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Sie brachte emsig und geschickt ihre Kleider wieder in Ordnung. Sie hätte dasselbe sagen können wie Forbes. Noch nie zuvor war sie so sehr erregt und hinterher so befriedigt gewesen. Er war grob, er hatte ihr weh getan, aber sie hatte jede Sekunde genossen.

Sie wagte es ihm jedoch nicht zu sagen. Es würde ihm bloß in den Kopf steigen. Sollte er doch schmachten. Sie summte vor sich hin.

Schließlich platzte er heraus: »Darf ich dich wiedersehen? Ich meine, auf diese Art?«

»Heute abend nicht mehr. Ich muß schließlich nett sein mit all den Yankees.«

»Natürlich nicht heute abend. Ich meinte so lange, bis du Jim Huntoon heiratest.«

Sie trat geräuschlos mit wippendem Kleid an ihn heran. »Forbes, es ist wichtig, daß du etwas klarsiehst: Meine Beziehung mit Mr. James Huntoon ist – na, sagen wir – geschäftlicher Art. Dies hier ist Vergnügen. Solange man diskret ist, gibt es keinen Grund dafür, weshalb das Vergnügen nicht unbegrenzt weitergehen soll.«

»Du meinst also auch, nachdem du und Huntoon – «

»Warum nicht? Es sei denn, du würdest wieder mal zuviel trinken und mich mit deiner lockeren Zunge in Verlegenheit bringen. Sollte das auch nur einmal geschehen, wirst du mich nie wiedersehen.«

»Ich schwöre dir, ich werde schweigen wie ein Grab. Verlange von mir, was du willst, Ashton, und ich werde es tun. O Gott, du bist wirklich ein Biest.«

Bevor sie den Stall in zwei verschiedenen Richtungen verließen, durfte er sie nochmals küssen. Bis jetzt war sie durchaus mit sich zufrieden. Forbes hatte ihr etwas von der fürchterlichen Spannung, die sich in letzter Zeit in ihr gestaut hatte, genommen. Doch was nicht minder wichtig war, er hatte sich ihr ganz unterworfen. Sie hatte das Gefühl, Besitzerin eines neuen Sklaven geworden zu sein.

Als sie über den Rasen in Richtung des hell erleuchteten Herrenhauses eilte, war ein Lächeln auf ihren roten Lippen zu sehen. Es war nicht unwahrscheinlich, daß aus Mr. Forbes LaMotte ein wertvoller Verbündeter würde.

An jenem Abend standen hinter jedem Fenster Kandelaber, und der Rasen war mit Lampions übersät. Das Haus war zu klein für all die Gäste, die mit Kutsche und Pferd eingetroffen waren, und sie hielten sich draußen unter den Bäumen auf oder fanden sich in kleinen Grüppchen.

Mit Ausnahme der Stühle hatte man im Erdgeschoß alle Möbel entfernt. Im Eßzimmer wurde zu der Musik von ›Grabow’s Orchestra‹ aus Charleston getanzt. Orry hatte die Eutaw gemietet, um die vierzehn Musiker und ihre Instrumente auf die Plantage zu befördern. Um Mitternacht würde der Flußdampfer, falls das Wetter günstig blieb, eine kleine Fahrt mit den Gästen machen, wobei man an Bord speisen würde.

Auf der Wiese vor dem Fluß waren Tische mit Speise und Trank aufgestellt worden. Sklavenjungen versuchten, mit Wedeln die Insekten von Schinken, Lamm, gebratenem Rindfleisch, Huhn, Austern, Krabben und andern Meeresfrüchten fernzuhalten. Es waren fast hundert Kilo Schinken und ebensoviel von den anderen Leckereien für das Fest eingekauft worden. Man trank Champagner, französischen und deutschen Wein.

Die Gäste hatten sich dem Anlaß entsprechend elegant gekleidet, und es duftete nach teuren Parfüms. Es war noch keine Stunde vergangen, und doch wußte Orry bereits, daß das Fest ein Riesenerfolg war.

Obwohl ihm sehr heiß war, genoß Orry den Abend. Das Fest war für ihn ein Symbol all dessen, was sein Heimatstaat an Eleganz und Positivem zu bieten hatte. Die Lichter, Essen, Wein und Musik verbreiteten eine wohlige Atmosphäre. Ein magischer Zauber lag über dem Abend.

Tillet und George erzählten Geschichten und brachen immer wieder in lautes Gelächter aus, als hätten sie die Diskussion über die Sezession völlig vergessen. Orry sah, wie sie ihre Gläser auffüllten und Arm in Arm davonschlenderten.

