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»Ich habe Ihre Bedingung verstanden. Sie wird erfüllt werden. Ich glaube, die Besprechung ist beendet, Jason Borowski.«

»Ich will meine Waffe wiederhaben. Einer Ihrer Leibwächter hat sie.«

»Sie bekommen sie, wenn Sie hinausgehen.«

»Einfach so, auf Treu und Glauben?«

»Das ist gar nicht nötig. Er hat Anweisung, Ihnen die Waffe zu geben, falls Sie überhaupt hier herauskommen. Eine Leiche braucht keine Waffe.«

Was von den Prunkvillen aus der Kolonialzeit Hongkongs übriggeblieben ist, befindet sich hoch in den Bergen, oberhalb der Stadt, in einer Gegend, die den Namen Victoria Peak trägt und ihren Namen vom höchsten Punkt der Insel ableitet, der Krone des ganzen Territoriums. Das Bild wird hier von eleganten Gärten bestimmt, mit Fußwegen, die von Rosenbeeten gesäumt sind und die zu Veranden und Pavillons führen, von denen aus die Reichen Hongkongs den Anblick des Hafens in der Tiefe und der Inseln weit davor genießen. Die Prachtvillen hier wirken wie ein bescheidener Abklatsch der großen Häuser von Jamaika. Sie sind großzügig gebaut, mit hohen, seltsam ineinanderverschachtelten Räumen, damit während der langen drückenden Hitzeperioden der Sommerwind freies Spiel hat. Überall ist poliertes, handgeschnitztes Holz zu finden, das die Fenster einrahmt und verstärkt, damit sie dem Wind und dem Regen des Bergwinters Widerstand leisten können. In diesen Villen, deren Bauweise das Klima diktiert hat, sind Luxus und Zweckmäßigkeit eine Mischehe eingegangen. Eins dieser Häuser im Peak District war freilich anders.

Nicht was die Größe, die Zweckmäßigkeit oder die Eleganz anlangte, auch nicht in der Schönheit seiner Gärten, die eher noch ausgedehnter waren als viele der Nachbarn, noch in der Höhe der Steinmauer, die das Anwesen umgab. Auch die eindrucksvollen Torflügel der Einfahrt paßten ins Bild. Die Abweichung lag darin, daß das Haus so isoliert von den anderen wirkte, vor allem nachts, wenn in den vielen Zimmern nur wenige Lichter brannten, und aus den Fenstern oder den Gartenanlagen kein Laut zu hören war. Das Haus wirkte wie kaum bewohnt, von Lebenslust einmal ganz zu schweigen. Aber was es so dramatisch von den anderen abhob, waren die Männer am Tor und andere ähnliche Männer, die man von der Straße aus sehen konnte, wenn sie regelmäßig Streife durch das Gelände gingen. Sie waren bewaffnet und uniformiert. Es waren Angehörige der amerikanischen Marineinfanterie.

Das Konsulat der Vereinigten Staaten hatte das Anwesen auf Anordnung des Nationalen Sicherheitsrates gepachtet. Im Falle irgendwelcher Anfragen hatte das Konsulat die Weisung, lediglich zu erklären, daß im nächsten Monat zahlreiche Vertreter der amerikanischen Regierung und amerikanischer Industrieunternehmen in der Kronkolonie erwartet würden und daß die Pacht des Anwesens aus Gründen der Sicherheit und des Komforts gerechtfertigt war. Mehr wußte das Konsulat nicht. Einige Mitarbeiter der britischen MI-6 waren etwas besser informiert, da man ihre Unterstützung brauchte, und London diese auch autorisiert hatte. Aber auch hier beschränkte sich das Wissen auf das Notwendigste, und auch damit war London einverstanden. Die höchsten Beamten beider Regierungen, darunter auch die engsten Berater des Präsidenten und der Premierministerin, waren zu demselben Schluß gelangt: Wenn die Wahrheit über das Anwesen, am Victoria Peak an die Öffentlichkeit drang, so würde das katastrophale Folgen für den ganzen Pazifikraum, ja, die ganze Welt haben. Dieses Haus war eine Festung, das Hauptquartier einer Geheimoperation von solcher Tragweite, daß selbst der amerikanische Präsident und die britische Premierministerin nur wenige Einzelheiten kannten, lediglich die Zielsetzung der Operation.

Ein kleiner Wagen rollte vor das Tor. Sofort wurden kräftige Scheinwerfer eingeschaltet, die den Fahrer blendeten. Der hob den Arm, um seine Augen zu schützen. Zwei Marineinfanteristen tauchten mit gezogenen Waffen zu beiden Seiten des Fahrzeugs auf.

»Ihr solltet den Wagen inzwischen kennen, Jungs«, sagte der asiatische Hüne in dem weißen Seidenanzug und blickte mit zusammengekniffenen Augen durch das offene Fenster.

