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George tanzte gekonnt und mit Schneid. Kein Wunder, dachte Orry, und genehmigte sich ein weiteres Glas, er hatte ja noch alle nötigen Glieder zur Verfügung.

Ach, wie sehr wünschte er sich, ein ganzer Mann zu sein, Madeline um einen Tanz zu bitten und die Liebe, die ihn erfüllte, nicht mehr verstecken zu müssen! Er preßte die Lippen zu einem Strich zusammen. Seine dunklen Augen verrieten seine Wut. Er hielt sein Glas hin, ohne hinzusehen. Und genau wie er es erwartet hatte, war ein Sklave zur Stelle, um ihm neu einzuschenken.

»Sie ist eine charmante Partnerin«, sagte George, als er nach dem Tanz Madeline zu Orry geleitete. »Äußerst charmant. Aber ich sehe, daß Constance nach mir auf der Suche ist. Du entschuldigst mich, Orry, ja? Ich bedanke mich, Mrs. LaMotte.«

Und weg war er. Madeline errötete und stand nervös neben Orry.

»Ich verstehe, weshalb du ihn gern hast«, sagte sie. »Er ist lieb, intelligent und amüsant.« Sie öffnete ihren Spitzenfächer. »Es ist ein wundervoller Abend. Schade, daß die Zeit so schnell vergeht.«

Er blickte ihr tief in die Augen; betrunken wie er war, machte es ihm nichts aus, ob jemand sie sah.

»Alles geht so schnell vorbei, Madeline. Die Monate. Die Zeit, die uns bleibt…«

Sie klappte den Fächer so ruckartig zu, daß eine der Rippen brach. Sie schloß die Augen und sagte schweigend und inständig: Bitte nicht!

Zu seiner Überraschung trat sie plötzlich zurück. Sie kam ihm wie eine Marionette vor. »Ja, die Zeit vergeht wirklich schnell. Und bevor wir uns versehen, sind wir plötzlich alt.« Weshalb redete sie so laut? »Weißt du, wie der Junge von Francis, Forbes, mich jetzt nennt? Tante Maddie!« Sie lachte, aber er wußte, daß sie am liebsten geweint hätte.

»Da bist du ja, Liebling!«

Sie drehten sich um. Es war Justins Stimme. »Jemand sagte mir, daß du mit einem Yankee getanzt hast. Ich hoffe, es ist nichts davon hängengeblieben.«

Justins Gesicht spiegelte eine Mischung aus Langeweile und süßlichem Humor. Seine Bemerkung war offensichtlich als Beleidigung von Orrys Gast gemeint. Obwohl Orry wütend war, konnte er nichts dagegen tun. Justin lächelte, und Orry mußte die Bemerkung als Witz nehmen.

Justin hielt seiner Frau den Arm hin. »Sollen wir uns einige der Leckerbissen genehmigen, die unser Gastgeber bereitgestellt hat, Liebling?«

»Geh du nur, Justin, ich habe bereits genügend – «

»Ich bestehe darauf.« Er packte sie an der rechten Hand und zwang sie, seinen Arm zu nehmen. Sie fühlte sich gedemütigt und errötete. Als Justin sie wegführte, warf sie Orry heimlich einen sehnsuchtsvollen Blick zu. Er fühlte die gleiche Sehnsucht; es war beinahe unerträglich. Das kann nicht so weitergehen. Es muß etwas geschehen.

Irgendeine Intuition sagte ihm, daß eine Änderung zwar vielleicht nicht sofort, aber doch irgendwann eintreten mußte. Es würde etwas geschehen. Würde es zu ihren Gunsten oder zu ihrem Nachteil sein?

Billy und Brett wirbelten walzertanzend an Orry vorbei. Sie bemerkten weder seinen verwirrten Gesichtsausdruck noch sonst etwas, sondern lebten ganz in ihrer momentanen Gefühlswelt. Billy wünschte sich, daß die Musik und die Nacht nie ein Ende nähmen.

»Die Kamelien kamen gerade, bevor ich heruntergekommen bin«, sagte Brett. Er stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Es war das erste Mal, daß sie etwas von dem Geschenk sagte. »Es sind so viele! Das Arrangement muß ein Vermögen gekostet haben«, fügte sie hinzu.

»Die Hazards werden sich das wohl leisten können.«

Nun fühlte er sich wie ein Idiot. Die Bemerkung war hochtrabend. Gott im Himmel, wie sehr sie ihn doch mit ihren leuchtenden Augen, ihrem geneigten Kopf und ihren Lippen verwirrte! George hatte ihm einmal gesagt, daß viele Kadetten in West Point sich gegen eine Romanze aussprachen, weil die Liebe einem den Kopf verdrehte und dies wiederum nicht mit dem Studium zu vereinbaren sei. Billy konnte eine solche Einstellung begreifen, aber jetzt war es für ihn schon zu spät.

