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»Nein, vielen Dank. Es ist alles in Ordnung. Auf Wiedersehen.«

Verwirrt und beleidigt über die Zurückweisung warf Smith Madeline einen finsteren Blick zu, tippte an den Hut und ritt mißmutig davon.

Madeline wartete etwa fünf Minuten und rief dann Ashton aus ihrem Versteck. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie befürchtete, daß nun das ganze Komplott ans Tageslicht käme.

Nun, es war zu spät; sie konnten also genausogut weitermachen.

Ashton stöhnte in der baufälligen Hütte, obwohl überhaupt noch nichts geschehen war. Madeline saß von der Anstrengung des Nachmittags völlig erschöpft auf der kleinen Veranda in Aunt Belles Schaukelstuhl.

Die zähe, alte Frau mit einem Achtel Negerblut horchte auf die Schreie ihrer Patientin und paffte an ihrer Tonpfeife. »Sobald es vorbei ist und sie sich ausruht, werden wir drinnen die Strohsäcke für Sie und Nancy zurechtmachen.«

»Das ist lieb, vielen Dank, Aunt Belle.«

»Ich muß Ihnen sagen« – sie zeigte mit dem Pfeifenstiel auf Madeline –, »daß ich ihr nur helfe, weil Sie mich darum gebeten haben. Dieses Mädchen mißhandelt seine Leute.«

»Ja, ich weiß. Wir sind uns nie sehr nahegestanden, aber ich hatte das Gefühl, ich müßte ihr helfen. Sie wußte nicht, an wen sie sich hätte wenden können.«

»Machen Sie es sich nicht zur Gewohnheit, Ihre Haut für Leute ihres Schlags zu riskieren. Sie ist ein gemeiner, verwöhnter Schreihals, und das Wort Dankbarkeit kennt sie nicht.«

Madeline lächelte müde. Aunt Belle ging hinein. Die Tür wurde geschlossen.

Beim Anblick der Hebamme brach Ashton erneut in ängstliches Stöhnen aus. Die alte Frau sagte heftig: »Nancy, nimm die Flasche Schnaps dort und gieß ihr etwas in die Kehle. Und Sie, Missy – Sie sind ruhig und liegen still, oder ich schicke Sie fort, und dann können Sie Ihren Bastard haben – ob Ihnen das paßt oder nicht.«

Ashtons Klagelaute wurden leiser. Madeline sackte im Sessel zusammen und versuchte, sich zu entspannen, aber es gelang ihr nicht. Immer wieder mußte sie an den mißtrauischen Blick von Watt Smith denken.

Als sie am nächsten Tag zur Kreuzung zurückfuhren, fiel Ashton mehrere Male in Ohnmacht. Madeline hatte das Gefühl, daß Ashton ihr etwas vorspielte; wahrscheinlich glaubte sie, ohnmächtig werden zu müssen. Pete traf sie mit der anderen Kutsche. Beim Abschied hatte Ashton gerade noch ein schwaches Lächeln und ein halbherziges Dankwort für sie übrig.

Der Sturm vom Vortag hatte die Straßen mit Ästen und Palmettowedeln übersät. Madeline sah, daß auch in Resolute Unordnung herrschte. Sie mußte einigen Leuten sagen, daß sie aufräumen sollten. Aber nicht heute. Morgen war immer noch früh genug…

»Miz Madeline!« Nancys eindringliches Flüstern riß sie aus ihrer müden Träumerei. Sie schaute auf und sah, wie Justin mit großen Schritten vom Haus herkam. Sein Gesicht war wutverzerrt.

»Ich hab’ gehört, daß du Charleston flußaufwärts gesucht hast«, brüllte er. »Hast du vergessen, wo es sich befindet?«

Sie wurde von Panik und Verwirrung geschüttelt. Watt Smith mußte hierhergeritten sein und erzählt haben, wo er sie gesehen hatte: auf einer abgelegenen Straße, wo keine anständige weiße Frau hingehörte. Jeder gewissenhafte Mann hätte so gehandelt. Eigentlich hatte sie es von Smith erwartet, aber sie hatte sich die Wahrheit nicht eingestehen wollen.

»Justin – «

Das Wort verhallte. Sie war zu betäubt und müde, als daß sie sich eine Lüge hätte ausdenken können.

Nancy und Pete blickten sich entsetzt an. Justin ging auf die Kalesche los, packte Madeline am Arm und zerrte sie heraus. Ihr Herz zitterte, und sie konnte es nicht fassen, daß er dabei noch lächelte. Er freute sich, daß sie in der Falle saß.

»Wo bist du gewesen?« Er schüttelte ihr Handgelenk; es tat weh. »Hast du mir Hörner aufgesetzt?«

»Justin, um Himmels willen, sag solche Sachen nicht vor – au!«

Tränen stiegen ihr in die Augen; er hatte sie wieder am Arm gezerrt, diesmal noch heftiger. Er trat dicht an sie heran.

