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»Die Einsätze sind viel höher, als wir uns vorgestellt haben -weit höher. Das wissen Sie ebensogut wie ich. Machen Sie also kein so erschüttertes Gesicht.« Der Botschafter lehnte sich in seinem Sessel zurück, er wirkte dabei etwas steif. »Sie haben auch schon solche Entscheidungen getroffen, solche Berechnungen angestellt.«

»Nicht so. Niemals so! Man schickt seine Leute hinaus und kennt die Risiken, aber man baut nicht einen Mann auf dem

Schlachtfeld auf und schneidet ihm den Rückzug ab! Da war er noch besser dran, als er glaubte - glaubte -, er würde den Killer bringen, um seine Frau zurückzubekommen!«

»Diesmal geht es um ein anderes Ziel. Ein unendlich viel wichtigeres.«

»Ich weiß das. Dann schicken Sie nicht ihn! Dann beschaffen Sie sich die Codes und schicken einen anderen! Einen, der nicht vor Erschöpfung halb tot ist!«

»Erschöpft oder nicht, er ist der beste Mann für diesen Einsatz und besteht darauf, ihn zu übernehmen.«

»Weil er nicht weiß, was Sie getan haben! Wie Sie ihn eingeengt haben, wie Sie ihn zu einem Boten gemacht haben, der sterben muß!«

»Ich hatte keine Wahl. Sie haben es ja selbst gesagt, er hat mich gefunden. Ich mußte ihm die Wahrheit sagen.«

»Dann, und ich wiederhole, dann sollten Sie einen anderen schicken! Ein Killerteam, das von einem Strohmann angeheuert ist, ohne Verbindung zu uns, ein Team, das einfach für einen professionellen Mord bezahlt wird, dessen Ziel Sheng ist. Webb weiß, wie man an Sheng herankommt, das hat er Ihnen gesagt. Ich werde ihn überreden, daß er Ihnen die Codes gibt, und Sie kaufen ein Killerteam!«

»Sie stellen uns wohl mit den Ghadafis dieser Welt auf eine Stufe?«

»Das ist so kindisch, daß mir die Worte fehlen -«

»Vergessen Sie's«, unterbrach Havilland. »Wenn man je eine Spur fände, die zu uns führt - und das könnte man -, müßten wir unsere Raketen auf China abschießen, ehe die etwas auf uns werfen können. Unvorstellbar.«

»Was Sie hier tun, ist unvorstellbar!«

»Es gibt wichtigere Prioritäten als das Überleben eines einzelnen Individuums, Mr. Conklin, und ich kann nur wiederholen, daß Sie das ebensogut wissen wie ich. Das war Ihr Beruf - wenn Sie mir das bitte verzeihen wollen -, aber der vorliegende Fall liegt auf einer höheren Ebene als alles, was Sie bisher erlebt haben. Nennen wir es eine geopolitische Ebene.«

»Sie Arschloch!«

»Jetzt kommen Ihre Schuldgefühle ans Licht, Alex - wenn ich Sie Alex nennen darf -, sonst würden Sie mich nicht persönlich beleidigen. Ich habe niemals Jason Borowski auf die Abschußliste gesetzt. Meine größte Hoffnung ist, daß er Erfolg hat, daß es ihm gelingt, Sheng zu töten. Wenn das geschieht, ist er frei; China, der ganze Ferne Osten, ist ein Ungeheuer los, und der Welt wird ein chinesisches Sarajewo erspart, Das ist meine Aufgabe, Alex.«

»Dann sagen Sie es ihm wenigstens! Warnen Sie ihn!«

»Das kann ich nicht. Ebensowenig wie Sie das in meiner Lage könnten. Man sagt einem tueur ä gages

»Würden Sie mir das übersetzen, Sie elegantes Arschloch?«

»Ein Mann, den man auf Killermission schickt, muß Zuversicht haben, muß auf seine Überzeugungen vertrauen können. Er darf keine Sekunde über seine Motive oder seine Gründe nachdenken. Er darf überhaupt keine Zweifel haben. Gar keine. Er muß völlig von seiner Aufgabe besessen sein. Das ist seine einzige Chance für den Erfolg.«

»Und wenn er keinen Erfolg hat? Wenn er umgebracht wird?«

»Dann fangen wir so schnell wie möglich wieder von vorne an und setzen jemand anderen ein. McAllister wird in Macao bei ihm sein und die Codes erfahren, mit denen man Sheng erreichen kann. Borowski hat sich damit einverstanden erklärt. Wenn es zum Schlimmsten kommt, könnten wir ja seine Theorie mit dem erfundenen Verschwörer ausprobieren. Er sagt, dafür sei es jetzt zu spät, aber er könnte sich ja irren. Sie sehen, ich schrecke keineswegs davor zurück, etwas dazuzulernen, Alex.«

