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Huntoon, die Silberrandbrille sozusagen als Requisit in der einen Hand, gab sich die größte Mühe, seine Redegewandtheit unter Beweis zu stellen. Die Gäste hörten dem Abschluß seiner Rede, die Ashton auswendig kannte, gespannt zu.

»Die Union gleicht einem riesigen Fort, meine Damen und Herren, das bereits zur Hälfte in die Hände der barbarischen Eindringlinge übergegangen ist. Loyalisten halten immer noch die andere Hälfte, die sie während Generationen rückhaltlos verteidigt haben. Nun ist auch dieser Teil bedroht. Und ich für meinen Teil würde eher das Magazin anzünden und alles in die Luft fliegen lassen, als daß ich den Barbaren auch nur einen Zentimeter zugestehen würde!«

Ashton führte den Applaus an, der laut und überschwenglich war. Während Haussklaven Punsch auf Silbertabletts anboten, näherte sich Yancey Huntoon.

»Eine solche extreme Tat mag sehr wohl nötig werden, James. Und danach muß ein neues Fort auf dem Schutt des alten errichtet werden. Für diese Arbeit brauchen wir loyale Helfer – und fähige Führungskräfte.«

Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen, betrachtete er Huntoon als einen der letzteren, oder wenigstens als einen Anwärter, wie Huntoon sich einbildete.

Ashton verstand wenig von den Fragen, die die Männer so endlos erörterten. Sie scherte sich einen Dreck um die Rechte des Südens und wußte nicht einmal, worin sie bestanden – abgesehen vom gottgegebenen Recht, Eigentum in Form von Niggern zu besitzen. Die ganzen Diskussionen faszinierten sie, weil sie sah, wie andere davon aufgewühlt wurden. In dieser Reaktion ahnte sie instinktiv eine Möglichkeit, Macht zu bekommen und zu halten. Ihr Gatte hatte sie davon überzeugt, daß es eines Tages eine eigene Regierung im Süden geben werde. Und sie wollte eine der wichtigsten Damen der politischen Kreise werden.

»James, du warst einfach großartig«, sagte sie, als sie seinen Arm ergriff. »Ich möchte sagen, du hast dich selber übertroffen.« Sie lechzte nach mehr Applaus, und die Taktik hatte Erfolg. Die umstehenden Gäste spendeten erneut Beifall. Yancey schloß sich den andern mit einem »Hört, hört« an.

»Vielen Dank, Liebling.« Huntoons dankbarer Blick grenzte ans Pathetische. Wenn sie allein waren, machte ihm Ashton selten ein Kompliment und sagte ihm oft, er sei ein schlechter Liebhaber.

An diesem Abend lösten die vielen wichtigen Persönlichkeiten und die erfolgreiche Rede jedoch eine unerwartete sexuelle Erregung bei Ashton aus. Sie konnte es kaum erwarten, bis alle Gäste gegangen waren und sie nach oben eilen, die Kleider ausziehen und ihren Gatten neben sich zerren konnte.

Er schwitzte und schnaufte und gab sich alle erdenkliche Mühe. Später fragte er flüsternd: »War es gut so?«

»Ausgezeichnet«, log sie. Er war in seiner Rolle als Extremist so gut, daß sie ihn nicht enttäuschen wollte. Aber er vermochte sie mit seiner plumpen Art nie zu erregen, und im Grunde widerte er sie an. An diesem Abend tröstete sie sich damit, daß alles, auch die Rolle einer angesehenen Dame, seinen Preis hatte.

Sie beschloß, daß wieder mal eine Reise nach Hause fällig war – und zwar bald.

Ashtons Liebhaber hatte einen neuen Ort für ihre Treffen gefunden: die Ruinen einer Kirche auf dem Land mit dem Namen Salvation Chapel. Was für ein köstlich lasterhaftes Erlebnis war es doch, im Sonnenschein draußen ihre Kleider hochzuziehen und sich von Forbes auf dem Kalkfundament nehmen zu lassen!

Sein angebundenes Pferd wieherte und scharrte in der Nähe, und aus der Ferne waren Schüsse zu hören; man versuchte, die Vögel von den Reisfeldern wegzutreiben. Das Geräusch des Pferdes und der Gewehre steigerte ihre Erregung, und danach war sie schlaff vor Befriedigung.

»Ich hab’ Angst, daß ich dir ein Kind mache«, sagte Forbes, sein hübsches, schweißtriefendes Gesicht knapp über dem ihrigen.

Ashton leckte sich die Mundwinkel. »Ich finde, das Risiko verleiht der ganzen Sache einen zusätzlichen Reiz.«

Sie war sich ziemlich sicher, daß die Gefahr, schwanger zu werden, recht klein war. Huntoon war die ganze Zeit bei ihr, und bis anhin war sie noch nicht in Erwartung. Sie vermutete, daß bei Aunt Belle Nin irgend etwas beschädigt worden war. Vielleicht würde sich dies auf die Dauer als Vorteil erweisen, obwohl der Gedanke an Unfruchtbarkeit sie manchmal traurig stimmte.

