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»Dienstliches Gespräch«, sagte er zu der gelangweilten Verkäuferin und griff nach dem Telefonhörer hinter einer Glastheke mit glitzernden Preziosen. Er wählte.

»Polizeizentrale vier.«

»Wegen Ihrer Anordnung, Sir, bezüglich der Kanadierin, Mrs. Staples -«

»Haben Sie Informationen?«

»Ich glaube schon, Sir, aber es ist mir etwas peinlich, sie weiterzugeben.«

»Warum? Es handelt sich um einen Notfall, eine Angelegenheit der Regierung!«

»Bitte, verstehen Sie das richtig, Sir, ich bin nur ein kleiner Angestellter, und es ist durchaus möglich, daß mein Vorgesetzter nichts von Ihrer Anweisung weiß. Er hat sehr viel zu tun.«

»Was versuchen Sie mir zu sagen?«

»Nun - Sir - die Frau, die mit meinem Vorgesetzten, dem Chefportier, gesprochen hat, zeigte eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Beschreibung auf der Regierungsanordnung. Aber es wäre sehr peinlich für mich, wenn bekannt würde, daß ich Sie angerufen habe.«

»Man wird Sie schützen. Sie können anonym bleiben. Und jetzt Ihre Information?«

»Nun, Sir, ich habe gehört ...« Vorsichtig und mit vielen Umschweifen tat der Angestellte das Beste für sich und demzufolge das Schlimmste für seinen Vorgesetzten Lee Teng. Was er freilich am Ende sagte, war präzise und unzweideutig. »Die Apex-Autovermietung, Bonham Strand East. Ich würde empfehlen, daß Sie sich beeilen, sie ist nämlich bereits dorthin unterwegs.«

Der frühe Abendverkehr war weniger dicht als während der Stoßzeit, aber immer noch unangenehm genug. Aus diesem Grunde sahen Catherine und Marie einander auf dem Rücksitz der Hotellimousine beunruhigt an; der Chauffeur hatte nämlich den schweren Wagen nicht in die sich bietende Verkehrslücke gelenkt, sondern war am Bonham Strand East an den Randstein gefahren und hatte dort angehalten. Ringsum war aber kein Schild einer Wagenvermietung zu sehen.

»Warum halten wir an?« fragte Catherine scharf.

»Anweisung von Mr. Teng, Mrs.«, antwortete der Chauffeur und drehte sich auf dem Sitz nach hinten. »Ich werde den Wagen jetzt abschließen und das Notsignal einschalten. Dann wird niemand Sie belästigen.«

»Das ist sehr beruhigend, aber ich würde trotzdem gerne wissen, warum Sie uns nicht zu dem Wagen bringen.«

»Ich werde den Wagen zu Ihnen bringen, Mrs.«

»Wie bitte?«

»Anweisung von Mr. Teng. Er hat sich ganz deutlich ausgedrückt und ruft in der Apex-Garage an. Die ist in der nächsten Straße, Mrs. Ich bin gleich wieder da.« Der Chauffeur zog Mütze und Jackett aus, legte beides auf den Sitz, schaltete das Notsignal ein und stieg aus.

»Was hältst du davon?« fragte Marie und hob das rechte Bein und drückte Toilettenpapier, das sie aus dem Mandarin mitgenommen hatte, gegen die rechte Fußsohle. »Vertraust du diesem Teng?«

»Ja«, erwiderte Catherine mit verblüffter Miene. »Aber ich verstehe das nicht. Er ist offenbar besonders vorsichtig - aber damit geht er ein zusätzliches Risiko ein -, und ich weiß nicht, warum. Wie ich Ihnen schon im Mandarin sagte, stand auf diesem Computerausdruck >Regierungskontrolle<. Das sind zwei Worte, die man in Hongkong gar nicht leicht nimmt. Was, in aller Welt, macht Teng? Und warum?«

»Das kann ich dir natürlich nicht beantworten«, sagte Marie. »Aber ich kann dir sagen, was ich beobachtet habe.«

»Was denn?«

»Ich habe gesehen, wie er dich angesehen hat. Du hast das wahrscheinlich gar nicht bemerkt.«

»Was?«

»Ich würde sagen, daß er dich sehr mag.«

»Mich ... mag?«

»So kann man das ausdrücken. Es gibt natürlich noch deutlichere Formulierungen.«

Catherine wandte sich ab und sah zum Fenster hinaus. »Großer Gott im Himmel«, flüsterte sie.

