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»Da sind immer noch David und Marie«, beharrte der Psychiater. »Zu viele Leute haben sie gesehen, sie gehört.«

»Genau sehen und hören konnten sie nur ein paar Ledernacken«, sagte McAllister. »Das ganze Kontingent wird in einer Stunde nach Hawaii zurückgeflogen, darunter auch zwei Tote und sieben Verwundete. Sie haben das Gelände bereits verlassen und befinden sich auf dem Flughafen. Es war ein solches Chaos mit soviel Panik. Die Polizei und die Feuerwehr waren anderweitig beschäftigt; im Garten war niemand von denen. Wir können sagen, was wir wollen.«

»Das scheint sich bei Ihnen zu einer Gewohnheit entwickelt zu haben«, bemerkte Webb.

»Sie haben gehört, was der Botschafter gesagt hat«, sagte der Staatssekretär und wich dabei Davids Blick aus. »Wir hatten nicht das Gefühl, eine Wahl zu haben.«

»Seien Sie ruhig sich selbst gegenüber fair, Edward.« Wieder sah der Botschafter Webb an, während er mit dem Staatssekretär sprach. »Ich war der Meinung, daß wir keine andere Wahl hätten. Sie haben heftige Einwände erhoben.«

»Ich hatte unrecht«, sagte McAllister mit fester Stimme, als der Diplomat schließlich den Blick zu ihm wandern ließ. »Aber das ist ohne Belang«, fuhr er dann schnell fort. »Wir müssen jetzt entscheiden, was wir sagen werden. Das Konsulat kann sich kaum vor Anrufen der Presse retten.«

»Das Konsulat!« unterbrach Conklin. »Und das soll ein abgeschottetes Haus sein!«

»Es war keine Zeit, zur Tarnung einen entsprechenden Mietvertrag abzuschließen«, sagte der Botschafter. »Wir haben uns bemüht, so wenig wie möglich durchsickern zu lassen und haben uns einen Vorwand ausgedacht. Soweit uns bekannt ist, hat niemand Fragen gestellt, aber in dem Polizeibericht mußten der Eigentümer und der Mieter genannt werden. Welchen Kommentar gibt das Konsulat denn ab, Edward?«

»Einfach, daß die Situation noch nicht hinreichend geklärt ist. Sie warten auf uns, aber viel länger können sie die Presse nicht mehr hinhalten. Es ist besser, wenn wir etwas vorbereiten, als wenn wir den Spekulationen Tür und Tor öffnen.«

»Unbedingt«, pflichtete Havilland ihm bei. »Ich vermute, das bedeutet, daß Sie sich bereits etwas überlegt haben.«

»Nicht gerade originell, aber es könnte uns helfen, wenn ich Mr. Webb richtig verstanden habe.«

»Wenn Sie was verstanden haben?«

»Sie haben von einem Major gesprochen. Der Killer war Offizier?«

»Ja, früher. Ein Offizier, und darüber hinaus geistesgestört. Ein krankhafter Mörder, um es genau zu sagen.«

»Haben Sie seinen Namen erfahren, seine Identität?«

David sah den Staatssekretär scharf an, und Alcott-Price' triumphierende Worte kamen ihm in den Sinn ... Wenn ich verliere und die Geschichte bekannt wird, wie viele praktizierende Antisoziale könnten denn daran Freude haben?

Wie viele Männer, die >anders< sind, würden sich ein Vergnügen daraus machen, meinen Platz einzunehmen, so wie ich den Ihren eingenommen habe? Diese verdammte blutige Welt wimmelt von Jason Borowskis. Man braucht ihnen bloß ein Ziel zu geben, eine Idee, und schon kommen sie gerannt ... »Ich habe nie herausgefunden, wer er war«, sagte Webb.

»Trotzdem war er jedenfalls ein ehemaliger Offizier.«

»Das stimmt. Bei einem britischen Kommandotrupp.«

»Er war also Brite?«

»Ja.«

»Dann werden wir eine Geschichte verbreiten, die eben das ausdrücklich leugnet. Kein Engländer, keine Militärakte - genau die entgegengesetzte Richtung.«

»Ein weißer Amerikaner männlichen Geschlechts«, sagte Conklin leise und sah den Staatssekretär mit so etwas wie Respekt an. »Geben Sie ihm einen Namen und einen Hintergrund aus einer abgeschlossenen Akte. Vorzugsweise irgendein Strolch aus der Gosse, ein Psychopath, kaputt, der in seinem Wahn auf irgend jemand hier oben losgegangen ist.«

»So etwas Ähnliches, aber vielleicht nicht ganz«, sagte McAllister verlegen, als wolle er dem erfahrenen CIA-Mann nicht widersprechen. Vielleicht auch aus einem anderen Grund. »Weißer männlichen Geschlechts, ja, Amerikaner, ja. Und ganz sicher ein Mann unter einem zwanghaften Drang, der ihn antrieb zu morden, der seine Wut auf ein ganz bestimmtes Ziel lenkte -so wie Sie sagen - hier oben.«

»Auf wen?« fragte David.

