierhergebracht haben. Für die seid ihr nicht mehr wert als Dreck. Ihr seid ersetzbar - so wie ich das war. Ihr seid einzig und allein hier, um Killer zu schützen. Der einzige Unterschied zwischen euch und mir ist die Tatsache, daß die mich benutzt haben, aber jetzt wollen sie mich umbringen, weil ich weiß, was sie getan haben. Sterbt nicht für diese Männer, sie sind es nicht wert. Ich gebe euch mein Wort, daß ich nicht auf euch schießen werde, wenn ihr nicht auf mich schießt, und dann habe ich keine Wahl. Aber hier ist noch ein Mann, der keinen Handel mit euch schließen wird -«

Ein Feuerstoß peitschte, zerfetzte den Lautsprecher, aus dem die Stimme über den Garten hallte. Delta war darauf vorbereitet; er hatte damit gerechnet. Einer der gesichtslosen, namenlosen Manipulatoren hatte einen Befehl erteilt, und der war ausgeführt worden. Er griff in seinen Beutel und holte einen Tränengaswerfer heraus. Man konnte damit auf fünfzig Meter Distanz schwere Glasscheiben zerschmettern; er zielte und drückte ab. In dreißig Meter Entfernung zersprang ein Erkerfenster, und eine Gaswolke quoll in den Raum. Er konnte hinter der zersprungenen Scheibe Gestalten laufen sehen. Lampen und Lüster wurden ausgelöscht, und an ihre Stelle traten Scheinwerfer, die unter den Dachsparren des großen Hauses und in den Bäumen angebracht waren. Plötzlich war das ganze Grundstück in blendend weißes Licht gehüllt. Die Äste des überhängenden Baumes würden wie ein Magnet sein, auf den sich Augen wie Waffen richteten; er begriff, daß nichts, was er sagen konnte, ausreichen würde, um die Befehle zu widerrufen. Er hatte das, was er gesagt hatte, als ehrliche Warnung gemeint, als eine Art Balsam für den Rest an Gewissen in einem kaum mehr denkfähigen, kaum mehr fühlenden Racheroboter. Ihm war vage bewußt, daß er diese jungen Leute, die man gerufen hatte, um dem paranoiden Ego der Drahtzieher zu dienen, nicht umbringen wollte - dergleichen hatte er vor Jahren in Saigon zuviel gesehen. Er wollte nur den Tod jener Männer im Haus, und er war fest entschlossen, sie umzubringen. Jason Borowski würde sich nicht davon abbringen lassen. Sie hatten ihm alles genommen, und jetzt würde er sein persönliches Konto ausgleichen. Für den Mann von Medusa war die Entscheidung gefallen - er war jetzt wie eine Marionette am Faden seines Zorns, und abgesehen von jenem Zorn war sein Leben vorbei.

»Springen Sie!« flüsterte Delta, schwang das rechte Bein über die Mauer und drückte den Killer zu Boden. Er folgte ihm, während der noch im Sprung war, und packte ihn an der Schulter, als sich der Killer verblüfft - die Arme ausgestreckt und auf den Knien kauernd - im Gras aufrichtete. Borowski zerrte ihn hinter ein Spalier, das über und über mit Bougainvillea bewachsen war, die fast zwei Meter hoch wucherte. »Ihre Pistole, Major«, sagte der echte Jason Borowski. »Meine ist auf Sie gerichtet, vergessen Sie das nicht!«