Bestürzt fragte Stanley: »Woher hast du Grundstücke, die zwei Millionen wert sind?«
»Ich bin nicht ganz sicher, ob sie wirklich so viel wert sind. Ich muß die Bankiers fragen. Aber ich habe eine Menge Geld, von dem du keine Ahnung hast. Ich hab’s erwirtschaftet, während du damit beschäftigt warst, dich bei Boss Cameron einzuschmeicheln. Jedem das Seine«, sagte er achselzuckend.
Sprachlos vor Erniedrigung ließ sich Stanley wieder auf den Stuhl fallen.
George streckte Cooper die Hand hin. »So sind wir denn also Geschäftspartner. Das heißt, wir fassen die Möglichkeit, Partner zu werden, ins Auge. Ich brauche ungefähr eine Woche Zeit, um herauszufinden, ob ich das Geld auch wirklich auftreiben kann.«
»Du bist leichtsinnig«, explodierte Stanley. »Du bist schon immer leichtsinnig gewesen.« Er beugte sich zu Cooper vor. »Wie lange dauert es denn, bis dein großartiges Schiff geplant und fertiggestellt sein wird? Fünf Jahre? Zehn?«
»Drei. 1860 wird es seetüchtig sein.«
»Fein«, sagte Stanley schnippisch, »dann kann es ja das Flaggschiff eurer neuen Nation im Süden werden. Der Staat, von dem all die Verräter deines Staats reden.«
Er griff nach Hut, Stock und Mantel. George sagte: »Sein Freund Cameron liebäugelt mit den Republikanern. Stanley bemüht sich nun, die Parteirhetorik in den Griff zu bekommen.«
Damit handelte sich George erneut einen haßerfüllten Blick von Stanley ein, der mit dem Stock auf die Zeichnung zeigte und sagte: »Das Ding ist ein Witz. Ihr werdet euch beide in den Ruin stürzen. Ihr werdet euch noch an meine Worte erinnern.«
Er stolzierte hinaus. George seufzte. »Er hat sich nicht einmal für das Abendessen bei dir bedankt. Wenn er nicht mein Bruder wäre, würde ich ihm den Hals umdrehen.«
Cooper grinste und hielt die zusammengerollte Zeichnung hoch. »Mach dir nichts draus. Wir schaffen es ohne ihn.«
In weniger als zwei Wochen hatte George Grundstücke im Wert von einer Million neunhunderttausend Dollar für den Bau der Star of Carolina verpfändet.
Fünfzigtausend Dollar in Form eines Wechsels und der gleiche Betrag der Mains würde genügen, um die ersten Ausgaben zu decken, wie zum Beispiel die Vermessung des Gebiets auf James Island, die Freilegung des Geländes und ein Depot auf einem Sperrkonto, das dem Dreijahreslohn eines Mannes entsprach, wegen dem Cooper extra nach Norden gefahren war, um ihn von der Black-Diamond-Gesellschaft abzuwerben. Der Mann hieß Levitt Van Roon; er war einer der bedeutendsten Schiffsbauingenieure des Landes. Es dauerte nicht lange, bis Cooper Van Roon und seine Familie nach Charleston gebracht hatte. Danach schickte er Van Roon nach England, um die Millstone Werft zu besuchen und sich mit Brunei zu unterhalten. Dann mußte ein Vertrag, welcher die Carolina Marine Company inkorporierte, sowie ein Abkommen über die Teilhaberschaft zwischen den Mains und George Hazard vorbereitet werden. Für diese Arbeit ging Cooper zu Ashtons Gatte; Huntoon war zwar teuer, dafür aber ein Fachmann. Cooper war mit dem siebenundzwanzig Seiten starken Dokument einverstanden und übergab es Orry, der es George schickte.
Einige Wochen später sagte Orry zu seinem Bruder: »George hat den Vertrag zerrissen.«
»Mein Gott, will er aussteigen?«
»Nein, nichts dergleichen. Er ist der Ansicht, daß ein Vertrag nicht nötig sei. Er sagte, der Handschlag zwischen euch beiden genüge.«
»Und auf dieser Basis vertraut er mir beinahe zwei Millionen Dollar an?«
Orry nickte und amüsierte sich über die Reaktion seines Bruders. Cooper verstand nun besser denn je, wieso Orry diesen kleinen, stämmigen Mann aus Pennsylvania so sehr schätzte und achtete.
Im Frühling des Jahres 1857 beendete Billy seinen kurzen Aufenthalt in Fort Hamilton. Er hatte dort dem dienstälteren Offizier geholfen, Reparaturen an einer mit dreiundzwanzig Kanonen bestückten Redoute auszuführen. Außerdem hatte er noch ein Projekt in eigener Regie durchgeführt.
