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»Wir sind gemeinsam erfreut, bekanntgeben zu können, daß in bezug auf die Verträge weitere Fortschritte erzielt worden sind. Das Vereinigte Königreich ...«

»Die Volksrepublik China - das einzig wahre China auf dieser Erde - gibt dem Wunsch Ausdruck, gemeinsam mit allen, die ...«

Die beiden Redner wechselten sich ab, und jeder sekundierte dem, was die andere Seite sagte, ließ die Welt aber zugleich wissen, daß es noch viel zu verhandeln gab. Hinter aller Höflichkeit, den nichtssagenden Worten und dem künstlichen Lächeln knisterte Spannung. Und Jason fand nichts, worauf er seine Aufmerksamkeit konzentrieren konnte. Nichts. Und so wischte er sich den Regen vom Gesicht und nickte dem Posten zu, während er sich wieder unter der Absperrung hindurchzwängte, wieder in die Menschenmenge dahinter eintauchte und sich seinen Weg zur linken Seite der Pressekonferenz bahnte.

Plötzlich fühlten sich Borowskis Augen zu einer Reihe von Scheinwerferpaaren hingezogen, die im Regen am anderen Ende des Flugfeldes in die Piste einbogen und schnell auf die stehende Boing 747 zurollten. Und dann, wie auf ein Stichwort, brandete Beifall auf. Die kurze Zeremonie war vorbei, die Ankunft der Staatskarossen signalisierte das. Jetzt rollten sie mit ihren Motorradeskorten zwischen den Delegationen und den Journalisten und Fotografen heran. Polizei umringte die Übertragungsfahrzeuge, und bis auf zwei offizielle Kameraleute mußten alle in ihre Fahrzeuge steigen.

Das war der Augenblick. Wenn etwas passieren sollte, so würde das jetzt geschehen. Wenn eine Todesmaschine aufgestellt werden und ihre Ladung innerhalb einer Minute oder Sekunde explodieren sollte, so würde sie jetzt aufgestellt werden müssen.

Zu seiner Linken sah er einen Polizeioffizier, einen hochgewachsenen Mann, dessen Augen sich so schnell bewegten wie seine eigenen. Jason beugte sich zu dem Mrnn hinüber und sprach ihn auf chinesisch an, während er ihm seinen Ausweis hinhielt und ihn mit der Hand vor dem Regen schützte. »Ich bin der Mann vom Mossad!« schrie er, bemüht, sich trotz des Applauses Gehör zu verschaffen.

»Ja, man hat mich über Sie informiert!« schrie der Beamte. »Man hat es mir gesagt. Wir sind dankbar, daß Sie hier sind!«

»Haben Sie eine Lampe - eine Taschenlampe?«

»Ja, natürlich. Wollen sie sie?«

»Aber ja.«

»Hier.«

»Verschaffen Sie mir freien Weg!« befahl Borowski und hob das Seil und winkte dem Beamten, ihm zu folgen. »Ich habe keine Zeit, Papiere zu zeigen!«

»Sicher!« Der Chinese folgte ihm und wehrte einen Wachmann ab, der Jason aufhalten wollte. »Lassen Sie ihn! Er ist einer von uns! Er ist genau für das hier ausgebildet!«

»Der Jude von Mossad?«

»Ja, das ist er.«

»Man hat uns informiert. Danke, Sir ... Aber er kann uns natürlich nicht verstehen.«

»Seltsamerweise doch. Er spricht Guangdong hua.«

»In der Restaurantstraße gibt es ein Lokal, in dem es angeblich koschere -«

Borowski war jetzt zwischen den Limousinen und der Absperrung. Während er an der Absperrung entlangging, die Taschenlampe auf den asphaltierten Boden gerichtet, gab er Anweisungen auf chinesisch und englisch - die Befehle eines klar denkenden Mannes, der vielleicht etwas suchte, was er verloren hatte. Einer nach dem anderen traten die Männer und Frauen von der Presse zurück und entschuldigten sich bei denen, die hinter ihnen standen. Jetzt näherte er sich der Limousine an der Spitze; am linken und am rechten Kotflügel hingen die Wimpel Großbritanniens und der Volksrepublik und signalisierten, daß England der Gastgeber und China der Gast war. Die Delegationschefs fuhren gemeinsam. Jason konzentrierte sich auf den Boden; die zwei Würdenträger waren gerade dabei, unter gedämpftem Applaus mit ihren engsten Beratern das lange Fahrzeug zu besteigen.

