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»Das ist wirklich eine gute Neuigkeit«, sagte Justin mit der Erleichterung eines Mannes, der die ganze Nacht aufgeblieben war und endlich schlafen gehen konnte. Auf seinem Gesicht machte sich ein trauriges Lächeln breit. »Ich habe mir solche Sorgen um sie gemacht.«

»Natürlich.«

»Ich will alles daransetzen, damit ihre Nerven beruhigt werden und ihr Seelenfrieden wieder einkehrt.«

»Ein bewundernswertes Ziel.«

»Ich möchte nicht, daß sie sich – oder die Familie – kompromittiert.«

»Ich verstehe«, murmelte Dr. Sapp mit einem Lächeln, das genauso höflich war wie dasjenige seines Gastgebers.

»Noch eine Frage, Doktor. Wie lange kann die Behandlung fortgesetzt werden?«

»Nun, wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind – ein Jahr. Zwei Jahre. Unbegrenzt.«

Die beiden Männer schauten sich erneut ohne ein Wimpernzucken in die Augen: Ihr Einvernehmen war perfekt. Sie plauderten wie alte Freunde und begaben sich nach unten.

40

Ende März des Jahres 1855 wurde Ashtons Hochzeit mit James Huntoon in Mont Royal gefeiert. Orry fand es eine trübe Angelegenheit. Clarissa lächelte der Braut zu, wußte jedoch nicht, wer sie war.

Gleich nach der Zeremonie machte Ashton eine Szene. Huntoon hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt stets widersetzt, eine Hochzeitsreise nach New York in Betracht zu ziehen. Dies war jedoch der einzige Ort, der Ashton interessierte. Die Tatsache, daß sie einerseits alle Yankees verachtete, andererseits jedoch ihre Restaurants und Theater heiß und innig liebte, schien kein Widerspruch für sie darzustellen. Bis zur letzten Sekunde bestand Huntoon darauf, daß sie nach Charleston gingen. Ashton warf ihm ein Stück Kuchen ins Gesicht, schmollte, und der schwitzende Bräutigam änderte unverzüglich seine Meinung; er hatte nämlich Angst, daß sonst Wochen vergehen könnten, bis seine Frau ihm ihre Gunst erweisen würde. Als sie mit der Kutsche wegfuhren, war Ashton wieder bester Laune.

Von diesem Zwischenfall abgesehen, erzürnte Cooper natürlich die meisten männlichen Gäste mit seinen Ansichten. Er stellte immer wieder die Frage, weshalb weder die Sklavengegner noch die Plantagenbesitzer Emersons Vorschlag, den er im Februar der ›New Yorker Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei‹ unterbreitet hatte, auch nur einen Augenblick lang in Erwägung zogen. Emersons sorgfältig ausgearbeiteter Entwurf für eine stufenweise Emanzipation sah vor, daß den Sklavenhaltern Zahlungen von nicht weniger als zweihundert Millionen Dollar geleistet wurden – ein seiner Ansicht nach geringer Preis für die Beseitigung einer nationalen Schande und die Erhaltung des Friedens.

»Beide Seiten hatten nur Hohn übrig«, sagte Cooper. »Nun, ich denke, ich habe eine Erklärung dafür. Sobald es keinen Anlaß mehr für einen Protest gibt, haben die Protestierenden ausgespielt.«

»Wollen Sie damit sagen, daß der Kampf für die Rechte des Südens von zynischen Männern geführt wird?« fragte ein Zuhörer.

»Einige davon meinen es ehrlich. Aber andere wollen, daß die Abolitionisten weiterhin extrem handeln, denn nur dann kann der Süden eine Loslösung von der Union oder eine eigene Regierung rechtfertigen – was natürlich barer Wahnsinn ist.«

Die andern dachten, daß Cooper verrückt und dazu gefährlich war. Früher mochte er ein lästiger Kerl gewesen sein, doch seit er sich für Edmund Burke und dessen politische Ideen interessierte und der Demokratischen Partei von Charleston beigetreten war, durfte er nicht mehr als harmlos bezeichnet werden.

Er hatte sich den Eintritt in die Partei auf ganz einfachem Weg verschafft, indem er mehrere größere Beträge spendete. Es handelte sich um so große Summen, daß es sich die Parteispitze nicht leisten konnte, ihn zu ignorieren. Zudem war er nicht der einzige Mann im Staat, der eine unpopuläre Meinung über die Entwicklung des Südens vertrat.

Cooper fing an, herumzureisen und sich mit andern gemäßigten Demokraten zu treffen und zu besprechen. In Virginia wurde er einem Mann vorgestellt, dessen Ansichten ihn sehr überzeugten. Es handelte sich um einen Politiker namens Henry Wise, der unbedingt Gouverneur werden wollte. Wise verteidigte die Sklaverei mit Leib und Seele, aber er vertrat zugleich die Ansicht, daß diejenigen, die die Sezession befürworteten, Ränkeschmiede oder Idioten waren.

