»Ich bin nicht in diplomatischer Mission von Behörde zu Behörde hier, Herr General - General ist doch richtig?«
»So werde ich immer noch angeredet, ja.«
»Ich scher mich also nicht die Bohne um diplomatische Ausdrucksweise, verstehen Sie?«
»Sie fangen an, mir nicht besonders sympathisch zu sein, das verstehe ich.«
»Das«, sagte Conklin betont, »ist meine geringste Sorge. Meine Sorge gilt einem Mann namens David Webb.«
»Was ist mit ihm?«
»Sie scheinen zu wissen, wen ich meine. Das ist nicht besonders tröstlich. Was geht hier vor, Herr General?«
»Wollen Sie ein Megaphon, Sie Spion?« brauste der ehemalige Soldat auf.
»Antworten will ich, Sie Feldwebel - mehr sind Sie und Ihr Laden für uns nicht.«
»Jetzt mal langsam, Conklin! Als Sie mich wegen dieses sogenannten Notfalls und mit Verifizierung durch Ihre Zentrale anriefen, hab ich mir noch was verifizieren lassen. Dieser sagenhafte Ruf, den Sie genießen, ist heutzutage ziemlich wacklig, und ich weiß, warum ich wacklig sage. Sie sind ein Säufer, Sie Spion, und daraus macht keiner ein Geheimnis. Sie haben also jetzt eine Minute Zeit, das zu sagen, wis Sie sagen wollen, und dann werfe ich Sie hinaus. Sie können es sich aussuchen - Aufzug oder Fenster.«
Alex hatte damit gerechnet, daß die Zentrale seine Trinkerei erwähnen würde. Er starrte den Leiter der Inneren Sicherheit an und sagte mit fester, fast freundlicher Stimme: »Herr General, ich werde mit einem Satz auf diesen Vorwurf antworten, und wenn das, was ich sage, je an ein anderes Ohr dringt, werde ich wissen, woher es kommt, und die CIA wird es auch wissen.« Conklin machte eine Pause und sah den anderen mit durchdringendem Blick an. »Unser Profil ist genauso, wie wir es haben wollen, und zwar aus Gründen, über die wir nicht sprechen können. Ich bin sicher, Sie verstehen, was ich damit meine.«
Im Blick des Generals war jetzt eine Andeutung von Mitgefühl zu lesen, wenn auch wider Willen. »Du liebe Güte«, sagte er leise. »Wir haben früher Leuten, die wir nach Berlin schickten, auch ehrenrührige Geschichten angehängt.«
»Häufig auf unsere Empfehlung«, nickte Conklin. »Und mehr wollen wir über das Thema nicht sagen.«
»Okay, okay. Ich muß mich entschuldigen, aber ich kann Ihnen sagen, daß das mit Ihrem Profil bestens klappt. Einer Ihrer Direktoren hat mir gesagt, ich würde wahrscheinlich schon bewußtlos werden, wenn Sie das erstemal ausatmen.«
»Ich will nicht einmal wissen, wer es war, sonst lache ich ihm noch ins Gesicht. Tatsächlich trinke ich nicht.«
Alex hätte am liebsten wie als Kind bei dieser Lüge die Finger oder die Beine gekreuzt, ohne daß man das sehen konnte, aber im Augenblick ging das nicht. »Wenden wir uns wieder David Webb zu«, sagte er scharf und fast unfreundlich.
»Was juckt Sie denn?«
»Was mich juckt? Es geht hier um mein gottverdammtes Leben, Soldat. Irgend etwas ist hier im Gange, und ich möchte wissen, was! Dieser Scheißkerl ist gestern bei mir eingebrochen und hat gedroht, mich umzubringen. Er hat sich ganz schön aufgeblasen und ein paar happige Anklagen gegen Männer aus Ihrer Abteilung, wie Henry Babcock, Samuel Teasdale und William Lanier vorgebracht. Wir haben das überprüft - die sind in Ihrer Geheimabteilung beschäftigt. Was, zum Teufel, haben diese Burschen gemacht? Einer hat ihm gegenüber eindeutig erklärt, daß Sie ein Exekutionskommando schicken! Was für eine Sprache ist das! Ein anderer hat ihm gesagt, er gehöre wieder ins Krankenhaus - er ist in zwei Krankenhäusern und in unserer Privatklinik in Virginia gewesen - wir alle haben ihn dort hingeschafft -, und die haben erklärt, er sei gesund! Außerdem hat er ein paar Geheimnisse im Kopf, von denen keiner von uns will, daß sie an die Öffentlichkeit gelangen. Aber dieser Mann steht kurz vor der Explosion wegen irgend etwas, was ihr Idioten gemacht habt oder zugelassen habt oder in eurer beschissenen Blödheit nicht wahrhaben wolltet! Er behauptet, Beweise dafür zu haben, daß ihr euch wieder in sein Leben eingemischt und es durcheinandergebracht hättet. Daß ihr ihm eine Falle gestellt und ihm mehr als nur ein Pfund Fleisch weggenommen hättet!«
»Was für Beweise?« fragte der General verblüfft.
