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»Wer hat Sie hingeschickt? Wer hat Ihnen diese Worte gesagt?«

»Sie müssen mir glauben, das weiß ich ehrlich nicht. Alles das ist über Telefon geschehen, durch Zweite und Dritte, die nur die Information kennen, die sie übermitteln. Der Beweis dafür, daß das Ganze in Ordnung geht, ist mein Honorar.«

»Und wie bekommen Sie es? Jemand muß es Ihnen doch geben.«

»Jemand, der ein Niemand ist, der auch nur dafür bezahlt wird. Ein unbekannter Gast verlangt den Geschäftsführer zu sprechen. Ich nehme seine Komplimente entgegen, und während des Gesprächs wird mir ein Umschlag zugesteckt. Dann habe ich die zehntausend amerikanischen Dollar dafür, daß ich mit dem Franzosen Kontakt aufnehme.«

»Und was dann? Wie erreichen Sie ihn?«

»Ich fahre nach Macao zum Kam Pek Casino in der Innenstadt. Das ist ein Casino hauptsächlich für Chinesen. Man spielt dort Fan Tan und Dai Sui. Ich gehe an Tisch fünf und hinterlasse die Telefonnummer eines Hotels in Macao - kein privates Telefon - und einen Namen - irgendeinen Namen, natürlich nicht meinen eigenen.«

»Und unter der Nummer ruft er Sie an?«

»Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ich bleibe vierundzwanzig Stunden in Macao. Wenn er mich bis dahin nicht angerufen hat, dann hat der Franzose keine Zeit für mich.«

»Das sind die Regeln?«

»Ja. Zweimal hat er sich nicht gemeldet und das eine Mal, wo ich mit ihm verabredet war, erschien er nicht auf der Calcada-Treppe.«

»Warum meinen Sie, hat er sich nicht gemeldet? Warum glauben Sie, daß er nicht erschienen ist?«

»Keine Ahnung. Vielleicht hat er für seinen Meisterkiller zu viel Arbeit, vielleicht habe ich bei den ersten Malen etwas Falsches gesagt. Vielleicht dachte er beim drittenmal, er habe auf der Calcada verdächtige Männer gesehen, Männer, von denen er glaubte, daß sie zu mir gehörten und ihm Böses wollten. Es gab natürlich keine solchen Leute, aber eine Möglichkeit zum Einspruch gibt es ja nicht.«

»Tisch fünf. Die Mittelsmänner«, sagte Borowski.

»Die Croupiers wechseln andauernd. Er hat seine Übereinkunft mit dem Tisch. Ich nehme an, ein Pauschalhonorar. Eines, das dann aufgeteilt wird. Und er selbst geht nicht ins Kam Pek - ohne Zweifel zahlt er dafür irgendein Straßenmädchen. Er ist sehr vorsichtig.«

»Kennen Sie sonst noch jemanden, der versucht hat, an diesen Borowski heranzukommen?« fragte Borowski. »Wenn Sie lügen, werde ich das merken.«

»Ja, das glaube ich. Sie sind wie besessen - aber das geht mich nichts an - und Sie haben mich ertappt, als ich das erstemal gelogen habe. Nein, ich kenne niemanden, Sir. Das ist die Wahrheit, weil ich wirklich keinen Wert darauflege, daß ich eine Kugel in den Bauch bekomme, die wie ein Champagnerkorken klingt.«

»Sehr viel klarer läßt sich das wohl nicht sagen. Um mit den Worten eines anderen Mannes zu sprechen, ich denke, ich glaube Ihnen.«

»Glauben Sie mir, Sir. Ich bin nur ein Kurier - ein ziemlich teurer vielleicht -, aber dennoch ein Kurier.«

»Ihre Kellner sind, wie man mir sagt, etwas ganz Besonderes.«

»Besonders aufmerksam waren sie nicht.« »Trotzdem werden Sie mich zur Türe begleiten«, hatte er gesagt.

Und jetzt ging es um den dritten Namen, einen dritten Mann, auf den er in dem Wolkenbruch an der Repulse Bay wartete.

Die Kontaktperson hatte auf den Code reagiert: »>Ecoutez, monsieur. Kain ist für Delta und Carlos ist für Kain.<«

»Wir hätten uns doch in Macao treffen sollen!« hatte der Mann am Telefon gekreischt. »Wo waren Sie?«

»Ich hatte zu tun«, sagte Jason.

