Выбрать главу

De Jaman, der Fechtmeister, gesellte sich zu den Besuchern. Billy verwirrte seinen Gegner mit Täuschungsmanövern, Stößen und Ausfällen. »Der Bursche ist außerordentlich talentiert für diesen Sport«, sagte der Franzose mit der Begeisterung eines stolzen Vaters. »Aber die meisten Kadetten, die sich beim Studium auszeichnen, sind begabt, denn Fechten ist hauptsächlich von der Intelligenz abhängig.«

»Ja, das stimmt«, sagte Orry und erinnerte sich, daß er in dieser Disziplin nicht besonders gut gewesen war.

Billy beendete den Kampf mit einem einfachen Ausfall, indem er den Schutzknopf seines Säbels genau in die Treffläche der gepolsterten Jacke seines Gegners bohrte. Nach dem Stoß grüßte er seinen Gegner, riß die Maske vom Kopf und drehte sich grinsend zu Brett um. Sie war aufgesprungen und applaudierte ihm.

Orry strahlte. Dann bemerkte er das Gesicht von Billys Gegner. Unter dem rechten Auge des Burschen war ein blauer Halbmond zu sehen. »Woher hat er diese Prellung?« fragte Orry, als Billy zu ihnen trat.

Billy versuchte ein Lächeln aufzusetzen. »Soviel ich weiß, hatte er eine Diskussion mit einem seiner Zimmergenossen.«

»Was für eine Diskussion?« wollte Brett wissen.

»Ich glaube, es hatte irgend was mit Senator Douglas zu tun. Mein Gegner kommt aus Alabama und – « er sprach den Satz nicht zu Ende.

Beunruhigt fragte Orry: »Passieren solche Sachen häufig hier?«

»O nein, äußerst selten«, antwortete Billy viel zu hastig. Ihre Blicke trafen sich. Beide wußten, daß sich der andere über die Lüge im klaren war.

An diesem Abend machte sich Orry nach Buttermilk Falls auf, um Benny Haven den ersten nicht verbotenen Besuch abzustatten. Billy nahm Brett, nachdem er Orry um Erlaubnis gefragt hatte, auf den ›Liebespfad‹ mit.

Schemenhaft glitten Paare auf dem in der Dunkelheit versinkenden Pfad an ihnen vorbei. Durch die Blätter der herunterhängenden Äste waren die im Osten dahingleitenden Wolken im letzten Sonnenlicht zu sehen. Unten auf dem Fluß bewegte sich das Albany-Nachtschiff wie ein Glühwürmchen.

Brett trug ihr reich besticktes Spenzerjäckchen mit dazu passenden Handschuhen – was, wie sie bemerkt hatte, im Norden nicht mehr in Mode war. Billy fand sie die entzückendste Gestalt, die er je gesehen hatte:

»Mademoiselle, vous êtes absolument ravissante.«

Sie lachte und ergriff seinen Arm. »Das muß ein Kompliment sein. Es tönt so schön, daß es gar nichts anderes sein kann. Was bedeutet es?«

Sie waren neben einer der Bänke, die es in den verschiedenen Winkeln entlang des Pfades gab, stehengeblieben.

»Es bedeutet, daß ich endlich eine praktische Verwendung für all die unendlich langen Französischstunden gefunden habe.«

Sie lachte erneut. Er beugte sich vor und küßte sie sanft auf den Mund.

»Es bedeutet, daß ich dich schön finde.«

Der Kuß verwirrte sie, obwohl sie sich schon lange danach gesehnt hatte. Ihr fiel nichts ein, das sie hätte sagen können. Sie befürchtete, daß er lachen würde, wenn sie das Wort Liebe aussprechen würde. Verunsichert stellte sie sich auf die Zehenspitzen, legte ihre Arme um seinen Nacken und küßte ihn von neuem – diesmal kräftig. Sie sanken händehaltend auf die Bank.