»Ich verstehe natürlich, weshalb sie sich so verhalten«, sage Wise. »Sie wollen die Macht, die der Süden an den Norden und Westen verloren hat, wieder zurückgewinnen. Vielleicht gestehen sie sich das selber nicht einmal ein. Verdammt noch mal, vielleicht glauben sie an ihre eigenen blöden Äußerungen. Aber sie sind gefährlich, Cooper. Sie sind organisiert, aktiv und vertreten ihre Meinung lautstark – eine Gefahr für den ganzen Süden.«

Cooper lächelte auf die ihm eigene trockene, traurige Art. »Wenn sich schlechte Männer zusammentun, dann müssen sich die guten verbünden, denn sonst fallen sie, einer nach dem andern; ein Opfer, das sinnlos ist.«

»Ein weiser Ratschlag.«

»Das war er auch schon, als er 1770 das erste Mal von Burke niedergeschrieben wurde. Das Problem ist, daß man alles wieder vergessen hat.«

»Man hat es nicht vergessen; die Extremisten wollen es einfach nicht hören. Die Extremisten auf beiden Seiten.« Wise hielt inne und betrachtete den Gast. »Ich habe viel von Ihnen gehört, Cooper. In Ihrem Heimatstaat werden Sie schon seit langem wie ein Ausgestoßener behandelt. Ich bin froh, daß Sie der Demokratischen Partei beigetreten sind. Wir könnten noch viele von Ihrer Sorte gebrauchen – vorausgesetzt, es ist nicht bereits zu spät.«

Die politische Entwicklung schien ihm recht zu geben; beide Seiten fuhren mit ihren Provokationen fort.

In Massachusetts trat ein Gesetz in Kraft, das die persönliche Freiheit aller, auch der Schwarzen, garantierte. Das Gesetz war eine Reaktion auf die Burns-Affäre vom Vorjahr. Ein flüchtiger Sklave namens Anthony Burns war im Gericht von Boston in Haft gehalten worden, während Abolitionisten versuchten, ihn freizubekommen, was ihnen aber nicht gelang. Die Bundes- und Staatsbehörden hatten sich daraufhin damit einverstanden erklärt, den Sklaven an den Eigentümer im Süden zurückzugeben.

In der Zwischenzeit wurde in Kansas mit Hilfe der sogenannten Grenzraufbolde aus Missouri eine sklavereifreundliche Legislative gewählt. Die Raufbolde waren mit Pistolen und Gewehren bewaffnet nach Kansas geströmt und hatten die Wahl durch Einschüchterung und Betrug zu ihren Gunsten entschieden. Die auf betrügerische Art gewählte Legislative setzte daraufhin Gesetze in Kraft, die harte Strafen für sklavereifeindliche Agitation vorsah.

Monat für Monat erhöhten beide Seiten ihren Einsatz bei diesem grausamen Spiel. Missouri sandte Horden von nächtlichen Reitern über die Grenze. Der Nordosten schickte den Sklavereigegnern Kisten, gefüllt mit Waffen. Als Inhalt dieser Kisten wurde ›Bibeln‹ angegeben, was Cooper bei einem Treffen der Demokraten in Columbia zu der Bemerkung veranlaßte: »Sogar Gott ist schon einberufen worden. Beide Lager behaupten, daß Er auf ihrer Seite stehe. Glauben Sie, daß Er hin und her rennt? Er muß ja völlig erschöpft sein.«

Keiner lachte.

An einem Nachmittag kam Cooper auf dem Dock der C.S.C. mit dem Vorarbeiter, einem Mann namens Gerd Hochwalt, ins Gespräch. Seine Eltern hatten sich als Einwanderer in Charleston niedergelassen. Der Vorarbeiter konnte zwar mit Drückebergern hart sein, im Grunde war er jedoch ein sanfter Mann mit einem gutmütigen Charakter und einem starken Glauben. Er war verheiratet, hatte elf Kinder und wohnte in einem Haus am Stadtrand, das kaum groß genug war, um allen Platz zu bieten.

Das Gespräch kam bald auf die jüngst in Big Springs, Kansas, abgehaltene Anti-Sklaverei-Konferenz. Die Teilnehmer hatten einen Plan vorgelegt, wonach das Territorium sich um eine Aufnahme als freier Staat in die Union bemühen sollte. Zudem hatten sie die von der betrügerisch gewählten Legislative erlassenen Gesetze als null und nichtig erklärt. Das Vorgehen von Big Springs war in einem besonders scharfen Leitartikel des Mercury verurteilt worden. Hochwalt lobte den Artikel in den höchsten Tönen.