»Sie schrecken vor gar nichts zurück«, sagte Conklin zornig und stand auf. »Aber Sie haben etwas vergessen - etwas vergessen, was Sie zu David gesagt haben. Das Ganze enthält einen unübersehbaren Fehler.«

»Und der wäre?«

»Ich werde nicht zulassen, daß Sie damit durchkommen.«

Alex hinkte zur Tür. »Man kann von einem Mann eine ganze Menge verlangen, aber dann kommt einmal ein Punkt, wo man nicht noch mehr von ihm verlangen kann. Sie sind erledigt, Sie elegantes Arschloch. Webb wird die Wahrheit erfahren, die ganze Wahrheit.«

Conklin öffnete die Tür. Er sah sich dem Rücken eines hochgewachsenen Ledernacken gegenüber, der eine präzise Kehrtwendung vollführte und den Karabiner präsentierte, als die Tür aufging.

»Aus dem Weg, Soldat«, sagte Alex.

»Tut mir leid, Sir!« bellte der Ledernacken, und seine Augen blickten glasig durch den CIA-Mann hindurch.

Conklin drehte sich zu dem Diplomaten hinter dem Schreibtisch um. Havilland zuckte die Achseln. »Vorschrift«, sagte er.

»Ich hab gedacht, diese Leute wären jetzt hier weg. Ich hab gedacht, man hätte sie zum Flughafen gebracht.«

»Die, die Sie gesehen haben, sind auch dort. Die hier kommen aus dem Konsulat. Downing Street hat dankenswerterweise ein paar Vorschriften gelockert, und so ist das hier jetzt offiziell US-Territorium. Wir haben Anspruch auf militärischen Schutz.«

»Ich will Webb sprechen!«

»Das geht jetzt nicht. Er muß gleich weg.«

»Für wen, zum Teufel, halten Sie sich eigentlich?«

»Ich heiße Raymond Oliver Havilland. Ich bin Sonderbotschafter und im Auftrag der Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika tätig. In Krisenzeiten sind meine Anweisungen ohne Widerspruch auszuführen. Dies ist eine Krise. Sie können mich am Arsch lecken, Alex.«

Conklin schloß die Tür und ging schwerfällig zu seinem Sessel zurück. »Was kommt jetzt als nächstes, Herr Botschafter? Bekommen wir alle drei eine Kugel in den Schädel, oder ziehen Sie eine Lobotomie vor?«

»Ich bin sicher, daß wir uns verständigen können.«

Sie hielten einander fest. Marie wußte, daß er nur zum Teil er selbst war. Alles war wieder wie in Paris, als sie einen verzweifelten Mann namens Jason Borowski gekannt hatte, der versuchte, am Leben zu bleiben, aber nicht sicher war, ob er es schaffen würde oder es überhaupt versuchen sollte. Ein Mann, dessen Selbstzweifel für ihn in mancher Hinsicht ebenso lebensgefährlich waren wie seine Feinde, die ihn umbringen wollten. Aber es war nicht ganz so wie in Paris, diesmal gab es keine Selbstzweifel, keine fieberhaft erdachten Taktiken, um den Verfolgern zu entkommen, kein verzweifeltes Rennen, um die Jäger ihrerseits in die Falle zu locken. Was sie an Paris erinnerte, war eher die Distanz, die sie zwischen ihm und sich spürte. David versuchte, an sie heranzukommen - David, der großzügige, einfühlsame David -, aber Jason Borowski wollte ihn nicht loslassen. Diesmal war Jason der Jäger, nicht der Gejagte, und das stärkte seine Willenskraft.

»Warum, David? Warum?«

»Das habe ich dir gesagt. Weil ich es kann. Weil ich es muß. Weil es getan werden muß.«

»Das ist keine Antwort, mein Liebling.«

»Also gut.« Webb löste sich von seiner Frau, schob sie ein Stück von sich weg, hielt sie an den Schultern fest, sah ihr in die Augen. »Ich tue es für uns.«

»Für uns?«

»Ja. Sonst würde ich diese Bilder mein Leben lang immer vor mir sehen. Sie würden immer wieder zurückkehren und mich zerstören, weil ich dann wüßte, was ich hinter mir zurückgelassen habe, und damit könnte ich nicht fertig werden, und dann würde ich abstürzen und dich mitreißen, weil du bei aller Intelligenz nicht genug Verstand hast, rechtzeitig abzuspringen.«