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Catherines Blick wanderte, ohne mit der Wimper zu zucken, zu dem Staatssekretär hinüber. »Ich nehme an, das hier ist der Lügner, der McAllister heißt.«

»Sie machen es einem nicht leicht«, sagte der Staatssekretär.

»Und Sie sind ein prinzipienloser Lakai, der anderen die schmutzige Arbeit macht. Ich habe alles gehört, und es widert einen an. Aber jeder Faden in diesem schmutzigen Netz -« Catherines Kopf fuhr wieder zu Havilland herum, »ist von einem Experten geknüpft. Wer hat Ihnen das Recht gegeben, den lieben Gott zu spielen? Irgendeinem von Ihnen? Wissen Sie, was Sie diesen zwei Leuten dort draußen angetan haben? Wissen Sie, was Sie von ihnen verlangt haben?«

»Das wissen wir«, sagte der Botschafter leise. »Ich weiß es.«

»Sie weiß es auch, und das, obwohl ich nicht das Herz hatte, ihr die letzte Bestätigung dafür zu liefern. Sie, McAllister! Als ich erfuhr, daß Sie das hier oben waren, war ich nicht sicher, ob sie damit fertig werden würde. Jedenfalls nicht im Augenblick. Ich habe vor, es ihr zu sagen. Sie und Ihre Lügen! Die Frau eines Taipan in Macao ermordet - oh, was für eine ausgleichende Gerechtigkeit, was für ein Vorwand, einem anderen Mann die Frau wegzunehmen! Lügen! Ich habe meine eigenen Gewährsleute. All das ist nie geschehen! Wir wollen das jetzt einmal klarstellen. Ich bringe sie ins Konsulat, und zwar unter dem vollen Schutz meiner Regierung. Und wenn ich Sie wäre, Havilland, dann wäre ch verdammt vorsichtig, hier von illegalen Handlungen herumzutönen. Sie und Ihre Lakaien hier haben eine kanadische Bürgerin in eine lebensgefährliche Operation hineinmanipuliert - worum auch immer es sich dieses Mal handeln mag. Ihre Arroganz ist einfach unglaublich! Aber ich kann Ihnen versichern, das wird ein Ende haben. Ob es meiner Regierung nun paßt oder nicht, ich werde Sie auffliegen lassen! Sie alle! Sie sind kein Jota besser als die Barbaren im KGB. Diesmal wird der amerikanische Geheimdienst damit nicht durchkommen! Ich bin das einfach leid, die ganze Welt ist es leid!«

»Meine liebe Frau!« schrie der Botschafter und verlor in einer plötzlichen Aufwallung von Zorn jegliche Kontrolle über sich. »Sie können drohen, soviel Sie wollen, aber anhören werden Sie mich! Und wenn Sie gehört haben, was ich Ihnen zu sagen habe, und dann noch den Krieg erklären wollen, dann tun Sie es! Wie es so schön heißt, meine Tage sind gezählt, aber nicht die von Millionen anderer! Ich würde gern alles in meiner Macht Stehende tun, um das Leben dieser anderen zu verlängern. Aber es könnte sein, daß Sie anderer Meinung sind, dann erklären Sie Ihren Krieg, liebe Lady! Und dann, bei Gott, können Sie mit den Folgen leben!«

Kapitel 19

Borowski beugte sich im Stuhl vor und blickte im Licht der Stehlampe in den Lauf der Waffe. Das Ganze war eine sinnlose, mechanische Übung; der Lauf war makellos. In den letzten vier Stunden hatte er d'Anjous Pistole bereits dreimal gereinigt, sie dreimal zerlegt und alle Einzelteile geölt, bis das dunkle Metall glänzte. Das beschäftigte ihn. Er hatte sich d'Anjous Arsenal an Waffen und Explosivstoffen angesehen, aber da sich das meiste in versiegelten Behältern befand, die vermutlich gegen jeden Zugriff gesichert waren, hatte er sich an ihnen nicht zu schaffen gemacht und sich auf die eine Pistole konzentriert. In der Wohnung des Franzosen an der Rua das Lorchas mit Blick über Macaos Porto Inferiore - den inneren Hafen - war wenig Platz zum Aufundabgehen, und sie waren übereingekommen, daß er untertags nicht hinausgehen sollte. In der Wohnung war er so sicher wie nur irgendwo in Macao. D' Anjou, der seine Wohnung beliebig oft wechselte, hatte das Appartement am Wasser noch nicht zwei Wochen unter einem falschen Namen gemietet. Er hatte dazu einen Anwalt eingeschaltet, den er nie persönlich kennengelernt hatte und der seinerseits einen »Mieter« den Mietvertrag unterschreiben ließ, den der Anwalt durch Boten über die Garderobe des überfüllten schwimmenden Casinos an seinen unbekannten Klienten geschickt hatte. Derart waren die Wege des Philippe d'Anjou, ehemals Echo von Medusa.

