Und droh nicht mit Selbstmord. Mir ist ganz egal, was du tust. Wir werden uns nie kennen lernen und außerdem finde ich, dass du pervers bist.
Schick das verdammte Geld, Quince, und zwar schnell!
Alles Liebe, Ricky
Klockner war besorgt, dass Trevor eines Tages schon vor Mittag nach Trumble fahren und die Briefe auf dem Rückweg zu seiner Kanzlei oder nach Hause in den Briefkasten werfen könnte. Wenn sie erst einmal dort waren, konnte er sie nicht mehr überprüfen. Trevor musste sie mitnehmen und über Nacht in der Kanzlei lassen, damit man sie kopieren und lesen konnte. Klockner war besorgt, doch Trevor erwies sich als Spätstarter. Er schien erst «ach seinem Mittagsschläfchen zum Leben zu erwachen.
Als er also seiner Sekretärin sagte, er werde um elf Uhr nach Trumble fahren, kam Leben in das gemietete Haus gegenüber. Eine Frau mittleren Alters, die sich Mrs. Bekröne nannte, rief in der Kanzlei an und erklärte Jan, sie und ihr reicher Mann wollten sich so schnell wie möglich scheiden lassen. Jan bat sie, einen Augenblick zu warten, und rief Trevor diese Nachricht durch den Flur zu. Dieser war gerade dabei, einige Papiere in den Aktenkoffer zu legen. Die Kamera in der Decke fing seinen ungehaltenen Blick ein, als er erfuhr, eine neue Mandantin sei am Telefon.
«Sie sagt, sie ist reich!«rief Jan und Trevors Stirn glättete sich wieder. Er setzte sich und wartete.
Umständlich schilderte Mrs. Beltrone Jan den Fall. Sie sei Ehefrau Nummer drei, ihr Mann sei wesentlich älter als sie, sie besäßen ein Haus in Jacksonville, verbrächten jedoch den größten Teil ihrer Zeit in ihrem Haus auf Bermuda. Außerdem hätten sie noch ein Haus in Vail, Colorado. Sie
hätten die Scheidung schon seit einiger Zeit geplant und sich über alles geeinigt, ohne großen Streit, im besten Einvernehmen, und jetzt brauchten sie nur einen guten Anwalt, der den Papierkram erledigte. Mr. Carson sei ihnen sehr empfohlen worden, und sie hätten es überaus eilig.
Trevor übernahm das Gespräch und bekam dieselbe Geschichte zu hören. Mrs. Beltrone saß in dem Haus gegenüber und hielt sich an die Vorlage, die das Team eigens für diesen Zweck ausgearbeitet hatte.
«Ich muss sofort mit Ihnen sprechen«, sagte sie, nachdem sie fünfzehn Minuten auf ihn eingeredet hatte.
«Tja, ich bin leider furchtbar beschäftigt«, sagte Trevor, als wäre er dabei, in einem halben Dutzend Terminkalendern zu blättern. Mrs. Beltrone beobachtete ihn auf dem Bildschirm. Seine Füße lagen auf der Schreibtischplatte. Er hatte die Augen geschlossen, und seine Fliege saß schief. Wirklich der Inbegriff eines furchtbar beschäftigten Anwalts.
«Bitte«, flehte sie.»Wir wollen diese Sache hinter uns bringen. Ich muss heute noch mit Ihnen sprechen.«
«Wo ist Ihr Mann?«
«In Frankreich, aber er wird morgen hier sein.«
«Tja, hm, wollen mal sehen«, murmelte Trevor und spielte an seiner Fliege herum.
«Wie hoch ist Ihr Honorar?«fragte sie und sogleich öffneten sich seine Augen.
«Tja, das ist offenbar komplizierter als eine simple einverständliche Scheidung. Ich müsste ein Honorar von zehntausend Dollar verlangen. «Er verzog bei diesen Worten das Gesicht und hielt den Atem an.
«Ich werde das Geld mitbringen«, sagte sie.»Kann ich um ein Uhr kommen?«
Er war aufgesprungen und beugte sich über das Telefon.»Halb zwei wäre besser«, brachte er heraus.»Gut. Also um halb zwei.«
«Wissen Sie, wo meine Kanzlei ist?«
«Mein Fahrer wird sie schon finden. Danke, Mr. Carson.«
Nennen Sie mich einfach Trevor, hätte er beinahe gesagt. Aber sie hatte bereits aufgelegt.
Das CIA-Team sah zu, wie er in die Hände klatschte, sie zu Fäusten ballte, die Zähne zusammenbiss und» Ja!«rief. Er hatte einen dicken Fisch an der Angel.
