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»Und wie, glaubst du, fühle ich mich, nachdem Mr. Hazard mich sitzengelassen hat!«

»Ich nehme an, genauso wie ich. Wolltest du darüber mit mir sprechen?«

»Genau. Hier ist die Punschbowle. Bitte, hol mir ein Glas.«

Er stürzte sich förmlich darauf. Bevor sie hinausgingen, leerte er rasch sein Glas und füllte es erneut. Vor dem Haus trank er den Punsch in großen Schlucken und schmiß das Glas mitten in einen Azaleenstrauch hinein. Manchmal fand ihn Ashton wirklich abstoßend. Aber er würde ihren Zwecken dienlich sein, sowohl den körperlichen als auch den andern.

Sie verließen den Hof und gingen über den Rasen. »Ehrlich gesagt, Forbes, deine Mitteilung überrascht mich keineswegs. Ich habe irgendwie geahnt, daß Brett heute abend mit dir reden würde.«

»Wieso?«

»Sie hat es erwähnt, als wir uns umgezogen haben. Sie schnatterte wie eine Ente. Total aufgeregt wegen Billy – «

»Gott im Himmel«, knurrte er. »Ich verstehe nicht, wie Orry einem Yankee erlauben kann, deiner Schwester den Hof zu machen.«

»Ach, er ist doch in den ganzen Clan verliebt.«

»Wenn Brett unbedingt einen Soldaten möchte, weshalb denn nicht einen von The Citadel? Und wie in Teufels Namen soll Hazard ihr den Hof machen, wenn er Tausende von Meilen weit weg ist?«

»Forbes, hör auf zu fluchen! Du wirst die Aufmerksamkeit auf uns lenken. Es wird unsrer Sache mehr nützen, wenn die Leute uns nicht zusammen sehen; jetzt nicht, und in Zukunft nicht.«

»Unsere Sache?« wiederholte Forbes. »Was meinst du?«

»Nun, die Abrechnung mit Billy und Brett.«

Er blieb stehen, blickte sie an, warf den Kopf in den Nacken und lachte.

»Donnerwetter, du bist wirklich einzigartig. Eine echte, unverschämte Hure.«

Sie klopfte ihm mit dem Fächer auf das Kinn. Ein leichter Schlag, aber er saß – wie sie erwartet hatte. Sie lächelte zwar immer noch, aber ihre Augen sprühten Gift.

»Ich fasse das als Kompliment auf. Aber wenn du noch einmal fluchst oder die Stimme erhebst, wirst du das, was du so heiß begehrst, nie mehr zu sehen kriegen.«

»Schon gut, schon gut, tut mir leid.«

»Das klingt schon besser.«

Sie lenkten ihre Schritte in Richtung Fluß. Die mit Laternen geschmückte Eutaw hatte eben ihre nächtliche Fahrt begonnen. Das Orchester spielte, und die fröhliche Musik drang über das dunkle Wasser bis ans Ufer.

»Nun«, sagte Ashton mit fröhlicher Stimme, »laß uns unser Gespräch fortsetzen. Gehe ich richtig in der Annahme, daß du einer kleinen Rache nicht abgeneigt bist?«

»Du gottverd… äh – ja.« Ihn schauerte. Sie konnte einem wirklich Angst machen.

»Na herrlich. Ich möchte sicher sein. Wir werden geheime Verbündete sein. Wahrscheinlich werde ich demnächst James heiraten, aber ein Mann und ein Verbündeter sind nicht ein und dasselbe. Abgesehen davon, daß unser Bündnis ja noch ein gewisses Extra – «

Mit geschlossenem Fächer streichelte sie sanft seinen Handrücken. »Natürlich nur, sofern du dich benimmst.«

Wieder lief ihm ein Schauer über den Rücken. »Ich verstehe. Aber du bist nicht betrunken, oder?«

Sie trat empört zur Seite. »Was zum Teufel willst du damit sagen?«

»Du sprichst davon, etwas gegen deine eigene Schwester zu unternehmen.«

»Richtig.« Sie lächelte wieder. »Ich hasse sie.«

Er erblaßte. »Wieso zum Teufel – « Er vermochte den Ausdruck nicht zu unterdrücken. »Na schön, ich wollte mich nur vergewissern.«

Er hatte das Gefühl, wegrennen zu müssen. Doch dann dachte er an das, was sich im Stall ereignet hatte. Er bot ihr wieder den Arm an. »Könntest du mir vielleicht sagen, wie wir«, – er schluckte – »das tun werden, worüber wir uns unterhalten?«

»Nein, ich weiß es noch nicht. Wir müssen unsern Plan den Umständen anpassen, aber wir werden den richtigen Augenblick erkennen. Wir dürfen nichts überstürzen. Wir müssen lächeln und abwarten, und eines Tages, wenn Billy Hazard und meine Schwester am wenigsten darauf gefaßt sind, werden wir es ihnen heimzahlen.«

Forbes lächelte, obwohl er Bedenken hatte. Es war ein etwas trübes Lächeln, aber Ashton fand es trotzdem charmant.

