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»Jetzt werden Sie beleidigend.«

»Das sind nicht meine Regeln«, erwiderte Borowski und sah den Asiaten mit eisigem Blick an. »Kommen Sie zur Sache. Meine Frau lebt, und ich will sie unversehrt zurück. Wenn ihr irgend etwas zustößt, dann werden Sie und Ihre Zhongguo ren dafür büßen.«

»Sie sind nicht in der Lage, Drohungen auszustoßen, Mr. Webb.«

»Webb nicht«, gab ihm der einst meistgejagte Mann von Asien und Europa recht. »Aber Borowski.«

Der Asiate sah Jason durchdringend an und nickte dann, als sein Blick sich wieder von ihm löste. »Sie sind ebenso wagemutig wie arrogant. Zur Sache also. Das Ganze ist sehr einfach, sehr klar.« Der Taipan ballte plötzlich die rechte Hand zur Faust und ließ sie auf die Armlehne des Sessels fallen. »Ich will Beweise gegen meine Feinde!« schrie er, und seine zornigen Augen funkelten unter den angeschwollenen Lidern.

»Und die bekomme ich nur, wenn Sie mir Ihren nur allzu glaubwürdigen Doppelgänger liefern! Ich will ihn vor mir sehen, will, daß er mich ansieht, während sein Leben unter Qualen aus ihm heraussickert, bis er mir alles gesagt hat, was ich wissen muß. Bringen Sie ihn mir, Jason Borowski!« Der Bankier atmete schwer und fügte dann leise hinzu: »Dann, und nur dann, werden Sie wieder mit Ihrer Frau vereint werden.«

Webb starrte den Taipan schweigend an. »Wie kommen Sie darauf, daß ich das kann?« fragte er schließlich.

»Wer könnte besser die Kopie in die Falle locken als das Original?«

»Leere Worte«, sagte Webb. »Ohne Bedeutung.«

»Er hat Sie studiert! Er hat Ihre Methoden, Ihre Technik analysiert. Sonst könnte er sich nicht für Sie ausgeben. Finden Sie ihn! Locken Sie ihn mit den Taktiken in die Falle, die Sie selbst geschaffen haben!«

»Einfach so?«

»Man wird Ihnen helfen. Ich werde Ihnen ein paar Namen nennen und Beschreibungen von Männern, von denen ich überzeugt bin, daß sie mit diesem neuen Killer, der einen alten Namen gebraucht, unter einer Decke stecken.«

»Drüben in Macao?«

»Niemals! Auf keinen Fall in Macao! Was im Lisboa-Hotel geschehen ist, darf nicht erwähnt werden, unter keinen Umständen. Das ist abgeschlossen, erledigt; davon wissen Sie nichts. Meine Person darf in keiner Weise mit dem in Verbindung gebracht werden, was Sie tun. Sie haben mit mir nichts zu schaffen! Wenn Sie an die Oberfläche kommen, dann jagen Sie einen Mann, der in Ihre Rolle geschlüpft ist. Sie schützen sich, verteidigen sich. Unter den gegebenen Umständen ist das völlig natürlich.«

»Ich dachte, Sie wollten Beweise -«

»Die werde ich haben, wenn Sie ihn zu mir bringen!« schrie der Taipan.

»Wenn nicht in Macao, wo dann?«

»Hier in Kowloon. Im Tsim Sha Tsui. Fünf Männer sind im Nebenzimmer eines Varietes erschossen worden, unter ihnen ein Bankier - ein Taipan wie ich. Ich hatte gelegentlich mit ihm zu tun, ein Mann ähnlich einflußreich wie ich - und drei andere, deren Identität man geheimgehalten hat; offenbar eine Entscheidung der Regierung. Ich habe nie herausgefunden, wer die Männer waren.«

»Aber wer der fünfte Mann war, wissen Sie«, sagte Borowski.

»Er hat für mich gearbeitet. Er hat bei dieser Zusammenkunft meinen Platz eingenommen. Wäre ich selbst dort gewesen, hätte Ihr Doppelgänger mich getötet. Und dort werden Sie anfangen müssen, hier in Kowloon, in Tsim Sha Tsui. Ich werde Ihnen die Namen der zwei Toten nennen, die man veröffentlicht hat. Die Identität vieler Männer, die Feinde der beiden waren und jetzt auch meine Feinde sind. Sie müssen schnell handeln. Finden Sie den Mann, der in Ihrem Namen tötet, und bringen Sie ihn zu mir. Und noch eine letzte Warnung, Mr. Borowski. Sollten Sie herauszufinden versuchen, wer ich bin, wird schnell ein Befehl erteilt und noch schneller ausgeführt werden. Dann stirbt Ihre Frau.«

