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Lee und Thomas unterhielten sich fröhlich über die verschiedensten Themen: das Indianerproblem; die neue Infanterietaktik von Major Bill Hardee, welche diejenige von General Scott ablöste; ein Pferderennen, das von einem Hauptmann aus South Carolina namens Nathan Evans aus Marion gewonnen worden war.

Schließlich kamen sie auf das Wetter zu sprechen. »Texas bringt das Temperament unsrer Männer voll zur Geltung«, sagte Lee. »Warten Sie mal, bis Sie in dieser Hitze zwanzig oder dreißig Tage hintereinander patrouillieren müssen!«

»Und dabei zehn diebische Komantschen auf Tausenden von Quadratkilometern suchen müssen«, fügte Thomas hinzu. Der Major war von einem etwas kräftigeren Körperbau als Lee, zurückhaltender in seiner Art und etwa vierzig Jahre alt. Sein stilles Auftreten und auch das gelegentliche Aufblitzen seiner stahlblauen Augen ließen auf einen starken Willen schließen. Er kam wie Lee aus Virginia.

»Wenn die meisten Komantschen in Reservaten leben, weshalb stehlen sie denn?« fragte Charles.

Lee gab eine etwas weitläufige Antwort. »Wir haben versucht, Farmer aus den Komantschen des Südens zu machen, aber ich glaube, daß sie sich temperamentmäßig nicht dafür eignen. Und abgesehen davon, hat sich das Wetter etwa ein Jahr lang gegen uns verbündet. Nichts als Dürre. Ihre Ernten sind also samt und sonders verdorrt, was bedeutet, daß sie kein Geld haben. Aber wie alle Menschen haben sie Bedürfnisse: Tabak, Messer, Wolldecken. Es gibt einige gewissenlose Leute, die mit ihnen Handel treiben. Sie stammen meist aus Indianerterritorien. Einige sind auch Comancheros aus Neu-Mexiko.«

Charles, der immer noch nicht ganz verstand, fragte: »Aber wenn die Komantschen kein Geld für ihre Ernten bekommen haben, womit handeln sie denn?«

»Mit Pferden.«

»Gestohlenen Pferden«, berichtigte Thomas. »Der Vorgänger von Oberst Lee war der Meinung, daß man den Indianern mit Härte begegnen müsse, mit Patrouillen, Verfolgungen und Bestrafungen. In letzter Zeit verfolgt Washington jedoch eine etwas passivere Politik. Wir haben Befehl, nichts zu unternehmen, bis es zu einem Aufruhr kommt, bis die Komantschen auf einen weißen Siedler losgehen, der unglücklicherweise über einige Pferde auf der Koppel verfügt. Erst dann treten wir in Aktion und senden Stoßgebete zum Himmel, in der Hoffnung, daß der Weiße noch nicht ermordet worden ist.«

Lee betrachtete nachdenklich sein Wildbretsteak. »Man kann die Schuld nicht nur bei den Komantschen suchen. Wir haben ihnen schließlich Land für die Besiedlung weggenommen, und dann haben wir das Wild vertrieben, von dem sie sich ernährten. Wir sind also zum Teil mitverantwortlich dafür, daß sie nichts haben und deshalb stehlen.«

»Sagen Sie das um Himmels willen nie zu Gouverneur Houston!« sagte Thomas mit einem traurigen Lächeln.

Aber Charles sah bloß die Abenteuerseite: eine Jagd zu Pferd mit rasselnden Säbeln. Er freute sich, daß man ihn zum Zweiten Kavallerieregiment und nicht zu irgendeiner langweiligen Einheit in einem sicheren Landesteil abkommandiert hatte.

Sechsmal pro Jahr machte der Zahlmeister sich auf den Weg nach sämtlichen Forts in Texas, den Sold jedes einzelnen Soldaten sorgfältig unter Verschluß. Er reiste in einem Eselsfuhrwerk, begleitet von einem Proviantwagen und sechs Kavalleristen unter dem Kommando eines Sergeants.

Die berittenen Männer waren Dragoner in der orangefarbenen Uniform. Charles, der mit ihnen ritt, fühlte sich der stillen Verachtung ausgesetzt, die man einem Anfänger entgegenbrachte. Die Dragoneruniformen und ihr Pferdegeschirr sahen bereits recht abgeschossen aus; bei Charles hingegen war noch alles brandneu.

Die Dragoner waren die ersten Reitertruppen Amerikas gewesen und wurden nun nach und nach durch die Kavallerie – die leichte Kavallerie ersetzt. Wie auch das andere berittene Regiment, verfügte das zweite nicht über schwerbewaffnete Soldaten wie dies zum Beispiel in Europa der Fall war. Überdies sollte das zweite Regiment zu Pferd kämpfen und nicht zu irgendeinem Schlachtfeld reiten und dann absteigen. Die Dragoner fühlten sich durch diesen neuen Stil des berittenen Kampfes, der offensichtlich die Zustimmung von Kriegsminister Davis fand, bedroht, und sie machten keinen Hehl aus ihrem Groll. Abgesehen von den militärischen Höflichkeitsfloskeln ließen sie Charles während der ganzen Reise links liegen.