Jason setzte die Waffe wieder zusammen, drückte die Patronen ins Magazin und ließ es in den Kolben einschnappen. Er stand auf und ging, die Waffe in der Hand, ans Fenster. Auf der anderen Seite des Wassers lag die Volksrepublik, für jeden, der von Habgier getrieben war, mühelos zu erreichen. Was Grenzen anging, hatte es seit den Zeiten der Pharaonen nichts Neues mehr unter der Sonne gegeben. Sie wurden errichtet, um überschritten zu werden - so oder so.

Er blickte auf die Uhr. Es war kurz vor fünf Uhr nachmittags, die Sonne ging schon unter. D'Anjou hatte ihn um Mittag von Hongkong aus angerufen. Der Franzose war mit Borowskis Schlüssel zum Peninsula gegangen, hatte seinen Koffer gepackt, ohne auszuchecken, und würde die Fähre um 13.00 Uhr zurück nach Macao nehmen. Wo war er?

Die Fahrt dauerte nur eine knappe Stunde, und vom MacaoPier zur Rua das Lorchas waren es mit dem Taxi höchstens zehn Minuten. Aber Echo war unberechenbar.

Erinnerungsfetzen an Medusa, in d'Anjous Gegenwart aufgetaucht, beschäftigten Jason. Obwohl manche schmerzhaft und beängstigend waren, beruhigten sie ihn gleichzeitig, und auch das war dem Franzosen zu verdanken. Nicht nur, daß d'Anjou, wenn es darauf ankam, ein überzeugender Lügner sein konnte und ein Opportunist ersten Ranges. Nein, er steckte auch voller Einfalle. Und dann war der Franzose ein in der Wolle gefärbter Pragmatiker. Das hatte er in Paris bewiesen, und die Erinnerungen daran waren klar und deutlich. Wenn er sich verspätete, gab es dafür einen guten Grund. Wenn er nicht auftauchte, war er tot. Aber diese Vorstellung war für Borowski einfach nicht akzeptabel. D'Anjou war imstande, etwas zu tun, was Jason mehr als alles andere selbst tun wollte, nur daß er es nicht wagte, Maries Leben aufs Spiel zu setzen, indem er es tat. Es war schon Risiko genug, daß die Spur des falschen Borowski ihn überhaupt nach Macao geführt hatte. Aber solange er sich dem Lisboa-Hotel fernhielt, vertraute er auf seine Instinkte. Er würde sich vor jenen verborgen halten, die nach ihm Ausschau hielten - nach jemandem, der ihm auch nur entfernt in Größe, Körperbau oder Hautfarbe glich. Nach jemandem, der im Lisboa-Hotel Fragen stellte.

Ein einziger Anruf aus dem Lisboa bei dem Taipan in Hongkong, und Marie war tot. Der Taipan hatte nicht nur gedroht - Drohungen waren zu oft Finten ohne Bedeutung -, er hatte ein viel gefährlicheres Mittel eingesetzt. Nachdem er geschrien und die mächtige Pranke auf den Arm des zerbrechlichen Stuhls hatte herunterkrachen lassen, hatte er leise sein Wort gegeben! Marie würde sterben. Das war das Versprechen eines Mannes, der sein Wort hielt.

Und trotz alledem fühlte David Webb etwas, das er nicht definieren konnte. An dem hünenhaften Taipan war etwas Überlebensgroßes, etwas zu Dramatisches, das nichts mit seiner Größe zu tun hatte. Es war, als hätte er seine Leibesfülle auf eine Art und Weise zu seinem Vorteil eingesetzt, wie große Männer das selten tun, da sie es meist vorzogen, ihre schiere Größe für sich allein wirken zu lassen. Wer war der Taipan? Die Antwort war im Lisboa-Hotel zu finden, und da er es nicht wagte, selbst dorthin zu gehen, konnten d'Anjous Fähigkeiten ihm nutzen. Er hatte dem Franzosen sehr wenig gesagt; jetzt würde er ihm mehr sagen. Er würde einen brutalen Doppelmord beschreiben, ausgeführt mit einer Uzi, und sagen, eines der Opfer sei die Frau eines mächtigen Taipan gewesen. D'Anjou würde für ihn die Fragen stellen. Und wenn es Antworten gab, so würden ihn diese einen weiteren Schritt auf Marie zuführen.