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Er rang sich ein halbherziges Lächeln ab, stemmte sich auf den linken, unverletzten Arm hoch und maß Skar mit einem langen Blick. »Gut siehst du aus«, sagte er. Seine Stimme klang rauh. »Hast du eine Liebschaft mit einem Banta?«

Skar grinste, ging um den Tisch herum und griff nach dem halbgefüllten Weinkrug auf dem Wandregal. Aber auch der süße Wein vermochte den bitteren Geschmack nicht von seinem Gaumen zu vertreiben.

»Du hast auch schon besser ausgesehen«, gab er zurück. Er leerte den Becher, füllte ihn erneut und wurde dann übergangslos ernst. »Bist du ernsthaft verwundet?«

Del schüttelte den Kopf. »Ein paar Kratzer, mehr nicht. Aber ich fühle mich, als hätte eine Feuerechse ihren Hochzeitstanz auf mir gehalten.« Seine Miene verfinsterte sich. »Warte, bis ich Cubic in die Finger bekomme. Ich werde ihm den Unterschied zwischen Sumpfleuten und Kohonern so nachdrücklich erklären, daß er ihn nie wieder vergißt.«

Skar runzelte die Stirn, nippte an seinem Wein und ließ sich mit einem Seufzer auf den dreibeinigen Hocker vor dem Bett sinken. »Ich glaube nicht, daß er es gewußt hat«, sagte er plötzlich. Zwischen Dels Brauen entstand eine steile Falte. »Wie meinst du das?«

Skar schwieg einen Moment. »So, wie ich es sage«, erwiderte er dann. »Ich bin mir nicht sicher, daß Cubic gewußt hat, gegen wen wir wirklich antreten.«

Del ächzte. »Du machst Witze, wie? Selbst ein Blinder ...«

»Wir haben es auch nicht gemerkt, nicht?« unterbrach ihn Skar. »Nicht, bevor es zu spät war. Die Tarnung der beiden war perfekt.« Del wischte seine Worte mit einer unwilligen Geste zur Seite. »Für den Augenblick, sicher«, knurrte er. »Wir haben sie ein- oder zweimal gesehen, und auch da nur von weitem. Aber sie haben sich wochenlang in Ikne aufgehalten. Cubic hat mehr als einmal mit ihnen und ihrem Lastaren verhandelt. Er muß es doch gemerkt haben!«

Skar schüttelte stur den Kopf. »Das glaube ich nicht«, sagte er. »Ich kenne Cubic. Er hätte es uns gesagt.«

»Gesagt?« Del lachte schrill und vollkommen humorlos auf. »Wenn man dir zuhört, könnte man glauben, Cubic wäre einer der Drei Heiligen Könige. Dieses Schlitzohr hatte doch nur seinen Kampf im Sinn, vom ersten Tag an. Den Kampf und seine Geldbörse.«

»Eben«, nickte Skar. »Glaubst du wirklich, er hätte sich einen Kampf wie diesen entgehen lassen, wenn er es gewußt hätte? Welcher Lastar kann schon so etwas bieten - Satai gegen Sumpfleute?« Del schüttelte trotzig den Kopf und starrte einen Moment an Skar vorbei ins Leere. »Wir hätten den Kampf nicht angenommen«, erklärte er. »Und Cubic wußte das.«

»Bist du sicher?« fragte Skar. »Du weißt genau, daß wir sogar gegen einen tollwütigen Banta gekämpft hätten. Wir hatten gar keine andere Wahl. Und wenn du ehrlich bist, wirst du zugeben, daß dich der Kampf sogar gereizt hätte. Und wir hätten vielleicht eine Chance gehabt, mit der entsprechenden Bewaffnung und nach ausreichendem Training. Nein -« Er schüttelte noch einmal den Kopf, stand auf und ging zum Regal, um seinen Becher neu zu füllen und für Del ebenfalls einen Wein einzuschenken. »Ich bin sicher, daß er ebenso überrascht war wie du und ich.«

Del schwieg einen Moment. Er machte keine Anstalten, nach dem Becher in Skars Händen zu greifen, setzte sich aber auf. Der Blutfleck auf seinem bandagierten Arm schimmerte feucht. »Ist die Klinge abgebrochen?« fragte Skar mit einer entsprechenden Kopfbewegung.

Del folgte seinem Blick, runzelte einen Moment die Stirn, als entdecke er die Wunde erst jetzt, und schürzte abfällig die Lippen. »Nein«, sagte er. »Aber lenk nicht ab. Wie hast du das gemeint, daß Cubic genauso überrascht war wie wir? Wenn er nicht davon profitiert, wer dann? Die beiden Sumpf leute bestimmt nicht - sie können von Glück sagen, wenn die Tempelkönige ihnen nicht die Hälse abschneiden lassen.«

Skar mußte plötzlich wieder an das denken, was der Söldner gesagt hatte. Aber er verwarf den Gedanken sofort wieder. Die Wetten würden nicht ausbezahlt werden. Der Kampf hatte unter falschen Voraussetzungen stattgefunden, sein Ausgang war, obgleich eindeutig, nichts wert, für keine Seite.

