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Levi schob die Unterlippe vor und schüttelte den Kopf. »Mach meins zuerst.«

Charles richtete das Messer auf ihn. »Sei du mal manierlich, Mr. Yankee. Sonst steck’ ich dich auf einen Spieß und servier’ dich zum Abendessen.«

Er sagte es im Spaß, aber Levi schrie und ergriff die Flucht. Laban lachte und lehnte sich an das Knie des von ihm verehrten Helden. Billy kam aus dem Haus.

»Der Kavalier geht schon so früh aus?« fragte Charles. »Die Mädchen werden noch nicht einmal ausgepackt haben.«

Billy ignorierte ihn und nestelte an seiner Krawatte herum. Charles stieß einen Pfiff aus.

»Oho, sieh mal einer an. Ich kann mich nicht erinnern, dich letzten Sommer so schick gesehen zu haben. Wenn das nicht Liebe ist!«

Billy grinste. »Zum Teufel mit dir. Laban, sag deinem Vater nicht, daß ich vor dir geflucht hab’.« Und weg war er. Auf halbem Weg rannte er los. Er machte einen Satz über die Ziegelsteinmauer, so daß die Maurer, die wieder einmal am Ausbessern waren, ihm verdutzt nachblickten.

In jenem Frühling hatten sich bei Brett Main erste Anzeichen von Weiblichkeit gezeigt. Wird er es bemerken, fragte sie sich, als sie sich im Spiegel betrachtete und versuchte, ihren kleinen Busen etwas zu vergrößern, indem sie ihr Kleid und ihre Unterwäsche straffzog.

Voller Freude rief Ashton hinter ihr: »Ach Gott, er ist schon hier. Ich höre ihn mit Orry reden.«

Sie sauste wie ein Pfeil die Treppe hinunter. Brett war nur ein paar Schritte hinter ihr. Aber es nützte nichts. Als Brett in der Hälfte der Treppe war, hatte Orry das Wohnzimmer verlassen, und Billy und Ashton rannten aus dem Haus, ohne sich auch nur einmal nach ihr umzudrehen.

Langsam ging sie den Rest der Treppe hinunter. Eine Hand legte sich ihr von hinten auf die Schulter. Sie stieß einen gellenden Schrei aus.

»Papa!«

»Ich dachte, du würdest dich ausruhen, kleines Fräulein.«

Tillet bemerkte eine Träne auf ihrer Wange. Mit einem leisen Stöhnen und einem Krachen der Kniegelenke setzte er sich auf die unterste Treppenstufe und zog sie neben sich. Er legte ihr den Arm um die Schulter.

»Warum so unglücklich?«

»Ach, Billy Hazard, er ist der aufgeblasenste Mensch, dem ich je begegnet bin. Ich wollte ihm guten Tag sagen, aber er hat mich nicht mal angeschaut.«

»Sei nicht zu hart mit dem Burschen. Er ist in deine Schwester vernarrt. Ich glaube, es ist gegenseitig.«

»Sie kriegt immer alles, was sie will! Sie wird ihn auch bekommen, nicht wahr?«

»Ich weiß nicht. Sie sind beide noch ziemlich jung, um schon Heiratspl… Kleines Fräulein, komm zurück, ich wollte dir nicht wehtun.«

Aber sie war schon nach oben gerast und brach in lautes Klagegeheul aus.

Billy und Ashton gingen geradewegs zum Felsen, bei dem sie sich letzten Sommer geküßt hatten. Von dem Augenblick an, da Ashton Billys Arm um sich spürte und den süßen, scheuen Druck seiner Lippen, verflogen sämtliche praktischen Überlegungen.

Wieviel Zeit hatte sie doch mit all jenen tiefschürfenden Plänen verschwendet, die sie im vergangenen Jahr geschmiedet hatte, nachdem sie vom Dampfer aus gesehen hatte, wie Mr. Bob Rhett ihren Bruder geschnitten hatte. Sowohl die Pläne als auch der pathetische Huntoon waren jetzt vollkommen vergessen. Sie würde Billy heiraten und sonst niemanden.

Das ließe sich jedoch sehr hübsch in ihr langfristiges Schema einbauen. Die Hazards waren zwar Yankees, aber reich und berühmt. Sie mußte mit Billy über ihre ehrgeizigen Absichten reden. Aber nicht jetzt. Alles, was sie jetzt wollte, war, sich der Liebe und ihm genüßlich hinzugeben.

Sie drückte sich so fest an ihn, daß er ihre Brüste spüren mußte. »Ich hätte nie geglaubt, daß ich jemanden so vermissen könnte. Ich bin fast gestorben, als ich wochenlang auf deine Briefe wartete.«

»Ich bin nicht gut im Briefeschreiben. Auf einen, den ich abschicke, kommen zehn, die ich zerreiße.«

»Das kannst du jetzt gutmachen, Liebling. Küß mich und hör erst damit auf, wenn ich die Sinne verliere.«

Er kam der Aufforderung mit Begeisterung nach.