»Auf mich«, erwiderte McAllister, und seine Augen bohrten sich in die Webbs.

»Und das heißt, ich«, sagte David. »Ich bin jener Mann, jener Mann, der unter zwanghaftem Drang handelt.«

»Ihr Name würde nicht fallen«, fuhr der Staatssekretär ruhig, fast kühl fort. »Wir könnten einen staatenlosen Amerikaner erfinden, der jahrelang überall im Fernen Osten von den Behörden gesucht wurde, wegen Verbrechen aller Art, angefangen bei mehrfachem Mord bis zum Rauschgifthandel. Wir werden sagen, ich hätte mit der Polizei in Hongkong, Macao, Singapur, Japan, Malaysia, Sumatra und den Philippinen zusammengearbeitet. Damit hätte ich bewirkt, daß sein Geschäft praktisch aufflog und er Millionen verlor. Er erfährt, daß ich wieder hier und auf dem Victoria Peak stationiert bin. Und er geht auf mich los, auf mich, den Mann, der ihn ruiniert hat.« McAllister hielt inne, drehte sich zu David herum. »Da ich einige Jahre hier in Hongkong verbracht habe, kann ich mir kaum vorstellen, daß Peking mich übersehen hat. Ich bin überzeugt, daß es eine Akte über einen Analytiker gibt, der sich während seines Einsatzes hier eine Anzahl Feinde verschafft hat. Ich habe mir Feinde gemacht, Mr. Webb. Das war mein Beruf. Wir waren bemüht, unseren Einfluß in diesem Teil der Welt auszuweiten, und jedesmal, wenn Amerikaner in irgendwelche kriminellen Aktivitäten verwickelt waren, habe ich mir redlich Mühe gegeben, den Behörden dabei behilflich zu sein, sie dingfest zu machen, oder zumindest dafür zu sorgen, daß sie Asien verließen. Wie hätten wir besser unsere guten Absichten zeigen können, als indem wir unseren eigenen Leuten das Handwerk legten? Das war auch der Grund, weshalb man mich nach Washington zurückbeordert hat. Und indem wir meinen Namen benutzen, verschaffen wir der Geschichte eine gewisse Authentizität, die Sheng Chou Yang nicht entgehen wird. Sehen Sie, wir kennen einander. Er wird über ein Dutzend Möglichkeiten nachdenken; hoffentlich auch die richtige, aber keine, die auch nur entfernt mit einem britischen Major in Beziehung steht.«

»Wobei die richtige Spekulation die wäre«, unterbrach Conklin leise, »daß hier seit etlichen Jahren niemand mehr etwas von dem ersten Jason Borowski gehört hat.«

»Genau.«

»Also bin ich die Leiche unter Gewahrsam«, sagte Webb, »an die man keinen heranläßt.«

»Ja, die könnten Sie sein«, sagte McAllister. »Sehen Sie, wir wissen nicht, was Sheng weiß, wieviel er in Erfahrung gebracht hat. Jedenfalls muß für ihn zweifelsfrei feststehen, daß der Tote nicht sein Killer ist.«

»Womit einem weiteren Mann in seiner Maske der Weg offengehalten wird, dorthin zurückzukehren und Sheng in die Falle zu locken«, fügte Conklin voll Respekt hinzu. »Ich muß den Hut vor Ihnen ziehen, Mr. McAllister. Sie sind zwar ein Schweinehund, aber Sie verstehen sich auf Ihr Handwerk.«

»Sie würden in die Schußlinie geraten, Edward«, sagte Havilland und sah dabei den Staatssekretär aufmerksam an. »Das habe ich nie von Ihnen verlangt. Sie haben wirklich Feinde.«

»Ich möchte es aber so machen, Herr Botschafter. Sie beschäftigen mich, damit ich Sie, so gut ich kann, berate, und nach meiner festen Überzeugung ist das die sicherste Methode. Wir brauchen eine dichte Nebelwand. Und die kann mein Name liefern - für Sheng. Der Rest läßt sich irgendwie mit mehrdeutigen Formulierungen kaschieren, Formulierungen, die jeder, den wir erreichen wollen, verstehen wird.«