»Diese Frau«, sagte Del mit einem Mal. »Hat sie etwas damit zu tun?«

»Welche Frau?«

»Frag nicht so blöd! Die Amazone, die dich kurz vor dem Kampf aufgesucht hat! Wer war sie?«

Skar antwortete nicht gleich. Dels Worte hatten einen phantastischen Verdacht in ihm geweckt, der ebenso naheliegend wie aberwitzig war. Aber dann schüttelte er den Kopf und wandte sich mit einem Ruck ab, ohne zu antworten. Die Macht einer Errish reichte sicherlich weit genug, auch so etwas zu inszenieren. Aber es hätte Vela keinen Vorteil gebracht. Die Stadtgarde würde jetzt bereits im Quartier der angeblichen Kohoner sein, um sie und ihren Lastaren dingfest zu machen, falls sie sie nicht gleich aus der Arena heraus verhaftet hatte. Nein - selbst wenn die beiden Sumpfmänner in Velas Diensten standen, hätten sie sich mit ihrem Täuschungsmanöver allenfalls selbst geschadet.

Er schüttelte noch einmal - diesmal überzeugter - den Kopf und setzte zu einer Antwort an, brach aber ab, als er Schritte auf dem Gang draußen hörte.

Es war Cubic. Der Lastar wirkte aufgelöst und nervös. Sein Gesicht war bleich vor Schrecken, und seine Hände zitterten merklich, obwohl er sie hinter dem Gürtel verhakt hatte. Er trat gebückt in den Raum, blieb am Fußende des Bettes stehen und sah erst Skar, dann Del mit einem vorwurfsvollen Blick an.

»Warum?« fragte er leise.

»Warum was?« murmelte Del.

»Warum habt ihr verloren?« Cubics Stimme zitterte. Aber es war kein Gefühl darin - weder Angst noch Vorwurf, sondern gar nichts. Die Stimme eines Mannes, der zutiefst getroffen war und einfach nicht verstand, was geschehen war. »Warum?«

Skar tauschte einen raschen Blick mit Del. Der junge Satai schien von Cubics Worten ebenso überrascht zu sein wie er.

»Wie... meinst du das?« fragte er vorsichtig. »Du hast den Kampf doch gesehen, oder?«

Cubic nickte. »Eben darum frage ich, Skar. Die Wache wird gleich hier sein, um euch abzuholen. Die Treppe ist bereits gesperrt. Wir haben also nur noch wenig Zeit. Aber bitte beantworte mir eine Frage - und du kannst ehrlich sein, denn mein Schicksal wird sich nicht wesentlich von dem euren unterscheiden. Warum? Geld? Haben sie euch Geld geboten? Oder was war es?«

»Ich verstehe dich nicht, Cubic«, antwortete Skar absichtlich langsam. »Wenn du den Kampf mitangesehen hast, dann ...«

»Ich habe ihn gesehen, Skar, in allen Einzelheiten«, fiel ihm Cubic ins Wort. »Und deshalb frage ich. Warum habt ihr euch besiegen lassen? Habt ihr wirklich geglaubt, daß auch nur ein Mensch in Ikne darauf hereinfallen würde?«

»Worauf?« fragte Del.

Cubic fuhr mit einer blitzartigen Bewegung herum. Seine Hände zuckten, als kämpfe er mit aller Macht gegen den Impuls, sich auf den jungen Satai zu stürzen. Seine Ruhe war schlagartig vorbei. »Auf die miserable Vorstellung, die ihr geliefert habt!!« brüllte er. »Darauf, daß ihr uns allen Ernstes vormachen wollt, daß zwei kampferprobte Satai wie ihr von diesen Kindern aus Kohon geschlagen werden! Begreift ihr eigentlich immer noch nicht, was ihr getan habt? Ihr habt euch umgebracht, euch und mich!! Sie werden uns alle drei hinrichten lassen!!«

Skar atmete hörbar ein, sah den Lastaren verständnislos an und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen gegen die Wand. »Ich fürchte, ich verstehe dich nicht so ganz, Cubic«, sagte er. »Du weißt so gut wie wir, daß die beiden weder Kinder noch Kohoner waren. Hättest du uns vorher gesagt, gegen wen wir wirklich kämpfen, dann ...«

»Hör auf«, unterbrach ihn Cubic, nun wieder ruhig. »Ich bitte dich, hör auf, Skar. Ich will deine Geschichten nicht hören. Erzähl sie den Richtern oder den Tempelkönigen oder wem du willst. Ich möchte die Wahrheit wissen.«