»Ja, so lange, bis ein Baby den Kopf in die Welt streckt, das mir anstatt Huntoon gleicht«, sagte Forbes.

»Laß James meine Sorge sein. Du sollst dich um etwas anderes kümmern.«

Mit diesem Satz zog sie ihn in ihre Arme. Das Geräusch der in der Ferne explodierenden Gewehre erregte sie von neuem.

Das Fundament hinterließ Schürfungen auf ihrem Hinterteil, aber das nahm sie gern in Kauf. Forbes war ein ausgezeichneter Liebhaber, aufmerksam und stürmisch, wenn sie zusammen waren, aber bereit, ohne sie auszukommen, bis sie ihn wieder treffen wollte. Eitelkeit hielt Ashton davon ab zu fragen, wo Forbes während ihrer Abwesenheit seine außerordentlichen Fähigkeiten praktizierte.

Aber offensichtlich konnten die andern ihr nicht das Wasser reichen, denn Forbes war jedesmal, wenn sie rief, zur Stelle.

Als sie nach Mont Royal zurückritten – Forbes begleitete sie bis knapp eine Meile vor das Herrenhaus – diskutierten sie wieder einmal wie besessen, auf welche Art und Weise sie Billy Hazard verletzen könnten. Forbes war immer wieder von Ashtons Phantasie fasziniert, und zwar nicht zuletzt darum, weil sie so stark auf Macht, sexuelle Abenteuer und Rache ausgerichtet war.

»Ich hab’ gelesen, daß du vor ein paar Tagen Mr. Yancey zu Gast hattest«, bemerkte Orry an diesem Abend beim Essen.

Ashton war stolz darauf, daß der Mercury dem Treffen eine halbe Spalte gewidmet hatte. »Ja, das stimmt. Er hatte einige gepfefferte Dinge über die Yankees zu sagen. James übrigens auch. Natürlich« – sie wandte sich Brett zu, die ihr gegenüber saß – »machen wir Ausnahmen für Freunde der Familie.«

»Das hab’ ich mich schon gefragt«, sagte Brett, ohne zu lächeln.

»Sicher tun wir das. Billy ist etwas Besonderes.« Ashton lächelte liebenswürdig und vollkommen aufrichtig, aber ihre Gefühle waren so heftig und giftig, daß sie Bauchschmerzen bekam. »Hat er schon etwas wegen einem Hochzeitstermin gesagt?«

Orry beantwortete die Frage. »Nein. Er wird ja erst im nächsten Juni abschließen. Und was verdient ein Leutnant heutzutage? Tausend Dollar pro Jahr? Davon kann eine Familie nicht leben. Ich bin der Ansicht, daß es viel zu früh ist, um über eine Heirat zu reden.«

Bretts Augen funkelten, als sie ihren Bruder anschaute. »Das haben wir auch noch nicht.«

Aber Ashton fühlte, daß es eines Tages so weit kommen würde. Das könnte der ideale Augenblick sein, um zuzuschlagen: genau dann, wenn sie am glücklichsten waren.

Nach dem Abendessen ging Ashton zum Familienfriedhof. Ein regelmäßiger, starker Wind war aufgekommen. Er wühlte in ihrem Haar, das wie eine dunkle Flagge flatterte. Sie kniete bei Tillets Grab nieder. Dies war der einzige Ort, wo sie sich über ihr Verhalten Männern gegenüber schämte. Ihre Stimme war sanft, aber voller Gefühl.

»Die Dinge entwickeln sich gut für James, Papa. Ich wünschte, du könntest hier sein und es sehen. Ich weiß, daß du dir einen dritten Sohn statt einer Tochter gewünscht hast, aber du wirst auf mich stolz sein können. Ich hab’ dir das ja schon früher versprochen. Ich werde eine berühmte Dame werden. Mein Name wird im ganzen Süden bekannt sein. Sie werden um meine Gunst werben, und auch um diejenige von James. Ich schwöre es dir, Papa, ich schwöre es dir.«

Als Ashton das Haus verließ, ging Orry in die Bibliothek und blies die schon brennende Lampe wieder aus. Er öffnete die Fensterläden und atmete die kühle Abendluft tief ein. Sie roch nach Herbst und nach dem Wasser vom Fluß. Sein Blick schweifte langsam im Zimmer herum und blieb in einer dunklen Ecke hängen. Er starrte seine Uniform an. Dann erinnerte er sich, daß die Ernte eingeholt werden sollte, aber er verspürte überhaupt keine Lust dazu.