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Jason warf dem Fahrer eine Handvoll Banknoten vor die Füße. »Wenn wir den Lieferwagen erwischen, gibt es noch zehnmal mehr! Und jetzt los!«

Das Taxi brauste über die Hügelkuppe und rollte dann schnell in eine riesige Schlucht am Rand eines ausgedehnten Sees, der kilometerweit zu reichen schien. In der Ferne konnte Borowski Berge mit schneebedeckten Gipfeln sehen und grüne Inseln, die die blaugrüne Wasserfläche, soweit das Auge reichte, wie Punkte durchsetzten. Das Taxi kam neben einer großen rotgoldenen Pagode zum Stehen, zu der eine lange Treppe aus poliertem Beton hinaufführte. Ihre offenen Balkons überblickten den See. Am Rande des Parkplatzes waren Erfrischungsstände und Andenkenläden verteilt, und vier Touristenbusse hatten sich auf der Parkfläche breitgemacht; ihre Fahrer und Fremdenführer schrien auf ihre Schützlinge ein und flehten sie an, am Ende der Besichtigung nicht die falschen Fahrzeuge zu besteigen.

Der Lieferwagen mit den dunklen Fensterscheiben war nirgends zu sehen. Borowski sah sich nach allen Seiten um. Wo war er? »Was ist das dort drüben für eine Straße?« fragte er den Fahrer.

»Pumpenstation. Die Straße darf von niemandem betreten werden; die Armee bewacht sie. Hinter der Biegung ist ein hoher Zaun und ein Wachhaus.«

»Warten Sie hier.« Jason stieg aus dem Taxi und ging auf die verbotene Straße zu. Jetzt hätte er gern eine Kamera oder einen Reiseprospekt dabeigehabt, jedenfalls irgend etwas, das ihn als

Touristen auswies. Aber er konnte nur unschlüssig schlendern und mit staunendem, leicht glasigem Blick um sich schauen, wie es der typische Tourist tut. Kein Gegenstand war zu belanglos, als daß er darauf verzichtet hätte, ihn zu inspizieren. Jetzt näherte er sich der Biegung der schlecht gepflasterten Straße; er sah den hohen Zaun und ein Stück des Wachhäuschens - und dann sah er es ganz. Eine lange Metallstange verbarrikadierte die Straße; zwei Soldaten unterhielten sich und wandten ihm den Rücken zu - blickten auf zwei Fahrzeuge, die nebeneinander, etwas weiter unten an einem würfelförmigen Betonbau parkten, der braun angestrichen war. Eines der Fahrzeuge war der Lieferwagen mit den getönten Scheiben, das zweite eine braune Limousine. Jetzt setzte sich der Lieferwagen in Bewegung, rückwärts auf das Tor zu!

Borowski überlegte fieberhaft. Er hatte keine Waffe; es war sinnlos, auch nur daran zu denken, eine Waffe über die Grenze mitzubringen! Wenn er versuchte, den Lieferwagen anzuhalten und den Killer herauszuzerren, würde dieses Handgemenge die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich ziehen, und sie würden ohne Zweifel zu den Gewehren greifen. Er mußte den Mann von Macao daher herauslocken - freiwillig mußte er kommen. Auf das, was dann folgen würde, war Jason vorbereitet; er würde ihn so oder so in seine Gewalt bekommen, ihn zur Grenze zurück auf die andere Seite schaffen - so oder so. Kein Mann war ihm gewachsen; da war nichts, was vor seinem Angriff sicher war -Augen, Kehle, Unterleib -, er würde schnell zuschlagen, rücksichtslos. David Webb hatte sich mit jener Realität nie auseinandersetzen müssen. Borowski lebte in ihr.

Es gab eine Möglichkeit!

Jason rannte zu der Straßenbiegung zurück, bis er außer Sichtweite der Soldaten war. Dort nahm er wieder die Haltung des verzückten Touristen ein und lauschte. Der Motor des Lieferwagens lief jetzt offenbar im Leerlauf; das Ächzen bedeutete, daß der Torbalken angehoben wurde. Jetzt ging es um

Augenblicke. Borowski behielt seine Position im Gebüsch neben der Straße. Jetzt tauchte der Lieferwagen auf ...

Und dann war er plötzlich vor dem großen Fahrzeug, mit schreckenserfüllter Miene, drehte sich zu der Seite unter dem Fenster des Fahrers und schlug mit der flachen Hand gegen die Tür, stieß einen Schmerzensschrei aus, als hätte der Lieferwagen ihn erfaßt, vielleicht sogar getötet. Als der Wagen zum Stillstand kam, lag er reglos auf dem Boden; der Fahrer sprang heraus, ein Unschuldiger, im Begriff, seine Unschuld zu beteuern. Doch dazu bekam er keine Chance. Jasons Arm schoß in die Höhe, packte den Mann am Knöchel und riß ihn herunter, so daß sein Kopf gegen die Seitenwand des Lieferwagens krachte. Der Fahrer fiel bewußtlos zu Boden, und Borowski zerrte ihn unter den abgedunkelten Fenstern nach hinten. Er sah eine Ausbuchtung im Jackett des Mannes. Das war eine Waffe, damit hatte er angesichts der Ladung gerechnet. Jason zog sie heraus und wartete auf den Mann aus Macao.

