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»Ja. >Bringt ihn um. Er weiß zuviel.c«

»Vielleicht willst du mich auf die Abschußliste bringen, ist es das? Setzt ihn ins Brot, weckt die schlafende Medusa und sorgt dafür, daß er es von seinesgleichen bekommt. Dann wären wir quitt.«

»Du hast mich auf die Abschußliste gesetzt«, sagte David.

»Ja, das habe ich«, stimmte Conklin ihm zu, nickte und sah auf die Waffe. »Weil ich Delta kannte, und soweit es mich betraf, war alles möglich - schließlich hatte ich dich im Einsatz gesehen. Mein Gott, du hast in Tarn Quan einem Mann den Kopf weggeblasen - einem deiner eigenen Männer -, weil du geglaubt hast - du hast es nicht gewußt, du hast es nur geglaubt -, er würde auf dem Ho-Tschi-Minh-Pfad den Feind herbeifunken! Keine Anklage, keine Verteidigung, einfach bloß noch eine schnelle Hinrichtung mehr im Dschungel. Später stellte sich heraus, daß du recht hattest, aber du hättest auch unrecht haben können! Du hättest ihn gefangennehmen können; wir hätten dann möglicherweise etwas aus ihm herausgebracht. Aber Delta schrieb sich die Regeln selber. Sicher, du hättest in Zürich die Seite wechseln können!«

»Ich kenne die Einzelheiten über Tarn Quan nicht, aber die kannten andere«, sagte David mit ruhigem Zorn. »Ich mußte dort neun Männer herausholen - für einen zehnten war kein Platz. Er hätte uns aufhalten können, oder sogar wegrennen und unsere Position verraten.«

»Gut. Deine Regeln. Du bist doch erfinderisch - dann finde doch hier eine Parallele und drück um Himmels willen ab, wie du es bei ihm gemacht hast - der echte Jason Borowski! Ich habe dir doch in Paris gesagt, daß du es tun sollst!« Schwer atmend hielt Conklin inne, und seine blutunterlaufenen Augen fixierten Webb; seine Stimme klang jetzt gequält. Er flüsterte: »Ich habe es dir damals gesagt, und sage es dir jetzt wieder. Mach doch Schluß mit mir. Ich selbst hab doch nicht den Mumm dazu.«

»Wir waren Freunde, Alex!« schrie David. »Du bist in unser Haus gekommen! Du hast mit uns gegessen und mit den Kindern gespielt! Im Fluß bist du mit ihnen geschwommen ...« O mein Gott! Jetzt kam alles zurück. Die Bilder, die Gesichter ... Herrgott, die Gesichter ... die Leichen, die in Tümpeln aus Wasser und Blut schwammen ... Du mußt dich beherrschen! Die Bilder von dir weghalten! Weghalten! Nur jetzt. Jetzt!

»Das war in einem anderen Land, David. Und außerdem - ich glaube, es wäre dir lieber, wenn ich die Zeile nicht ganz zitiere.«

»»Außerdem ist die Hure tot.< Nein, ich würde es vorziehen, wenn du den Satz nicht wiederholen würdest.«

»Ganz gleich wie«, sagte Conklin heiser und trank einen großen Schluck Whisky. »Wir waren beide recht belesen, nicht wahr? ... Ich kann dir nicht helfen.«

»Doch, das kannst du. Das wirst du auch.«

»Hör auf, Soldat, das geht nicht.«

»Man hat Schulden bei dir. Treib sie ein. Ich verlange, daß du deine Schulden bei mir bezahlst.«

»Tut mir leid. Du kannst jederzeit dieses Ding da abdrücken, aber wenn du es nicht tust, dann werde ich mich nicht selbst auf die Abschußliste setzen oder alles wegwerfen, was mir zusteht. Wenn man mich auf die Weide schickt, dann habe ich vor, dort zu grasen. Die haben genug genommen. Ich will etwas davon zurück.« Der CIA-Agent erhob sich von der Couch und ging schwerfällig auf die kupferbelegte Bar zu. Sein Hinken war noch schlimmer, als Webb es in Erinnerung hatte; der rechte Fuß taugte nicht viel mehr als ein Beinstumpf. Es war deutlich zu sehen, daß jeder Schritt ihm weh tat.

»Das Bein ist schlimmer geworden, nicht wahr?« fragte David knapp.