Eigentlich konnte man es nicht gerade ein Projekt nennen – im Pulvermagazin der Battery Morton sollten zwei Stockwerke und eine Decke ausgebessert werden. Doch Billy hatte alle Berechnungen selbst durchgeführt, die Pläne angefertigt und sechs zivile Arbeiter beaufsichtigt, die alle mindestens zehn Jahre älter und oft sehr streitsüchtig waren. Sie kümmerten sich keinen Deut um seinen Rang, begannen ihn aber zu respektieren, nachdem er einen Streit geschlichtet und sich gegen den Anführer der Gruppe in einem zweiminütigen, brutalen Boxkampf behauptet hatte.
Billy liebte die Farbenpracht und die Geschäftigkeit von New York. Als Yankee fühlte er sich dort zu Hause. Aber er spürte, daß sein Herz nun für den Süden schlug, und hoffte, daß ihn sein nächster Auftrag dorthin bringen würde. Zum Beispiel auf Cockspur Island im Savannah-Fluß. Oder – was noch besser wäre – in die Festungen im Hafen von Charleston. Aber zu seiner Enttäuschung schickte ihn die mysteriöse Armeebürokratie ins Landesinnere, wo er in die Fußstapfen eines Riesen treten würde.
Ungefähr zwanzig Jahre zuvor hatte man Robert Lee, der mit großer Wahrscheinlichkeit General Scotts Nachfolger wurde, mit einem Gehilfen nach St. Louis geschickt, wo er sich um ein Problem im Zusammenhang mit dem Mississippi kümmern sollte. Das Westufer des Flusses versandete immer mehr und behinderte die Schiffahrt nach St. Louis.
Lee, damals bei den Pioniertruppen, war der Ansicht, daß lange Deiche gebaut werden müßten, um das Problem zu lösen. Er errichtete am oberen und unteren Ende von Bloody Island, einer langgestreckten Sandbank auf der Illinois-Seite, je einen Deich. Zweieinhalb Jahre seines Lebens widmete Lee dieser und andern Verbesserungen am Flußbett in der Nähe. Als er seine Arbeit beendet hatte, leiteten die Deiche die Strömung so um, daß sie den angehäuften Sand wegspülte und den Dampfschiffkanal auf der Seite der Stadt genügend vertiefte.
Die Stadt war Lee für seine Arbeit sehr dankbar, und zusammen mit seinen mutigen Taten im Mexikokrieg führte dies dazu, daß er beinahe zu einer legendären Figur emporgehoben wurde. Nun wurde Brevetleutnant Hazard, auch wieder mit einem Gehilfen, nach St. Louis versetzt, um die Deiche zu reparieren – ein wesentlich einfacherer, aber deswegen nicht weniger einsamer Auftrag als derjenige von Lee.
Billy schrieb Brett, daß er sich im Grenzland wie in der Verbannung fühle. Aber einen Vorteil hatte es: Er brachte immer noch einen Teil seines Soldes auf die Bank; ihren Heiratsschatz, wie sie dies in ihren häufigen und äußerst sentimentalen Briefen nannten. Brett versprach ihm, ihn in St. Louis zu besuchen, falls sie Orry davon überzeugen konnte, sie zu begleiten.
Charles schloß die Akademie als Drittletzter der Klasse von 1857 ab. Er bestellte Uniformen mit gelben Aufschlägen, steckte das Zeichen der Kavallerie daran und ging auf Urlaub nach Hause. Er war zum Zweiten Kavallerieregiment in Texas eingeteilt worden, eines der neugeschaffenen Regimenter. In dieser Einheit waren so viele Südstaatler von West Point, daß sie ›Jefferson Davis’ Eigenmarke‹ genannt wurde, was nicht immer als Kompliment aufzufassen war.
Als Ashton hörte, wo Charles einrücken mußte, reagierte sie ähnlich wie Billy: »Das ist ja am Ende der Welt. Dort gibt es ja nichts als Staub, Nigger und rote Wilde.«
»Unsinn, Ashton. Dort sind Texaner, Spanier – und das beste berittene Regiment der Armee, unter dem Kommando von Robert Lee. Lee hat Freunden in der Akademie einen Brief geschrieben und gesagt, Texas sei wunderschön. Er hat einen Garten und hält sich eine Klapperschlange als Haustier. Ich glaube, ich werde dasselbe tun.«
»Ich hab’ schon immer gewußt, daß du verrückt bist«, sagte sie, während ihr ein kalter Schauder den Rücken hinunterlief.