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»Klar. Für immer.« Ihr Handschlag war fest und kraftvoll.

Vom Norddock her war ein Pfiff zu hören. Billy nahm seinen Koffer und stürzte zur Tür. »Wenn du Brett schreibst, sag ihr, daß ich sie vermisse.«

»Schreib doch selber!« Charles’ Augen funkelten. »Ich glaube, sie kommt hierher zu Besuch, wenn du zurück bist.«

Billy blieb die Luft weg. »Wenn du einen Witz machen solltest – «

»Ich würde mich nie über dich lustig machen. Nicht, nachdem ich gesehen habe, wie du Slocum vermöbelt hast.« Charles nahm seine französische Grammatik vom Regal, öffnete das Buch und entnahm ihm einen zusammengefalteten Brief. »Ich hab’ ihn erst heute morgen von Brett bekommen. Sie schreibt, sie wolle dich in einem«, er suchte das Wort, »günstigen Moment überraschen. Verstehst du das?«

»Na klar.« Billy tanzte mit dem Koffer in der Hand herum. Zwei Kadetten, die draußen vorbeigingen, lachten. »Und wer wird die Anstandsdame spielen?«

»Orry. Er nimmt Ashton auch mit; sie bekäme sonst einen Wutanfall.«

Doch dies vermochte Billys Freude nicht zu trüben. Singend hüpfte er die Treppe hinunter, und Charles sah ihm zu, wie er völlig unmilitärisch über die Ebene raste und einigen Professoren übermütig salutierte.

Charles fühlte sich eine volle halbe Stunde lang wohl. Dann hörte er vier Kadetten im Nebenzimmer lauthals über Kansas diskutieren. Eine Erklärung, ein Handschlag mochten wohl die Spannungen zwischen Freunden lindern, aber sie würden niemals die Probleme lösen, von denen das Land beherrscht wurde. Und schon gar nicht, solange immer noch einige Südstaatler diese Probleme in Abrede stellten.

Zum Teufel noch mal, dachte er, welch höllisches Durcheinander.

Superintendent Lee und ein jüngerer Offizier schlenderten gemütlich zum Westende der Ebene. Eine große Anzahl von Hotelgästen waren mit einigen Kindern herbeigekommen, um den Vorführungen der Reiter beizuwohnen. Der jüngere Offizier hatte die Übung nach draußen verlegt, da es in der Reithalle zu heiß war. Es war Samstag nachmittag; die umliegenden Hügel schimmerten im Dunst der Julihitze. Doch die Hitze schien weder den Applaus der Zuschauer zu schmälern, noch konnte sie dem Enthusiasmus, mit dem die Kadetten ihre Übungen vorführten, etwas anhaben. Einige von ihnen zeigten die korrekte Art des Sattelns und Zäumens sowie des Auf- und Absteigens. Andere ritten in den verschiedenen Gangarten oder sprangen über einige Strohballen. Eine ausgewählte Gruppe von Senioren griff im Galopp Strohpuppen an und hieb im Vorbeireiten mit dem Säbel auf sie ein.

Der jüngere Offizier beobachtete die ganze Szene kritisch. Er trug eine Dienstmütze mit einer orangefarbenen Quaste und einem Emblem – gekreuzte Säbel mit der Nummer zwei in oberen Winkel. Leutnant Hawes vom Zweiten Dragonerregiment erteilte den Reitunterricht. Vor einem Jahr hatte er einen schon lange überfälligen Instruktionskurs in Kavalleriestrategie eingeführt – eine Neuerung für die Akademie.

»Beeindruckend«, sagte Lee und erhob seine Stimme über den Lärm der trottenden Hufe. »Sie haben gute Arbeit geleistet, Leutnant.«

»Vielen Dank, Sir.« Hawes zeigte auf einen dunkelhaarigen, gutaussehenden Reiter, der seinen Fuchs gekonnt führte; es schien, als würden Roß und Reiter über die Heuballen fliegen. »Er ist der beste Reiter des Kadettenkorps. Eigentlich sollte er die Vorführungen nicht mit den anderen bestreiten; er ist nämlich erst in der dritten Klasse. Aber er ist das ganze Jahr hindurch in jeder freien Minute in die Reithalle gekommen. Wenn er diesen Herbst mit der Reitausbildung beginnt, werde ich ihm kaum noch etwas beibringen können. Ich lasse ihn gern mit den andern Burschen reiten, weil das ein Ansporn für sie ist.«

Der Kadett, über den gerade diskutiert wurde, sprang über einen weiteren Ballen und landete mit einer natürlichen Anmut auf seinem Grimsley-Dienstsattel. Lee betrachtete sein dunkles, wehendes Haar und sein Profil und dachte einen Augenblick nach.