»Ich werde damit leben.«

»Und auch damit sterben«, sagte Webb und hob die Pistole. »Weil ich nicht ohne meine Frau leben kann, und weil dir das scheißegal ist. Weißt du, was das aus dir macht, Alex? Nach allem, was du uns angetan hast, all den Lügen, Fallen, dem Dreck, mit dem du uns -«

»Dich!« unterbrach Conklin, schenkte sich das Glas voll und starrte dabei die Waffe an. »Nicht sie.«

»Indem du einen von uns tötest, bringst du uns beide um, aber das wolltest du nicht begreifen.«

»Soviel Luxus hatte ich nie.«

»Weil dein elendes Selbstmitleid das nicht zugelassen hat! Darin willst du dich einfach suhlen und überläßt es dem Schnaps, für dich zu denken. Wenn diese Scheiß-Landmine nicht gewesen wäre, wäre ich jetzt so etwas wie der Direktor oder der Mönch oder der Graue Fuchs - >der Angleton der achtziger Jahre<. Jämmerlich bist du. Du hast dein Leben, deinen Verstand -«

»Herrgott, nimm mir doch beides! Schieß doch! Drück doch ab, aber laß mir wenigstens etwas!« Conklin goß plötzlich den ganzen Whisky im Glas auf einmal in sich hinein; ein langgezogenes, würgendes Husten folgte. Nach dem Anfall sah er David an. Seine Augen waren wäßrig, und die roten Äderchen in ihnen waren deutlich zu sehen. »Meinst du, ich würde nicht versuchen, dir zu helfen, wenn ich das könnte, du Arschloch?« flüsterte er heiser. »Glaubst du, all das Denken, das ich mir gestatte, macht mir Spaß? Du bist es, der hier stur ist und nicht klar denkt, David. Aber das verstehst du nicht, wie?« Der CIA-Mann hielt das Glas mit zwei Fingern vor sich und ließ es auf den harten Holzboden fallen; es zerschellte, und die Splitter flogen nach allen Richtungen davon. Dann sprach er, seine Stimme klang dabei hoch und gedehnt, und ein trauriges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. »Ich kann nicht noch einen Mißerfolg ertragen, alter Freund, und ich würde es nicht schaffen, glaub mir das. Ich wäre schuld am Tod von euch beiden, und ich glaube einfach nicht, daß ich damit leben könnte.«

Webb senkte die Waffe. »Nicht mit dem, was du in deinem Kopf hast, mit dem, was du gelernt hast. Jedenfalls werde ich das Risiko eingehen; ich habe keine große Auswahl, und ich wähle dich. Um ehrlich zu sein, ich kenne sonst niemanden. Außerdem habe ich ein paar Ideen, vielleicht sogar einen Plan, aber man muß das jetzt schnell in Gang setzen.«

»Oh?« Conklin hielt sich an der Bar fest, um sich zu stützen.

»Darf ich Kaffee machen, Alex?«

Kapitel 7

Der schwarze Kaffee half Conklin dabei, nüchtern zu werden, war aber bei weitem nicht so wirkungsvoll wie Davids Vertrauen zu ihm. Der ehemalige Jason Borowski respektierte die Talente seines gefährlichsten Feindes von früher und ließ ihn das auch merken. Sie redeten bis vier Uhr früh und arbeiteten in der Zeit aus den verschwommenen Umrissen einer Strategie Einzelheiten heraus, die auf der Realität beruhten, aber viel weiter gingen. Und in dem Maße, wie die Wirkung des Alkohols nachließ, arbeitete Conklin immer besser. Was David nur vage formuliert hatte, konkretisierte er. Er erkannte jetzt, daß Webbs Überlegungen im Prinzip berechtigt waren, fand auch die Worte dafür.

»Zunächst beschreibst du die Krisensituation, die auf der Tatsache von Maries Entführung beruht. Und dann läßt du eine Lüge als Versuchsballon los. Aber du hast recht, der Ballon muß blitzschnell hochgehen, wir müssen sie hart und rasch erwischen und dürfen sie keinen Augenblick in Ruhe lassen.«

»Versuch's als erstes mit der ganzen Wahrheit«, unterbrach ihn Webb. »Ich bin hier eingebrochen und habe gedroht, dich umzubringen. Ich habe Anklagen erhoben, die auf allem beruhten, was wirklich geschehen ist - angefangen bei McAllisters Drehbuch bis zu Babcocks Erklärung, daß sie ein Exekutionskommando nach mir ausschicken würden ... bis zu dieser britisch klingenden Stimme wie trockenes Eis, die mir sagte, ich solle Medusa vergessen, sonst würden sie behaupten, ich sei geistesgestört, und mich in eine Anstalt stecken. Nichts davon läßt sich abstreiten. Es ist so geschehen, und ich drohe, alles - auch Medusa - auffliegen zu lassen.«