»Wir kennen den Wagen, Major Lin«, erwiderte der Corporal zur Linken. »Wir müssen uns nur überzeugen, wer am Steuer sitzt.«

»Wer könnte sich schon für mich ausgeben?« scherzte der hünenhafte Major.

»Man Mountain Dean, Sir«, antwortete der Ledernacken zur Rechten des Wagens.

»O ja, erinnere mich. Ein amerikanischer Ringer.«

»Mein Großvater hat oft von ihm geredet.«

»Vielen Dank, mein Sohn. Sie hätten wenigstens sagen können, es sei Ihr Vater gewesen. Darf ich weiterfahren oder bin ich festgenommen?«

»Wir schalten die Scheinwerfer ab und machen das Tor auf, Sir«, sagte der erste Ledernacken. »Übrigens, Major, vielen Dank für den Tip mit dem Restaurant in Wanchai. Das Essen ist toll und kostet nicht gleich den Sold für einen Monat.«

»Aber Sie haben leider keine Suzie Wong gefunden.«

»Keine was?«

»Schon gut. Das Tor, bitte, Jungs.«

Im Haus saß der Staatssekretär Edward Newington McAllister in der Bibliothek, die man in ein Büro umgewandelt hatte, hinter einem Schreibtisch und las eine Akte, wobei er immer wieder

Randbemerkungen anbrachte. Er war völlig konzentriert, und als die Sprechanlage summte, kostete es ihn einige Mühe, sich aus seiner Konzentration zu reißen und den Hörer abzunehmen. »Ja?« Er hörte zu und sagte dann: »Natürlich, schicken Sie ihn herein.« McAllister legte auf und wandte sich wieder der Akte zu, die vor ihm lag. Oben auf der Seite, die er gerade las, standen die Worte, die sich auf jeder Seite wiederholten. Ultra Maximum Classified. P.R.C. Intern. Sheng Chou Yang.

Die Tür öffnete sich, und der hünenhafte Major Lin Wenzu von der MI-6, Hongkong, trat ein, schloß die Tür und lächelte, als er McAllisters konzentrierte Miene sah.

»Immer noch dasselbe, nicht wahr, Edward? In den Worten steckt ein Plan, eine Strategie.«

»Wenn ich bloß dahinterkäme«, antwortete der Amerikaner, ohne von dem Blatt aufzublicken.

»Das werden Sie schon, mein Freund. Was auch immer es ist.«

»Ich bin gleich soweit.«

»Lassen Sie sich Zeit«, sagte der Major und nahm die goldene Rolex und die Manschettenknöpfe ab. Er legte sie auf den Schreibtisch und sagte leise: »Jammerschade, daß ich sie zurückgeben muß. Die verleihen einem großes Prestige. Aber den Anzug müssen Sie bezahlen, Edward. So etwas gehört nicht zu meiner Garderobe, aber wie das in Hongkong immer ist, war der Preis recht vernünftig, selbst für meine Größe.«

»Ja, natürlich«, sagte der Staatssekretär geistesabwesend.

Major Lin setzte sich auf den schwarzen Ledersessel vor dem Schreibtisch und blieb fast minutenlang stumm. Länger hielt er es nicht aus. »Ist das etwas, wobei ich Ihnen helfen könnte, Edward? Oder genauer gesagt: etwas, das mit unserem Auftrag zu tun hat? Können Sie darüber reden?«

»Leider nein, Lin. Und das gilt für alle drei Fragen.«

»Über kurz oder lang werden Sie es uns sagen müssen. Unsere Vorgesetzten in London werden es uns sagen müssen. >Tun Sie das, was er verlangt< sagen sie. >Machen Sie sich Aufzeichnungen über alle Gespräche und Anordnungen, aber befolgen Sie seine Weisungen und beraten ihn.< Ihn beraten? Es gibt keinen Rat, nur Taktik. Ein Mann in einem leeren Büro, der vier Schüsse in die Mauer des Hafenweges abgibt, sechs ins Wasser und der Rest Platzpatronen - Gott sei Dank ist niemand an Herzschlag gestorben -, und wir haben die Situation geschaffen, die Sie wollen. Das ist etwas, das wir verstehen können -«

»Wie ich höre, ist alles sehr gut gelaufen.«

»Es hat einen Aufruhr gegeben, wenn Sie das unter >sehr gut< verstehen.«

»Ja, das verstehe ich darunter.« McAllister lehnte sich im Sessel zurück und massierte sich mit den schlanken Fingern der rechten Hand die Schläfen.

»Sie können den ersten Punkt abhaken, mein Freund. Der echte Jason Borowski hat sich linken lassen und hat gehandelt. Sie werden übrigens die Krankenhausrechnung für einen Mann mit einem gebrochenen Arm bezahlen müssen und für zwei weitere, die immer noch unter Schock stehen und schreckliche Halsschmerzen haben. Dem vierten ist die Sache zu peinlich, als daß er etwas dazu sagen möchte.«