In Fort Mason feierten er und Fitz Lee, der immer noch so sorglos und fröhlich und respektlos wie früher war, ihr Wiedersehen mit Jubel und Alkohol. Sie gingen die meisten West-Point-Männer des Regiments durch: Evans aus South Carolina; Earl Van Dorn aus Mississippi; Kirby Smith aus Florida; John Hood aus Kentucky; Bill Hardee aus Alabama, der seinen Namen während seiner Dienstzeit beim Zweiten Dragonerregiment für die neuen Hüte hergegeben hatte. Kein Wunder, warfen die Kritiker Davis vor, daß er ein Eliteregiment geschaffen habe, das ausschließlich aus Gentlemen des Südens bestehe.

Kurz bevor der Lohnzug sich wieder auf den Weg machte, sagte Fitz zu seinem Freund: »Nimm dich vor deinem Truppenkommandanten in acht! Er ist erst seit kurzem hier draußen, hat aber bereits einen schlechten Ruf.«

»Ist er unfähig?«

»Nicht unbedingt. Verlogen. Man kann ihm nicht über den Weg trauen. Sei vorsichtig!«

Charles sann über die Warnung nach, als er im Staub, den der Proviantwagen aufwirbelte, dahinritt und ab und zu seinen Rotschimmel tätschelte und ihm liebevolle Worte zuflüsterte; er hatte ihn zu Ehren seines Heimatstaates Palm getauft.

Der heiße Südwestwind trieb ihm Streusand in den Nacken. Innerhalb von zehn Minuten wechselte er die Richtung um genau 180 Grad, pechschwarze Wolken verdüsterten den Himmel, die Temperatur stürzte, und der gefürchtete Nordsturm ließ einen Regenguß mit Hagelstücken über ihn niedergehen, die so groß waren, daß sein Gesicht aufgeschürft wurde und zu bluten anfing.

Eine Stunde später schien die Sonne wieder. Die schlammige Straße vor ihnen wand sich bis zum zusehends klarer werdenden Horizont durch eine sanfte Hügellandschaft. Als die Reiter aus einem Tal mit regenglitzernden Nußbäumen auf eine Anhöhe mit schweren Eichen kamen, hoppelte ein Weißschwanzkaninchen vor den Schimmel. Lerchen trillerten in den Eichen.

Charles lächelte wieder; sein altes, keckes Lächeln. Seine Uniform war völlig durchnäßt, aber das machte ihm nichts aus. Das ungestüme, wechselhafte Wetter kam seinem Abenteuersinn entgegen, und von Minute zu Minute liebte er Texas mehr.

Von einer Anhöhe oberhalb der Flußgabelung stieg die Gesellschaft des Zahlmeisters in ein liebliches grünes Tal hinunter, das sich nordwärts erstreckte, bis es sich schließlich im gleißenden Dunst der Mittagshitze verlor. Charles hatte kaum je einen schöneren Ort gesehen. Die gewundenen Mesquitebäume und die verkrüppelten Feigenbäume trugen ihren Teil zur wilden Schönheit bei.

Doch das grüne Aussehen des Tals war eine optische und perspektivische Täuschung. Die von der Hitze verdorrten Blätter der riesigen Ulmen am Fluß bewegten sich kaum in der schwülen Luft. Die Gruppe ritt an Melonen- und Erbsenfeldern vorbei, die wie Pergamentpapier aussahen. Ab und zu begegneten sie Indianern, die von einer staubigen Furche aus die Soldaten traurig oder gelangweilt anblickten.

Hinter den ausgedörrten Feldern erblickte Charles die erste Indianersiedlung – etwa zweihundert mit roten und gelben Zeichen und Symbolen bemalte Hütten. Das Dorf erweckte einen Eindruck überwältigender Armut.

Von den Feuerstellen stiegen Rauchsäulen auf, und der Geruch von gebratenem Fleisch vermischte sich mit demjenigen von menschlichen Abfallprodukten. Kinder lachten und spielten, ausgemergelte Hunde streunten überall herum, und etwa ein halbes Dutzend Männer wirbelten eine riesige Staubwolke auf, als sie sattellos durch die Siedlung ritten. Sie achteten jedoch darauf, daß sie der Gruppe von Soldaten nicht zu nahe kamen, wie Charles bemerkte.

Noch etwa zwei Meilen, und er würde absteigen können. Er war schweißgebadet, und obwohl seine Hose auf der Innenseite vorschriftsmäßig durch ein Stück Leder verstärkt war, waren seine Oberschenkel wundgescheuert. Als er Camp Cooper schließlich sichtete, kam es ihm wie das Paradies vor, obwohl es sich lediglich aus vierzehn primitiven Gebäuden aus Stein, Baumstämmen, Schindeln und ungebrannten Ziegeln zusammensetzte.