Выбрать главу

David war froh, daß es so viel zu erledigen gab, denn ohne die Beschäftigung hätte es sein können, daß er in den Abgrund stürzte und daß ihn der Druck lahmte, gleichzeitig zu viel und zu wenig zu wissen. Nachdem Conklin nach Langley abgefahren war, war er ins Hotel zurückgekehrt und hatte angefangen, eine Liste zu machen. Listen beruhigten ihn; sie waren für ihn das Vorspiel zu notwendigen Aktivitäten, und zwangen ihn, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren und nicht auf die Gründe, die ihn dazu veranlaßten, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Wenn er anfing, über diese Gründe nachzugrübeln, so würde das seinen Verstand ebenso verkrüppeln wie eine Landmine Conklins rechten Fuß verkrüppelt hatte. Er konnte auch nicht über Alex nachdenken - da gab es zu viele Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Ebensowenig konnte er seinen ehemaligen Feind anrufen. Conklin war gründlich; er war der beste Mann, den es in seinem Fach gab. Er hatte mit ihm jeden einzelnen Schritt durchgesprochen und ihm die Reaktionen geschildert, die daraus erwachsen würden, und seine allererste Erkenntnis war gewesen, daß wenige Minuten nach seinem Anruf beim Leiter der Inneren Sicherheit des State Department andere Telefonate folgen würden, und daß dann mit absoluter Sicherheit zwei Telefone angezapft werden würden. Seine Telefone, in seiner Wohnung und in Langley. Deshalb hatte er nicht vor, in sein Büro zurückzukehren. Er wollte sich mit David am Flughafen treffen, kurz vor Webbs Abflug nach Hongkong.

»Du denkst, daß dir niemand hierher gefolgt ist?« hatte er zu Webb gesagt. »Ich bin mir dessen nicht so sicher. Die programmieren dich, und wenn jemand einen Knopf auf einer Tastatur drückt, läßt er die konstante Nummer nicht aus den Augen.«

»Würdest du bitte englisch mit mir sprechen? Oder Mandarin? Dann verstehe ich nämlich, was du meinst.«

»Die könnten ein Mikrofon unter deinem Bett haben.«

Also würde es keinen Kontakt zwischen ihnen geben, bis sie sich in der Bar am Dulles Airport treffen würden, und deshalb stand David jetzt vor einer Kasse in einem Lederwarengeschäft an der Wyoming Avenue. Er war dabei, sich eine große Flugtasche zu kaufen, die an die Stelle seines Koffers treten sollte; er hatte den größten Teil seiner Kleidung ausgemustert. Viele Dinge - Vorsichtsmaßregeln - wurden ihm jetzt wieder bewußt, darunter auch das unnötige Risiko, das im Warten in der Gepäckausgabe eines Flughafens bestand, und da er vorhatte, in der Touristenklasse zu reisen, weil sie anonymer war, würde man ihm wahrscheinlich nicht gestatten, den Koffer mit in die Kabine zu nehmen. Er würde sich das, was er brauchte, unterwegs kaufen, und das bedeutete, daß er sich mit viel Geld auf eine Vielzahl von Eventualitäten vorbereiten mußte. Und daraus ergab sich die nächste Station, eine Bank an der 14. Straße.

Vor einem Jahr, als die Spürhunde der Regierung die Überreste seines Erinnerungsvermögens durchforschten, hatte Marie in aller Stille, aber schnell, Davids Konto bei der Gemeinschaftsbank in Zürich aufgelöst und auch die Beträge eingezogen, die er als Jason Borowski nach Paris überwiesen hatte. Sie hatte das Geld telegraphisch auf die Cayman Islands überwiesen, wo sie einen kanadischen Bankier kannte, und hatte ein Geheimkonto eingerichtet. In Anbetracht dessen, was Washington ihrem Mann angetan hatte - sein gestörtes Bewußtsein, die körperlichen Leiden, der Mordversuch an ihm, weil Hilferufe überhört worden waren -, kam die Regierung dabei noch billig weg. Wenn David sich dazu entschlossen hätte, gegen die Regierung zu prozessieren, und die Chancen dafür hätten durchaus nicht schlecht gestanden, hätte jeder üchtige Anwalt vor Gericht Schadenersatz von mindestens zehn Millionen verlangt, und nicht nur reichliche fünf.

Sie hatte im Gespräch mit einem äußerst nervösen Direktor der CIA laut über mögliche gerichtliche Maßnahmen spekuliert.

