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Die Hazards nahmen Orrys Einladung an und trafen am Mittwoch der dritten Maiwoche ein. Maude war nicht dabei; sie hatte sich bei der Gartenarbeit den Fuß verrenkt und war nicht reisefähig.

Am Samstag würde in Mont Royal ein Ball abgehalten werden. Man hatte Einladungen an die ganze Nachbarschaft verschickt. »In Anbetracht der Herkunft eurer Gäste wird Justin es vorziehen, zu Hause zu bleiben«, hatte Madeline Orry bei ihrem letzten Rendez-vous gesagt.

Er küßte ihren Hals. »Laß ihn. Aber du kommst.«

»Wäre das nicht himmlisch? Aber ich befürchte, daß uns dieses Glück nicht beschieden sein wird. Justin wird anwesend sein. Er hat nämlich Angst, daß übel über ihn geredet wird, wenn er eine Einladung der Mains ausschlägt. Aber rechne nicht damit, daß er guter Laune sein wird.«

Am ersten Abend versammelten sich Damen und Herren nach dem Abendessen getrennt. George genoß Whiskey und Zigarre und sagte: »Während der Eisenbahnfahrt durch Virginia und North Carolina habe ich nur zwei Gesprächsthemen gehört: Der Roman von Mrs. Stowe« – Tillet tat geräuschvoll seine Verachtung kund –»und die Sezession.«

»Die Idee rast wie ein Sturmwind durch unsern Staat«, sagte Orry. »Das geschieht alle paar Jahre.«

»Aber diesmal scheint es ernster zu sein«, warf Charles ein.

Cooper schwenkte sein Whiskeyglas. Er war etwa gegen siebzehn Uhr mit seiner Frau und dem kleinen Judah eingetroffen. »Es ist wirklich ein Sturm. Und er wird unser Haus niederreißen. Einige Südstaatler scheinen das begriffen zu haben, vor allem Alexander Stephens. Doch die meisten Idioten sind von ihrer eigenen Rhetorik geblendet und merken nicht, daß die Union nicht so einfach gespalten werden kann wie ein Stück Holz. Zu vieles steht auf dem Spiel, wirtschaftlich und politisch, als daß die Bundesregierung einfach zusehen könnte. In Charleston reden die Leute von einer friedlichen Sezession. Absurd. Ein totaler Widerspruch.«

»Du bist natürlich ein Experte in der ganzen Angelegenheit«, gab Tillet von Sarkasmus triefend zurück. Cooper entschied sich dafür, den Inhalt seines Glases zu betrachten. Tillet fuhr fort: »Eine Trennung mit friedlichen Mitteln wäre ideal, aber wenn das unmöglich ist – wie du behauptest –, dann gibt es nur noch Trennung mit Waffengewalt. Es gibt einige Wahrheiten, die ewig gültig sind, Cooper. Tod ist besser als Tyrannei.«

Cooper blickte seinen Vater ruhig an und sagte mit sanfter Stimme: »Das sagen auch die Neger, wenn sie dir davonrennen.«

Tillet stand auf. »Entschuldigt mich bitte. Ich dachte, dies sei ein gesellschaftliches Treffen.«

Mit langsamen, zögernden Schritten verließ er das Zimmer und knallte die Tür zu.

George blickte ganz verdattert. »Es tut mir leid. Daran bin ich schuld.«

Billy erhob Protest. Orry ebenfalls: »Sind wir nun schon so weit, daß wir uns nicht einmal mehr eine normale Meinungsverschiedenheit erlauben dürfen?«

Cooper lachte, jedoch ohne Humor. »Wir haben dieses Stadium schon vor Jahren in diesem Haushalt erreicht. Ich sage mir zwar immer wieder, daß sich die Dinge ändern können, aber sie ändern sich nie.«

Er hielt Orry sein Glas hin. Orry sah den Schmerz hinter dem trockenen Lächeln seines Bruders.

»Schenk mir noch einen ein, bitte.«

Constance klatschte in die Hände. »Das ist eine herrliche Nachricht, Judith.«

Die andern schlossen sich ihr an, außer Ashton, die gelangweilt die Decke anstarrte. Die Damen hatten sich im Musikzimmer versammelt und tranken Sherry. Brett hatte man nur starken Tee erlaubt. Als eines der Hausmädchen die leeren Gläser abräumte, fragte Clarissa: »Wann rechnest du mit der Niederkunft, Liebes?«

»Ungefähr in sechseinhalb Monaten«, sagte Judith. »Der Arzt hat mir bereits das Reisen verboten, und Cooper hat sich seiner Meinung angeschlossen. Dein Sohn ist manchmal wirklich konservativ«, fügte sie mit einem Lächeln hinzu. »Er wird leider diesen Sommer allein nach England gehen.«

»Schon wieder nach England?« rief Brett. »Ihr beide seid doch eben erst zurückgekommen.«

»Ja«, antwortete Judith, »aber du weißt ja, daß Cooper sehr von Brunei, dem berühmten Ingenieur, eingenommen ist. Sie haben sich das erste Mal herrlich verstanden, und Brunei hat Cooper für einen zweiten längeren Besuch eingeladen. Cooper träumt ja davon – «

Sie hörten jemanden murren und fluchen. Clarissa eilte zur Tür. Schließlich war Tillets verärgerte Stimme nicht mehr zu hören.

