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»Drohungen sind unnötig, Delta«, unterbrach ihn der Franzose. »Ich weiß, wozu Sie fähig sind. Ich habe Ihnen selbst dabei zugesehen. Sie wollen ihn aus Ihren Gründen und ich aus meinen. Auf in den Kampf.«

Kapitel 17

Catherine Staples bestand darauf, daß ihr Gast einen weiteren Wodka Martini nahm, lehnte aber ihrerseits mit der Begründung ab, ihr Glas sei noch halbvoll.

»Es ist aber auch halbleer«, sagte der zweiunddreißigjährige amerikanische Attache mit einem schwachen Lächeln und schob sich nervös das dunkle Haar aus der Stirn. »Das ist dumm von mir, Catherine«, fügte er dann hinzu. »Tut mir wirklich leid, aber ich kann einfach nicht vergessen, daß Sie die Fotos gesehen haben - das hat gar nichts damit zu tun, daß Sie mir die Karriere und wahrscheinlich das Leben gerettet haben -, es liegt einfach an diesen gottverdammten Fotos.«

»Außer Inspector Ballantyne hat niemand sie gesehen.« »Aber Sie haben sie gesehen.« »Ich könnte vom Alter her Ihre Mutter sein.« »Das macht es ja noch schlimmer. Wenn ich Sie ansehe, schäme ich mich und komme mir so verdammt schmutzig vor.«

»Mein ehemaliger Mann, wo auch immer er stecken mag, hat einmal zu mir gesagt, daß es im Sexuellen absolut nichts gibt, das man als schmutzig betrachten kann oder soll. Wahrscheinlich war das eine Schutzbehauptung, aber ich glaube, er hatte recht. Schauen Sie, John, Sie sollten das wirklich vergessen. Ich denke auch nicht mehr daran.«

»Ich werde mir Mühe geben.« Ein Kellner näherte sich; der Drink wurde durch eine Handbewegung bestellt. »Seit Sie heute nachmittag angerufen haben, bin ich völlig fertig. Ich hab gedacht, es sei noch mehr aufgetaucht. Eine Tortur war das.«

»Sie standen unter starkem Drogeneinfluß. Gegen Ihren Willen. Sie waren also für das, was Sie getan haben, überhaupt nicht verantwortlich. Und es tut mir leid, ich hätte Ihnen sagen sollen, daß es mit dieser Geschichte überhaupt nichts zu tun hat.«

»Wenn Sie das getan hätten, dann hätte ich mir in den letzten fünf Stunden mein Gehalt verdient.«

»Das war unüberlegt und grausam von mir. Ich bitte um Entschuldigung.«

»Akzeptiert. Sie sind ein großartiges Mädchen, Catherine.« »Ich löse bei Ihnen infantile Regressionen aus.« »Darauf würde ich an Ihrer Stelle keine Wette abschließen.« »Dann sollten Sie ja keinen fünften Martini nehmen.« »Das ist erst mein zweiter.« »Ein wenig Schmeichelei hat noch nie weh getan.« Sie lachten leise. Jetzt kam der Kellner mit John Nelsons Drink zurück; er dankte dem Mann und wandte sich wieder Catherine Staples zu. »Ich hab so eine Idee, daß ich die Gratismahlzeit im The Plume nicht der Aussicht auf Schmeichelei zu verdanken habe. Ich kann mir ein solches Lokal nicht leisten.«

»Ich auch nicht, dafür aber Ottawa. Sie werden als schrecklich wichtige Person auf meiner Spesenabrechnung erscheinen. Tatsächlich sind Sie das auch.«

»Das ist aber nett. Das hat mir noch nie jemand gesagt. Ich habe hier drüben einen recht ordentlichen Job, weil ich Chinesisch gelernt habe. Ich hab mir gedacht, ein Boy vom Upper Iowa College müßte sich gegenüber all den Knaben von den noblen Colleges irgendwo einen Vorteil verschaffen.«

»Den haben Sie auch, Johnny. Sie sind beliebt bei den Konsulaten. Im Botschaftsviertel hat man eine sehr hohe Meinung von Ihnen, und das auch mit Recht.«

»Das habe ich dann wohl Ihnen und Ballantyne zu verdanken. Nur Ihnen beiden.« Nelson hielt inne, nippte an seinem Martini und sah Catherine über den Rand seines Glases an. Dann stellte er den Drink auf den Tisch und fragte: »Was ist los, Catherine? Warum bin ich wichtig?«

»Weil ich Ihre Hilfe brauche.«

»Sie brauchen es nur zu sagen Ich tue alles, was ich kann.«

»Nicht so schnell, Johnny. Mir steht das Wasser am Hals.«

»Wenn jemand einen Rettungsring von mir verdient hat, dann Sie. Abgesehen von belanglosen Problemen, leben unsere zwei Länder Tür an Tür und mögen sich im wesentlichen - wir stehen auf derselben Seite. Um was geht es denn? Wie kann ich Ihnen helfen?«

»Marie St. Jacques ... Webb«, sagte Catherine und studierte das Gesicht des Attaches.

