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Bestreben, ihm Linderung zu verschaffen, die Behandlung stören könnte. Sie wußte, wie man den Griff abschraubte, und wenn er erst lose war, konnte man ihn benutzen wie ein Winkeleisen.

Sie schraubte ihn ab, legte sich wieder ins Bett und versteckte den Griff unter der Decke. Sie wartete und dachte, wie verschieden ihre zwei Männer doch waren - in einem Mann. Ihr Geliebter, Jason, konnte so kalt und geduldig sein, den richtigen Augenblick abwarten, um loszuspringen, zu schockieren, Gewalt anzuwenden, um des Überlebens willen. Und ihr Ehemann, David, so selbstlos, immer bereit zuzuhören - der Gelehrte - die Gewalt um jeden Preis vermeidend, weil er sie erlebt hatte, und den Schmerz und die Angst haßte - und mehr als alles andere die Notwendigkeit, seine Gefühle auszuschalten, zu reagieren wie ein Tier. Und jetzt wurde von ihm verlangt, wieder der Mann zu werden, den er so sehr verabscheute. David, mein David! Verlier nicht den Verstand! Ich liebe dich so sehr.

Geräusche im Korridor. Marie sah auf die Uhr auf dem Nachttisch. Sechzehn Minuten waren verstrichen. Sie legte beide Hände auf die Decke, als die Schwester eintrat und ließ die Lider sinken, als wäre sie müde.

»So, meine Liebe«, sagte die Frau und trat einige Schritte auf sie zu. »Sie haben mich gerührt, das kann ich nicht leugnen.

Aber ich habe meine Anweisungen - sehr genaue Anweisungen, die Sie betreffen. Der Major und Ihr Arzt sind jetzt weg. Also, was wollten Sie mir sagen?«

»Nicht ... jetzt«, flüsterte Marie, und der Kopf sank ihr herunter. Ihr Gesicht wirkte jetzt schläfrig.

»Ich bin so müde. Ich habe die ... Tablette genommen.«

»Geht es um den Posten draußen?«

»Er ist krank ... er faßt mich nie an - mir macht das nichts aus. Er besorgt mir Sachen ... ich bin so müde.«

»Was meinen Sie mit >krank<?«

»Er ... sieht gern Frauen an ... er ... belästigt mich nicht ... wenn ich ... schlafe.« Marie fielen die Augen zu.

»Zang!« sagte die Schwester halblaut. »Schmutzig, schmutzig!« Sie ging hinaus, machte die Tür zu und herrschte den Posten an: »Die Frau schläft! Haben Sie mich verstanden!«

»Das ist ja ein Segen.«

»Sie sagt, Sie fassen sie nie an!«

»Daran habe ich nie auch nur gedacht!«

»Dann denken Sie jetzt auch nicht daran!«

»Ich kann auf Ihre Vorträge verzichten, Sie alte Vettel. Ich tue hier nur meine Pflicht.«

»Dann tun Sie sie auch! Ich spreche morgen früh mit Major Lin Wenzu!« Die Frau funkelte den Mann zornig an und marschierte in feindseliger Haltung den Korridor hinunter.

»Sie!« Das Flüstern kam aus Maries Tür, die einen Spalt offen stand. Sie schob sie etwas weiter auf und sagte: »Diese Schwester! Wer ist das?«

»Ich habe gedacht, Sie schlafen, Lady«, sagte der verwirrte Posten.

»Sie hat mir gesagt, daß sie Ihnen das sagen würde.«

»Was?«

»Sie will wiederkommen! Sie sagt, es gibt Verbindungstüren zu den anderen Zimmern. Wer ist sie?«

»Was hat sie gesagt?«

»Nicht reden! Schauen Sie mich nicht an! Sie wird Sie sehen!«

»Sie ist den Gang hinuntergegangen, nach rechts.«

»Das weiß man nie. Der Teufel ist ein Eichhörnchen! Verstehen Sie, was ich meine?«

»Ich weiß überhaupt nichts!« jammerte der Posten. »Nicht was sie meint und auch nicht, was Sie meinen, Lady!«

»Kommen Sie rein. Schnell! Ich glaube, sie ist eine Kommunistin! Aus Peking!«

»Beijing?«

»Ich gehe nicht mit ihr!« Marie zog die Tür auf und huschte hinter sie.

Der Posten kam mit einem langen Schritt ins Zimmer. Die Tür flog zu. Der Raum war dunkel; nur das Badezimmerlicht war eingeschaltet, aber die Badezimmertür war fast geschlossen. Der Mann war zu sehen, aber er konnte nichts sehen. »Wo sind Sie, Lady? Seien Sie ganz ruhig. Sie wird Sie nirgendwohin -«

Mehr brachte der Posten nicht heraus. Marie hatte ihm den Eisengriff über den Schädel geschlagen, und zwar mit der Kraft einer gesunden Frau, die auf der Ranch in Ontario durchaus gelernt hatte, beim Viehtrieb mit der Bullenpeitsche umzugehen. Der Posten brach zusammen; sie kniete nieder und arbeitete schnell.

