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»Es ist herrlich, daß du hier bist«, sagte sie, als sie sich zum Pier begaben und auf das dunkle, windgekräuselte Wasser blickten. »Wirst du lange bleiben?«

»George sagt, noch etwa eine Woche.«

»Ich freue mich sehr darüber. Aber es macht mich auch traurig.«

»Traurig? Warum?«

»Wenn du in meiner Nähe bist – «

Sie wandte sich ihm zu, ihre Augen sahen im Fackellicht hart aus. Gäste bewegten sich schemenhaft im rauchigen Licht.

»Ja?« sagte er.

»Wenn wir zusammen sind, muß ich dauernd gegen meine Gefühle ankämpfen. Ich möchte noch näher bei dir sein.« Sie schmiegte ihren Oberkörper, ihren Mund und dann ihren ganzen Körper gegen ihn. Er spürte die Bewegungen ihrer Lippen, als sie flüsterte: »Näher als erlaubt.«

Er wollte sie gerade küssen, als er etwas unterhalb der Taille spürte. Gott im Himmel! Sie faßte ihn durch seine Hose und Unterwäsche hindurch an. Hätte sich die Erde unter seinen Füßen aufgetan, die Überraschung wäre nicht größer gewesen.

Sie murmelte seinen Namen, umschloß ihn mit der Hand und küßte ihn wild. Schnell überwand er seine Überraschung und sein Zögern und erwiderte den Kuß. Mit dem linken Arm hielt sie seinen Hals umschlungen, und mit der rechten Hand drückte und drückte sie. Das Spiel der Lippen und Hände führte bald zu einem peinlichen Höhepunkt. Sie fühlte, wie er in ihren Armen erstarrte.

Sie sprang zurück und preßte die Handflächen auf die Lippen. »Um Himmels willen, habe ich…?«

Er fühlte sich entsetzlich gedemütigt und war unfähig zu sprechen. Er starrte auf den Fluß.

»Billy, es tut mir ja so leid. Es war stärker als ich.«

»Schon gut«, murmelte er.

Fünf Minuten später schlenderten Brett und Charles über den Rasen daher, auf der Suche nach ihnen. Billy mußte sie damit konfrontieren, ob er wollte oder nicht. Glücklicherweise trug er eine wollene, gemusterte Hose; sollte also jemand so unhöflich sein und ihn fragen, was geschehen war, könnte er lügen und sagen, daß er eine Tasse Punsch ausgeleert habe.

Sie gesellten sich wieder zu den andern. Es kamen keine Fragen. Doch Ashtons Verhalten ging ihm nicht aus dem Kopf. Sie war zu erfahren. Dies waren die Worte, die sich die halbe Nacht und noch einige Tage lang in seinem Kopf herumdrehten. Sie war viel zu jung, um bereits so erfahren zu sein.

Wie war es dazu gekommen? Als er sich verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf gehen ließ, wurde er von Eifersucht gepackt. Er hätte gerne gewußt, wie und wo sie ihre Erfahrungen gesammelt hatte. Aber irgendwie war es ihm auch gleichgültig. Er wußte, daß sich ihre Beziehung dem Ende zuneigte. Es machte ihn traurig, erleichterte ihn aber auch.

Das Wetter wurde grau. Zwischen Billy und Ashton kam es zu kleineren Reibereien. So zum Beispiel verstand sie etwas nicht, das er sagte, obwohl er es zweimal wiederholte. Oder er hatte einen Kiesel im Schuh und konnte nicht so schnell gehen, wie sie es gewünscht hätte. Kleinigkeiten, die sie verärgerten und ihnen die Stimmung verdarben.

Das Ende kam an einem stillen Samstag. Sie waren unfähig, sich auf etwas zu einigen, das ihnen die Langeweile vertreiben würde. Schließlich schlenderten sie über den Uferdamm, der die Felder vom Fluß abtrennte. Nach zehn Minuten setzte sich Ashton; es kümmerte sie nicht, ob ihr Kleid dabei dreckig wurde oder nicht. Als er sich neben sie setzte, sagte sie ohne Umschweife:

»Freust du dich darauf, nächstes Jahr zur Akademie zu gehen?«

»Ja.«

»Ich glaube, ein Mann könnte Gescheiteres tun.«

Er zog die Augenbrauen hoch. »Was kümmert dich das? Du bist ja kein Mann.«

Sie sah ihn an, nicht gerade feindselig, aber auch nicht mit der Wärme, die er während des Sommers gesehen hatte.

»Nein, aber ich werde einen Mann heiraten«, sagte sie.

»Und du weißt bereits, was du von ihm erwartest, ja?«

»Ich weiß, was ich für mich erwarte. Ich weiß, was ich haben möchte, und er muß es mir geben.«

Das Gespräch wurde zusehends unfreundlicher; ahnte sie, daß er sich zurückziehen wollte? Er mochte jedoch nicht mit ihr streiten und lächelte, in der Hoffnung, die Spannung dadurch zu mildern. Er klopfte sich mit einem unsichtbaren Bleistift auf die Handfläche.