»Hast du hinter meinem Rücken herumgehurt? Bald werden wir es wissen.« Er schleppte sie ins Haus.

»Ich frage dich zum letztenmaclass="underline" Wo bist du gewesen?«

»Laß das, Justin. Ich hab’ dich nicht betrogen, wie du das nennst. Ich würde nie so etwas tun. Ich hab’ dir an unserem Hochzeitstag mein Versprechen gegeben.«

Während sie redete, trat sie einige Schritte zurück. Er folgte ihr quer durchs Schlafzimmer, die Schritte seiner schmutzverkrusteten Stiefel widerhallten sanft und stetig. Ein dreifüßiger Ständer mit einer Vase stand ihm im Weg. Er packte den Ständer und warf ihn beiseite. Der Ständer klirrte, die Vase zerbrach.

»Wo bist du dann gewesen?«

»Auf einem – einem privaten Botengang. Eine Frauensache.« Sie war zu Tode verängstigt und wußte nichts anderes zu sagen.

»Die Antwort befriedigt mich nicht.« Seine Hand schnellte vor, und er packte sie erneut am Handgelenk. »Ich will die Wahrheit wissen.«

»Laß mich los; tu mir nicht mehr weh, oder ich schreie so laut, daß das ganze Haus herbeieilt.«

Das amüsierte ihn offensichtlich. Er ließ sie los und trat zurück. »Mach nur. Niemand wird sich darum kümmern, außer vielleicht dieser Niggerschlampe, mit der du so dick befreundet bist. Aber warte nur, ich werd’ sie mir auch noch vornehmen.«

Eine neue, stärkere Furcht erfaßte Madeline. Obwohl sie Angst hatte, wußte sie, daß sie seinen Fragen beinahe unbegrenzt würde standhalten können. Aber wenn die arme Nancy da hineingezogen würde…

»Du brauchst nicht so beunruhigt zu sein, Liebes.« Sein Tonfall war freundlich und gesprächig. »Ich werde dir nicht weh tun. Kein Haar werde ich dir krümmen; das würde einen schlechten Eindruck machen. Überdies bist du eine Lady oder solltest wenigstens eine sein. Peitschenschläge und ähnliche Überzeugungsmittel sind für Nigger. Ich werde sie heute abend an deiner Niggerhure ausprobieren, und auch an ihrem Bock. Mittlerweile ersuche ich dich weiterhin höflich um eine Antwort.«

Sie konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Sie haßte die Schwäche, die die Tränen aufsteigen ließ, aber die Schwäche war auf die Spannung, Erschöpfung und Angst zurückzuführen. Sie hatte sich nicht länger unter Kontrolle.

»Ich hab’ dir schon eine Antwort gegeben, Justin. Ich habe dich nicht betrogen. Das würde ich nie tun.«

Ein langgezogener, gekränkter Seufzer. »Liebes, das kann ich nicht akzeptieren. Ich werde dich leider in diesem Zimmer lassen müssen, bis du vernünftig wirst.«

»Hier lassen…?«

Sie verstand ihn erst nach einer Weile, und ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Wie ein Tier, das um sein Leben rennt, hastete sie an ihm vorbei zur Tür. Beinahe hätte sie es geschafft. Ihre Finger waren nur noch Zentimeter vom polierten Messingknopf entfernt. Da fuhr seine Hand dazwischen. Er packte sie am Handgelenk und schleuderte sie durchs Zimmer. Sie schrie auf, schlug gegen den Bettrand und fiel auf den Boden.

»Du hast mich mit deinen Lügen und deinem Ungehorsam zutiefst verletzt. Dieses Mal werde ich die Strafe nicht auf einen Tag und eine Nacht beschränken. Auf Wiedersehen, Liebes.«

»Justin!«

Sie drehte den Türknopf heftig hin und her, und es gelang ihr, die Tür einen Spalt breit zu öffnen. Aber er war stärker und zog sie von der anderen Seite zu. Als der Schlüssel im Schloß herumgedreht wurde, brach sie zusammen.

Sobald Justin draußen war, hörte er auf zu lächeln und ließ seinem wahren Gefühl, der Wut, freien Lauf. Die Bestrafung, die er soeben angeordnet hatte – Madeline würde für mindestens eine Woche eingesperrt bleiben –, würde nicht von großem Nutzen sein. Madeline hatte ihm während Jahren mit ihren Büchern und ihren unweiblichen Ansichten die Stirn geboten. Ihre letzte Eskapade war nur der Höhepunkt ihrer Auflehnung gewesen. Eine Auflehnung, die durch seine Toleranz noch genährt worden war…