»Er hat mit seiner Frau gesprochen«, sagte Conklin, und seine Stimme wurde plötzlich monoton.
»Und?«
»Zwei Männer haben sie aus ihrem Haus weggeholt, sie unter Drogen gesetzt und in einen Privatjet verfrachtet. Man hat sie zur Westküste geflogen.«
»Sie meinen, man hat sie entführt?«
»Sie haben's erfaßt. Und was Ihnen jetzt wahrscheinlich im Hals steckenbleiben wird, ist, daß sie zugehört hat, wie die beiden mit dem Piloten redeten. Sie hat dabei herausbekommen, daß die ganze schmutzige Geschichte etwas mit dem Außenministerium zu tun hat - Gründe hat sie nicht erfahren, aber der Name McAllister ist erwähnt worden. Zu Ihrer Information, das ist einer Ihrer Staatssekretäre aus der FernostAbteilung.«
»Das ist doch verrückt!«
»Ich will Ihnen etwas anderes sagen, und dann können Sie wieder sagen, daß es verrückt ist. Sie konnte in San Francisco, als die Maschine aufgetankt wurde, weglaufen, und hat Webb in Maine angerufen. Er ist unterwegs, um sich mit ihr zu treffen -keine Ahnung, wo, aber ich gebe Ihnen den guten Rat, daß Sie sich um ein paar vernünftige Antworten kümmern, es sei denn, Sie könnten beweisen, daß er wirklich geisteskrank ist und seine Frau umgebracht hat - und ich kann nur hoffen, daß Sie solche Beweise finden - und daß überhaupt keine Entführung stattgefunden hat - und auch das hoffe ich von ganzem Herzen.«
»Aber er ist doch unzurechnungsfähig!« schrie der Leiter der Inneren Sicherheit. »Ich habe die Akten gelesen! Das mußte ich- jemand hat gestern abend wegen diesem Webb angerufen. Fragen Sie mich nicht, wer es war, ich darf es Ihnen nicht sagen.«
»Was, zum Teufel, geht hier vor?« fragte Conklin und lehnte sich über den Schreibtisch, wobei er sich mit den Händen auf der Tischplatte aufstützte, sowohl um die Wirkung zu verstärken, als auch um sich zu stützen.
»Weil er paranoid ist, was soll ch dazu sagen? Er erfindet solche Dinge und glaubt sie dann!«
»Die Amtsärzte sind zu einem anderen Befund gelangt«, sagte Conklin mit eisiger Stimme. »Zufälligerweise ist mir darüber einiges bekannt.«
»Mir nicht, verdammt!«
»Sie werden wahrscheinlich auch nie etwas Näheres erfahren«, nickte Alex. »Aber als ehemaliges Mitglied der Operation Treadstone können Sie mit jemandem Verbindung aufnehmen, der mich beruhigen könnte. Jemand in diesem Ministerium hat da etwas ins Rollen gebracht, was wir lieber vergessen wollten.« Conklin holte ein kleines Notizbuch und einen Kugelschreiber heraus; er schrieb eine Nummer auf, riß das Blatt heraus und legte es auf den Schreibtisch. »Dieses Telefon ist abhörsicher; wenn Sie nachfragen lassen, bekommen Sie nur eine falsche Adresse«, fuhr er fort. Seine Augen waren jetzt hart und seine Stimme fest, und das leichte Zittern in ihr wirkte eher drohend. »Sie können die Nummer heute nachmittag zwischen drei und vier anrufen, sonst nicht. Sorgen Sie dafür, daß mich dann jemand anruft. Wer das ist oder wie Sie das anstellen, ist mir egal. Vielleicht müssen Sie eine Ihrer grandiosen Strategiekonferenzen einberufen, aber jedenfalls will ich Antworten hören - wir wollen Antworten hören!«
»Sie wissen ganz genau, daß das Ganze sich als Hirngespinst erweisen könnte!«
»Hoffentlich tut es das. Aber wenn nicht, dann kriegt ihr Wind um die Ohren - jede Menge Wind -, weil Sie sich nämlich auf ein Gebiet vorgewagt haben, wo Betreten verboten ist.«