»Auf jeden Fall sind die Blumen wundervoll – genau wie der Gedanke, der dahinter steckt.«

»Danke. Es gibt Mädchen, die so was nicht bemerken würden.«

»Das kann ich mir nicht vorstellen.«

»Aber es stimmt. Deshalb bist du anders als die andern. Du flirtest nicht und läßt den andern nicht im dunkeln herumtappen. Du sagst, was du denkst. Das gehört zu den Dingen, die ich an dir so sehr liebe…« – er schluckte das Wort hinunter und wurde rot – »…so sehr mag.«

»Früher hatte ich den Eindruck, daß dir gerade das nicht gefiel.«

Er grinste. »Es ist vielleicht besser, wenn wir uns nicht über meine vergangenen Fehler unterhalten. Es gibt nämlich so viele, daß uns kaum noch Zeit für etwas anderes bleiben würde.«

»Oh, du machst nicht viele Fehler. Auf jeden Fall keine schwerwiegenden.«

»O doch.« Wie durch einen Schleier hindurch sah er das blasse Gesicht von Ashton. Sie stand neben Huntoon und beobachtete ihn. »Manchmal mache ich auch etwas richtig. Zum Beispiel, als ich Orry gebeten habe, um dich werben zu dürfen. Ich wünschte, ich könnte dich öfters als nur einmal im Jahr besuchen.«

»Aber ich freue mich, daß du ihn gefragt hast, und ich freue mich, daß er ja gesagt hat.« Sie drückte seine Hand. »Ich werde dir eine Menge Briefe schreiben. Und vielleicht darf ich dich mit Orry einmal in West Point besuchen. Es ist doch ein berühmter Ferienort, nicht wahr?«

»Ich glaube ja. Aber du wirst hier ja wahrscheinlich nicht zu einsam sein. Der LaMotte-Bursche wird dir wahrscheinlich den Hof machen.«

»Nicht mehr. Forbes ist ein gut aussehender Mann, aber er benimmt sich, na ja, zu alt. Er wird mich nicht mehr besuchen«, sagte sie betont.

»Weiß er das?«

»Ja, ich habe es ihm vor einigen Minuten gesagt. Ich fand es nötig, da du mir Kamelien geschickt hast und – « Ihr Gesicht wurde puterrot. »Billy, sieh mich bitte nicht so an! Ich verschmelze. Wie ungeschickt von mir, das so offen zu sagen, aber ich kann nicht anders – « Sie preßte einen Augenblick ihre Wange an die seinige und flüsterte: »Ich mag dich schon so lange! Ich dachte, du würdest mich nie bemerken.«

Er lehnte etwas zurück und blickte wieder in ihre Augen. Diesmal fiel es ihm nicht schwer, die richtigen Worte zu finden:

»Ich werde nie eine andere bemerken. Nie!«

Mit einem halbleeren Glas in der Hand sah Forbes LaMotte Billy und Brett beim Tanzen zu. Der Anblick ihrer verliebten Gesichter widerte ihn an und machte ihn wütend. Er bemerkte nicht, daß Ashton sich an seine Seite stahl. Als sie sich bei ihm einhakte, erschrak er.

»Forbes, Liebling, du siehst stinkwütend aus.«

»So fühle ich mich auch.« Er blickte auf die Menge hinter ihr. »Wo ist Huntoon?«

»Ich habe ihn für eine Weile fortgeschickt. Ich wollte mich mit dir unterhalten.«

»Schön. Ich bin es müde, mir die beiden dort anzusehen.«

Er kehrte der Tanzfläche den Rücken zu und führte Ashton durch das Gewühl. Sie lächelte, nickte geschickt nach rechts und links und unterhielt sich dabei die ganze Zeit über mit ihm im Flüsterton.

»Was ist? Ich dachte, du genießt das Fest?«

»Hab’ ich auch. Bis deine liebe Schwester mir mitteilte, daß sie es vorziehen würde, mich nicht mehr zu sehen.«

»Ah, ja? Und wie fühlst du dich jetzt?«

»Ich bin verdammt beleidigt.«

»Das kann ich begreifen.«

»Versteh mich nicht falsch, Ashton. Brett ist nicht die einzige Frau, die – ich meine, sie ist nicht die einzige Frau auf der Welt.«

Sie drückte lächelnd seinen Arm. »Ich weiß, was du sagen möchtest, du Bengel. Du hast heute abend eine andere gefunden, nicht wahr?«

Er grinste wollüstig. »Gewiß. Aber ein Mann muß schließlich auch ans Heiraten denken. Ich hätte mir Brett gut als Ehefrau vorstellen können. Ihre Absage macht mir nicht eitel Freude.«