Nelson blinzelte und überlegte. »Nichts«, sagte er. »Mir sagt der Name gar nichts.«

»In Ordnung. Dann versuchen wir es mit Raymond Havilland.«

»Oh, das ist ein anderes Faß Heringe.« Die Augen des Attaches weiteten sich, und er legte den Kopf zur Seite. »Über ihn haben wir uns alle schon den Mund fußlig geredet. Er ist nicht ins Konsulat gekommen, ja er hat nicht einmal unseren großen Boß angerufen, wo der doch mit ihm zusammen in den Zeitungen abgebildet werden möchte. Schließlich ist Havilland etwas ganz Besonderes - in dieser Branche eine Art Legende. Den gibt es doch schon seit der Speisung der Fünftausend, und wahrscheinlich steckte er hinter der ganzen Geschichte.«

»Dann ist Ihnen bewußt, daß Ihr aristokratischer Botschafter in all den Jahren nicht nur auf diplomatischem Gebiet tätig war.«

»Das spricht niemand aus, aber man muß schon recht naiv sein, wenn man ihm abnimmt, daß er nicht noch anderswo kräftig mitmischt.«

»Sie sind wirklich gut, Johnny.«

»Ich halte nur die Augen offen. Irgendwie muß ich mir mein Geld ja schließlich verdienen. Aber was gibt es da für eine Verbindung zwischen einem Namen, den ich kenne, und einem, den ich nicht kenne?«

»Wenn ich das nur wüßte. Haben Sie eine Ahnung, weshalb Havilland hier ist? Irgendwelche Gerüchte, die Ihnen zu Ohren gekommen sind?«

»Ich habe keine Ahnung, weshalb er hier ist, aber ich weiß, daß Sie ihn nicht in einem Hotel finden werden.«

»Ich nehme an, er hat wohlhabende Freunde.«

»Ganz sicher hat er die, aber bei denen wohnt er auch nicht.«

»Oh?«

»Das Konsulat hat in aller Stille ein Haus auf dem Victoria Peak gemietet, und ein zweites Kontingent Ledernacken ist von Hawaii herübergeflogen worden, um dort Wache zu schieben. Von uns mittleren Chargen wußte keiner darüber Bescheid, bis vor ein paar Tagen, als so eine dumme Sache passierte. Zwei Ledernacken haben in Wanchai zu Abend gegessen, und einer von ihnen wollte die Rechnung mit einem Scheck auf eine Bank in Hongkong bezahlen. Nun, Sie wissen ja über Soldaten und Schecks Bescheid; der Geschäftsführer des Lokals hat diesem Corporal die Hölle heiß gemacht. Der Junge sagte, weder er noch sein Kumpel hätten Zeit gehabt, sich Bargeld einzuwechseln, und der Scheck sei in Ordnung. Der Manager sollte doch das Konsulat anrufen und mit einem Militärattache sprechen.«

»Ein schlauer Corporal«, unterbrach ihn Catherine.

»Ein blödes Konsulat«, sagte Nelson. »Die militärischen Jungs waren schon nach Hause gegangen, und unser supergescheites Sicherheitspersonal mit seiner grenzenlosen Paranoia in bezug auf Geheimhaltung hatte das Kontingent vom Victoria Peak noch nicht auf die Personalliste gesetzt. Der Restaurantgeschäftsführer sagte später, der Corporal habe ihm ein paar Ausweise gezeigt und sei ihm überhaupt wie ein netter Junge vorgekommen, also ging er das Risiko ein.«

»Das war sehr vernünftig von ihm. Wahrscheinlich hätte er das nicht getan, wenn der Corporal sich anders verhalten hätte. Also doch ein schlauer Mariner.«

»Er hat sich anders verhalten. Am nächsten Morgen im Konsulat. Er hat ein Affentheater gemacht, und das mit so lauter Stimme, daß sogar ich ihn gehört habe, und mein Büro liegt am anderen Ende des Korridors, vom Empfangsraum aus. Er wollte wissen, was, zum Teufel, wir >blöden Zivilisten< uns wohl einbildeten, daß die dort oben auf dem Berg zu tun hätten und weshalb sie nicht registriert wären, schließlich seien sie doch schon seit einer Woche da. Er war fuchsteufelswild, das kann ich Ihnen sagen.«