»Er kommt aus South Carolina, nicht wahr?«

»Ja, Sir. Sein Name ist Main.«

»Ah ja. Ein Vetter von ihm war vor ungefähr zehn Jahren hier. Der Junge macht einen guten Eindruck.«

Leutnant Hawes nickte begeistert. »Ungefähr der gleiche Schlag wie Stuart – nur, daß er besser aussieht.«

Beide lachten. Dann fuhr Hawes fort: »Ich bin sicher, daß er nach seinem Abschluß zu den Dragonern oder den Kavalleriejägern eingeteilt wird.«

»Oder vielleicht zu einem dieser neuen Reiterregimenter, die der Minister bilden will.«

»Mains Noten werden ihm keine Wahl lassen«, bemerkte Hawes. »Aber im militärischen Unterricht ist er ausgezeichnet. Die Idee, daß ein Mann kämpfen kann und dafür bezahlt wird, scheint ihn sehr zu beeindrucken.«

»Das wird vorbeigehen, wenn er zum erstenmal ein Schlachtfeld sieht.«

»Ja, Sir. Aber ich hoffe auf jeden Fall, daß er die Abschlußprüfung schaffen wird. Er ist ein Draufgänger, eine weitere Ähnlichkeit mit Stuart.«

»Dann wird er überall eingesetzt werden können.«

Hawes schwieg, aber er war einverstanden. Er wußte, warum er die Tortur, Hunderte von unfähigen Burschen auszubilden, aushalten konnte; Burschen, die nie in der Lage sein würden, auf etwas unruhigerem als einem Schaukelstuhl zu sitzen. Aber er hielt durch in der Hoffnung, einen überdurchschnittlich begabten Schüler zu finden. Dieses Jahr war er erfolgreich gewesen.

Beide Offiziere betrachteten Charles, wie er mit einem breiten Lächeln über den letzten Ballen sprang. Für einen Augenblick schienen Roß und Reiter zentaurenähnlich im schwülen Himmel zu schweben.

37

An einem Freitag im September traf Orry mit den beiden Schwestern im Hotel ein; sie kamen gerade rechtzeitig zur Abendparade. Als Brett Billy sah, klatschte sie entzückt in die Hände: Er hatte neue Rangabzeichen.

Wie sie später herausfand, war er zum ersten Kompaniefeldwebel ernannt worden. Er hatte Brett die Neuigkeit verschwiegen – es sollte eine Überraschung sein.

Ashton entging der erfreute Ausdruck ihrer Schwester nicht. Haß stieg in ihr hoch – und auch eine unerwartete Reaktion beim Anblick von Billy Hazard. Eine Welle des Verlangens durchflutete sie, die sie jedoch mit Willensanstrengung unterdrückte. Billy hatte sie verlassen, und er würde dafür büßen.

Aber sie wollte nicht, daß er anfing, sich vor ihr in acht zu nehmen – weder jetzt noch in Zukunft. Ihr von der Sonne bestrahltes Gesicht zeigte keinerlei Regung, und sie behielt unentwegt ihr charmantes Lächeln bei. Kurz darauf bemerkte sie, daß zwei Gentlemen des Hotels sie beobachteten, und sie fühlte sich sofort wesentlich besser. Ihrer kleinen, farblosen Schwester zollte man keinerlei Aufmerksamkeit – zumindest nicht solcher Art.

Billy Hazard war schließlich nicht der einzige Mann auf Erden. Vor ihren Augen marschierten gerade mehrere hundert in genauen Formationen. Sicher waren einige davon gewillt, ihren Aufenthalt hier zu versüßen. Da James auf eine Heirat drängte, war dies vielleicht die letzte Gelegenheit, sich noch mal richtig auszutoben.

Sie betrachtete die starken, strammen Beine der marschierenden Kadetten. Mit der Zungenspitze befeuchtete sie ihre Oberlippe. Ihre Leistengegend fühlte sich warm und feucht an. Sie wußte, daß sie eine wundervolle Zeit in West Point verleben würde.

Für Orry war die Parade ein stark gefühlsbetontes Erlebnis. Es tat gut, die Trommeln, Pfeifen und Hörner wieder zu hören. Die wehenden Flaggen und die in herbstliches Gold und Karmin getauchten Hügel im Hintergrund brachten lebhafte Erinnerungen und vergessene Gedanken zurück. Und als er Charles erspähte, der zwischen den größeren Kadetten in einer Kompanie am Flügel marschierte, war er ungemein stolz.

Am nächsten Tag lud Billy Orry und die Mädchen ein, sich seinen Fechtunterricht anzuschauen. Ashton schützte Kopfschmerzen vor und blieb auf der Veranda des Hotels. Brett und ihr Bruder saßen während einer Stunde auf einer harten Bank und schauten zu, wie Billy und ein Dutzend andere Kadetten mit verschiedenen Fechtwaffen übten: breite Schwerter aus Nußbaum für die Anfänger, Florette oder, wie zum Beispiel Billy und sein Gegner, leichte Säbel.