»Was ist denn?«

»Vor einer Weile, im Mandarin, aus Gründen ohne Sinn und Verstand angefangen - bei einer albernen Frau in einer Chinchillastola - da habe ich an Owen gedacht.«

»Owen?«

»Mein ehemaliger Mann.«

»Owen Staples? Der Bankier Owen Staples?«

»Das ist mein Name, und das ist mein Mann - das war mein Mann. Damals behielt man einen angeheirateten Namen.«

»Du hast mir nie gesagt, daß du mit Owen Staples verheiratet warst.«

»Du hast mich nie danach gefragt, meine Liebe.«

»Ich habe keine Ahnung, worauf du hinauswillst, Catherine.«

»Ja, das kann ich mir denken«, meinte die und schüttelte den Kopf. »Ich mußte daran denken, wie Owen und ich uns vor ein paar Jahren in Toronto begegnet sind. Wir saßen im Mayfair-

Club, und ich habe Dinge über ihn erfahren, die ich früher nie geglaubt hätte. Ich war richtig froh für ihn, obwohl der Schweinehund mich fast zum Weinen gebracht hätte.«

»Catherine, was hat das um Himmels willen mit jetzt zu tun?«

»Es hat mit Teng zu tun. Wir saßen auch einmal aDends bei ein paar Drinks zusammen, nicht im Mandarin natürlich, aber in einem Cafe am Wasser, in Kowloon. Er sagte, es wäre nicht gut für mich, wenn ich mit ihm auf der Insel gesehen würde.«

»Warum?«

»Das habe ich damals auch gefragt. Er hat mich damals wohl beschützt, so wie er mich jetzt beschützt. Und ich habe ihn vielleicht mißverstanden. Ich nahm an, daß er einfach nur hinter einer zusätzlichen Einnahmequelle her sei, aber das war vielleicht schrecklich falsch.«

»In welcher Hinsicht?«

»Er hat an dem Abend etwas Seltsames gesagt. Er sagte, er wünschte, alles wäre ganz anders, er wünschte, die Unterschiede zwischen den Menschen wären nicht so auffällig und für andere Leute nicht so störend. Ich habe seine Banalitäten natürlich als einen amateurhaften Versuch zur ... zur Diplomatie angesehen, wie mein ehemaliger Mann das formuliert hat. Vielleicht war es etwas ganz anderes.«

Marie sah die andere Frau an und lachte dann. »Liebe, liebe Catherine. Der Mann ist in dich verliebt.«

»Du lieber Herrgott von Calgary, das hat mir gerade noch gefehlt!«

Lin Wenzu saß auf dem Vordersitz von Wagen zwei, und sein geduldiger Blick ruhte auf dem Eingang zur Apex-Agentur am Bonham Strand East. Alles war in Ordnung; nur noch wenige Minuten, und er würde die zwei Frauen in Gewahrsam nehmen können. Einer seiner Männer war hineingegangen und hatte mit dem Disponenten gesprochen. Der Agent hatte seinen Ausweis gezeigt, worauf ihm der verängstigte Angestellte die Aufzeichnungen des Abends gezeigt hatte. Es lag tatsächlich eine Bestellung für eine Mrs. Catherine Staples vor, die dann aber wieder gestrichen worden war; der Wagen war jetzt auf den Namen eines Chauffeurs des Hotels eingetragen. Und da Mrs. Catherine Staples den Wagen nicht mehr haben wollte, hatte der Mann auch keinen Anlaß gesehen, Polizeizentrale vier zu rufen. Was hätte er denn sagen sollen? Und da der Wagen vom Mandarin reserviert war, würde ihn ganz sicher auch niemand sonst abholen.

Alles war in Ordnung, dachte Lin. Die Erleichterung am Victoria Peak würde ungeheuer sein, sobald er das abgeschottete Haus mit seiner Nachricht erreicht hatte. Der Major wußte ganz genau, was er sagen würde. »Wir haben die Frauen - wir haben die Frau.«

Auf der anderen Straßenseite trat ein Mann in Hemdsärmeln durch die Tür der Agentur. Auf Lin wirkte er etwas zögernd, und da war etwas ... plötzlich fuhr ein Taxi vor, und der Major schoß nach vorne, griff nach dem Türgriff - der zögernde Mann in Hemdsärmeln war vergessen.

»Jetzt gut aufpassen, Leute«, sprach Lin in das Mikrofon des Funkgerätes am Armaturenbrett. »Wir müssen schnell handeln und so unauffällig wie möglich. So etwas wie an der Arbuthnot Road darf hier nicht passieren. Und selbstverständlich keine Waffen. Achtung jetzt.«

Aber da war nichts, worauf man hätte aufpassen können; das Taxi fuhr weg, ohne daß jemand ausgestiegen wäre.

»Wagen drei!« sagte der Major knapp. »Beschaffen Sie sich die Nummer und rufen Sie die Taxigesellschaft an! Über Funk. Ich will genau wissen, was das Taxi hier verloren hatte! Besser noch, fahren Sie hinterher und tun Sie, was ich gesagt habe. Es könnten die Frauen sein.«