»Wie sieht denn Ihre Wunschliste aus, Miss Main?«

»Mach dich nicht lustig, Billy. Ich bin fünfzehn. In fünf Jahren wird mein Leben zur Hälfte vorbei sein. Deins auch.«

»Das stimmt«, sagte er ernüchtert.

»Wenn du planlos durchs Leben gehst, wirst du es zu nichts bringen. Ich möchte einen Mann mit Geld heiraten, mindestens muß er genug Geld haben, damit ich weiß, daß er nicht auf meins aus ist. Aber was noch wichtiger ist, es darf nicht irgend jemand sein. Er muß ein Senator oder Gouverneur sein. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn er Präsident wäre. Es wäre an der Zeit, daß wir einen neuen Präsidenten aus dem Süden bekämen.«

»Der alte Zach Taylor kam aus Louisiana.«

»Pah. Er war ein größerer Yankee als du. Wie dem auch sei, ich möchte die Frau eines Mannes sein, der Macht und Bedeutung hat.«

Der Rest war klar, auch wenn sie ihn nicht aussprach. Der Mann, den sie heiraten würde, müßte ihre Ziele verwirklichen, selbst wenn er andere Ziele hätte. Ihre dunklen Augen sprühten, als sie sagte: »Es kann natürlich sein, daß es ein Soldat zu Berühmtheit bringt, wie zum Beispiel General Scott oder jener Yankee aus New Hampshire, der vielleicht Präsident wird. Wie war sein Name doch?«

»Pierce. General Franklin Pierce.«

Sie lächelte provozierend. »Wirst du ein solcher Soldat werden?«

Es war aus. Er wußte es. »Nein«, sagte er.

Sie war nicht auf eine solch offene und endgültige Antwort gefaßt gewesen. Sie setzte ein scheues Lächeln auf, lehnte sich an ihn, wobei sie mit ihrem Busen seinen Arm leicht streifte, als wollte sie ihn daran erinnern, was sie einem Mann zu geben wußte.

»Ich wette, du könntest es, wenn du wolltest.«

»Ich habe nicht den Ehrgeiz dazu.« Er stand auf und klopfte sich den Staub vom Hosenboden. »Wollen wir zurückgehen? Es sieht aus, als ob es demnächst regnen würde.«

Schweigend gingen sie zum Herrenhaus zurück. Sie war verblüfft und verdrossen. In Billy breitete sich ein neues Gefühl der Ruhe aus. Sie hatte sich ihm angeboten und den Preis genannt. Sie war unergründlich und zu gefährlich für ihn. Er war vom Rand des Abgrunds zurückgetreten und fühlte sich erleichtert.

Der aufkommende Wind beraubte die neben dem Haus stehenden Eichen einiger ihrer Blätter, die um die jungen Leute herumwirbelten, als sie auf Orry stießen; er überwachte ein halbes Dutzend Sklaven, die die Fensterläden festnagelten.

»Cooper hat eben einen seiner Männer mit dem Pferd aus Charleston hierhergeschickt«, sagte Orry. »Einlaufenden Schiffen zufolge soll sich etwa 150 Kilometer vor der Küste ein schwerer Sturm zusammenbrauen. Ich habe Leute losgeschickt, um die andern Plantagenbesitzer zu warnen. Es könnte einen Hurrikan geben.«

Ashton hob den Rock hoch und rannte ins Haus. Orry beobachtete sie und kratzte sich dann im Bart. »Es sieht aus, als ob wir bereits einen Hurrikan im Haus hätten.«

Billys Lächeln war neutral. »Hast du Charles gesehen?«

Am nächsten Morgen war Ashton wieder die Liebenswürdigkeit in Person. Sie rauschte ins Eßzimmer und setzte sich neben Billy, der sich eben das letzte Stück geräucherten Schinkens einverleibte. Sie tätschelte seine Hand.

»Was machen wir heute?«

Er stand auf. »Ich geh mit Charles auf die Jagd, mit Pfeil und Bogen. Bis heute abend.«

Als er gegangen war, zog sich ihr Magen zu einem schmerzhaften Klumpen zusammen. Sie bereute das, was sie ihm am Fluß gesagt hatte. Sie hatte ihn eigentlich prüfen wollen, hatte wissen wollen, aus welchem Holz er geschnitzt war und wie weit sie ihn herumkriegen konnte. Nicht, daß es wichtig gewesen wäre – sie liebte Billy. Auch wenn er sein ganzes Leben lang ein Leutnant wäre, würde sie ihn immer noch lieben. Für ihn würde sie ihre Träume, ihren Ehrgeiz – ja alles – hingeben.