»Mein Gott, bin ich froh, daß du hier bist, Brett. Ich glaubte, der Urlaub würde nie zu Ende gehen.«

»Du bist sicher gern nach Hause gegangen.«

»O ja. Ich war froh, wieder in Lehigh Station zu sein, aber doch weniger, als ich es mir vorgestellt hatte. Alle waren dort – außer der Person, die mir am meisten am Herzen liegt. Die Tage zogen sich dahin, und gegen das Ende konnte ich es kaum noch erwarten, zu packen und zu gehen. George verstand mich, nicht aber meine Mutter. Ich glaube, daß ich sie mit meiner Langeweile verletzt habe. Es tat mir leid, und ich versuchte, meine Gefühle zu verbergen, aber – aber ich hab’ dich so vermißt.«

Nach einem kurzen Schweigen sagte sie leise: »Auch ich hab’ dich vermißt, Billy.« Er drückte ihre Hand noch stärker. »Du kannst dir nicht vorstellen, wie einsam ich das ganze Jahr über gewesen bin. Meine Tage bestanden nur noch aus dem Warten auf deine Briefe. Ich glaube nicht, daß du hier überhaupt Zeit hast, einsam zu sein. Dein Stundenplan ist ja unheimlich vollgestopft. Es hat mich gefreut, daß ich deine Freunde kennenlernen konnte, aber einige von ihnen haben mich, als ich das erste Mal den Mund geöffnet habe, schief angeschaut.«

»Dein Akzent hat ihnen gefallen.«

»Hat er ihnen gefallen oder hat er sie abgestoßen?« Einige Kadetten – Yankees, wie sie vermutete – hatten sie mit unverhohlener Gehässigkeit angestarrt.

Er gab keine Antwort, denn er war sich der Ablehnung, ja sogar offenen Feindseligkeit bewußt, die einige Nordstaatler den gelegentlichen Besucherinnen aus dem Süden entgegenbrachten. Die Tatsache, daß Brett und er nicht die gleiche Herkunft hatten, warf einige praktische Probleme für die Zukunft auf, Probleme, mit denen er sich jetzt nicht herumschlagen wollte, die er aber auch nicht ewig auf die Seite schieben konnte. Und hier war nicht der Ort, um darüber zu sprechen. Er schob den Säbelgurt zur Seite, langte in die Tasche und zog das Stück schwarzen Samts hervor, das er von seiner Urlaubsmütze abgetrennt hatte. Er drehte es zwischen den Fingern, als er die damit verbundene Tradition erklärte, und sagte abschließend:

»Aber ich konnte es diesen Sommer, als ich nach Hause ging, meinem Mädchen nicht geben, denn es war in South Carolina.«

Er drückte ihr das Samtband in die Hand. Sie strich über die Goldstickereien und flüsterte: »Vielen Dank.«

»Ich hoffe«, er schluckte leer, »ich hoffe, daß du immer mein Mädchen bleiben wirst.«

»Ja, Billy. Immer.«

Ein Kadett, der mit seiner Begleiterin in der Dunkelheit an ihnen vorbeiging, stieß ein zynisches Lachen aus, als er das Gespräch hörte. Aber Brett und Billy nahmen nichts wahr: Sie saßen eng umschlungen da und küßten sich.

Kurz darauf schlenderten sie wieder zum steilen Abhang zurück. Billy hatte noch nie eine solch vollkommene Nacht erlebt, und noch nie war er so sicher gewesen, daß die Zukunft genauso vollkommen sein würde.

Schemenhafte Gestalten zeichneten sich in der Dunkelheit ab; ein Kadettenleutnant mit einem Mädchen am Arm. Der Kadett – er kam aus Michigan – war noch nie besonders freundlich mit Billy gewesen. Nun, da er mit seiner Gefährtin über den Liebespfad ging, redete er so laut, daß Brett ihn hören mußte.

»Das ist sie. Glaubst du, daß ein Mädchen aus dem Süden ihrem Yankee-Liebhaber beibringt, wie man die Nigger mißhandelt? Nur für den Fall, daß er in die Familie hineinheiratet?«

Das Mädchen kicherte. Billy wollte sich auf ihn stürzen, aber Brett hielt ihn zurück.

»Laß doch, es lohnt sich nicht.«

Das Paar verschwand. Billy schäumte vor Wut und entschuldigte sich dann bei Brett für das Verhalten des Leutnants, aber sie versicherte ihm, daß sie schon Schlimmeres erlebt habe. Dennoch war die Stimmung nicht mehr dieselbe. Die beleidigende Bemerkung zeigte ihm, daß sie beide – wenn er sie heiraten würde – der Wut der bigotten Leute ihres Landesteils ausgesetzt sein würden.

Sein Bruder George hatte natürlich gleiche Beleidigungen über sich ergehen lassen müssen, als er Constance aus Texas brachte. Aber er war mit der Situation fertig geworden. Und wenn es ein Hazard geschafft hatte, so würde auch er es können.

»Law, was ist das für ein stinkiger Ort?« flüsterte Ashton, als der Yankee-Senior das Schlüsselloch zu finden versuchte, was in der Dunkelheit nicht so einfach war.