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Billy blickte an ihr vorbei. Ashton ruhte immer noch und würdigte ihn keines Blickes. Verflixt noch mal.

»Du mußt dich geirrt haben, Brett.«

»Um Himmels willen, beiß mir nicht gleich den Kopf ab. Ich weiß, daß du es warst.« Sie sah ihn ernst an. Es ärgerte ihn, und er fühlte sich nicht wohl in seiner Haut. »Du wirst in Schwierigkeiten geraten, wenn du dich mit Vetter Charles herumtreibst«, fuhr sie fort. »Ich weiß, er ist zwar hübsch und lustig, aber er ist zu sehr auf Streit aus. Er hat einen schlechten Einfluß auf dich.«

Billy warf ihr einen finsteren Blick zu. »Verdammt noch mal, gibst du deine Meinungen immer ungefragt ab?«

»Fluchen solltest du auch nicht.«

Er sprang auf und gab der Sandburg einen Tritt. »Wenn ich deinen Rat brauche, werde ich dich danach fragen. In der Zwischenzeit verbiete ich dir, etwas Böses über Charles zu sagen. Er ist mein Freund.«

Verwirrt sah sie zu, wie er davonstürmte und dem Sand Fußtritte gab. »Ich wollte dir ja bloß helfen. Ich wollte dir bloß ehrlich sagen – «

Der Satz wurde nie zu Ende gesprochen. Sie zog so stark an ihrem Zopf, daß es weh tat. Billy mißverstand sie in allem. Er verstand nicht, daß sie ihm nachlief, weil sie ihn verehrte; daß sie ihn warnte, weil sie ihn gern hatte. Er konnte, genau wie all die andern Jungen, nicht mit Mädchen umgehen, die ehrlich waren.

O ja, sie wußte, daß sie oft schroff mit ihm war, aber das kam daher, weil sie nervös war. Weil sie ein Sehnen verspürte und es nicht auszudrücken verstand. Weshalb konnte er nicht hinter ihre Worte, in ihre Augen und ihre Seele sehen? Weshalb konnte er nicht herausfinden, woran sie den ganzen Tag dachte und worüber sie die ganze Nacht weinte? Weshalb verstand er nicht?

Sie bemerkte, wie er seine Schritte vor dem riesigen, gestreiften Sonnenschirm verlangsamte. Nun hatte sie die Antwort auf all ihre verzweifelten Fragen. Billy verstand sie nicht wegen Ashton.

Ashton war eine Expertin im Umgang mit Jungen. Sie schlug mit der ihr eigenen vornehmen Art die Augen auf, und jeder Junge schmolz dahin. Sie war immer mit der Meinung des Jungen einverstanden, und wenn sie wirklich etwas von ihm wollte, erreichte sie dies auf eine so liebenswürdige und geschickte Art, daß er nie den Verdacht hatte, manipuliert worden zu sein.

Sie hatte noch einen weiteren enormen Vorteiclass="underline" Sie war älter, beinahe eine Frau.

Brett, die wütend auf Billy, aber noch wütender auf sich selbst war, machte auf dem Absatz kehrt und marschierte in der entgegengesetzten Richtung los. Haßerfüllt preßte sie die Handfläche gegen ihren flachen Busen, bis es weh tat.

Oh, Billy, Billy, dachte sie. Du wirst nie sehen, wer ich wirklich bin. Du wirst nie verstehen, wie sehr ich dich liebe.

Ashton war, noch während sich Billy mit ihrer Schwester unterhielt, aufgewacht. Sie wußte, daß Brett Billy verehrte, aber sie hatte ihre jüngere Schwester noch nie so direkt und gefühlvoll mit ihm reden sehen. Man konnte den bettelnden Ausdruck auf Bretts Gesicht sogar von weitem sehen.

Arme Kuh, dachte Ashton. Brett hatte keine Ahnung, was das Wort Liebe wirklich bedeutete. Ashton hingegen schon; sie hatte es schon dreimal erfahren. Doch bei keiner dieser drei Erfahrungen war ihr Liebhaber dieser langweilige Huntoon gewesen.

Das erstemal war es schrecklich gewesen, das zweitemal etwas weniger. Sie hatte beide Male kein körperliches Vergnügen bei ihrem Partner finden können, einem jungen Mann der Smith-Familie, der etwa in ihrem Alter und völlig unerfahren war. Nicht, daß es auf die Erfahrung angekommen wäre – Angst und Neugier hatten sie damals verspannt.