Jan erschien in der Tür und fragte:»Und?«
«Sie kommt um halb zwei. Räumen Sie hier mal ein bisschen auf.«
«Ich bin keine Putzfrau. Können Sie sich einen Vorschuss geben lassen? Ich muss ein paar Rechnungen bezahlen.«
«Ich kriege das verdammte Geld schon noch.«
Trevor trat an das Bücherregal, richtete Bücher aus, die er seit Jahren nicht mehr in der Hand gehabt hatte, staubte die Bretter mit einem Papiertuch ab und stopfte Schnellhefter in Schubladen. Als er sich
daran machte, seinen Schreibtisch aufzuräumen, verspürte Jan ein leises Schuldgefühl und begann im Empfangsbereich Staub zu saugen.
Sie ließen die Mittagspause ausfallen und arbeiteten durch. Ihr Gezanke sorgte gegenüber für große Heiterkeit.
Es wurde halb zwei. Mrs. Bekröne ließ sich nicht blicken.
«Wo zum Teufel bleibt sie?«rief Trevor gegen zwei Uhr durch den Flur.
«Vielleicht hat sie sich ein bisschen umgehört«, sagte Jan.
«Was haben Sie gesagt?«brüllte er.
«Nichts.«
«Rufen Sie sie an«, rief Trevor um halb drei.
«Sie hat keine Nummer hinterlassen.«
«Sie haben sich nicht ihre Telefonnummer geben lassen?«
«Das hab ich nicht gesagt. Ich hab gesagt, dass sie keine Nummer hinterlassen hat.«
Um halb vier stürmte Trevor aus der Kanzlei, noch immer bemüht, die Oberhand in einem Streit mit einer Frau zu behalten, die er in den vergangenen acht Jahren mindestens zehnmal entlassen hatte.
Sie folgten ihm nach Trumble. Er blieb 53 Minuten im Gefängnis, und als er zurückfuhr, war es nach fünf Uhr, zu spät, um die Post in Neptune Beach oder Atlantic Beach aufzugeben. Er kehrte zu seiner Kanzlei zurück und legte den Aktenkoffer auf den Schreibtisch. Dann ging er erwartungsgemäß zu Pete's Bar and Grill, um zu Abend zu essen und zu trinken.
ACHTZEHN
Die Männer flogen von Langley nach Des Moines, wo sie zwei Limousinen und einen Kleinbus mieteten. Die Fahrt nach Bakers, lowa, dauerte 40 Minuten. Sie trafen zwei Tage vor dem Brief in der kleinen, verschneiten Stadt ein. Als Quince den Brief im Postamt abholte, kannten sie den Namen des Postmeisters, des Bürgermeisters, des Polizeipräsidenten und des Kochs im Pfannkuchenhaus neben dem Metallwarenladen. Doch niemand in Bakers wusste, wer sie waren.
Sie beobachteten Quince, als er vom Postamt zur Bank eilte. Eine halbe Stunde später erschienen zwei Agenten, die nur unter den Namen Wes und Chap bekannt waren, in dem Teil des Bankgebäudes, wo Mr. Garbe jun. sein Büro hatte, und stellten sich seiner Sekretärin als Inspektoren der Bundesbank vor. Sie wirkten tatsächlich sehr überzeugend: dunkle Anzüge, schwarze Schuhe, kurz geschnittenes Haar, lange Mäntel, knappe Ausdrucksweise, sachliches Auftreten.
Quince hatte seine Tür verschlossen und schien zunächst nicht geneigt, die beiden Männer zu empfangen. Sie legten seiner Sekretärin jedoch dar, ihr Anliegen sei äußerst dringlich, und nach fast 40 Minuten öffnete sich seine Tür einen Spaltbreit. Mr. Garbe sah aus, als hätte er geweint. Er war bleich und zittrig und gab sich nicht einmal den Anschein höflicher Freude über den Besuch. Dennoch bat er sie herein, war aber offenbar zu erschüttert, um sie nach ihren Dienstausweisen zu fragen. Er konnte sich nicht einmal ihre Namen merken.
Er setzte sich an seinen großen Schreibtisch und sah die beiden Männer an, die ihm gegenübersaßen und sich glichen wie ein Ei dem anderen.»Was kann ich für Sie tun?«fragte er mit einem sehr schmalen Lächeln.
«Ist die Tür verschlossen?«fragte Chap.
«Natürlich. «Die beiden Zwillinge hatten den Eindruck, dass sich der größte Teil von Mr. Garbes Arbeitstag hinter verschlossenen Türen abspielte.
«Kann uns jemand hören?«fragte Wes.
«Nein. «Quince wurde immer verwirrter.
«Wir haben Sie angelogen«, sagte Chap.»Wir sind nicht von der Bundesbank.«
Quince wusste nicht, ob er wütend oder erleichtert oder noch ängstlicher sein sollte, als er ohnehin schon war, und so saß er einfach da, erstarrt, mit offenem Mund, und wartete auf den Gnadenschuss.
«Es ist eine lange Geschichte«, sagte Wes.