Und da geschah es, aber Borowski war nicht sicher, was es war! Seine linke Schulter berührte eine andere Schulter, ein gleichsam elektrischer Kontakt. Der Mann, den er angestoßen hatte, taumelte nach vorn und fuhr dann so heftig herum, daß Jason das Gleichgewicht verlor. Er drehte sich um und sah den

Mann auf dem Polizeimotorrad an und hob seine Taschenlampe, um durch das dunkle Plastikoval des Helms zu sehen.

Und da traf es ihn wie ein Blitz, wie ein scharfer Strahl, der in seinen Schädel krachte, und seine Augen saugten sich förmlich an dem anderen fest, während er sich bemühte, das Unglaubliche in sich aufzunehmen. Er starrte sich selbst an - so wie er vor wenigen Jahren gewesen war! Die dunklen Züge hinter der Plastikscheibe waren die seinen! Es war der Commando! Der Meuchelmörder!

Die Augen, die seinen Blick erwiderten, ließen ebenfalls Panik erkennen, aber sie waren schneller als die Webbs. Eine flache Hand zuckte vor, schlug gegen Jasons Kehle und schnitt ihm jedes Wort und jeden Gedanken ab. Borowski fiel nach hinten, konnte nicht schreien, griff sich an den Hals, während der Meuchelmörder von seinem Motorrad sprang. Er rannte an Jason vorbei und duckte sich unter den Seilen der Absperrung durch.

Du mußt ihn erwischen! Ihn festhalten! ... Marie! Die Worte stellten sich nicht ein, nur hysterische Gedanken schössen fieberhaft durch Borowskis Bewußtsein. Er würgte, kämpfte gegen den Schmerz in seiner Kehle an und sprang über das Seil, stürzte sich in die Menge, folgte dem Killer, der rings um sich Männer und Frauen umgestoßen hatte und jetzt floh.

»Haltet ihn auf!« Nur das letzte Wort drang aus Jasons Kehle; nur ein heiseres Flüstern. »Laßt mich durch!« Zwei Worte diesmal, aber keiner hörte ihn. Irgendwo auf dem Flughafengelände spielte eine Kapelle im Wolkenbruch.

Der Weg war versperrt! Rings um ihn waren Leute, Leute, Leute. Ich muß ihn finden! Ihn festhalten! Marie! Er ist weg! Er ist verschwunden! »Laßt mich durch!« schrie er, jetzt wieder hörbar, aber niemand achtete darauf. Er riß und zerrte und arbeitete sich an den Rand der Menschenmenge und sah sich der nächsten Menge hinter den Glastüren des Flughafengeländes gegenüber.

Nichts!Niemand! Der Killer war verschwunden!

Killer?

Die Limousine, die Limousine an der Spitze mit den Wimpeln beider Länder. Das war das Ziel! Irgendwo in diesem Wagen oder unter dem Wagen war der Zeitzünder, der ihn in die Luft jagen und die Leiter beider Delegationen töten würde. Ergebnis - das Spiel ... Chaos.

Borowski wirbelte herum und suchte verzweifelt nach irgendeiner Amtsperson. Da! Zwanzig Meter hinter der Seilabsperrung in Habt-acht-Haltung, weil gerade die britische Nationalhymne gespielt wurde, ein Offizier der Polizei von Kowloon. An seinem Gürtel ein Funkgerät. Eine Chance! Die Limousinen hatten inzwischen in gemessenem Tempo Fahrt aufgenommen und rollten auf ein unsichtbares Tor des Flughafengeländes zu.

Jason riß an dem Seil, zog es hoch, warf dabei einen Ständer um, und rannte auf den kleinen chinesischen Offizier zu. »Xun su!« brüllte er.

»Shemma?« erwiderte der Mann verblüfft und griff instinktiv nach der Pistole.