»Du meine Güte«, sagte sie, als sie sich wieder setzte. »Mein Mann. Ich wette, es gab wieder mal ein politisches Gespräch.«

»Ja, die Politik verdirbt heutzutage alles«, sagte Judith mit einem Seufzer.

Clarissa hatte plötzlich einen entschlossenen Zug um den Mund. »Ich möchte nicht, daß sie eure Ferien verdirbt. Und ich will auch nicht, daß sie den Ball verdirbt. Es wird ein fröhliches Fest werden, an das wir uns alle gerne erinnern werden. Und da die Männer nicht dafür besorgt sind, müssen wir uns eben darum kümmern.«

Alle waren einverstanden. Ashton mußte sich ihnen wohl oder übel anschließen. Aber ein Ball zu Ehren von Billy Hazard und seiner Familie, zu Ehren von Brett, ließ in ihr eine ätzende Wut hochsteigen. Und diese Wut gebar den Wunsch auf Rache an all denen, die ihr Unrecht getan hatten.

»Mh, mh, stoß ihn rein.«

»Ashton, ich«, – er keuchte ebenso stark wie sie – »möchte dir nicht weh tun.«

»Verdammt, Forbes, stoß ihn rein. Ganz tief. Oh! Ja!«

Die letzten Worte gingen in einem Stöhnen unter. Wie aus weiter Ferne hörte Ashton das Orchester und die eintreffenden Kutschen. Forbes war mit seiner Familie unter den ersten Gästen gewesen. Ashton hatte ihm aufgelauert und ihn gleich in diese dunkle und abgeschiedene Stallecke gelockt.

Sie war wild darauf gewesen, mit einem Mann zu schlafen. Aber nicht mit irgendeinem Mann, sondern mit demjenigen, dessen Brett sich entledigen wollte. Dies war aber nicht der einzige Grund, weshalb sie sich sofort auf Forbes gestürzt hatte. Es war ihr nämlich zu Ohren gekommen, daß er ein hervorragender Liebhaber war. In dieser Hinsicht enttäuschte er sie nicht. Sie hatte das Gefühl, ein Kanonenrohr in sich zu haben.

Sie standen einander von Angesicht zu Angesicht gegenüber, und sie lehnte mit dem Rücken gegen die Stallwand. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie sie ihren Rock hochgehoben und sich ihrer Beinkleider entledigt hatte. Der rasende Rhythmus warf sie immer wieder gegen die Stallwand. Ihr rechtes Bein lag auf Forbes’ Hüfte, und sie hatte das Gefühl, daß das linke Bein jeden Augenblick unter ihr nachgeben würde.

Als sie den Höhepunkt erreichten, mußte sie sich auf die Unterlippe beißen, um ihre Schreie etwas zu dämpfen. Ihre Fingernägel gruben sich in Forbes’ Nacken. Als er etwas später Blutflecken auf seinem Taschentuch entdeckte, sagte er: »Wie zum Teufel soll ich das erklären?«

Er stand mit heruntergelassener Hose da, während Ashton bereits wieder ihre diversen Röcke glattstrich. »Du wirst dir schon etwas einfallen lassen, Lieber. Wie wär’s mit den Moskitos? Sie sind heute abend besonders schlimm. Ich bin bereits zweimal gestochen worden.«

»Klar, das ist’s. Moskitos.« Er betupfte sich nochmals den Nacken und grinste dann halb bewundernd, halb respektvolclass="underline" »Ashton, du bist wirklich Klasse.«

»Es tut dir also nicht leid, daß du hierhergekommen bist?«

»Um keinen Preis. Das war – na, seien wir ehrlich – fast das Beste, was ich je erlebt habe.«

Sie zog einen Schmollmund. »Ist das alles? Fast?«

Er lachte. »Eingebildet bist du auch nicht, du Dirnchen.« Er spielte liebevoll mit ihrer Brust. »Einverstanden, das Beste also.«

»Danke, Forbes. Aber laß bitte die Hände von meinem Kleid, sonst seh’ ich wieder ganz unordentlich aus.«