Im Sommer 1851 wiegten sich die beiden Familien und die Nation in einem trügerischen Frieden. Die meisten Amerikaner waren vom Krieg und dem Gerangel um die Sklavenfrage erschöpft. Auch wenn der Kompromiß von 1850 keine Dauerlösung herbeigeführt hatte, waren die meisten Leute damit zufrieden. Auf beiden Seiten blieben jedoch einige hartnäckige Mahner, die behaupteten, daß sich wenig verändert habe und nichts gelöst worden sei; auch ein von einem Verband verdecktes Krebsgeschwür blieb ein Geschwür. Aber all die James Huntoons und die Virgilia Hazards hatten während jener warmen Sommermonate große Mühe, ihre militanten Ansichten an den Mann zu bringen. Die Mehrheit der Amerikaner wünschte sich eine Atempause – mindestens für drei Monate oder ein halbes Jahr.

Cooper und Judith hatten am 1. Juni 1850 geheiratet. Die Natur hatte Coopers Plan, eine Reise nach Großbritannien zu machen, durchkreuzt. Genau neun Monate nach der Hochzeit brachte seine Frau Judah Tillet Main, oder J.T. wie ihn der stolze Großvater von Anfang an nannte, zur Welt. Ende Juli 1850 reisten die Eltern, das Baby und eine Amme nach Newport, um zehn Tage mit den Mains zu verbringen.

Einige Stunden nach ihrer Ankunft setzte sich Tillet auf der Veranda des gemieteten Hauses in einen Schaukelstuhl. Cooper setzte sich neben ihn. Tillet blickte stolz auf seinen Enkel, der in eine Decke gehüllt in Coopers Armen lag. Judith spielte mit George, Billy und Ashton ein Kugelspiel auf dem Rasen. Langsam senkte sich die Abenddämmerung auf sie nieder.

Tillet räusperte sich. »Deine Gattin ist eine feine Frau.«

Cooper war überwältigt. Sein Vater hatte ihr noch nie ein Kompliment gemacht. »Danke, da sind wir gleicher Meinung.« Er faltete die Decke so, daß der Kopf seines Sohnes vor dem Wind geschützt war.

Tillet lehnte sich zurück und verschränkte die Hände auf dem Bauch, der mit jedem Jahr dicker wurde. Wie alt er aussieht, dachte Cooper. Wie alt ist er denn jetzt? Fünfundfünfzig? Nein, sechsundfünfzig. Das Alter zeigt sich in seiner runzligen Haut und auch in seinen Augen. Er weiß, daß es schon bald mit ihm zu Ende sein wird. Zum erstenmal seit langer Zeit fühlte Cooper eine starke Liebe für seinen Vater – eine bedingungslose Liebe.

Tillet fuhr fort: »Ich mag Judith zwar, aber nicht alles, was sie sagt. Keineswegs. Doch Familien sollten nicht untereinander streiten.«

»Einverstanden.« Aber es ist verdammt hart, dieses Ideal in unseren Zeiten zu erreichen.

»Du hast die Gesellschaft gut geführt«, sagte sein Vater. »Die Bilanz ist hervorragend. Die Mont Royal ist ein schönes Schiff. Ja, ich weiß, auch ein hervorragendes Geschäft.«

»Wir könnten drei davon brauchen, um all die Geschäfte annehmen zu können, die man uns anbietet. Ich bin dabei, mich umzusehen. Und noch etwas: Man hat mich gebeten, für andere Schiffe zu entwerfen und zu bauen. Auch damit befasse ich mich.«

Tillet kratzte sich am Kinn. »Glaubst du, daß es klug ist, so schnell zu expandieren?«

»Ja, sicher. Ich glaube, daß wir mit Schiffsbau mehr Geld verdienen und ein sichereres Einkommen haben werden, als mit dem Baumwollhandel.«

»Sind das nur Spekulationen?«

»Wenn du wissen möchtest, ob ich bereits feste Zusagen habe, so kann ich die Frage mit Ja beantworten. Eine Anfrage von einer Schiffsgesellschaft in Savannah und eine andere von einer Firma in Baltimore. Wir stehen zwar noch in Verhandlungen, aber beide Firmen möchten ein Schiff wie die Mont Royal – sofern ich liefern kann. Ich möchte es auf jeden Fall versuchen.«

Er lehnte sich begeistert vor. »Ich stelle mir vor, daß eines Tages – vielleicht schon in fünf Jahren – die Main-Dampfer an der Ostküste auf und ab und nach Europa fahren, und dies unter der Flagge von einem Dutzend Gesellschaften. Der Baumwollmarkt mag schrumpfen, aber ich bin davon überzeugt, daß die Nachfrage nach Lagerraum und schnellem Versand aller möglichen Güter nur zunehmen wird.«