»Ja, das werden wir«, sagte er. Er deutete auf das festlich erleuchtete Haus. »Darf ich um einen Tanz bitten, um das ganze zu besiegeln?«

»Du darfst, Mr. LaMotte. Bitte geh vor.«

33

Am 1. Juni 1852 betrat Billy das Norddock in West Point. Über dem Fluß und den Hügeln lag heißer, grauer Dunst. Billy versuchte die Akademie zu erspähen, aber sie war von einem steilen Abhang, der sich hinter dem Dock erhob, verdeckt. Wie hatte sich sein Bruder wohl am ersten Tag gefühlt? Auch so nervös? Auch so aufgeregt?

Billy war fest entschlossen, sich während der nächsten vier Jahre anzustrengen. Er wollte zu den Pioniertruppen, und das bedeutete, daß er ausgezeichnete Noten haben mußte. Er wußte, daß er sie mit Fleiß und ein wenig Glück auch bekommen würde. Er hatte schon mit den Vorbereitungen begonnen und vor und während der Reise stark gebüffelt. Seine große Reisetasche war fast ausschließlich mit Büchern gefüllt: gebrauchte Algebra-, Geometrie- und Trigonometriebücher, darstellende Geometrie – alle von Professor Davies der Militärakademie überarbeitet und erweitert.

»Sir, stehen Sie nicht so rum und glotzen Sie nicht so in der Weltgeschichte herum. Sind Sie der einzige Neuankömmling? Sehr gut, Sir. Stellen Sie Ihr Gepäck auf den Karren, Sir.«

Die Stimme und der irische Akzent gehörten zu einem runzligen, eher häßlichen kleinen Mann in einer verschmutzten Armeeuniform. Er legte eine Hand stolz auf das Heft seines Säbels. Der Mann sah nicht gerade so aus, wie man sich einen idealen Soldaten vorstellte, aber er beeindruckte Billy; er strahlte etwas von der Tradition dieses Ortes aus. Billy war stolz, dort zu sein, wo sein Bruder vor zehn Jahren gewesen war. Während Jacksons Zeit hatte die Akademie einen schlechten Ruf genossen, aber George sagte, daß dies langsam am Abklingen sei und die Akademie nun zusammen mit Woolwich und Sandhurst in Großbritannien, St. Cyr und der École Polytechnique in Frankreich eine der führenden Militärschulen sei. Der alte Thayer hatte sich bei der Umstrukturierung des Lehrplans von West Point am Modell der französischen École Polytechnique orientiert.

»Sir, ich sage Ihnen nicht noch einmal, daß Sie vorwärts machen sollen. Ich bin Sergeant Owens. Vergessen Sie nicht, daß Sie sich nun auf Militärgebiet befinden. Benehmen Sie sich entsprechend!«

»Ja, Sir«, sagte Billy und eilte ihm nach.

Hauptmann Elkanah Bent saß da und zupfte mit Daumen und Zeigefinger an seiner Unterlippe. Schweiß tropfte von seinem Kinn auf die offene Akte. Obwohl alle Fenster des altmodischen Backsteinhauses weit offen standen, kam der fettleibige Offizier vor Hitze fast um.

Das Haus stand am westlichen Ende des President-Park. In acht Monaten würde ein neuer Mann in die Residenz in der Mitte des bewaldeten Parks ziehen. Die Demokraten hatten bei der 49. Abstimmung Franklin Pierce von New Hampshire nominiert. Nach seiner Ernennung zum General im Mexiko-Krieg wurde Pierce sogleich als einer jener unfähigen Politiker verschrien, die unbedingt auch noch einen militärischen Rang haben müssen. Aber er stellte sich als überraschend kompetenter Befehlshaber heraus, und viele Berufsoffiziere begrüßten seine Wahl.

Die Republikaner ihrerseits hatten sich für den Oberbefehlshaber selbst entschieden. General Scott hatte sich schon 1848 nominieren lassen wollen, wurde damals aber gezwungen, weitere vier Jahre zu warten. Diesmal hatte er es nach der dreiundfünfzigsten Abstimmung geschafft, nachdem Präsident Fillmore die Nomination durch seine eigene Partei verweigert worden war – sofern die Republikaner überhaupt noch als lebensfähige Partei bezeichnet werden konnten.