Sie war sicher, daß der Junge an ihrer Unfähigkeit, etwas zu fühlen, schuld war. Wenn sie andern Mädchen glauben konnte, die ein bißchen älter als sie waren, mußte Liebe etwas Herrliches sein. Beim drittenmal zeigte sich, daß die andern Mädchen recht hatten: Das Erlebnis war wie eine Offenbarung. Es geschah an einem dunklen, regnerischen Tag in Charleston. Gerade als die Dämmerung hereinbrach und das Gewitter vorbei war, hatte Ashton sich davongeschlichen. Die Straßen waren praktisch menschenleer. Der Mann, den sie zufällig traf, war ein Matrose, grobschlächtig und gute fünfzehn Jahre älter als sie. Sie gingen eine Weile spazieren. Dann willigte sie mit vor Erregung und Angst klopfendem Herzen ein, ihn zu einem schäbigen Gasthof am Fluß zu begleiten. Sie war sich wohl darüber im klaren, daß irgend jemand sie erkennen könnte, aber die Erregung war so stark, daß sie auf keinen Fall umkehren wollte.

Etwa einen Block weit vom Gasthof fing es wieder zu regnen an, und ihr Hut wurde naß. Sie hielt an, um ihn abzunehmen und um sich im Schaufenster eines Trödlerladens zu betrachten.

Die ausgestellte Ware war Tand, einschließlich des Kettchens mit dem Medaillon, auf das ihr Blick gefallen war. Der Matrose war ungeduldig, und es kam ihr plötzlich in den Sinn, seine Geduld auf die Probe zu stellen. Sie deutete auf das Kettchen mit dem Medaillon und machte ihm umständlich und mit einem süßen Lächeln klar, daß das Geschmeide der Preis für ihre Gunst sei. Der Matrose zögerte einen Augenblick und verschwand im Laden, und so entdeckte Ashton, wie leicht manipulierbar ein sexuell erregter Mann war.

Nachdem sie diese wertvolle Lektion gelernt hatte, steigerte sich ihr Vergnügen, als sie sich für den Matrosen in dem billigen Zimmer auszog und merkte, daß sie kaum Angst hatte. Im Gegenteil, sie war feucht und zitterte vor neugieriger Erwartung, als er sich auszog. Sein Organ war enorm; eine Welle der Erregung überflutete sie. Es dauerte nicht lange, bis sie stöhnend von einer Welle von Zuckungen, eine heftiger als die andere, überrascht wurde.

Niemand hatte sie auf einen solchen Genuß vorbereitet. Der ganze Akt war nicht nur ungeheuer praktisch, sondern man konnte ihn auch mit großer Lust genießen. Diese neue Erfahrung war fast zu viel für sie. Das Kettchen mit dem Medaillon warf sie bald weg, aber sie war tagelang glücklich.

Ashton, mit ihrem Erfahrungsvorsprung, bemitleidete ihre dünne, naive, kleine Schwester. Doch jetzt war sie plötzlich auch eifersüchtig auf sie. Ashton machte sich überhaupt nichts aus Billy Hazard, aber sie erwartete von jedem jungen Mann, der ihr über den Weg lief, daß er ihr, und nur ihr, den Hof machte. Obwohl Brett als ernsthafte Rivalin nicht in Frage kam, konnte sie schon jetzt keine Art von Rivalität dulden – und ihre Schwester als Nebenbuhlerin war schlicht undenkbar. Als Billy wütend durch den Sand gestapft kam, war Ashton hellwach und setzte ihr süßestes Lächeln auf.

Sie rief ihn beim Namen und winkte ihm zu. In Sekundenschnelle lag er ihr zu Füßen. »Ich dachte, du schläfst«, sagte er.

»Mit der Zeit wird es langweilig. Wir haben so wenig Gelegenheit gehabt, uns kennenzulernen. Wollen wir nicht ein wenig plaudern?«

»Ja, natürlich. Sofort.«

Seine Fügsamkeit amüsierte sie. Er sah wirklich gut aus in seiner stämmigen, strammen Art. Vielleicht würde sie mehr tun, als ihn nur von Brett abhalten.

Eine Woche später, als sie auf dem Segelschiff waren, sagte Charles zu Billy: »Ich hab’ gesehen, wie du dich gestern abend wieder mit Ashton herumgetrieben hast. Auf der Beach Road. Kann mir gar nicht vorstellen, was dabei so faszinierend ist – es sei denn die Einsamkeit.« Billy lachte.

Billy lehnte sich über den Balken und spielte mit dem Wasser.

»Ich hätte nie geglaubt, daß sich Ashton mit einem Yankee einlassen würde.«

Die scherzhafte Bemerkung über Yankees war der Anlaß zu einem Gespräch über Themen, die in ihren Familien häufig diskutiert wurden. Der Anfang des Gesprächs verlief freundlich, doch bald unterhielten sich die Knaben mit der für ihr Alter typischen Heftigkeit.

»Es ist doch so«, sagte Charles, »daß die höchste Gewalt beim einzelnen Staat liegt.«

»Nicht bei der Union?«