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Tu es wieder.

Wer ist das?

Was für einen Hintergrund hat er?

Mit welcher Methode tötet er?

Falsch! Du hast unrecht! Tu es noch einmal!

Wer ist das? Was für eine Verbindung zu Carlos liegt vor?

Verdammt, du mußt nachdenken! Du darfst keine Fehler machen!

Ein Backsteingebäude. Wo man sein anderes Ich geschaffen hatte, den Mann, den er jetzt so brauchte.

Da war es, Conklins Haus mit der Wohnung im ersten Stock zur Straße. Es brannte Licht; Alex war zu Hause und wach. Webb überquerte die Straße und merkte erst jetzt, daß es nieselte. Das Licht der Straßenlaternen verschwamm in der feuchten Luft, so daß die Riffelglasschirme so etwas wie Heiligenscheine trugen. Er ging die Stufen hinauf und öffnete die Tür, die zu dem kleinen Vorraum führte; er trat ein und überflog die Namen unter den Briefkästen der sechs Wohnungen. Jede hatte ihre eigene Sprechanlage.

Für phantasievolle Umwege war jetzt keine Zeit. Wenn Panovs Urteil zutraf, würde seine Stimme ausreichen. Er drückte Conklins Klingelknopf und wartete auf Antwort; sie kam nach einer knappen Minute.

»Ja? Wer ist da?«

»Harry Babcock, hiarr«, sagte David mit übertriebenem Akzent. »Ich muß Sie sprechen, Alex.«

»Harry, was zum Teufel ...? Aber klar doch. Kommen Sie rauf!« Der Summer dröhnte, dann brach das Geräusch kurz ab -ein abgerutschter Finger. David rannte die schmale Treppe ins Obergeschoß, hoffte, vor Conklins Tür zu stehen, wenn der sie öffnete. Er war den Bruchteil einer Sekunde schneller als Alex, der mit glasigem Blick die Tür zurückzog und zu schreien anfing. Webb sprang mit einem Satz vor, preßte die Hand über Conklins Gesicht und riß den CIA-Mann gleichzeitig herum und trat die Tür zu.

Daß er körperlich einen anderen Menschen angegriffen hatte, lag so lange zurück, daß er sich gar nicht genau erinnern konnte, wann das gewesen war. Es hätte ihm fremd, ja peinlich sein müssen, aber das war es nicht. Es war völlig natürlich. O Gott!

»Ich werde jetzt die Hand wegnehmen, Alex, aber wenn du laut wirst, kommt sie wieder. Und dann überlebst du das nicht, ist das klar?« David zog die Hand zurück und riß dabei Conklins Kopf nach hinten.

»Das ist eine gottverdammte Überraschung«, sagte der CIA-Mann hustend und taumelte zurück, als David ihn losließ. »Ich brauch was zu trinken.«

»Wie ich höre, ist das deine übliche Diät.«

»Wir sind, was wir sind«, antwortete Conklin und griff ungeschickt nach einem leeren Glas, das auf dem Tisch vor einer wuchtigen, abgewetzten Couch stand. Er trug es zu einem kupfernen Bartisch an der Wand, auf dem eine Bourbonflasche neben der anderen stand. Nichts zum Mixen, kein Wasser, nur ein Eiskübel; das war keine Bar für Gäste. Sie diente nur dem Bewohner, und das rötlich schimmernde Metall zeigte, daß es sich um eine Extravaganz handelte, die der Bewohner sich selbst leistete. Der Rest des Wohnzimmers lag nicht auf dem gleichen Niveau. Irgendwie war dieser kupferne Bartisch eine Aussage.

»Welchem Umstand«, fuhr Conklin fort, während er sein Glas füllte, »verdanke ich dieses zweifelhafte Vergnügen? In Virginia wolltest du mich nicht empfangen - du hast gesagt, du würdest mich umbringen, und das ist Tatsache. Das hast du auch gesagt.

Du würdest mich umbringen, wenn ich durch die Tür käme, das hast du gesagt.«

»Du bist betrunken.«

»Wahrscheinlich. Aber das bin ich um diese Zeit gewöhnlich. Willst du mir einen Vortrag halten? Viel nützen wird es dir nicht, aber wenn du Lust hast, kannst du es ja versuchen.«

»Du bist krank.«

»Nein, ich bin betrunken, das hast du gesagt. Wiederhole ich mich?«

»Bis zum Kotzen.«

»Das tut mir leid.« Conklin stellte die Flasche hin, trank ein paarmal aus seinem Glas und sah dann Webb an. »Ich bin nicht durch deine Tür gekommen, sondern du durch meine. Aber ich nehme an, das ist ohne Belang. Bist du hierher gekommen, um endlich deine Drohung wahrzumachen, die Prophezeiung zu erfüllen, das Unrecht der Vergangenheit zu rächen, oder wie auch immer du es nennen willst? Diese ziemlich auffällige Ausbuchtung unter deinem Jackett ist ja wohl keine Flasche Whisky.«

»Ich bin nicht mehr besessen vom Wunsch, dich tot zu sehen, aber - ja - es könnte sein, daß ich dich töte. Du könntest diesen Wunsch in mir sehr leicht provozieren.«

»Das ist ja toll. Und wie?«

»Indem du mir nicht das lieferst, was ich brauche - und du kannst es liefern.«

»Du mußt etwas wissen, was ich nicht weiß.«

»Ich weiß, daß du zwanzig Jahre mehr oder weniger finstere Operationen hinter dir hast und daß du die meisten davon selbst ausgeheckt hast.«

»Geschichte«, murmelte der CIA-Mann und trank.