Doch der erschien nicht. Das war nicht logisch.

Borowski rannte wieder nach vorne, packte den Haltegriff neben der Fahrerkabine und sprang in die Höhe, die Wafe schußbereit auf die Hintersitze gerichtet.

Doch da war niemand. Der Wagen war leer.

Er stieg wieder hinaus und ging zu dem Fahrer nach hinten, spuckte ihm ins Gesicht und ohrfeigte ihn, bis er zu Bewußtsein kam.

»Nali?« flüsterte er drohend. »Wo ist der Mann, der hier drin war?«

»Dort hinten«, erwiderte der Fahrer auf kantonesisch und schüttelte den Kopf. »In dem Dienstwagen bei dem Mann, den keiner kennt. Schonen Sie mein armseliges Leben! Ich habe sieben Kinder!«

»Steigen Sie ein«, sagte Borowski und z)g den Mann in die Höhe und stieß ihn zu der offenen Tür. »Fahren Sie, so schnell Sie können, hier weg.«

Der Rat war überflüssig. Der Lieferwagen schoß aus dem Shumchun-Reservoir und raste mit solchem Tempo um die Kurve in die Ausfahrt, daß Jason dachte, er würde über die Böschung geraten. Ein Mann, den keiner kennt. Was bedeutete das? Doch wie auch immer, der Mann aus Macao war in der Falle. Er saß in einer braunen Limousine hinter der Schranke auf der verbotenen Straße. Borowski raste zu dem Taxi zurück und stieg auf den Vordersitz; der Fahrer hatte inzwischen die Geldscheine vom Boden aufgehoben.

»Sind Sie zufrieden?« fragte der Taxifahrer. »Bekomme ich das Zehnfache von dem, was Sie mir vor die wertlosen Füße geworfen haben?«

»Machen Sie Schluß, Charlie Chan! Ein Wagen wird aus dieser Einfahrt zur Pumpenstation kommen, und Sie werden genau das tun, was ich Ihnen sage. Haben Sie verstanden?«

»Haben Sie das Zehnfache des Betrages verstanden, den Sie in meinem uralten, wertlosen Taxi gelassen haben?«

»Ich habe verstanden. Es könnte auch das Fünfzehnfache sein, wenn Sie tun, was ich Ihnen sage. Los jetzt. Fahren Sie an den Rand des Parkplatzes. Ich weiß nicht, wie lange wir warten müssen.«

»Zeit ist Geld, Sir.«

»Halten Sie den Mund!«

Sie mußten gute zwanzig Minuten warten. Dann tauchte die braune Limousine auf, und Borowski sah etwas, das ihm vorher nicht aufgefallen war. Die Scheiben waren noch dunkler getönt als die des Lieferwagens; die Insassen des Wagens waren unsichtbar. Und dann hörte Jason das allerletzte, was er zu hören wünschte.

»Nehmen Sie Ihr Geld zurück«, sagte der Fahrer leise. »Ich bringe Sie wieder nach Lo Wu. Ich habe Sie nie gesehen.«

»Warum?«

»Das ist ein Regierungswagen - ein Dienstwagen unserer Regierung -, und ich werde ihn nicht verfolgen.«

»Warten Sie! Einen Augenblick. Das Zwanzigfache von dem, was ich Ihnen gegeben habe, und noch eine Prämie, wenn alles gutgeht! Sie können weit hinter ihm bleiben, bis ich es sage. Ich bin nur ein Tourist, der sich umsehen möchte. Nein, warten Sie. Da, ch werde es Ihnen zeigen! Auf meinem Visum steht, daß ich Geld investiere. Leute, die hier investieren, haben die Erlaubnis, sich umzusehen!«

»Das Zwanzigfache?« sagte der Fahrer und starrte Jason an. »Welche Garantie habe ich denn, daß Sie Ihr Versprechen halten?«

»Ich lege das Geld zwischen uns auf den Sitz. Sie sitzen am Steuer; Sie könnten mit diesem Wagen eine ganze Menge tun, worauf ich nicht vorbereitet wäre. Ich werde nicht versuchen, das Geld zurückzunehmen.«

»Gut! Aber ich bleibe weit dahinter. Ich kenne diese Straßen. Es gibt nur bestimmte Orte, an die man fahren kann.«