»Dann sterben auch Sie. Geben Sie mir die Namen.«

»Sie stehen hier«, sagte der Mann, der den Namen Yao Ming benutzte, und griff in die Tasche der weißen Seidenweste. »Eine Stenotypistin im Mandarin-Hotel hat das getippt. Es hätte also keinen Sinn, nach einer bestimmten Schreibmaschine zu suchen.«

»Zeitvergeudung«, sagte Borowski und nahm das Blatt Papier entgegen. »In Hongkong muß es zwanzig Millionen Schreibmaschinen geben.«

»Aber nicht so viele Taipans von meiner Größe, wie?« »Das werde ich mir merken.«

»Dessen bin ich mir sicher.«

»Wie erreiche ich Sie?«

»Gar nicht. Niemals. Dieses Treffen hat nie stattgefunden.«

»Warum hat es dann stattgefunden? Warum ist das alles geschehen? Angenommen, ich finde diesen Kretin, der sich Borowski nennt, und es gelingt mir, ihn in meine Gewalt zu bringen - angenommen, habe ich gesagt -, was tue ich dann mit ihm? Lege ich ihn hier draußen auf die Stufen?«

»Das wäre eine glänzende Idee. Unter Drogen natürlich. Niemand würde sich auch nur im geringsten für ihn interessieren, man würde ihm nur die Taschen leeren.«

»Ich würde mich schon für ihn interessieren. Ein Gegengeschäft, Taipan. Ich möchte eine hundertprozentige Garantie. Ich will meine Frau zurück.«

»Und was wäre für Sie eine solche Garantie?«

»Zuerst ihre Stimme am Telefon, damit ich mich davon überzeugen kann, daß ihr nichts fehlt, und dann will ich sie sehen - sagen wir, wie sie eine Straße entlanggeht, aus eigener Kraft und ganz alleine.«

»Spricht da Jason Borowski?«

»Ja.«

»Nun gut. Wir haben hier in Hongkong eine hochtechnisierte Industrie entwickelt, da können Sie jeden in Ihrem Lande fragen, der in der Elektronikbranche tätig ist. Unten auf diesem Blatt steht eine Telefonnummer. Falls und wenn - und nur falls und wenn - Sie den falschen Borowski in Ihrer Gewalt haben, rufen Sie diese Nummer an und wiederholen ein paarmal das Wort >Schlangenweib< -«

»Medusa«, flüsterte Jason und fiel damit dem anderen ins Wort.

Der Taipan hob die Brauen, aber sein Gesichtsausdruck verriet weiterhin nichts. »Ich habe natürlich die Schlangenverkäuferin auf dem Markt gemeint.«

»Erzählen Sie das der Großmutter des Teufels. Weiter.«

»Sie wiederholen also das Wort ein paarmal, bis Sie ein paar klickende Geräusche hören -«

»Womit eine andere Nummer gewählt wird«, unterbrach ihn Borowski erneut.

»Es hat etwas mit den Lauten zu tun, glaube ich«, gab ihm der Taipan recht. »Der Zischlaut Sch, danach ein Vokal und harte Konsonanten. Genial, finden Sie nicht auch?«

»Man nennt das akustische Programmierung.«

»Das macht offenbar keinen Eindruck auf Sie. Deshalb sollte ich wohl wiederholen, unter welcher Bedingung Sie überhaupt nur anrufen dürfen. Ich kann um Ihrer Frau willen nur hoffen, daß das Eindruck auf Sie macht. Sie dürfen nur anrufen, wenn Sie bereit sind, den falschen Borowski innerhalb von Minuten auszuliefern. Sollten Sie oder sonst jemand die Nummer und das Codewort ohne diese Voraussetzung benutzen, dann weiß ich, daß jemand versucht, die Leitung anzupeilen. In dem Fall wird Ihre Frau getötet werden, und dann wird man irgendwo bei den Inseln eine tote, entstellte weiße Frau ohne Identifizierungsmerkmale ins Meer werfen. Drücke ich mich klar aus?«

Borowski schluckte, drängte seine Wut und die Angst zurück, von der ihm schlecht wurde, und sagte eisig: »Ihre Bedingung habe ich verstanden. Und jetzt möchte ich, daß Sie die meine verstehen. Falls und wenn ich anrufe, will ich meine Frau sprechen - nicht innerhalb von Minuten, sondern innerhalb von Sekunden. Wenn nicht, wird derjenige am anderen Ende der Leitung einen Schuß hören, und dann werden Sie wissen, daß Ihr Meuchelmörder, von dem Sie sagen, daß Sie ihn unbedingt haben müssen, ein Loch im Kopf hat. Ich gebe Ihnen dann genau dreißig Sekunden Zeit.«