»Die kann man wieder auferstehen lassen. Im Gegensatz zu meinem Gedächtnis ist das deine intakt. Ich brauche Informationen, brauche Antworten.«

»Wozu? Wofür?«

»Die haben meine Frau weggeholt«, sagte David ausdruckslos. »Die haben mir Marie weggenommen.«

Conklins Augen blinzelten, während sie den anderen fixierten. »Sag das noch einmal. Ich glaube nicht, daß ich richtig gehört habe.«

»Du hast mich gehört! Und ihr Schweine steckt dabei alle miteinander unter derselben beschissenen Decke!«

»Aber ich doch nicht! Ich würde niemals - ich könnte gar nicht! Was, zum Teufel, sagst du da? Marie ist weg?«

»Sie sitzt in einem Flugzeug über dem Pazifik. Ich soll ihr nachkommen. Ich soll nach Kowloon fliegen.«

»Du bist verrückt! Du hast den Verstand verloren!«

»Hör mir zu, Alex. Du hörst jetzt ganz genau zu ...«

Wieder flössen die Worte aus ihm heraus, aber diesmal so beherrscht, wie er es bei Morris Panov nicht geschafft hatte. Conklin verfügte selbst in betrunkenem Zustand über eine schärfere Auffassungsgabe als die meisten nüchternen Männer in der Welt des Geheimdienstes, er mußte verstehen. Webb durfte nicht dulden, daß es in seiner Darstellung irgendwelche Lücken gab; sie mußte von Anfang an klar sein - von dem Augenblick an, wo er an dem Telefon in der Sporthalle mit Marie gesprochen und gehört hatte, wie sie sagte: >David, komm nach Hause. Hier ist jemand, mit dem du sprechen mußt. Schnell, Liebling. < Während er sprach, hinkte Conklin unsicher durchs Zimmer zur Couch und setzte sich; seine Augen ließen Webbs Gesicht nicht los. Als David am Ende war und sein Hotel eine Straße weiter genannt hatte, schüttelte Alex den Kopf und griff nach seinem Glas.

»Das ist unheimlich«, sagte er nach einer Schweigepause, in der er mit ungeheurer Konzentration gegen den Alkoholnebel ankämpfte; er setzte das Glas ab. »Es ist, als hätte jemand einen Plan verwirklicht, der dann ins Auge gegangen ist.«

»Ins Auge gegangen?«

»Gründlich daneben.«

»Wie?«

»Ich weiß nicht«, fuhr der ehemalige Taktiker, leicht schwankend, fort, und gab sich Mühe, nicht zu lallen. »Man gibt dir ein Drehbuch, das stimmen kann oder auch nicht, und dann ändern sich die Ziele - statt auf dich hat man es auf deine Frau abgesehen - und man spielt es zu Ende. Du reagierst in vorhersehbarer Weise, aber bei der Erwähnung von Medusa macht man dir unmißverständlich klar, daß du dir eine blutige Nase holst, wenn du so weitermachst.«

»Das ist doch auch vorhersehbar.«

»Aber so macht man das nicht. Plötzlich ist Medusa die Hauptgefahr und deine Frau nicht mehr wichtig. Jemand hat sich verkalkuliert. Irgend etwas ist aus dem Ruder gelaufen, etwas ist passiert.«

»Du hast den Rest der heutigen Nacht und morgen, um mir die Antworten zu besorgen. Ich nehme die Maschine um neunzehn Uhr nach Hongkong.«

Conklin lehnte sich vor und schüttelte langsam den Kopf. Mit zitternder Hand griff er wieder nach dem Bourbon. »Du bist im falschen Teil der Stadt«, sagte er und schluckte. »Ich hab gedacht, du weißt das; du hast ja was über das Saufen gesagt. Ich kann dir nichts nützen. Ich bin erledigt, abgehakt, eine Art Sozialfall. Keiner sagt mir etwas, und warum sollten die das? Ich bin ein Fossil, Webb. Niemand will mit mir etwas zu tun haben. Ich bin fertig, und es dauert nicht mehr lange, dann stehe ich auf der Abschußliste. Das ist, glaube ich, eine Formulierung, die du in deinem verrückten Schädel behalten hast.«