»Es könnte sein, daß Sie zu spät kommen. Mein Klient hat sehr wenig Zeit und ist gut informiert. Er hört, daß Ihr Mann anderswo tätig ist. Er ist beunruhigt. Sie haben es ihm versprochen, Franzose!«

»Wohin glaubt er denn, daß mein Mann geht?«

»Nun, zu einem anderen Auftrag, natürlich. Er kennt die Einzelheiten!«

»Er irrt sich. Der Mann steht zur Verfügung, wenn sein Preis bezahlt wird.«

»Rufen Sie mich in ein paar Minuten noch einmal an. Ich werde mit meinem Klienten sprechen und mich erkundigen, ob er noch interessiert ist.«

Borowski hatte fünf Minuten später erneut angerufen. Der Treffpunkt war vereinbart worden. Repulse Bay. In einer Stunde. An der Statue des Kriegsgottes auf halbem Weg zum Ufer, links in Richtung auf den Pier. Der Kontaktmann würde ein schwarzes Halstuch tragen; der Code sollte der gleiche bleiben.

Jason sah auf die Uhr; die Stunde war seit zwölf Minuten um. Der Kontaktmann verspätete sich, und daß es regnete, war kein Problem, im Gegenteil, ein Vorteil war das, natürliche Deckung. Borowski hatte den Treffpunkt Zentimeter für Zentimeter untersucht, fünfzehn Meter in jeder Richtung, von der aus man die Statue sehen konnte. Und das hatte er auch noch nach der vereinbarten Zeit getan, um damit die Minuten zu nutzen. Dabei hatte er die ganze Zeit den Weg zu der Statue im Auge behalten. Bis jetzt war ihm nichts Unregelmäßiges aufgefallen. Niemand war im Begriff, ihm eine Falle zu stellen.

Der Zhongguo ren tauchte auf, die Schultern nach vorne gezogen, während er die Treppe hinuntereilte, so als könnte er damit den Regen von sich fernhalten. Er rannte auf die Statue des Kriegsgottes zu und blieb erst stehen, als er unmittelbar vor dem riesigen, finster blickenden Götzenbild stand. Er mied das

Scheinwerferlicht, aber das, was von seinem Gesicht zu sehen war, ließ seinen Ärger darüber erkennen, daß niemand da war.

»Franzose, Franzose!«

Borowski rannte durch die Büsche auf die Treppe zu, warf noch einmal, um ganz sicherzugehen, einen prüfenden Blick auf den Treffpunkt. Er schob sich um den dicken Steinsockel herum, an dem die Stufen anfingen, und spähte durch den strömenden Regen zum Hotel hinauf. Dort sah er etwas, was er sich sehnlichst gewünscht hatte, nicht zu sehen! Ein Mann, der einen Regenmantel und einen Hut trug, war aus dem schon etwas heruntergekommenen Colonial-Hotel getreten und beschleunigte jetzt seine Schritte. Auf halbem Weg zur Treppe blieb er stehen, zog etwas aus der Tasche; er drehte sich um; ein Licht blitzte auf ... und an einem der Fenster der Hotelhalle blitzte es zurück. Taschenlampen. Signale. Ein Späher war zu einem vorgeschobenen Posten unterwegs, und sein Verbindungsmann bestätigte sein Signal. Jason machte kehrt und arbeitete sich wieder durch das feuchte Laub zurück.

»Franzose! Wo sind Sie?«

»Hier drüben!«

»Warum haben Sie sich nicht gemeldet? Wo?«

»Genau vor Ihnen. Die Büsche. Schnell!«

Der Kontaktmann näherte sich den Büschen; jetzt war er noch eine Armlänge von ihm entfernt. Borowski sprang auf und packte ihn, riß ihn herum und drückte ihn in die nassen Büsche hinein, drückte dem Mann dabei die linke Hand auf den Mund. »Keinen Laut, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist.«

Zehn Meter tiefer in dem Wäldchen schmetterte Jason den Mann gegen einen Baumstamm. »Wer ist noch bei Ihnen?« fragte er ihn schroff und nahm langsam die Hand vom Mund des Mannes.

»Bei mir? Niemand!«

»Lügen Sie nicht!« Borowski zog die Pistole und drückte sie dem Mann gegen die Kehle. Der Kopf des Chinesen zuckte zurück und krachte gegen den Baum. Seine Augen waren geweitet, und er hatte den Mund aufgerissen. »Ich habe keine Zeit für Fallen!« fuhr Jason fort. »Ich habe keine Zeit!«

»Ich sage Ihnen, bei mir ist niemand! Ich gebe Ihnen mein Wort darauf. Und davon lebe ich in diesen Dingen! Es ist mein Beruf.«