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Billy und seine Schwester waren einander noch nie sehr nahe gestanden, aber das war zu viel für ihn. Mit einem Schrei stürzte er sich auf Huntoon.

Ashton kreischte und versuchte Billy wegzuschubsen. Aber er war zu stark für sie. Huntoon sprang zurück, so daß Billy seine Gurgel verfehlte und ihm lediglich die Brille von der Nase riß. Sie fiel zu Boden, und die Gläser funkelten im Licht. Als George dazwischensprang, um Billy am Arm zu packen, wurden sie zermalmt.

»Hör auf! Reiß dich zusammen! Laß ihn!«

»Aber er beschimpft Virgilia!« keuchte Billy.

George stellte sich vor seinen Bruder hin und hob seinen linken Arm wie eine Eisenbahnschranke. Tillet hob die kaputte Brille auf und hielt sie Huntoon mit spitzen Fingern hin.

»Bitte gehen Sie, James«, sagte er. »Sofort.«

Huntoon fuchtelte mit der kaputten Brille in Virgilias Richtung. »Sie hat dazu beigetragen, daß ich mein Eigentum verloren habe. Und der junge Raufbold hat mich angegriffen. Ich fordere Genugtuung. Mein Sekundant wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen.«

»Es wird kein Duell geben«, sagte Orry. Vetter Charles, der schweigend im Hintergrund stand, war enttäuscht.

Billy schüttelte seinen Bruder am Arm. »Warum nicht? Ich will mit ihm kämpfen. Ich bring’ den verdammten Hurensohn um.«

Huntoon schluckte hörbar. Ashton warf Billy einen überraschten, beinahe bewundernden Blick zu, drehte sich dann um und drängte ihren Freier zur Tür. Er schimpfte und tobte, doch einige Augenblicke später saß er in seiner Kutsche. Der erschrockene Kutscher gab dem Gespann die Peitsche.

Eine Staubwolke wirbelte auf, und Orry sagte den Hazards unumwunden, was gesagt werden mußte:

»Wenn Huntoons Anschuldigungen bekanntwerden, wird die Nachbarschaft stark darauf reagieren. Es wäre weise, wenn Sie noch heute nach Charleston abreisen würden.«

»In einer Stunde sind wir soweit«, sagte George.

Er schob Billy zur Treppe. Virgilia folgte ihren Brüdern geräuschlos; sie trug immer noch ihr königlich arrogantes Lächeln zur Schau. Was Orry am meisten beunruhigte, war die Reaktion seines Freundes auf die Warnung. George schien verärgert. Orry schüttelte den Kopf, fluchte und ging nach draußen, um frische Luft zu schnappen.

Dreiviertel Stunden später machte sich George, etwas ruhiger geworden, auf die Suche nach seinem Freund. Er fand Orry in einem Schaukelstuhl auf der Veranda. Die Kutsche stand auf dem Torweg bereit, und die Hausbediensteten waren dabei, das Gepäck auf dem Dach zu verstauen.

Orry hatte den einen Fuß auf einen Stuhl gelegt und die Augen mit der rechten Hand abgeschirmt. Seine Haltung drückte ein Gefühl der Niederlage aus. George drehte verlegen den Hut in seinen Händen.

»Vor unserer Abreise hat mir Virgilia versprochen, daß sie dich und deine Familie in keiner Weise kompromittieren würde. Nun hat sie ihr Versprechen gebrochen, aber vielleicht wollte sie das schon von Anfang an. Tatsache ist, daß ich nicht weiß, was ich tun soll. Ich habe eben mit ihr gesprochen, aber sie zeigt kein bißchen Reue; sie scheint eher noch stolz auf ihr Benehmen zu sein, was meiner Meinung nach unverzeihlich ist.«

»Ich schließe mich deiner Meinung an.«

Orrys direkte Antwort bewirkte, daß George die Schamröte ins Gesicht schoß. Orry stand abrupt auf; er schien jetzt gar nicht mehr niedergedrückt. »Nun ja, ich weiß, daß du nichts damit zu tun hast, und Grady wird man ohnehin bald erwischen. Es tut mir leid, daß es geschehen ist, aber es ist nun mal so, und wir können nichts daran ändern.«

»Außer, daß meine Schwester in Zukunft nicht mehr nach South Carolina kommt.«

»Ja, das wäre nicht schlecht.«

George sprach für beide, als er sagte: »Wir leben in einer schlimmen Zeit. Die Unruhe wird mit jedem Tag größer – und wir stoßen immer wieder auf Fragen, auf die es offensichtlich keine Antwort gibt. Ich möchte jedoch nicht, daß diese Fragen einen Keil zwischen unsere Familien treiben.«

Orry seufzte. »Ich auch nicht. Und ich mache dich auch nicht für das Betragen deiner Schwester verantwortlich.« Aber irgendwo blieb ein bitteres Gefühl zurück.