Constance stolperte eben mit rotem Gesicht, atemlos und kichernd, von der Tanzfläche. Einer der Smiths hatte sie zu einer Polka aufgefordert und ihrem anfänglichen Zögern schließlich mit Charme den Garaus gemacht. Es waren viele Damen und Herren namens Smith anwesend, aber niemand war mit Whitney Smith verwandt.

Constance hatte schnell und viel getanzt und von ihrem Partner ein Kompliment bekommen. Clarissa umarmte sie und sagte: »Sie tanzen wie eine Frau aus dem Süden. Sind Sie sicher, daß Sie nicht ganz hierherziehen wollen?«

»Es ist ein so herrliches Fest mit so vielen herrlichen Menschen, daß ich mich noch überzeugen lassen könnte, Clarissa.«

Orry schlenderte wieder nach draußen. Er lehnte sich an eine weiße Säule, nippte an seinem Glas und lächelte jedermann zu. Er fühlte sich etwas umnebelt, aber herrlich. Nicht alle waren jedoch so euphorisch gestimmt. Cooper war immer noch über das Verhalten seines Vaters vom vergangenen Abend verstimmt, wie sein finsterer Gesichtsausdruck bewies.

Orry ging auf ihn zu und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter, wobei er etwas Champagner verschüttete.

»Na, komm, genieß es doch für einmal! Du mußt zugeben, daß es ein verflucht schönes Fest ist.«

»Ja«, sagte Cooper ohne große Begeisterung. »Es wäre herrlich, wenn die Leute sich den Yankees gegenüber immer so großherzig benehmen würden.«

Orry war etwas verdutzt. »Wenn dir das Fest gefällt, warum lächelst du dann nicht?«

»Ich muß immer wieder an den Aufwand denken, den ein solches Fest verlangt. Nicht alle Menschen hier können sich vergnügen, wie du siehst.«

Mit einer langsamen, majestätischen Bewegung lenkte er Orrys Blick auf einen Mann, der sich schwitzend, zwei schwere Weinkisten auf den Schultern, durch das Gewühl kämpfte. Der Mann war ein Haussklave, achtundsechzig Jahre alt.

Wütend drehte Orry sich um und ging.

Von diesem Augenblick an verdüsterte sich seine Stimmung. Alles was er sah und hörte, steigerte sein Unbehagen und seine Melancholie.

Einer der Jungen der Bull-Familie riß eine Schnur mit Papierlaternen herunter; eine davon fing Feuer und hätte beinahe den Reifrock von Tante Betsy Bull entflammt. Sie schnauzte ihren jungen Verwandten an und empfahl ihm, seinen Kopf in eine Pferdetränke zu stecken, bis er wieder nüchtern sei. Der Junge machte ein ernstes Gesicht, als ob er sich den Tadel zu Herzen genommen hätte. Aber es war nicht ein reumütiges Herz, das an dem veränderten Gesichtsausdruck schuld war, sondern ein durch zuviel Alkohol in Aufruhr geratener Magen. Der Junge mußte sich vor Tante Betsy erbrechen. Einige Zuschauer ergriffen angewidert die Flucht; einem wurde beinahe übel. Die Dinge schienen plötzlich einen schlechten Lauf zu nehmen. Etwas später begegnete er Justin LaMotte in dem überfüllten Haus. Justin hatte einen Stuhl für sich in Anspruch genommen, indem er seinen in einem glänzenden Stiefel steckenden Fuß darauf stützte. Alle andern Stühle rund herum waren besetzt.

»– ist mir ehrlich gesagt egal, wen die Partei nominiert«, sagte er eben. »Yancey hatte recht. Die traditionelle Loyalität der Partei gegenüber ist am Verrotten. Wählt man die Whigs, wählt man eine kranke, wenn nicht tote Partei. Wählt man die Demokraten, steht man auf Seiten einer politischen Organisation, die nicht mehr die Interessen der Region vertritt. Ich persönlich bin für die Amerikanische Partei. Keine Immigranten. Kein Pfaffentum. Und demnächst auch ›keine Abolition‹.«

Orry starrte unmißverständlich auf Justins Stiefel. Justin blickte seinen Gastgeber verächtlich an und fuhr unbeirrt mit seinen dramatischen Ausführungen fort. Orry wandte sich angewidert ab.

Zehn Minuten später lehnte er an der Eßzimmerwand und sah George und Madeline beim Walzer zu. George schien es zu genießen.

Als Orry sein Glas hob, verschüttete er etwas Champagner und bemerkte, daß er betrunken war. Aber es war ihm egal. Es war ein Viertel nach elf Uhr und das Fest lief auf vollen Touren.

Orry betrachtete Madeline. Wie schön sie aussah, und wie anmutig sie mit seinem besten Freund tanzte. Ihr Busen hob sich milchweiß gegen ihr smaragdgrünes Kleid ab. Die Farbe paßte gut zu ihrem dunklen Haar und den dunklen Augen.