Der Chinese war muskulös, aber weder besonders breit noch besonders groß. Marie war schlank und groß für eine Frau. Die Kleider und Schuhe des Postens paßten halbwegs. Nur ihr Haar war ein Problem. Sie sah sich um. Studiere alles. Du wirst etwas finden, das du benutzen kannst. Sie fand es. An einer Chromstange am Nachttisch hing ein Handtuch. Sie türmte sich das Haar auf dem Kopf auf und schlang das Handtuch darum. Es sah ohne Zweifel albern aus, vor allem bei näherem Hinschauen, aber eine Art Turban war es.

Bis auf Unterhosen und Socken ausgezogen, stöhnte der Posten und begann sich aufzurichten, brach dann aber wieder bewußtlos zusammen. Marie rannte zum Kleiderschrank, holte ihre eigenen Kleider heraus und ging zur Tür, öffnete sie vorsichtig, nur einen Spaltbreit. Zwei Schwestern - eine Asiatin und eine Europäerin - unterhielten sich leise im Korridor. Die

Chinesin war nicht die Frau, bei der sie sich über den Posten beschwert hatte. Eine weitere Schwester tauchte auf, nickte den beiden zu und ging geradewegs auf eine Tür auf der anderen Seite des Flurs zu. Eine Wäschekammer. Ein Telefon klingelte am Stationstresen, fünfzehn Meter von ihr entfernt; vor dem runden Tresen gabelte sich der Korridor. Ein Schild mit der Aufschrift AUSGANG hing von der Decke, und der Pfeil wies nach rechts. Die beiden Schwestern drehten sich um und gingen auf den Tresen zu; die dritte kam mit einem Arm voll Laken aus der Wäschekammer.

Am besten flieht man etappenweise und macht sich dabei die Verwirrung des Gegners zunutze.

Marie schlich sich aus dem Zimmer und rannte über den Flur auf die Wäschekammer zu. Sie ging hinein und schloß die Tür. Plötzlich hallte der Protestschrei einer Frauenstimme durch den Korridor und ließ sie erstarren. Sie konnte schwere, schnelle Schritte hören, die näher kamen, dann weitere Schritte.

»Der Posten!« schrie die chinesische Schwester auf englisch. »Wo ist dieses Schwein von Posten?«

Marie öffnete die Kammertür einen Spaltbreit. Drei aufgeregte Schwestern standen vor ihrem Krankenzimmer; sie rannten hinein.

»Sie! Sie haben sich ausgezogen! Zang sile, Sittenstrolch! Schauen Sie ins Badezimmer!«

»Sie!« schrie der Posten mit schwankender Stimme. »Sie haben sie entkommen lassen. Sie bleiben hier! Ich übergebe Sie meinem Vorgesetzten!«

»Loslassen, Schwein! Sie lügen!«

»Eine Kommunistin sind Sie! Aus Beijing!«

Marie schlich sich aus der Wäschekammer, einen Stapel Handtücher über der Schulter, rannte auf die Gabelung im Korridor zu und dort in Richtung, die der Pfeil ihr wies.

»Rufen Sie Major Lin! Ich habe eine kommunistische Agentin gefangen!«

»Rufen Sie die Polizei! Der Mann ist pervers!«

Vor dem Krankenhaus rannte Marie auf den Parkplatz zu, suchte sich die dunkelste Stelle und kauerte sich außer Atem in den Schatten zwischen zwei Wagen. Sie mußte nachdenken; sie mußte sich ein Bild von der Lage machen. Fehler konnte sie sich jetzt nicht leisten. Sie ließ die Handtücher und ihre Kleider fallen und durchsuchte die Taschen des Postens, suchte nach einer Brieftasche oder Geldbörse. Sie fand sie, öffnete sie und zählte in dem schwachen Licht das Geld. Die Börse enthielt etwas über sechshundert Hongkong-Dollar, was knapp hundert Dollar in amerikanischer Währung entsprach. Das reichte kaum für ein Hotelzimmer; dann sah sie eine Kreditkarte von einer Bank in Kowloon. Wenn nötig, würde sie die Karte vorlegen -falls sie ein Hotelzimmer fand. Sie nahm das Geld und die Plastikkarte heraus, steckte die Börse in die Tasche zurück und begann, sich umzuziehen, während sie gleichzeitig die Straßen außerhalb des Krankenhausgeländes musterte. Zu ihrer großen Erleichterung waren sie ziemlich überfüllt, und die Menschenmenge bot ihr Sicherheit.