»Wirst du nächsten Sommer mit deiner Familie wieder nach Newport kommen? Ich werde dafür besorgt sein, daß Virgilia anderswo ist.«

Orry zögerte mit der Antwort: »Wenn sich bis dahin nichts verändert hat – ja, ich will’s versuchen.«

»Schön!«

Die beiden Freunde umarmten einander. George setzte den Hut auf. »Wir tun besser daran zu verschwinden, bevor Huntoon mit einer ganzen Meute anrückt, um uns zu lynchen.«

»Wir kennen keine Lynchjustiz im Süden!«

»Beruhige dich, Orry. Es war bloß ein Scherz.«

Orry wurde rot. »Tut mir leid. Ich bin im Moment etwas empfindlich. Das scheint in letzter Zeit im Süden an der Tagesordnung zu sein.«

Maude und Constance traten, gefolgt von der Amme und den Kindern, aus dem Haus. »Sind alle bereit?« fragte George seine Frau.

»Nicht ganz«, antwortete sie, »wir können Billy nicht finden.«

Billy hastete eben durch den Verbindungsgang zwischen dem Herrenhaus und dem Küchengebäude. Eines der Hausmädchen hatte ihm gesagt, daß Brett beim Backen half.

»Billy?« Einen Augenblick lang dachte er, es sei Brett, doch dann sah er Ashton um die Ecke biegen. »Ich habe dich überall gesucht.«

Sie ließ ihren Reifrock, den sie beim Laufen hochgehoben hatte, fallen und betrachtete ihn prüfend. »Oh, wie hübsch du in deinem Reiseanzug aussiehst.«

»Es tut mir leid, daß wir unter diesen Umständen abreisen müssen.« Er hatte Mühe, die Worte hervorzubringen, und fühlte sich in ihrer Anwesenheit höchst unbequem. »Ich weiß, daß Virgilia euer Vertrauen mißbraucht hat, aber ich konnte einfach nicht zusehen, wie dein Freund sie beschimpfte.«

Er hatte erwartet, daß Ashton ihm widersprechen würde, und war überrascht, als sie nickte. »Auch mein Temperament ist mit mir durchgebrannt. Ich hätte nicht – ich weiß nicht, warum ich es getan habe. James Huntoon ist mir völlig wurst.«

Die Spannung wich etwas, und Billy gelang es zu lächeln. »Dann bist du aber eine gute Schauspielerin.« Natürlich war ihm das schon längst klar. »Ich wünschte, dein Bruder und George hätten mir gestattet, mit Huntoon zu kämpfen. Ich gehe nicht schlecht mit der Pistole um.«

»Ach, James ist viel zu hasenfüßig für ein Duell. Nichts als Schall und Rauch – wie die meisten Politiker, mit denen er herumrennt. Du bist anders – «

Sie fingerte unter der Samtmanschette an seinem Handgelenk herum. »Du bist tapfer. Ich bewundere Tapferkeit bei einem Gentleman. Tapferkeit und Stärke – «

Ihr Zeigefinger spielte mit dem Haar auf seinem Handgelenk. Sie wollte ihn und versuchte, ihm dies mit ihrem Blick, ihrem Mund und ihrem Streicheln zu sagen. Sie versuchte, ihn zu sich zurückzuholen. Der Versuch scheiterte.

»Danke für deine Worte, Ashton, aber ich muß jetzt gehen. Ich hab’ noch etwas in der Küche zu erledigen.«

»Oh, hast du Hunger?« fragte sie mit einem spröden Lächeln. »Man sagt, daß junge Burschen immer Hunger haben.« Sie betonte das Wort junge.

Die Beleidigung brachte ihn zum Erröten. »Entschuldige mich jetzt bitte.« Er drehte sich um und eilte davon. Es war aus mit ihm. Der abrupte Abschied hatte auch die geringste Hoffnung zerstört. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, die sie vergeblich zurückzuhalten versuchte.

Billy kam sich irgendwie idiotisch vor, als er auf der Suche nach der einen vor der andern Schwester flüchtete. Aber er war entschlossen, Brett zu finden. Wie würde sie reagieren? Wütend? Mit Verachtung? Er konnte sich nur das eine oder das andere vorstellen, und doch rannte er geradewegs in die dampfende und lärmige Küche hinein, wo eine stattliche Anzahl Haussklaven an den verschiedensten Töpfen herumhantierten. Auf dem Herd brodelte Suppe in riesigen Kesseln. Ab und zu drang ein Windstoß durch den Kamin und erfüllte den Raum mit beißendem Rauch. Durch eine solche Rauchwolke hindurch sah er Brett beim Teigkneten.