Ihr einziger Hinweis auf die fehlenden Gelder bestand darin, daß sie meinte, angesichts ihrer Fachkenntnisse auf wirtschaftlichem Gebiet sei sie erschüttert darüber, wie leichtsinnig doch mit den hartverdienten Dollars der amerikanischen Steuerzahler umgegangen werde. Sie hatte diese Kritik mit schockierter, wenn auch sanfter Miene vorgebracht, aber ihre Augen sagten dabei etwas anderes. Diese Dame war eine Tigerin - und dazu hochintelligent und höchst motiviert -, und die Botschaft erreichte den Empfänger. Und so kam es, daß erfahrene, vorsichtige Männer die Angelegenheit auf sich beruhen ließen. Die an Jason Borowski geflossenen Gelder wurden im Geheimetat versteckt.

Jedesmal, wenn sie Geld brauchten - eine Reise, ein Wagen, das Haus - riefen Marie oder David ihren Bankier auf den Cayman-Inseln an, und der überwies das Geld dann telegrafisch auf irgendeine Verbindungsbank in Europa, den Vereinigten Staaten, den Pazifischen Inseln oder dem Fernen Osten. Webb führte aus einer Telefonzelle an der Wyoming-Avenue ein R-Gespräch und verblüffte seinen Bankier mit dem Betrag, den er sofort brauchte, und dem weiteren, den er nach Hongkong dirigierte. Das R-Gespräch kostete keine acht Dollar, der Betrag, den er anforderte, belief sich auf eine halbe Million.

»Ich nehme an, meine liebe Freundin, die kluge, hinreißende Marie, ist einverstanden, David?«

»Sie hat mir aufgetragen, Sie anzurufen. Sie hat gesagt, sie könne sich nicht um jede Kleinigkeit kümmern.«

»Das paßt zu ihr! Gehen Sie zu folgenden Banken ...«

Webb trat durch die dicken Glastüren der Bank an der 14. Straße, verbrachte zwanzig lästige Minuten mit einem Vizepräsidenten, der sich zu große Mühe gab, in diesen zwanzig Minuten freundschaftliche Gefühle für ihn zu entwickeln, und ging dann mit fünfzigtausend Dollar hinaus, vierzig in Fünfhunderterscheinen, der Rest gemischt.

Dann rief er ein Taxi und ließ sich zu einer Wohnung im Nordwesten der Stadt fahren, wo ein Mann lebte, den er in seinen Tagen als Jason Borowski gekannt hatte, ein Mann, der für die Operation Treadstone 71 Sonderaufträge erledigt hatte. Es handelte sich um einen Neger mit silbergrauem Haar, der so lange Taxifahrer gewesen war, bis eines Tages ein Fahrgast eine Hasselblad-Kamera im Wagen vergessen und sie nie zurückverlangt hatte. Das lag Jahre zurück, und der Taxifahrer hatte in diesen Jahren unzählige Experimente mit der Kamera angestellt und schließlich seinen wahren Beruf gefunden. Um es ganz einfach auszudrücken, er war so etwas wie ein Genie der >Änderung< - wobei seine Spezialität Fotos für Pässe und Führerscheine und sonstige Ausweispapiere für Leute waren, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren. David hatte sich nicht an den Mann erinnert, hatte aber unter Panovs Hypnose den Namen erwähnt - der Mann trug den unwahrscheinlichen Namen Cactus -, und Mo hatte den Fotografen nach Virginia geholt, damit er mithelfe, einen Teil von Webbs Erinnerungsvermögen in Gang zu setzen. In den Augen des alten Negers war viel Wärme und Mitgefühl gewesen, und am Ende der Sitzung hatte er Panov gebeten, David einmal die Woche besuchen zu dürfen, obwohl das für ihn sehr umständlich war.

»Warum, Cactus?«

»Weil man ihn so gequält hat, Sir. Ich hab das schon vor ein paar Jahren durch das Objektiv gesehen. Irgend etwas fehlt in ihm, aber trotzdem ist er ein guter Mensch. Ich kann mit ihm reden. Ich mag ihn, Sir.«

»Sie können kommen, wann Sie wollen, Cactus. Und hören Sie bitte mit diesem unsinnigen >Sir< auf. Das ist eine Ehre, die ich Ihnen antun möchte ... Sir.«

»Ach, wie die Zeiten sich ändern. Wenn ich einen meiner Enkel einen guten Nigger nenne, dann würde er mir am liebsten den Schädel einschlagen.«

»Das sollte er auch ... Sir.«

Webb verließ das Taxi und bat den Fahrer, auf ihn zu warten, was dieser aber ablehnte. David gab ihm kein Trinkgeld und ging den mit Natursteinplatten belegten Weg zu dem alten Haus. In mancher Hinsicht erinnerte es ihn an das Haus in Maine - zu groß und an zu vielen Stellen reparaturbedürftig. Er und Marie hatten beschlossen, nach einem Jahr ein Haus am Strand zu kaufen. Für einen erst vor kurzer Zeit berufenen Dozenten ziemte es sich nicht, gleich bei der Ankunft ein solches Haus zu kaufen. Er klingelte.